- 1 - Gl i e d e r u n g :
Einleitung
1. Die Rolle der Tochter 2. Die Rolle des Vaters 3. Die Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz
4. Die Charakterisierung der Weiblichen Adoleszenz anhand des Buches „Weibliche Adoleszenz: Zur Sozialisation junger Frauen, Karin Flaake & Vera King” Anhang
- 2 - Einleitung:
Auf Grund direkter Beobachtungen von Eltern-Kind-Interaktion, weiß man, daß nicht nur zwischen der Mutter und dem Kind, sondern auch dem Vater und dem Kind sehr früh affektive Interaktionen ablaufen.
Bei dem Versuch, vor allem schwere psychische Störungen zu erklären, hat sich die Annahme, daß die enge Mutter-Kind-Beziehung Nährboden sowohl für eine gesunde als auch eine „krankhafte” Entwicklung des Kindes ist, als konzeptionell sehr nachteilig herausgestellt. Lange Zeit blieb der Einfluß der Väter unberücksichtigt, obwohl, z.B. in der Familientherapie, die Väter zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der Vater wurde für die Störungen in der Entwicklung einer stabilen weiblichen Identität verantwortlich gemacht, weil er entweder als schwach, unzuverlässig oder besitzergreifend oder als zu bestimmt/verbietend bezeichnet wird. Er wird zu sehr kritisiert, anstatt ihn als jemanden zu sehen, der auch positive Seiten hat und einen Anreiz zur Autonomie und Selbstverwirklichung vermitteln kann.
Diese Psychodynamik der Vater-Tochter-Beziehung soll uns auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, die auftauchen können, wenn die Entwicklungsgeschichte dieser Objektbeziehung nicht berücksichtigt wird, also statisch gesehen wird. Um dies zu verstehen, muß auch der Anteil, den beide Partner in diese Beziehung einbringen, genau betrachtet werden.
1. Die Rolle der Tochter
Aus psychoanalytischer Sicht beginnt der Einfluß des Vaters erst in der Phase der Separation und Individuation als drittes Objekt, das das Kind aus der dyadischen Verklammerung mit der Mutter herauslöst (Mahler). Entwicklungspsychologisch gesehen, beginnt der Einfluß des Vaters auf das Kind jedoch viel früher. So können 5 bis 6 Monate alte Säuglinge die Stimme und das Gesicht der Mutter und des Vaters unterscheiden. Die Väter haben beim Spiel mit den Kindern einen ganz anderen Stil als die Mütter. Das Spiel mit ihnen ist oft mit einem aufregenden Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung verbunden. Der Vater ist der unabhängige Dritte außerhalb der Dyade, der sich nicht nur für aufregende und
- 3 -stimulierende Interaktionen anbietet, sondern auch die Möglichkeit der Unabhängigkeit und der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist. Die Säuglinge stellen schon ganz früh eine eigene emotionelle Bindung an beide Eltern her, die unabhängig von der Qualität der Bezie-hungen ist.
Die Tochter sucht in ihrer frühere Kindheit bei dem Vater auf keinen Fall Befriedigung der sexuellen Wünsche, was auch die Ergebnisse der entwicklungspsychologischen und psychoanalytischen Erforschung bestätigt haben. Da die triebhaft-sexuellen Wünsche der Tochter zuerst im Hintergrund stehen, drängen sich die narzißtische Erwartungen, die die Tochter in erster Linie an den Vater knüpft, in den Vordergrund. Sie führen zu einer starken Vatersehnsucht, welche bei den Söhnen und den Töchtern unterschiedlich ist. Blos (1984) betonte, daß bei den Söhnen diese Vatersehnsucht nichts mit homoerotischen Beziehungsphantasien zu tun hat. Und ähnlich ist es auch bei den Töchtern, bei denen in der Vatersehnsucht auch keine erotisch-sexuellen Anzeichnen vorhanden sind. Die Umwandlung dieser unschuldigen Vatersehehnsucht in eine ödipale Beziehung ist voll von Konflikten. Die spezifischen Schuldgefühle, die die Tochter gegenüber dem Vater hat, blockieren die weibliche Selbsverwirklichung. Die Tochter hat Angst, daß sie die phallische Potenz des Vaters beschädigen kann.
