Inhalt
Inhalt 2
1.Einleitung 3
2. Luxus -Definition des Instruments 4
3. Thorstein Veblen - demonstrativer und stellvertretender Konsum. 5
4. Der Zivilisationsprozeß nach Elias 6
5. Versailles, Ludwig XIV. und die Repräsentation 9
6. Habitus und Geschmack nach Pierre Bourdieu. 11
6.1 Habitus. 11
6.2 Geschmack 13
6.3 Notwendigkeits- und Luxusgeschmack. 14
7. Fazit. 15
Literatur : 16
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1.Einleitung 1
Die allgemeinen wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts hin zu einer Gesellschaft des Massenkonsums sorgten in den späten 70er Jahren für eine Neuorientierung der Geschichtswissenschaft 2 . Hatte bis dato die Güterproduktion nur als Antwort auf eine Nachfrage im Mittelpunkt gestanden, interessierte man sich nun auch für eine differenziertere Betrachtung der sozialen Funktion des Konsums innerhalb des Kräftespieles der verschiedenen Klassen 3 . In Anklang an diese Soziologie des Unterschiedes stellte sich ebenfalls die Frage nach den Anfängen der Instrumentalisierung des Konsums bestimmter (Luxus)Güter 4 . Nicht zuletzt die Globalisierung, welche (fast) überall den Zugang zum weltumspannenden Markt ermöglicht, beförderte die Diskussion um die Frage des Konsums bzw. dessen Rezeption. Die vorliegende Arbeit wird sich mit diesem Aspekt auseinandersetzen und zeigen, inwiefern Konsum eine Funktion der Selbstdarstellung, Aneignung von Prestige und Abgrenzung zukommt. Der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus, der sich nur langsam und punktuell vollzog, sowie die Rolle des qualitativen Luxuskonsums, sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Als Einstieg soll uns Thorstein Veblens Theorie des „demonstrativen Konsums“ dienen 5 . In der Folge sollen dann die Konzepte Pierre Bourdieus und Norbert Elias´ hinzugenommen werden, um die Frage zu erläutern, ob der Luxuskonsum eher als eine innerhalb der Gesellschaft zentrifugal wirkende Kraft der sozialen Distinktion betrachtet werden muss, oder er gesamtgesellschaftlich bindend und identitätsbildend wirkt. Der Ansatz Werner Sombarts, der dem Luxuskonsum die Rolle des Impulsgebers für den Kapitalismus zuweist, soll hier als (historischer) Bezugspunkt dienen 6 . So ist es Sombarts Auffassung, dass sich (unter der Regie der Frauen allerdings) in Abgrenzung zur puren Anhäufung von Gütern überhaupt erst ein qualitatives Luxushandeln - eine Verfeinerung des Geschmacks - entwickelte.
Wenngleich das Aufgreifen dieses Aspektes einher gehen muss mit inhaltlicher Verkürzung und klar scheint, dass es nicht als allgemeingültiges historisches Grundmuster gewertet werden kann, ist
1 Grafik (Der junge Ludwig XIV. in Gestalt Jupiters als Sieger über die Fronde ) des Deckblattes entnommen aus Hinrichs, Ernst (Hrsg.); Kleine Geschichte Frankreichs, Stuttgart 1994. S. 153.
2 Hier sei besonders auf Bourdieu, Pierre; Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Frankfurt am Main 1979 sowie Sandgruber, Roman; Die Anfänge der Konsumgesellschaft; 1982 hingewiesen.
3 zum Problem der Überbewertung des Produktionsfeldes Sandgruber, Roman; Die Anfänge der Konsumgesellschaft; 1982; Bourdieus oben genanntes Werk ist nicht zuletzt der Versuch der Einführung neuer Kriterien um eine Darstellung der sozialen Lebenswelt der verschiedenen Gruppen zu ermöglichen;
4 Hierzu ist in den letzten Jahren eine Fülle von Monografien und Aufsätzen erschienen, an dieser Stelle soll jedoch nur auf Mintz, Sidney; Zur Beziehung zwischen Ernährung und Macht In: JbWG; 1994/1. verwiesen sein.
