„Wirtschafts- und Sozialgeschichte Weimarer Republik“
Die Bankenkrise - Ursachen, Formen, Auswirkungen
Jena, den 12.11.2001
III
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Inhaltsverzeichnis. II
Abbildungsverzeichnis. III
Tabellenverzeichnis. IV
1.Problemstellung. 1
2. Ursachen der dt. Bankenkrise. 1
2.1. Hyperinflation und ihre Auswirkungen auf die Banken. 1
2.2. Reparationslast und Auslandsverschuldung. 2
2.3. Die Bankenstruktur. 4
2.4. Die Stellung der Reichsbank. 6
3. Am Vorabend der Bankenkrise. 7
3.1. Die Weltwirtschaftskrise. 7
3.2. Politische Ereignisse und ihre Wirkung. 8
3.3. Die Banken zwischen 1929 und dem Frühjahr 1931. 10
4. Verlauf der Bankenkrise. 11
4.1. Der Ausbruch der Krise. 11
4.2. Die Geschehnisse um die Danatbank. 12
4.3. Maßnahmen der Regierung. 14
4.4. Krisenmanagement. 16
5. Auswirkungen der Krise. 19
5.1. Folgen für das Bankwesen. 19
5.2. Politische und wirtschaftliche Folgen. 20
6. Resümee. 20
Anhang. V
Literaturverzeichnis VII
IV
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Abbildung 1: Aktienkurse von New York und Berlin 1927 bis 1933. VI
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Tabelle 1: Aufbringungsrechnung zum Dawes-Plan V
1
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Die folgende Arbeit wird sich mit einem Teil der Wirtschaftsgeschichte während der Weimarer Republik, speziell der dt. Bankenkrise 1931, befassen. Ich werde die Umstände die zu dieser Krise führten, sowie den Verlauf und die Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik skizzieren, um ein Bild der damaligen Situation zu verdeutlichen. Ein besonderes Interesse gilt den Geschehnissen um die Danatbank 1 und ihren wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen.
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Während der großen Inflation in Deutschland, die nach dem 1. Weltkrieg voll zum Tragen kam und ihren Höhepunkt im Jahr 1923 erreichte, verloren die dt. Banken den größten Teil ihres Eigen- und Fremdkapitals. Im letzten >>Normaljahr<< 1913 konnten die privaten Aktienbanken noch ein Eigenkapital von etwa 4,4 Milliarden Mark und ein Fremdkapital von etwa 15,4 Milliarden Mark vorweisen. Bereits 1925, also nach Beendigung des Krieges und der Inflation hatte sich das Eigenkapital der privaten Aktienbanken auf 1,4 Milliarden RM und das Fremdkapital auf 8,3 Milliarden RM verringert. Somit war das Eigenkapital gegenüber 1913 auf weniger als ein Drittel zusammengeschrumpft. Das Fremdkapital der Berliner Großbanken, die zu dieser Zeit mehr als die Hälfte des privaten Kreditgeschäfts inne hatten, war zum Ende der Inflation bis auf ein Fünftel des Vorkriegsstandes verringert worden. Das Ausmaß der Geldzerstörung bei den Sparkassen stellte sich 1925 gegenüber 1913 wie folgt dar: das Eigenkapital verringerte sich von 964 Millionen Mark auf 126 Millionen RM und das Fremdkapital verringerte sich von 19,8 Milliarden Mark auf 2,9 Milliarden RM. 2 Anhand dieser Entwicklungen kann man sich die Kapitalvernichtung am Ende der Inflation gut vorstellen. „Die deutsche Wirtschaft war aber gerade jetzt viel kapitalbedürftiger als in >>normalen<< Zeiten. Vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges bis zur Stabilisierung, also fast 10 Jahre lang, hatten die Betriebsanlagen der Industrie und der
1 Danatbank: Darmstädter und Nationalbank
2 Untersuchung des Bankwesens 1933, Teil II: Statistiken, S.58-61. Zit. nach: Born, Bankenkrise, S. 14.
2
Verkehrsmittel nicht erneuert und modernisiert werden können. Hier bestand also ein außergewöhnlicher Nachholbedarf an Ersatz- und Neuinvestitionen. Dieser Bedarf war infolge des deutschen Kapitalmangels nach der Inflation aus eigenen Kräften gar nicht zu decken.“ 3 Man war also auf die Finanzierung über das Ausland angewiesen, wobei hierzu der Widerspruch zu den dt. Reparationszahlungen stand. 4 Eine Lösung sollte der Dawes-Plan bringen.
