2
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1 Einleitung. 3
2 Griechische und römische Homosexualität: Gemeinsamkeiten und Unterschiede 3
VWXSUXP und SXGLFLWL:D römische Regeln für das Geschlechts-leben 9
4 Vorwürfe passiver Homosexualität gegen prominente Gestalten der späten Republik 11
4.1 „Gallias Caesar subegit, Nicomedes Caesarem“: Caesars „Zeltgenossenschaft“ mit
Nikomedes , König von Bithynien. 12
4.2 „sumpsisti virilem, quam statim muliebrem togam reddidisti“: Ciceros Anschuldigungen
gegen M. Antonius. 14
5 Zusammenfassung 15
6 Literatur 17
3
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Das Proseminar des Wintersemesters 2001/02 „ Augustus und die Etablierung des Prinzipats“ von Herrn Dr. Kohring behandelte den Aufstieg des ersten römischen Kaisers vom Tode Caesars über die Errichtung des Prinzipats hin zu den Schwierigkeiten bei der Regelung der Nachfolge des im Jahre 14 n.Chr. im für römische Verhältnisse hohen Alter von 77 Jahren gestorbenen. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich das gesellschaftliche und insbesondere natürlich politische Leben im alten Rom auf Machtkämpfe und Machtfragen, damit verbunden Intrigen und dergleichen mehr konzentrierte, so daß auch das Streben des zu Beginn seiner politischen Karriere erst 19jährigen Octavian von Anfang auf Erlangung, Ausbau und Sicherung der Herrschaft ausgerichtet war. Vorliegende Hausarbeit soll sich mit der Verstrickung von öffentlichem und dem, was wir heute „ Privatleben“ nennen würden, nämlich dem Geschlechtsleben und genauer: dem Umgang der Römer mit Homosexualität, auseinandersetzen; dabei empfiehlt sich ein Vergleich mit dem viel besser erforschten und im allgemeinen Bewußtsein sehr viel präsenteren Phänomen der griechischen Homosexualität und die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden als Ausgangsbasis für die Beschäftigung mit den römischen Moral- und Rechtsvorstellungen, um dann an zwei Beispielen zu erörtern, wie diese Vorstellungen Eingang fanden in genannte Machtkämpfe und politische Auseinandersetzungen und wie diese die römischen Ideale von Geschlechterrollen widerspiegeln. Als Quellen dienen Suetons Kaiserbiographien sowie die philippischen Reden des Cicero. Die Beschäftigung mit der römischen Homosexualität ist im übrigen in der Forschung eine verhältnismäßig junge Disziplin, weshalb auf zahlreiche Veröffentlichungen neueren Datums zurückgegriffen werden konnte.
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Es ist wohl nicht zuletzt der mannigfaltigen Überlieferung mannmännlicher Liebesbeziehungen innerhalb der griechischen Mythologie, vor allem auch durch bildliche Darstellung auf Vasen etc., zu verdanken, daß der JULHFKLVFKHQ
Homosexualität seit jeher ungleich größere Beachtung zuteil wurde als der
4
römischen; die Mythen von Zeus und Ganymed, Apoll und Hyazinth, Achill und Patroklos 1 , um nur einige zu nennen, trugen ihren Teil dazu bei, daß ein heute noch gebräuchliches Synonym für „ Päderastie“ , im weiteren Sinne aber auch allgemein für „ Homosexualität“ , der Begriff der „ JULHFKLVFKHQKnabenliebe“ ist. So ist es wohl zu erklären, daß zumal in der Forschung zunächst die JULHFKLVFKH
Homosexualität Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung geworden und die Untersuchung des römischen Phänomens erst infolgedessen ein Ergebnis der letzten Jahre ist. Als richtungweisend für beide Bereiche kann Kenneth J. Dovers im Original 1978 und in deutscher Übersetzung fünf Jahre später erschienene Publikation über die griechische Homosexualität 2 gelten. Dover spricht einleitend von dem Mentalitätenunterschied der Antike im Gegensatz zu unserer heutigen Zeit und die damit verbundenen Probleme im Umgang mit dem Phänomen Homosexualität: „ Denn die griechische Kultur unterschied sich von der unseren insofern, als sie bereit war anzuerkennen, daß ein und dieselbe Person homo- und heterosexuelle Neigungen verspüren kann, und als sie ausschloß, daß eine Harmonisierung dieser gleichzeitig oder zu verschiedenen Zeiten auftretenden Strebungen dem Individuum selbst oder der Gesellschaft zum Problem werden könnte“ 3 . Es ist demnach also für die Antike - auch für die römische 4 , worauf später noch einzugehen sein wird - von einer grundlegenden,
auf gesellschaftlichen Konventionen beruhenden Bisexualität, der QLFKW
vorhandenen Polarisierung von Homosexualität auf der einen und Heterosexualität auf der anderen Seite auszugehen. Diese Ansicht vertreten neben Dover und Williams auch Eva Cantarella 5 , Hans Peter Obermayer 6 sowie Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer 7 . Üblich war ein offener Umgang mit dem Thema Homosexualität, der sich in der Literatur und den darstellenden Künsten
1
Vgl. Grant, Michael und Hazel, John: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. Übers. v. Holger Fließbach. München 1999(1980), s.v. Ganymedes, Hyakinthos, Achilleus. Im folgenden zitiert als Grant/Hazel.
