Inhalt
I. Einführung 1
II. Entscheidungs- und Verhaltensanomalien 2
1. Verlustaversion 2
2. Referenzpunkt-Effekt 3
3. Endowment-Effekt 4
4. Status Quo Bias. 4
5. Anchoring 4
6. Abnehmende Sensitivität (Diminishing Sensitivity) 5
7. Overconfidence 5
III. Prospect Theorie 5
1. Klassische Prospect Theorie 5
1.1. Editierphase. 6
1.2. Nutzenfunktion. 7
1.3. Wertfunktion 8
1.4. Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion 9
1.5. Kritik der klassischen Prospect Theorie 11
2. Cumulative Prospect Theorie. 11
IV. Anwendungsgebiete der Prospect Theorie 13
V. Fazit 13
VI. Quellen: III
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Die Entscheidungstheorie verfolgt das Ziel, Menschen bei komplexen Entscheidungen zu unterstützen. Innerhalb der Entscheidungstheorie wird zwischen präskriptiver und deskriptiver Entscheidungstheorie unterschieden. Die präskriptive Entscheidungstheorie beschreibt nicht die Realität, sondern gibt Verhaltensempfehlungen für alternative Entscheidungssituationen. Ihr Gegenstand sind Aussagen zur rationalen Auswahl einer Alternative unter verschiedenen Alternativen. Eine rationale Wahl kann dann getroffen werden, wenn das Rationalprinzip angewendet wird. Nach dem Rationalprinzip sollte ein rational handelnder Mensch seine Ressourcen so verwenden, dass sein Nutzen maximiert wird. Die Erwartungsnutzentheorie, deren axiomatische Fundierung auf einen Ansatz von Neumann und Morgenstern zurückgeht, gehört zu den wichtigsten Grundlagen der präskriptiven Entscheidungstheorie. Das Ziel der deskriptiven Entscheidungstheorie besteht dagegen darin, das tatsächlich beobachtbare menschliche Verhalten in Entscheidungsprozessen zu beschreiben. Hierzu werden Hypothesen über das Verhalten von Individuen formuliert, mit deren Hilfe bei Kenntnis der jeweiligen 1 Ausgangsposition Entscheidungen prognostiziert werden können . Das
tatsächliche Verhalten von Entscheidungsträgern in Entscheidungsprozessen widerspricht zum Teil dem in der präskriptiven Theorie vorausgesetzten rationalen Verhalten. In letzter Zeit ist die Erwartungsnutzentheorie durch eine Vielzahl von empirisch-experimentellen Befunden zu sogenannten Verhaltens-und
Entscheidungsanomalien unter Druck geraten. Nach Klose sind Entscheidungsanomalien „empirisch beobachtbare (systematische) Abweichungen individuellen Urteils- und Entscheidungsverhaltens von Standardannahmen entscheidungslogischer Entwürfe und ökonomischer Modelle“ 2 . Insbesondere die Verletzung des Unabhängigkeitsaxioms durch das Allais- und das Ellsberg-Paradoxon 3 führte zu einer Suche nach sog. alternativen Erwartungsnutzentheorien. Als Reaktion auf diese Befunde sind in jüngster Zeit einige
1 vgl. Laux, (1995), S..13-18
2 Klose (1994) S.1
3 vgl. Klose (1994) S. 57 ff und S.60 ff
1
Alternativen 4 zur Erwartungsnutzentheorie entstanden. Eines der bedeutsamsten und am häufigsten diskutierten Modelle ist die Prospect Theorie von Kahneman/Tversky (1979).
