Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 1
II Die betriebliche Bildung 2
2.1 Was wird unter der betrieblichen Bildung verstanden?....2
2.2 Der Bildungsbegriff in der betrieblichen Bildung 5
2.3 Nutzen und Ziele der betrieblichen Bildung 5
III Das Zeitalter der Beschleunigung 7
3.1 Entschleunigung 8
3.2 Die Dimensionen der Beschleunigung 9
3.2.1 Die technische Beschleunigung 9
3.2.2 Die Beschleunigung des sozialen Wandels 10
3.2.3 Die Beschleunigung des Lebenstempos 11
3.3 Der Akzelerationszirkel 16
3.3.1 Das Zusammenwirken der Kräfte 16
3.3.2 Die externen Triebkräfte sozialer Beschleunigung 18
IV Betriebliche Bildung unter Beschleunigungszwang 21
4.1 Betriebliche Bildung und das Problem der technischen
Beschleunigung 21 NA
4.2 Betriebliche Bildung und das Problem der Beschleuni-
gung des sozialen Wandels 23
4.3 Betriebliche Bildung und das Problem der Beschleuni-
gung des Lebenstempos 26
4.4 Der Blick in eine beschleunigte Zukunft 28
V Zusammenfassung 30
Abbildungsverzeichnis....................................................................31
Literatur 32 NA
„In letzter Zeit geht alles so Rasend, so unheimlich schnell! Mein Herz ist ein Flughafen, mein Kopf ist ein Hotel.“. Mit diesen Zeilen besingt der Liedermacher Fanny van Dan- nen ein Gefühl, das sich in dem einen Wort der „Beschleunigung“ manifestieren lässt.
Diese Arbeit greift den Gedanken auf, und erweitert ihn unter dem Kontext der be- trieblichen Bildung. Die folgenden Überlegungen werden demnach von einer begriff- lichen Trinität umspannt. Der Beschleunigung, der Bildung und der des Betriebes. Die Beobachtung, dass sich in kapitalistischen Gesellschaftsformen eine bedrohliche Veränderung vollzieht, wurde schon von Marx erkannt, in dem er schreibt: „Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht [...].“ 1
Das diese Entweihung und Verdampfung kein Prozess von vorindustrieller Dauer war, sondern noch immer ist und mit verstärkter Kraft in der Moderne wütet, soll an der Beschleunigungstheorie von Hartmud Rosa offen gelegt wird.
Systematisch möchte ich aber erst das Verständnis um die betriebliche Bildung erhel- len, bevor die Veränderung der Zeitstrukturen erläutert werden. Sind die beiden Säulen, die betriebliche Bildung und die Beschleunigungstheorie aufgebaut, so folgt der verbindende Träger, der die betriebliche Bildung unter Be- schleunigungszwang betrachten will.
Ziel der Arbeit soll es sein, aufzuzeigen, ob Beschleunigungsprozesse Einfluss auf die betriebliche Weiterbildung ausüben und welcher Art diese sind.
„Bildung gleich Warten können“
2
II. Die betriebliche Bildung
Da sich die natürliche Sprache vor allem durch ihre Uneindeutigkeit in Form der Sy- nonymie und Polysemie 3 auszeichnet, soll hier vorab eine begriffliche Klärung der betrieblichen Bildung erfolgen.
Dies gestaltet sich, will man den Versuch einer Metaanalyse wagen, als Sisyphusar- beit, was nicht zuletzt dadurch bedingt ist, dass eine umfassende Theorie betriebli- cher Bildungsarbeit bis heute nicht geschrieben wurde 4 .
Ist man also zu einem, „zwischen den Stühlen“ stehen verdammt, gilt es ein festes Standbein zu schaffen, auf das sich gestützt werden kann. Diesen Versuch will ich im folgenden wagen. Hierzu soll zuerst aufgezeigt werden, welche Bildungsarten sich unter der Begrifflichkeit der betrieblichen Bildung rubrizieren lassen. Sodann möchte ich sie voneinander abgrenzen. Daran anschließend sollen der Nutzen und die Ziele der betrieblichen Bildung erläutert werden.
2.1 Was wird unter der betrieblichen Bildung verstanden?
Um sich klar zu machen, was unter der betrieblichen Bildung subsumiert werden soll, kann die Abb. 1 auf Seite 4 eine Hilfestellung bieten.
Etwas verallgemeinert, lasse ich direkt auf die schulische Laufbahn die Berufsausbil- dung folgen. Die dabei immer häufiger auftretenden Überbrückungsphasen (zum Beispiel durch ein berufspraktisches Jahr, etc.) sollen in der Überschneidung der El- lipsen dargestellt sein.
Unter die Berufsausbildung lässt sich grundsätzlich ersteinmal alles fassen, was nach Bieling „[...] zu einem Basisberuf“ führt, 5 also die klassische Berufsausbildung, die sich noch einmal in eine rein schulische und in das Modell der dualen Ausbildung 6 auffä- chern lässt. Des Weiteren lässt sich auch die Hochschulausbildung anführen, also Fachhochschulen, Universitäten, Akademien etc..
