,QKDOWVYHU]HLFKQLV
1. Einleitung 3
2. Feindbild Islam 4
2.1. Vorwurf Fundamentalismus 6
2.2. Vorwurf Gewaltbereitschaft 8
2.3. Vorwurf Frauenfeindlichkeit 10
3. Schlussbemerkungen 12
4. Literaturverzeichnis 14
2
(LQOHLWXQJ
Nicht zuletzt die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington haben angesichts der Herkunft der Attentäter sowie ihrer Motivation den Islam vermehrt ins Blickfeld einer großen Öffentlichkeit gebracht - mit zumeist negativer Konnotation. Schlagworte wie „Fundamentalismus“, „Islamismus“ oder „Dschihad“ und die häufige Tendenz, diese mit dem Islam gleichzusetzen, sorgen für eine diffuse Angst vor der „islamischen Gefahr“, welche die westlichen Gesellschaften bedrohe. Allein die innerdeutsche Debatte über die Rasterfahndung, welche infolge der Attacken einsetzte, und die Kriterien, anhand derer mögliche „Schläfer“ aufgespürt werden soll(t)en, verdeutlicht diese - mehr oder minder latent auftretende - Islamophobie innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft. Noch deutlicher artikuliert sie sich in der willkürlich anmutenden sowie alle rechtsstaatlichen Vorstellungen außer Kraft setzenden Verhaftungswelle in den USA, welche nach den Anschlägen auf World Trade Center und Pentagon einsetzte: Hunderte Menschen wurden aufgrund fadenscheiniger Vorwürfe inhaftiert, welche nach Ansicht vieler Bürgerrechtler lediglich davon ablenken sollen, dass diese Menschen wegen ihrer arabischen oder muslimischen Herkunft pauschal verdächtig sind (vgl. Geyer 2002). Die Diskussion um eine islamische Bedrohung gab es allerdings auch schon vor dem 11. September 2001. Besondere Publizität erzielte dabei der in Harvard lehrende Politologe 6DPXHO +XQWLQJWRQ, der bereits 1993 einen „clash of civilizations“ unter anderem zwischen dem „Islam“ und dem „Westen“ als GLH Gefahr der Zukunft beschrieb (vgl. Ruthven 2000:
10). Solche Thesen sind alles andere als hilfreich für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Islam und den ihm zugeschriebenen Eigenschaften. Statt die vorherrschenden Klischees zu bedienen, gilt es, eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Islam zu führen. In diesem Kontext ist auch die vorliegende Arbeit zu sehen.
Zunächst einmal muss dazu das „Feindbild Islam“ (Hippler/Lueg 1993: 7) offengelegt werden. Dieses ist das Anliegen des zweiten Kapitels der vorliegenden Arbeit, welches die Beweggründe, aber auch die Erscheinungsformen dieses Feindbildes zum Inhalt hat. Im weiteren Verlauf der Arbeit (Kap. 2.1.-2.3.) wird dann der dem Feindbild zugrundeliegende Mechanismus anhand dreier Schlüsselbeispiele für Vorwürfe, die häufig gegenüber dem Islam geäußert werden (Fundamentalismus, Gewaltbereitschaft, Frauenfeindlichkeit), aufgezeigt. Die zentrale Fragestellung lautet dabei: Worauf gründen sich diese Vorwürfe bzw. inwiefern sind sie gerechtfertigt?
3
Die Ergebnisse aus dieser Untersuchung lassen nicht zuletzt auch Rückschlüsse auf die Gültigkeit anderer bestehender Vorurteile zu und tragen damit dazu bei, vorhandene Ängste und Vorurteile abzubauen und damit eine berechtigte Kritik am Islam erst zu ermöglichen: „ Der Abbau des Feindbildes (Islam; d. Verf.) ist geradezu die Voraussetzung für eine ernsthafte Kritik“ (Lueg 1993: 15).