2 Dover, Kenneth J.: Homosexualität in der griechischen Antike. Übers. v. Susan Worcester. München 1983. Im f. zit. als Dover.
3 Dover 11.
4 Vgl. Williams, Craig A.: Roman Homosexuality. Ideologies of Masculinity in Classical Antiquity (Ideologies of Desire). New York; Oxford 1999, S.4-8. Im f. zit. als Williams.
5 Cantarella, Eva: Secondo natura. La bisessualità nel mondo antico. Rom 1988, S. 7-12. Im f. zit. als Cantarella.
6 Obermayer, Hans Peter: Martial und der Diskurs über männliche „ Homosexualität“ in der Literatur der frühen Kaiserzeit (Classica Monacensia. Münchener Studien zur Klassischen Philologie, 18). Tübingen 1998, S. 1-8 sowie 18-20. Im f. zit. als Obermayer.
7 Meyer-Zwiffelhoffer, Eckhard: Im Zeichen des Phallus. Die Ordnung des Geschlechtslebens im antiken Rom (Historische Studien, 15). Frankfurt/M.; New York 1995. Im f. zit. als Meyer- Zwiffelhoffer.
5
wiederfand 8 - die bereits erwähnten Vasenmalereien zeigen nicht nur die klassische Konstellation von erwachsenem Mann und minderjährigem Knaben 9 , sondern auch zwischen Jüngling und Knabem 10 , mehreren Jünglingen 11 etc., was bei der Häufigkeit und oftmals sehr freizügigen Art solcher Darstellungen auf einen freien, unverkrampften, gewissermaßen alltäglichen Charakter des Abgebildeten schließen läßt. Das Umwerben von und Koitieren mit Partnern des gleichen Geschlechts und Standes scheint bei den Griechen an der Tagesordnung gewesen zu sein und diente neben der künstlerischen auch gedanklichideologischer Auseinandersetzung mit der allgemeinen Problematik der Männlichkeit. Cantarella spricht in diesem Zusammenhang von einem Initiationsritus, der in erster Linie durch die sexuelle Beziehung zwischen einem Mann und Liebhaber (dem HUDVWHV), der die Aufgabe des Mentors innehatte, und dem minderjährigen Knaben (dem HURPHQRV), der dadurch in den Kreis der
Männer aufgenommen werden sollte, geprägt war: „ ...i ragazzi apprendevano le virtú (...) vivendo in compagnia di un uomo, al tempo stesso educatore e amante“ 12 . Dem Geschlechtsakt als solchem komme dabei die besondere symbolische Bedeutung der „ Übertragung“ der Männlichkeit vom Mann auf den Knaben zu 13 . Wenn diese (im eigentlichen Sinne des Begriffs) „ Knabenliebe“ oder „ Päderastie“ auch sittengeschichtliche Wurzel und damit eine Art Ideal darstellte, so belegen doch genannte Abbildungen von gleichaltrigen Jünglingen, daß beim Ausleben männlicher Homosexualität nicht ausschließlich der Initiationsgedanke im Vordergrund stand. Dennoch ist das Ideal der „ Päderastie“ wohl verantwortlich für das androgyne Schönheitsideal, wie der Athener Kritias (gestorben 403 v.Chr.) es formulierte: „ Bei männlichen Wesen ist das schönste Aussehen (...) dasjenige, das weiblich ist; aber bei weiblichen das Gegenteil“ 14 . Dieses Ideal, ebenfalls in bezug auf homoerotische Beziehungen, vertraten auch die Römer: „ Die erotische Attraktivität eines SXHU war idealiter auf nur wenige
Jahre beschränkt“ 15 . Besonderes Kriterium war dabei der Fortschritt der
9 Ebd., z.B. Abb. B598, R520.
10 Ebd., z.B. Abb. R196a.
11 Ebd., z.B. Abb. R200, R243.
12 Cantarella 21.
13 Ebd. 23.
14 Zit. nach: Dover 67.
15 Obermayer 95.
Arbeit zitieren:
Martin Klüners, 2002, Macht und Geschlecht - Vom Umgang der Römer mit Homosexualität im öffentlichen Leben, München, GRIN Verlag GmbH
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