Johann Wolfgang Goethe-Universität
Sprache und Übersetzung in der französischen Renaissance - Hauptseminar
Wintersemester 2002/2003, 7. Semester
Vergleich von Übersetzungskonzeptionen im Frankreich der Renaissance
von: Felix Schwenke
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Vier exemplarische Übersetzungskonzeptionen 4
1.1. Etienne Dolet 4
1.2. Jacques Amyot 6
1.3. Jacques Peletier du Mans 8
1.4. Joachim Du Bellay 10
2. Vergleich der vorgestellten Übersetzungskonzeptionen 13
2.1. Vermittlung von Textinhalten 13
2.2. Wort für Wort Übersetzungen 14
2.3. Bildung von Neologismen 14
2.4. Tradierung des Stils 15
2.5. Verständnis von Ausgangs- und Zielsprache 16
2.6. Übersetzung von Poeten 16
2.7. Erläuternde Bemerkungen 17
2.8. Funktion der Übersetzung 17
2.9. Tabellarische Übersicht 18
Schlussteil 20
Abkürzungsverzeichnis 21
Literaturverzeichnis 22
Verwendete Nachschlagewerke 22
Einleitung
Die folgende Hausarbeit entstand im Rahmen des Seminars „Sprache und Übersetzung in der französischen Renaissance“ im Wintersemester 2002/2003 bei Prof. Birgit Scharlau an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität. Sie beschäftigt sich mit einem exemplarischen Vergleich von Übersetzungskonzeptionen im Frankreich der Renaissance. Die Hausarbeit resümiert damit einen Teil der Seminararbeit und versucht darüber hinausgehend einen Vergleich. Durch den Vergleich soll verdeutlicht werden, dass keineswegs Einigkeit über die richtige Art und Weise zu übersetzen bestand. Mein Interesse an dieser Thematik wurde insbesondere durch das Seminar, aber auch durch eine Hausarbeit ähnlicher Thematik über ein anderes Jahrhundert geweckt.
Im ersten Teil der Hausarbeit werde ich 4 Übersetzungskonzeptionen kurz vorstellen. Dabei habe ich mich für Etienne Dolet, Jacques Amyot, Jacques Peletier du Mans und Joachim Du Bellay entschieden. Das Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL) beschränkt sich in seiner exemplarischen Vorstellung von Übersetzern im Frankreich der Renaissance auf diese 4 Personen1. Da die ersten drei auch im Seminar behandelt wurden und das LRL nicht irgendein, sondern das Grundlagenwerk der Romanistischen Linguistik ist, bieten sich diese 4 Personen an. Zudem verbinden sie den Anspruch einer Hausarbeit, Bezug zum Seminar herzustellen und darüber hinaus zu schauen. Im zweiten Teil der Hausarbeit werde ich einige Kategorien bilden, anhand derer ich die 4 vorgestellten Übersetzungskonzeptionen mit ihren Kriterien vergleichen werde. Dabei sollen sowohl (für die Renaissance typische) Gemeinsamkeiten als auch Differenzen verdeutlicht werden. Der zweite Teil wird mit einer tabellarischen Übersicht abgerundet. Im Schlussteil verzichte ich dann auf Grund des bereits erfolgten tabellarischen Resümees auf eine erneute Zusammenfassung und stelle statt dessen kurz einen subjektiven bezug zur aktuellen Situation her.
Zur Quellenangabe des Dolet- und Tory-Textes muss im Vorwort eine kurze Erläuterung vorgenommen werden: Nicht alle Texte im Reader des Seminars sind mit einer Quellenangabe versehen, den Hinweis der Seminarleiterin auf den Herausgeber Wolf konnte ich bei meinen Recherchen in der Fachbereichsbibliothek keinem konkreten Buch zu- ordnen. Daher habe ich mich in diesen beiden Fällen entschlossen, den Reader als Quelle zu zitieren und Prof. Scharlau gewissermaßen als Herausgeberin eingesetzt.
1. Vier exemplarische Übersetzungskonzeptionen
Ich werde im Folgenden, wie in der Einleitung bereits erwähnt, 4 Übersetzungskonzeptionen kurz vorstellen. Die Auswahlkriterien habe ich dort ebenfalls vorgestellt. Mangels stichhaltiger Kriterien eine Reihung begründen zu können, habe ich mich entschieden, die Personen in der Reihenfolge ihrer Geburt zu präsentieren. Es folgen also zunächst Etienne Dolet (1508-1546), Jacques Amyot (1513-1593) dann Jacques Peletier du Mans (1517-1582) und schließlich Joachim Du Bellay (1522-1560).
1.1. Etienne Dolet
Das bedeutendste Werk über seine eigene Übersetzungskonzeption ist bei Etienne Dolet nicht etwa, wie so oft in der damaligen Zeit, das Vorwort zu der Veröffentlichung einer eigenen Übersetzung, sondern seine kleine 1540 veröffentlichte Abhandlung „La manière de bien traduire d’un langue en autre“2. Sie gilt als eine der ersten klar formulierten Übersetzungstheorien überhaupt3. In ihr stellt Dolet 5 Anforderungen (Kriterien) an eine gute Übersetzungspraxis auf, die ich im Folgenden in enger Anlehnung an Dolets Worte vorstelle (für die Sinninterpretation cf. Lexikon der Romanistischen Linguistik Band 1,2. Hier S. 111. Max Niemeyer Verlag, Tübingen (2001)). Ich halte mich dabei an die Reihenfolge, die Dolet selbst gewählt hat:
1. Der Übersetzer muss Sinn und Thematik des Ausgangstextes perfekt verstehen. Wie Dolet zu dieser Forderung ausführt, kann eine Übersetzung nur dann exakt und klar sein, wenn der Übersetzer den Sinn des Ursprungsautors und dessen Textes begreift und ihn verständlich und einfach wiedergibt4.
2. Der Übersetzer muss sowohl die Ausgangs- als auch die Zielsprache perfekt kennen. Alle Sprachen haben ihren Eigenheiten und Spezifika, die ihren Reichtum und ihre Qualität ausmachen. Diese muss der Übersetzer sowohl im ausgangssprachlichen Text verstehen als auch im zielsprachlichen Text ausdrücken können5.
3. Man darf auf keinen Fall Wort für Wort übersetzen. Wer dies macht, offenbart mangelnde Intelligenz. Er ignoriert damit den Glanz der Zielsprache, wird aber auch den Qualitäten der Ausgangssprache nicht gerecht. Daher spricht Dolet dem Übersetzer immer dann Freiheiten bei seiner Arbeit zu, wenn sie dazu dienen, den Sinn des Ausgangstextes treffend wiederzugeben6.
[...]
1 s. Lexikon der Romanistischen Linguistik Band 1,2. Translation, S. 107-114, hier S. 110/111. Max Niemeyer Verlag, Tübingen (2001)
2 s. Lexikon der Romanistischen Linguistik Band 1,2. Translation, S. 107-114, hier S. 111. Max Niemeyer Verlag, Tübingen (2001)
3 s. Salama-Carr, Myriam: French tradition, S. 409-417, hier S. 410, in: Baker, Mona (Hrsg.): Routledge encyclopedia of translation studies. Routledge, London (1998)
4 s. Dolet, Etienne: La manière de bien traduire d’un langue en autre, in: Scharlau, Birgit: Sprache und Übersetzung in der französischen Renaissance. Readertext Wintersemester 2002/2003.
5 s. ebd.
6 s. ebd.
Arbeit zitieren:
Felix Schwenke, 2003, Vergleich von Übersetzungskonzeptionen im Frankreich der Renaissance, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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