)HLQGELOG,VODP
-RFKHQ +LSSOHU und $QGUHD /XHJ schreiben in der Einleitung zu ihrem Buch „ Feindbild Islam“ : „ Dieses Buch will das )HLQGELOGIslam untersuchen, nicht den Islam selbst. Es ist ein
Buch über unser eigenes, über das ,westliche’ Denken und über Notwendigkeit, Struktur und Folgen eines seiner Feindbilder. Eine unserer Thesen lautet, daß die gegenwärtige Konjunktur populärer Literatur über die islamische Gefahr wenig mit dem vorgeblichen Gegenstand der Bedrohung - dem Islam -, aber um so mehr mit dem westlichen Denken, mit einer Identitätslücke nach dem Ende des kalten Krieges zu tun hat“ (Hippler/Lueg 1993: 7). Entscheidend ist ihre Erkenntnis, dass, wenn von der „ islamischen Gefahr“ oder vom „ Heiligen Krieg“ die Rede ist, weniger die (im religiösen Sinne) originär islamische Position von Bedeutung ist als vielmehr die (verzerrte und vereinfachte) Wahrnehmung des Islams im Westen. Es werden nicht Fragen gestellt wie: Was sagt der Koran zum „ Dschihad“ ? Ist es tatsächlich - wie in westlichen Medien häufig dargestellt - die religiöse Pflicht eines jeden Muslims, den „ Heiligen Krieg“ gen Abendland zu tragen? Vielmehr wird gerade im Zuge der Berichterstattung über die Anschläge und die Attentäter vom 11. September 2001 so manches Mal der Eindruck erweckt, alle Muslime seien rückständige Fanatiker, nur darauf aus, den (friedliebenden) Westen und seine Gesellschaften zu vernichten. Auch aus den Büchern von (angeblichen) Experten zum Thema wie 3HWHU 6FKROO/DWRXU oder *HUKDUG .RQ]HOPDQQ ist
dieser Tenor herauszuhören (vgl. Metzger 2000: 9ff). „ Fundamentalisten“ , „ Islamisten“ , „ muslimische Extremisten“ - natürlich gibt es radikale Kräfte im Islam. Doch erstens bilden diese - wie in anderen Religionen im übrigen auch - die Ausnahme. Und zweitens muss bedacht werden, dass die wenigen, die wirklich zur Gefahr für den Westen werden, indem sie z. B. zur terroristischen Gewalt greifen, sich zwar auf die Religion als Legitimationsquelle für ihr Tun berufen. Dass sie dabei aber den Islam (z. B. zur Rekrutierung von Anhängern) instrumentalisieren und dass ihre wahren Beweggründe vielleicht ganz anderer Natur sind, muss ebenfalls bei der Bewertung berücksichtigt werden (zur Komplexität der Ursachen
4
Arbeit zitieren:
Christoph Wehr, 2002, Die Gefahr aus dem Orient? Zum Feindbild Islam, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Volksstereotyp des Orients: die Türken - Vorurteile und Feindbilder ge...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Einfluss von Segregation auf die Integration von Migranten
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 21 Seiten
Migration - Segregation - Integration - Über den Einfluss sozialräumli...
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Menschenrechte - Zwischen Eurozentrismus und Universalität?
Eine Analyse zur weltweiten Du...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 16 Seiten
Kinder und Jugendliche mit ADS in Schule und Unterricht
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Examensarbeit, 96 Seiten
Arnold Gehlens Begriff der Institution
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 19 Seiten
Gleiche Rechte für Alle? Das Konzept der Menschenrechte zwischen Unive...
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Magisterarbeit, 104 Seiten
Die Geldallianz - Habsburger und Fugger um die Wende des 16. Jahrhunde...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) in Alltag, Schule und ...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Examensarbeit, 86 Seiten
Christoph Wehr hat den Text Die Gefahr aus dem Orient? Zum Feindbild Islam veröffentlicht
Christoph Wehr hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare