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„Internationale Verhandlungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt“
II
Inhalt Seite
1 Einleitung 1
2 Biologische Vielfalt 2
2.1 Artenvielfalt 3
2.2 Genetische Vielfalt 4
2.3 Vielfalt der Ökosysteme 5
2.4 Das Artensterben 6
3 Der ökonomische Nutzen der biologischen Vielfalt
7
4 Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt 11
4.1 Artenschutzabkommen - Ein historischer Überblick 11
4.2 Entstehung der Biodiversitätskonvention 14
4.3 Biodiversitätskonvention - Die eigentliche Verhandlung
sowie der Nord/Süd-Konflikt 17
4.3.1 Genetische Ressourcen 21
4.3.2 Technologietransfer / zugang 22
4.3.3 Finanzierung 22
4.4 Ergebnisse 23
5 Schlußfolgerungen 25
6 Literatur
III
1 Einleitung
Die Ökologie der Erde ist auf das Vielfältigste Miteinander verflochten. Millionen von Arten leben in Koexistenz und gegenseitiger Abhängigkeit und bilden somit ein funktionsfähiges Ganzes. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch ein Prozeß in Gang gekommen, der diese Funktionsfähigkeit ernsthaft gefährdet: eine rapide Dezimierung der biologischen Vielfalt mit Auswirkungen auf alle Ökosysteme und Spezies, einschließlich der des Menschen. Ein Problem, daß aufgrund gegenseitiger Verflechtungen nicht mehr nur national bzw. sektoral gesehen werden kann, wie es noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Usus war, sondern globale Aufmerksamkeit verlangt. 1
Nun ist in den letzten Jahren eine zunehmende Hinwendung zu diesem Thema zu beobachten. Zwar gab es schon zu Beginn dieses Jahrhunderts erste internationale Verhandlungen, doch setzte wohl vor allem das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt 2 ein entscheidendes Zeichen.
Der vorliegende Aufsatz befaßt sich mit diesen internationalen Verhandlungen. Dabei wird er einen chronologischen Überblick geben. Im Vordergrund steht dabei die bereits erwähnte Biodiversitätskonvention, da ihr die größte Bedeutung zukommt.
Gegliedert ist die Arbeit in fünf Kapitel. Nach einer Einleitung und einem Definitionsteil werden die ökonomischen Aspekte der biologischen Vielfalt untersucht. Dabei steht insbesondere die Frage nach der Bewertung der Biodiversität im Vordergrund sowie deren Nutzen, in Vergleich gesetzt zum Aufwand, der zu ihrem Erhalt notwendig ist.
Das vierte Kapitel gibt einen Überblick über bisher getroffene Maßnahmen früherer internationaler Verträge. Dies ist für das Verständnis der Entwicklungen, die zur Biodiversitätskonvention führten, notwendig. Anhand des Nord/Süd-Konflikts werden anschließend die unterschiedlichen Interessenlagen betrach- 1 Suplie,Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin,
1995, S. 1 ff.
2 Im folgenden auch Biodiversitätskonvention genannt.
1
tet. Schließlich werden die Ergebnisse der Verhandlungen zusammengetragen. Die Arbeit endet mit einer Schlußfolgerung.
2 Biologische Vielfalt
Wie diese Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt zeigen wird, gab es bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert erste zaghafte Versuche, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Stärker im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht das Problem des Artenschwundes jedoch erst in den letzten zwei Jahrzehnten. Als Initiator kann eine Tagung angesehen werden, die im September 1986 unter der Leitung von Edward O. Wilson stattfand: der National Forum on Biodiversity der Smithsonian Institution und der National Academy of Sciences in Washington. Drei Tage lang hielten Wissenschaftler Vorträge über die Bedeutung der biologischen Vielfalt (Biodiversity), ein Begriff der hier durch Wilson geprägt wurde. 3
Nach Wilson (1992) ist Biologische Vielfalt definiert als Gesamtheit aller Arten von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen auf der Erde. Dabei werden drei Kategorien unterschieden: 4
• Artenvielfalt
• Genetische Vielfalt
• Vielfalt der Ökosystem
Eine weitere Definition findet sich in Artikel 2 (Begriffsbestimmungen) des Rahmen-Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt: 5
„,P6LQQHGLHVHVhEHUHLQNRPPHQVEHGHXWHWELRORJLVFKH9LHOIDOWGLH9D ULDELOLWlWXQWHUOHEHQGHQ2UJDQLVPHQMHJOLFKHU+HUNXQIWGDUXQWHUXQWHU DQGHUHP/DQG0HHUHVXQGVRQVWLJHDTXDWLVFKHgNRV\VWHPHXQGGLH |NRORJLVFKHQ.RPSOH[H]XGHQHQVLHJHK|UHQGLHVXPIDWGLH9LHOIDOW LQQHUKDOEGHU$UWHQXQG]ZLVFKHQGHQ$UWHQXQGGLH9LHOIDOWGHUgNRV\V WHPH³
3 Vgl. Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 2 f.
4 Vgl. auch Simonis, Udo E., Weltumweltpolitik: Grundriss und Bausteine eines neuen Politikfeldes, Berlin, 1996, S. 121 ff.