Wenn die Tochter im Laufe der ödipalen Entwicklungsphase, die inzestuösen Phantasien hat, muß der Vater darauf vorbereitet sein und mit der Situation umgehen können. Diese ödipale Entwicklungsphase ist sehr kritisch, da die Tochter-Vater-Beziehung nur so die Liebes- und Haßgefühle ohne Schaden überstehen kann und das auch nur dann, wenn sich der Vater nicht als sexuelles Objekt darstellt und er genauso die Tochter als sexuelles Objekt ignoriert. Da die Liebe der Tochter zum Vater eindeutig narzißtische Züge trägt, die Tochter identifiziert sich mit ihm, möchte so sein wie er ist, ist die Tochter für narzißtische Kränkungen, infolge der Zurückweisung durch den Vater, sehr anfällig.
Eine Voraussetzung dafür, daß der Vater mit der Tochter spontan und phantasievoll umgehen kann, ist daß es für ihn kein Problem ist, mit dem Thema des Inzeststabus umzugehen.
2. Die Rolle des Vaters
Die Frauen haben nach der Geburt des ersten Kindes meistens weniger Probleme die Rolle der Mutter anzunehmen, im Gegensatz zu den Männern, denen die Rolle des Vaters schwerer
- 4 -fällt. Sie gehören nicht zur der Mutter-Kind-Dyade und kommen mit den Pflichten, die sie gegenüber den Kindern haben, und mit der undeutlichen Definition des Vaterrolle nicht klar. Daher sind sie oft unerträglich. Die Reaktionen auf das neu geborene Kind sind mit Depres-sion und Neid verbunden. Um diese Depression und Neid zu vermeiden, sind 25% der Männer bereit sich in die Säuglingspflege miteinbeziehen zu lassen.
Die Geschlechtsrollen spielen in heutiger Zeit keine so entscheidende Rolle mehr im Vergleich zu früher. Obwohl die Geburt einer Tochter nicht mehr als minderwertig betrachtet wird, ist sie für den heutigen Vater trotzdem stärker irritierend, als die Geburt eines Sohnes. Dadurch, daß auch der Vater seine Erfahrungen als ein Sohn gemacht hat, fällt ihm der Aufbau einer Beziehung zum Sohn viel leichter. Er kann viel leichter Vorstellungen daran entwickeln, was der Sohn von ihm erwartet, im Gegensatz zu den Erwartungen einer Tochter. Johnson (1963) ist in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, daß die Väter bei Töchtern ein expressives Verhalten und bei Söhnen ein instrumentelles Verhalten fördern. Das heißt, daß der Vater das Kind dafür liebt, was es tut und tun kann und es um so mehr liebt, jemehr er mit ihm anzufangen weiß.
Die Väter kommen mit Töchtern in der Zeit viel besser klar, wenn sie noch ganz klein sind. So lange die Tochter-Vater-Beziehung noch mit dem Thema des Inzests unbelastet ist, verläuft die Beziehung unproblematisch. Aber um so älter die Tochter wird, um so deutlicher werden die Spannungen in dieser Tochter-Vater-Beziehung, die mit dem Geschlechtsunterschied begründet werden. Aufgrund des unterschiedlichen Geschlechts, weiß der Vater später oft nicht wie er mit der Tochter umgehen soll.
Es ist ganz sicher, daß der Vater eine große Bedeutung für die Entwicklung der psychosexuellen Identität seiner Tochter hat, aber es ist schwer zu fassen, was die Interaktion im positiven Sinn beeinflußt.
Die Tochter-Vater- Beziehung hängt sehr vom Vater ab, bzw. wie weit er dazu bereit ist auf die Tochter zuzugehen, sich mit ihr zu beschäftigen und ihre Interesse an ihm zu wecken. Er hilft dadurch der Tochter mit der ödipalen Triade-Situation umzugehen. In der ödipalen Phase hat der Vater eine doppelte Aufgabe. Er soll die femininen und maskulinen Selbst- und Objektrepräsentanzen vermitteln. Der Vater kann in seiner Vaterfunktion doppelt scheitern, zum einen, in dem er nicht fähig ist eine dyadische Beziehung zur Tochter aufzubauen, (was für sie vorteilhaft wäre, weil so ihre primäre Vatersehnsucht befriedigt wird und sie sich langsam von ihre Mutter abgrenzt), genauso kann der Vater auch in der ödipalen
Arbeit zitieren:
Jana Weber, 2001, Zur Psychodynamik der Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz, München, GRIN Verlag GmbH
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