5 Veblen, Thorstein; Theorie der feinen Leute. Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen, Frankfurt a.M., 2000.; es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur der themenrelevant Teil Veblens Theorie genannt bzw. erklärt wird.
6 Sombart, Werner; Liebe, Luxus und Kapitalismus. Über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung, Berlin 1996.
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es doch ein interessanter Ausgangspunkt für die nun folgenden Überlegungen. Zuerst soll es uns jedoch um eine Definition des Luxusbegriffs und -konsums gehen um Unklarheiten zu vermeiden. Auf andere interessante Aspekte wie zum Beispiel den Aspekt der Macht durch die Verleihung von Bedeutung, oder die politische Wirkung von Luxuspräsentation kann in diesem Zusammenhang nur in geringem Maße eingegangen werden. 7
2. Luxus -Definition des Instruments
„Unsere Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft; wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie
gesellschaftlicher Natur sind, sind sie relativer Natur“. 8
Schon bei den Vorüberlegungen tritt zutage, dass es sich beim Genuss um ein sozio-kulturelles Konstrukt handelt 9 . Schon in der Antike wurden auf philosophischer Ebene Auseinandersetzungen über den Stellenwert des Luxus´ bzw. die Erreichung des möglichen Glücks geführt 10 . Im Rahmen dieser Arbeit wollen wir unter „Luxus“ den Aufwand verstehen, der „[...] über das Nötigste hinausgeht.“ 11 “ Der Begriff des Nötigsten soll sich wiederum an der „ physiologischen Notdurft“ orientieren 12 . Dies soll jedoch nur als ein Einstieg dienen, geht es uns doch um den qualitativen Luxuskonsum und weniger um das Ausmaß des „normalen“ Konsums. Es soll interessieren wodurch die Auswahl der Güter „gesteuert“ wird.
Die quantitative Ausweitung ist dann nur eine Folge dieses Vorgangs bzw. Rückwirkung der maßgebenden Instanz 13 . Wie sich das Image eines Gutes verändern kann, zeigt sich beispielhaft am Zucker. Im Mittelalter als Gewürz- und Heilmittel geschätzt, im 17./18. Jahrhundert zum Statussymbol avanciert, ist es heute grundsätzliches Nahrungsmittel und wird in diesem Zusammenhang eher negativ rezipiert 14 . Die Untersuchung des Konsumverhaltens verschiedener Kreise der Gesellschaft wirft die Frage nach dem Stellenwert des individuellen bzw. gesamtgesellschaftlichen Handelns auf. Die Veränderungen der Frühen Neuzeit bzw. die
7 Vgl. Mintz, Sidney; Zur Beziehung zwischen Ernährung und Macht In: JbWG; 1994/1; S. 69; zur politischen Bedeutung: Pallach, Ulrich-Christian; Materielle Kultur und Mentalitäten im 18. Jahrhundert, München 1987, S.90f. .
8 Marx, Karl, Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 412.
9 Vgl. Merki, Christoph Maria; Zwischen Luxus und Notwendigkeit. Genussmittel In: Reith, Reinhold; Meyer, Thorsten (Hrsg.); Luxus und Konsum. Eine historische Annäherung, Münster 2003; S. 83-95.
10 In diesem Zusammenhang ist vor allem der Hedonismus gemeint, Marcus, Herbert; Kultur und Gesellschaft I, Frankfurt a.M. 1968 S. 128-169 erläutert dessen zwei Spielarten, die durch die Aufklärung erneut aufgegriffen wurden.
11 Sombart, Werner, Liebe, Luxus und Kapitalismus; S. 85
12 Ebd. .; einen guten Überblick zur Thematik des Unterschiedes zwischen Luxus und notwendigem Konsum bietet Berry, Christopher J., The idea of luxury. Aconceptual and historical investigation, Cambridge 1999; eine Unterteilung der Bedürfnisse in Hondrich, Karl Otto; Menschliche Bedürfnisse und soziale Steuerung, Hamburg 1975 S. 33f.