2
2.1 Artenvielfalt
Der Begriff Artenvielfalt wird definiert als „eine Population oder eine Reihe von Populationen, in denen unter natürlichen Bedingungen ein freier Genaustausch erfolgt. Dies bedeutet, daß alle physiologisch normal funktionsfähigen Individuen zu gegebener Zeit im Prinzip mit jedem andersgeschlechtlichen Vertreter derselben Art Nachkommen erzeugen“ können. 6
Zur Anzahl der verschiedenen Arten der Erde gibt es unterschiedliche Schätzungen. Unter Ausschluß der Wirbellosen Tiere, Pilze, Algen und Mikroorganismen sind bisher 1,4 Mio. Arten registriert 7 . Nach Schätzungen liegt die tatsächliche Anzahl jedoch bei 5 - 30 Mio. Arten. 8
Die folgende Abbildung über die Zahl der bekannten Arten von Mikroorganismen verdeutlicht das Dilemma zwischen bekannten Spezies und der geschätzten Anzahl. Besonders auffällig ist dieses Mißverhältnis bei den Viren. So zeigt die Übersicht, daß ca. 5.000 Arten bekannt sind. Man vermutet jedoch, daß es weltweit ca. 130.000 Arten von Viren gibt. Es sind also nur ca. 4 % überhaupt bekannt.
5 siehe Anhang
6 zitiert nach Wilson, E.O. (Hrsg.), Ende der biologischen Vielfalt?, Heidelberg, Berlin, New Y-ork, 1992, S. 22
7 Vgl. Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 18f.
8 Vgl. auch Wilson, E.O. (Hrsg.), Ende der biologischen Vielfalt?, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, 1992, S. 19 ff.
3
7DEHOOH=DKOGHUEHNDQQWHQ$UWHQYRQ0LNURRUJDQLVPHQXQGJHVFKlW]WH
ZHOWZHLWH*HVDPW]DKOHQ
$UWHQDEVROXW
*UXSSH JHVFKlW]WH ZHOWZHLW schläge für die internationale Forschung, Oxon, U.K., 1994, S. 19 EHNDQQWH $Q]DKOGHU$UWHQ %HNDQQWH$UWHQ
UHODWLY Algen 40.000 60.000 67% Bakterien 3.000 30.000 10% Pilze 64.200 800.000 8% Viren 5.000 130.000 4% Protozisten 30.000 100.000
31%
*HVDPW]DKO 142.200 1.120.000
9 nach Castri/Younes, 1990 in Solbrig, O.T., Biodiversität: Wissenschaftliche Fragen und Vor-
4
2.2 Genetische Vielfalt
Nach Jessica Suplie (1995) bezeichnet der Begriff genetische Vielfalt „die Vielzahl möglicher Kombinationen von Genen, die in den verschiedenen Arten und innerhalb einer Art vorkommen“. 10
Die jeweiligen Individuen einer Art haben gemeinsame Eigenschaften, jedes Individuum ist hinsichtlich seiner Gene jedoch verschieden. Je größer der genetische Unterschied der Individuen einer Art ist, desto widerstandsfähiger ist diese Art und umgekehrt. D. h., die Anzahl von Populationen einer Art ist für deren Überleben von großer Bedeutung. Sollte eine Population aufgrund äußerer Einflüsse, beispielsweise klimatischer Veränderungen, zerstört werden, kann eine andere Population dieser Art, die über andere Gene verfügt, gegenüber diesen äußeren Einflüssen resistent sein und somit das Überleben dieser Art sichern. 11
Bedrohlich ist in diesem Zusammenhang, daß die genetische Vielfalt rapide abnimmt, ein Umstand, der insbesondere in der modernen Nutztierhaltung und Landwirtschaft bedenklich ist. So werden solche Eigenschaften einer Art durch gezielte Züchtung optimiert, die sie besonders ertragreich macht, zu Lasten der genetischen Vielfalt. Die jeweilige Art ist dann auf die spezifischen Umweltbedingungen (z.B. Klima) angewiesen und hinsichtlich Veränderungen dieser Bedingungen äußerst anfällig. 12 So existieren etwa 6000 Apfelsorten, die auf dem nordamerikanischen Kontinent wuchsen, nicht mehr. Von ca. 30.000 Reissorten existieren nur noch zehn. 13
Sobald eine Pflanze ausstirbt, ist ihr genetisches Potential für alle Zeiten verloren und somit nicht mehr für die Landwirtschaft oder Forschung zu nutzen. Dies gefährdet die Ernährungsgrundlage der Weltbevölkerung maßgeblich. Nicht auszudenken, wenn eine oder mehrere dieser zentralen Sorten von einer Seuche befallen werden, die dann die Ernte in ganzen Regionen zerstört. Die Folge könnten Hungerkatastrophen von ungeahntem Ausmaß sein.
10 Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin,
1995, S. 18
11 ebenda
12 vgl. Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 18 f.
13 ebenda, S. 2
5
Arbeit zitieren:
Andreas Häntsch, 1999, Internationale Verhandlungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt, München, GRIN Verlag GmbH
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