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Ausgangspunkt für die Entwicklung der Prospect Theorie waren empirische Beobachtungen 5 , in denen die Axiome der Erwartungsnutzentheorie systematisch verletzt wurden. Wegen der enormen Fülle 6 der in der modernen empirischen Entscheidungsforschung diskutierten Anomalien beschränken sich die folgenden Ausführungen auf diejenigen Anomalien, die im Rahmen der Prospect Theorie eine bedeutendere Rolle spielen. 9HUOXVWDYHUVLRQ
Die Beobachtung, dass Menschen Verluste stärker als Gewinne gewichten, wird als Verlustaversion bezeichnet. In einem von Kahneman, Knetsch und Thaler 7 durchgeführten Experiment wurden vor einem Drittel der Sitzplätze eines Versuchsraumes Tassen platziert, nachdem sich die Versuchspersonen gesetzt hatten. Den Personen auf den Sitzplätzen mit Tassen wurde erklärt, dass sie die Tasse als Geschenk betrachten könnten. Die Besitzer der Tassen hatten nun die Wahl, diese zu behalten oder zu einem später festgesetzten Preis zu verkaufen. Anschließend sollten sie sich auf einen Preis zwischen 0,50 $ und 9,50 $ festlegen, zu welchem sie zum Verkauf bereit wären Die Personen ohne Tassen wurden vor die Wahl gestellt, ob sie eine Tasse oder lieber einen wiederum später festgesetzten Geldbetrag präferierten. Auch diese Gruppe sollte angeben, ab welcher Summe zwischen 0,50 $ und 9,50 $ sie den Geldbetrag der Tasse vorziehen würde. Obwohl beide Gruppen vor demselben Entscheidungsproblem standen, ergaben sich bei den angegebenen Geldbeträgen sehr starke Unterschiede. Bei den Personen mit Verkaufsoption ergab sich ein Mittelwert von 7,12 $ für den Verkaufspreis, während die potentiellen Käufer im Durchschnitt nur bereit waren, 3,12 $ für eine Tasse auszugeben. Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen Verluste stärker schmerzen, als sie Gewinne gleicher Höhe erfreuen. Das Phänomen der Verlustaversion liegt mehreren anderen Verhaltensanomalien zugrunde. Beispielsweise kann die Darstellungsweise (Framing) der Konsequenzen einer Entscheidung, entweder als Gewinn oder als Verlust, die Alternativenwahl beeinflussen. Verlustaversion führt auch dazu, dass der Ausgangspunkt
4 vgl. Klose (1994) S. 158 ff; Eisenführ/Weber (1994) S.334 ff
5 insbesondere das Allais-Paradoxon, vgl. Kahneman (1979), S.265 ff
6 eine ausführliche Darstellung findet sich bei Klose (1994), S. 43 ff
7 vgl. Kahneman/Tversky (1991), S.1041 ff
2
(Referenzpunkt-Effekt, Anchoring) oder die Ausstattung (Endowment-Effekt) relevant ist und eine Präferenz für den Status Quo (Status-Quo-Bias) besteht. 5HIHUHQ]SXQNW(IIHNW
In der Erwartungsnutzentheorie wird davon ausgegangen, dass lediglich Endvermögensgrößen in die Nutzenfunktion von Individuen eingehen. Die Bewertung von Veränderungen und Unterschieden hat, bezogen auf menschliche Wahrnehmung, aber einen größeren Einfluss als die Bewertung absoluter Größen. 8 Wie im vorherigen Kapitel dargestellten Experiment gezeigt wurde, ist die Bewertung eines Entscheidungsproblems davon abhängig, ob die Konsequenzen als Gewinn oder Verlust angesehen werden. 9 Gewinne und Verluste beziehen sich wiederum auf einen individuellen Referenzpunkt.
Abb.1: Verschiedene Referenzpunkte für eine Wahl zwischen A und D 10
Abb. 1 zeigt vier verschiedene Referenzpunkte (A,B,C,D) bezüglich zweier Güter X und Y. Gemäß dem erläuterten Experiment wäre A der Referenzpunkt der Tassenbesitzer und C derjenige der anderen Gruppe. Vom Punkt C aus wird die Wahl zwischen den zwei Zuständen A und D als Wahl zwischen zwei Zugewinnen wahrgenommen. Von A aus stellt sich dieselbe
8 vgl. Kahneman (1979), S. 277
9 Wenn die Darstellungsweise eines Entscheidungsproblems die Entscheidung beeinflusst, spricht man von sog. Framing-Effekten, vgl. Eisenführ/Weber (1999), S.368
10 vgl. Thaler (1992), S.71
3
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Robert Bayerlein, 2002, Verlustaversion und Prospect Theory als Erklärungsansätze für Verhaltensanomalien, München, GRIN Verlag GmbH
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