13 Der quantitative Luxuskonsum ist wohl nur die schlechtere Alternative - Zur Substitution von Genussmitteln durch die unteren Schichten siehe Sandgruber, Roman; Genussmittel. Ihre reale und symbolische Bedeutung im neuzeitlichen Europa In: JbWG 1994/1.
14 Vgl. Merki, Christoph Maria; Zucker gegen Saccharin, Frankfurt a.M., 1993.
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Wandlung, die der Luxuskonsum in seiner Funktion als „geplanter, integrierender Bestandteil fürstlicher Herrschaftstechnik“ durchlief, lassen einen Theorienvergleich besonders lohnenswert erscheinen, da auf diese Art vor- und postindustrielles Zeitalter erreicht werden können 15 . Zur Annäherung an diese Frage soll nun ein erster Schritt getan werden.
3. Thorstein Veblen - demonstrativer und stellvertretender Konsum
„Wo immer das Privateigentum, auch in wenig entwickelter Form, besteht, trägt der Wirtschaftsprozess den Charakter des Kampfes zwischen Menschen um den Besitz von Gütern“ 16
In der Theorie Veblens nehmen das Streben um Anerkennung und der damit verursachte Neid der Mitmenschen die Schlüsselposition ein 17 . Die (moderne) Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Verschwendung von Zeit und Geld, gekennzeichnet durch das Wetteifern um Prestige. Wer es sich leisten kann, stellt demonstrativ zur Schau, dass er es nicht nötig hat seine Zeit und sein Geld produktiv zu nutzen. Produziert eine Gesellschaft mehr als sie zur unmittelbaren Reproduktion braucht, entwickelt sich eine müßige Klasse. Diese ökonomisch unabhängigste Klasse, verbringt ihre Zeit ausschließlich mit Tätigkeiten der Muße: Regierung, Sport, Jagd und Religion. Unter Muße versteht Veblen in diesem Zusammenhang ganz einfach Tätigkeiten des eigenen (sinnlichen) Vergnügens, abseits der Schaffung eines (produktiven) Mehrwertes, also die „Verschwendung“ von Zeit. Das Wachsen der Gesellschaft beziehungsweise der oberen Schicht führte im Laufe der Geschichte zu immer größer werdenden Dimensionen des hierfür benutzten Apparates und zu dessen Diversifizierung (Ränge, Titel, Wappen, Medaillen). Es entwickelten sich Funktionsgefüge mit eigenen zeremoniellen und formellen Verhaltensnormen, die ihren grundsätzlichen Nutzen in der Darstellung des Reichtums hatten und dem Kapitalgebenden auf diesem Weg Prestige verschafften, welches dann wieder zu einer Rangordnung jenseits der Ständegrenzen benutzt werden konnten. Davon wird jedoch im Zusammenhang mit Ludwig XIV. noch zu sprechen sein.
In der entwickelten Industriegesellschaft verliert dieses Demonstrationssystem an Einflusszugunsten des Konsums 18 . Immer häufiger rückte die Quantität gegenüber der Qualität der konsumierten Güter in den Hintergrund 19 . Der prinzipielle Konsum kostbarer Güter wurde bald mehr angesehen als die Anhäufung allgemein zugänglicher Güter. Die aus diesem Handlungsprinzip resultierende Unterteilung der Gesellschaft kann als eine hierarchische
15 Pallach, Ulrich-Christian; Materielle Kultur, S. 95.
16 Veblen, Thorstein; Theorie der feinen Leute, S. 42.
17 Zur modernen Theorie der Triebunterdrückung siehe Löwe, Jürgen; Der unersättliche Mensch, Amsterdam 2005.
18 Gemeint ist an dieser Stelle das 18. Jahrhundert, auf dieses wird im Verlauf des Textes ausführlicher eingegangen werden.
19 Veblen, Thorstein; Theorie der feinen Leute, S. 84.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Wehrstedt, 2007, Selbstdarstellung durch Konsum in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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