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Gegenstand des Dawes-Plans der 1924 zwischen Deutschland und den Sachverständigen der Gläubigerländer vereinbart wurde, war als eine Art Übergangsregelung gedacht. Dies leitete man daraus ab, dass keine endgültige Reparationssumme festgelegt wurde. Der Dawes-Plan enthielt folgende Feststellungen: bei normaler Wirtschaftslage läge die jährliche Leistungsfähigkeit Deutschlands bei 2,5 Milliarden Goldmark. Da dies zu jener Zeit nicht zutraf, gestand man den Deutschen eine Art „Schonzeit“ zu und legte entsprechend niedrigere Anfangsraten fest. 1924/25 sollte eine Rate von 1 Milliarde Goldmark gezahlt werden, die aus der zur Verfügung gestellten 800 Millionen Goldmark Dawes-Anleihe und 200 Millionen Goldmark Eigenleistung bestand. Danach sollten sich die Raten bis zum Jahr 1928/29 Schrittweise erhöhen, bis dann die eigentliche „Normalrate“ i.H.v. 2,5 Milliarden Goldmark erreicht würde. Der große Nachteil des Plans war der Eingriff in die Hoheitsrechte des Reiches, indem die Quellen der Zahlungen bestimmt wurden. Ein Teil sollte aus der Belastung des Reichshaushalts stammen, ein weiterer von der Reichsbahn, die durch Ausgabe von Obligationen und den Einnahmen aus einer Beförderungssteuer ihren Teil leisteten sollte. Die Industrie wurde mit 5 Milliarden Goldmark durch Schuldverschreibungen belastet. 5 Man richtete die Institution des Reparationsagenten ein, der über Höhe und Zeitpunkt des Transfers zu entscheiden hatte. Er übte somit die Kontrollfunktion und den Transferschutz aus. 6 Erst der Dawes-Plan ermöglichte die jetzt einsetzende ausländische Kreditgewährung an die dt. Wirtschaft. Infolge der starken Kapitalnachfrage, begünstigt durch die neuen Reparationsregelungen, stiegen sowohl die Kapitalmarktzinsen als auch die Geldmarktzinsen von
3 Born, Bankenkrise, S.15.
4 Lüke, Geheimnis, S. 19.
5 die genaue Aufbringungsrechnung: siehe Tabelle 1.
6 Walter, Wirtschaftsgeschichte, S. 160 f.
3
1924 bis 1930. Da die Zinsen somit durchschnittlich doppelt so hoch waren wie im Ausland, strömten ausländische Kredite nach Deutschland. 7 Die Festlegung der Endsumme der dt. Reparationszahlungen erfolgte über die Ablösung des Dawes-Plans 1930 durch den Young-Plan. Der Gesamtbetrag wurde auf 110,7 Milliarden RM festgelegt, was dem mehr als 10-fachen der Reichseinnahmen von 1929 entsprach. Die letzte Rate sollte 1987 erfolgen. Deutschland reagierte mit nationaler Empörung und scharfen Angriffen von der Rechtsopposition. Die Regierung Brüning hatte schon zu diesem Zeitpunkt nur ein Ziel: die Revision des Young-Plans! Dies wollte sie über den Weg der pünktlichen Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen erreichen, um damit zu beweisen, dass der gute Wille zum zahlen vorhanden sei, aber man solche Beträge nicht leisten könne. 8 Durch den Young-Plan entfiel die internationale Kontrolle der dt. Wirtschaft, der Reichsbank, der Reichsbahn und auch des Transferschutzes durch den Reparationsagenten. Als wichtigstes jedoch brachte der neue Plan eine Atempause von 2 Jahren, da hier die zu leistenden Raten um 2,5 Milliarden RM bzw. 1,7 Milliarden RM herabgesetzt wurden. Danach sollten die Annuitäten bis zum Jahr 1966 steigen, bis sie ihren Höchststand mit 2,4 Milliarden RM erreichen. Um die Zahlungen an die Gläubigerländer weiterzuleiten, setzte man die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel ein. 9 Deutschland zahlte von 1924 bis 1930 ca. 10,3 Milliarden RM Reparationen, die nur geleistet werden konnten, da man im großem Umfang ausländische Kredite erhalten hatte. Dies hieß nichts anderes, als das Deutschland seine politischen Schulden über die Aufnahme kommerzieller Schulden beglich. 10 Ende 1930 betrugen diese kommerziellen Schulden etwa 25,6 Milliarden RM 11 . Die dt. Forderungen gegenüber dem Ausland betrugen 9,7 Milliarden RM. Somit ergibt sich eine dt. Nettoverschuldung i.H.v. 15,9 Milliarden RM. Die Hauptgläubigerländer Deutschlands waren mit ca. 39 % Amerika, die Niederlande mit 18 %, Großbritannien mit 15 % und Frankreich mit 5 % Anteil an den Auslandskrediten. Die ganze Brisanz der Auslandsverschuldung kam erst dadurch zum Tragen, dass ein erheblicher Teil der Kredite nur eine Laufzeit bis zu 3 Monaten hatte, also kurzfristiger Natur waren. Der Anteil belief sich auf 14,8 Milliarden RM. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, dass das
