Einleitung
Im Folgenden wird das zehnte Kapitel des Lehrbuches „Qualitative Sozialforschung“ von SIEGFRIED LAMNEK aus dem Jahre 2005 rezensiert. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Inhaltsanalyse als eine Methode, die zur Ableitung von nichtsprachlichen Phänomenen aus sprachlichem Material genutzt werden kann (LAMNEK 2005: 478). Das Kapitel lässt sich in drei Bereiche untergliedern: Zunächst werden grundlegende Eigenschaften, sowie die Ziele und Möglichkeiten der Inhaltsanalyse genannt. Im zweiten Abschnitt geht es um die quantitative Inhaltsanalyse (493-504) und im dritten Abschnitt um die qualitative Inhaltsanalyse (505-513).
Allgemeines zur Inhaltsanalyse
Eine treffende Definition der Zielsetzung der Methode „Inhaltshaltsanalyse“ ist nach dem von LAMNEK zitierten MAYNTZ et al. 1 , die sprachliche Eigenschaften eines Textes objektiv und systematisch zu identifizieren und zu beschreiben und daraus Schlussfolgerungen auf nicht-sprachliche Eigenschaften von Personen und gesellschaftlichen Aggregaten zu ziehen. Die Inhaltsanalyse ist „Bestandteil jeder soziologischen Forschung“ (LAMNEK 2005: 481) und lässt sich dabei nicht eindeutig von der Methode der Beobachtung abgrenzen. Es herrscht vielmehr ein fließender Übergang (LAMNEK 2005: 479).
Die Inhaltsanalyse lässt sich in zwei Herangehensweisen gliedern: Im normativen Paradigma dient die Inhaltsanalyse der Erhebung von Daten. Die Auswertung der erhaltenen Daten wird durch ein davon getrenntes statistisches Verfahren vorgenommen. Im interpretativen Paradigma vollzieht die Inhaltsanalyse die „Interpretation symbolisch-kommunikativ vermittelter Interaktion in einem wissenschaftlichen Diskurs“ (LAMNEK 2005: 480). Des Weiteren ist zwischen Formen der alltäglichen Inhaltsanalyse und der wissenschaftlichen Inhaltsanalyse zu differenzieren. Während in der Inhaltsanalyse von Alltagssituationen inhaltsanalytische und interpretative Verfahren zur Verdeutlichung von Briefen, Filmen, Zeitungsartikeln und ähnliches genutzt werden, wertet die wissenschaftliche Inhaltsanalyse Material aus, aus dem emotionale und kognitive Befindlichkeiten, Verhaltensweisen oder Handlungen hervorgehen, die meist in Form von aufgezeichneter Kommunikation, die in
1 Mayntz, R., Holm, K. & Hübner P. (1974): Einführung in die Methoden der empirischen Soziologie, Köln: Opladen. 2 von 5
reproduzierbarer Form vorliegt, hervorgehen (LAMNEK 2005: 486). Die Inhaltsanalyse kann dabei von verschiedenen Disziplinen 2 verwendet werden. Zum Gegenstand einer Inhaltsanalyse können verschiedene Quellen werden: Worte, Texte, Filmsequenzen oder (bildliche) Darstellungen. In der „qualitativen Inhaltsanalyse werden vor allem schriftliche Protokolle 3 alltagsweltlicher, sprachlicher Kommunikation ausgewertet. Diese werden in Interviews oder Gruppendiskussionen gewonnen“ (LAMNEK 2005: 493). Grundsätzlich gilt jedoch, dass bei der Inhaltsanalyse systematisch und objektiv 4 vorgegangen werden muss, um den wissenschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Die quantitative Inhaltsanalyse
In der quantitativen Methodologie dient die Inhaltsanalyse eher der Datenerhebung, als der Datenauswertung (LAMNEK 2005: 500). Die Daten werden dabei nicht erfragt, sondern aus Texten extrahiert. Hierbei bietet sich folgende exemplarische Systematik: Grundgesamtheit (z.B. alle Bild-Zeitungen von 1990-1999), Stichprobe (jedes 10. Exemplar, beginnend mit dem 3.), Analyseeinheit (die Schlagzeile), Analysedimension (Personennamen) und Analysekategorien (z.B. Politiker, Sportler, Künstler und kleine Leute oder Vornamen und Nachnamen oder vorhanden oder nicht vorhanden; vgl. LAMNEK 2005: 496 ff. und Abbildung 10.1. in LAMNEK 2005: 498).
Dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen: Frequenzanalyse (Auszählung bestimmter formaler oder inhaltlicher Elemente; vgl. LAMNEK 2005: 501), Dokumentanalyse (direkte Entnahme der Werte für nominal-, ordinal- oder intervallskalierte Variablen; vgl. LAMNEK 2005: 502), Valenzanalyse (Reduktion auf polare Wertigkeiten; vgl. LAMNEK 2005: 503), Intensitätsanalyse (Verfeinerung der Valenzanalyse zu einer ausdifferenzierten Wertigkeitseinschätzung; vgl. LAMNEK 2005: 503), Kontingenzanalyse (Feststellung der Assoziationen zwischen vorgegebenem Symbol und anderen Variablen; vgl. LAMNEK 2005: 503 f.) und Bedeutungsfeldanalyse (Erweiterung der Kontingenzanalyse; Erfassen der Häufigkeit und Reihenfolge gemeinsam auftretender Begriffe oder Argumente für Rückschlüsse auf die Kommunikationsabsicht; vgl. LAMNEK 2005: 504).
2 Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Publizistik, Psychologie, Politikwissenschaft, Pädagogik, Geschichtswissenschaften und Soziologie (vgl. LAMNEK 2005: 490 f.).
3 Diese können monologisch oder dialogisch aufgebaut oder eine Mischform (sog. Leitfadeninterviews) sein (vgl. LAMNEK 2005: 493).
4 Hierbei soll nicht impliziert werden, dass objektiv auch wahr miteinander gleichsetzt. Es geht vielmehr um die Nachvollziehbarkeit des Ergebnisses.
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Arbeit zitieren:
Swen Klingelhöfer, 2007, Zu: Lamnek, Siegfried 2005: Qualitative Sozialforschung, 4., vollständig überarbeitete Auflage, Beltz Verlag: Weinheim, Basel. Seiten 478 bis 545., München, GRIN Verlag GmbH
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