8 L.c., S. 17.
9 Walter, Wirtschaftsgeschichte, S. 162.
10 Born, Bankenkrise, S. 18.
11 Untersuchung des Bankwesens 1933, Teil I, Bd.1, S. 512 und Teil II, S. 462 f. Zit.: nach L.c.
4
bereits erwähnte Zinsniveau so hoch war, dass die ausländischen Investoren bei einer kurzfristigen Anlage in Deutschland eine höhere Rendite erzielten, als wenn sie im eigenen Land in eine Langfristanlage investiert hätten. Diese kurzfristigen Kredite konnten immer wieder verlängert werden, jedoch waren sie kurzfristig und konnten somit binnen weniger Tage gekündigt werden. 12
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Da das Kreditangebot auf dem innerdeutschen Kapitalmarkt nicht ausreichte, versorgten sich die dt. Banken, die während der Inflation denn größten Teil ihrer fremden Mittel verloren hatten, mit ausländischen Krediten i.H.v. 8,9 Milliarden RM. Die Banken stockten auf diese Weise bis 1929 ihre fremden Mittel wieder reichlich auf. Eine große Gefahr lag jetzt darin, dass die Banken es versäumten auch ihre eigenen Mittel parallel dazu wieder aufzubauen. Aufgrund dieser Sachlage verschlechterte sich die Kapitalstruktur der Kreditinstitute gegenüber dem Vorkriegsjahr 1913 besorgniserregend. Im dt. Bankwesen galt zu dieser Zeit die Regel, dass das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital 1 : 7, jedoch nicht schlechter als 1 : 10 sein sollte. Bereits 1929 hatten sich die Relationen bei den privaten Aktienbanken auf 1 : 10,4 verändert. 13 „ Es hatte aber sich nicht nur die Relation zwischen Eigenkapital und Fremdkapital gegenüber der Vorkriegszeit verschlechtert. Auch die Herkunft und die Fälligkeit der fremden Mittel hatte sich zum Nachteil verändert.“ 14 Vor dem Krieg spielte der Anteil des ausländischen Kapitals unter den Fremdmitteln eine eher untergeordnete Rolle. Er lag 1913 bei 1 : 3,5. Doch bereits 1929 war dieser Anteil auf 1 : 13 angestiegen. Aufgrund dessen musste sich eine abrupt einsetzende Kapitalflucht verheerend auf das Bankwesen auswirken. 15 Das Hauptproblem der ausländischen Mittel war, dass diese mit Devisen zurückbezahlt werden mussten. Eine weitere Verschärfung der Situation stellte die Aufteilung der kurz-und langfristigen Anteile des Fremdkapitals dar. Die kurzfristigen Mittel überwogen und stammten mit etwa 40 % aus dem Ausland. Den Hauptanteil der ausländischen Kredite der an die dt. Banken ging, erhielten die Berliner Großbanken, wie etwa die Deutsche Bank, die Disconto-Gesellschaft, die Dresdner Bank, die Commerz- und Privatbank, die
12 Born, Bankenkrise, S. 18 f.
13 L.c., S.19 f.
14 L.c., S. 20.
15 Feldenkirchen, 20. Jahrhundert, S. 16.
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Patrick Witzmann, 2001, Die Bankenkrise, München, GRIN Verlag GmbH
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