2
Diese tiefsinnige Botschaft von Theodor W. Adorno drückt der betrieblichen Bildung im Zeitalter der Beschleunigung schon im Vorfeld ihren Stempel auf.
3 Synonymie = mehrere Bezeichnungen repräsentieren einen Begriff; Poysemie = eine Bezeichnung repräsentiert mehrere Begriffe. Mehr zu der Unterscheidung von Begriff und Bezeichnung bei Wersig
1985 4 Arnold 1991, S. 17 5 Bieling 1980, S. 256 6 Unter der dualen Berufsausbildung wird jene Ausbildungsform verstanden, in der der Auszubil- dende zum einen durch die Berufsschule und zum anderen durch den Betrieb auf die jeweiligen Er- fordernisse des Berufs geschult wird.
Im Sinne von Peters möchte ich aber nur die duale Berufsausbildung unter der Be- zeichnung der betrieblichen Bildung kategorisieren und hingegen die rein schuli- schen Berufsausbildungen als „berufliche Bildung“ verstanden wissen. 7 Diese Diffe- renzierung lässt sich dadurch begründen, dass der Betrieb, die Organisation, im Rahmen der rein schulischen Ausbildung eine eher marginale Steuerungskomponen- te auf die Auszubildenden richten kann 8 .
An die Berufsausbildung anschließen, kann entweder der Einstieg ins Arbeitsleben oder es geht über eine weitere Schleife zurück in eine neu, weitere Berufsausbildung. Letzteres ist meist der Fall, wenn entweder keinerlei Aussicht auf eine Anstellung besteht, oder das Arbeiten im erlernten Beruf, für den Ausgebildeten nicht vorstell- bar zu sein scheint, oder weil man sich einfach weiterqualifizieren will. Verfolgt man den Eintritt ins Berufsleben weiter, so lassen sich hier die zu unter- scheidenden Formen der Fort- und Weiterbildung ausmachen. Dazu Bieling: „[...]Weiterbildung baut auf einen Basisberuf auf und führt zu einer Spezialisierung im Ba- sisberuf. Fortbildung soll Kenntnisse im Basisberuf aktualisieren und auf den jeweiligen Stand bringen oder das Wissen in einer durch Weiterbildung erreichten Spezialisierung ver- tiefen.“ Die Fort- und Weiterbildung stellt demnach für den Betrieb ein Instrument dar, um wirtschaftliche, strukturelle und organisatorische Veränderungen zu bewältigen. Um also eine ständige Anpassung zwischen aktuellen Kompetenzen, sowie die für die Erreichung des Unternehmensziels erforderlichen neuen Qualifikationen zu schaffen. In ökonomischen Zusammenhängen wird auch von Fachtrainings gesprochen 9 . Die betriebliche Bildung lässt sich m.E. an dieser Stelle weiter differenzieren. Ange- lehnt an Arnold, möchte ich von betrieblicher und individueller Bildungsorientie- rung sprechen. 10 Die betriebliche Orientierung ist stark auf die ökonomischen Unter- nehmensziele ausgerichteten. Legt zum Beispiel die Unternehmensführung fest, in Zukunft durch den Einsatz einer neuen teilautomatischen Fertigungsstraße einen höheren Mengendurchlauf in der Produktion zu erzielen, so gilt es die Mitarbeiter für die neue Technik „fit“ zu machen. Der Betrieb fordert in dieser Situation unaus- weichlich eine Qualifikation seiner Mitglieder.
Die individuelle Bildungsorientierung will ökonomische Zwänge nicht ausschließen. Anders aber, als die betriebliche Orientierung fragt sie mehr nach den Bedürfnissen
7
vgl. Peters 1999, S. 1
8
Steuern soll hier aber immer unter dem Mitdenken des Konstruktivismus verstanden werden.
9
vgl. Wittwer 2001, S.109
10
vgl. Arnold 1991, S. 149
der Akteure. Ein Instrument diesbezüglich stellt zum Beispiel das Mitarbeiterge- spräch dar, welches (im Idealfall) nach individuellen Entwicklungs- und Qualifikati- onserfordernissen des Mitarbeiters fragt. 11
Der betrieblichen Bildung gegenüber, steht die selbstgesteuerte Bildung. Die Initiati- ve geht also vornehmlich vom Individuum aus und muss auch inhaltlich nicht un- mittelbar unternehmensrelevant ausgerichtet sein. Mikroskopiert man die selbstge- steuerte Bildung so fällt der Blick zum einen auf Karriere orientierte und zum ande- ren auf persönlich intrinsisch motivierte Aspekte. Unter letztere lässt sich beispiels- weise das Erlernen eines Instruments einordnen 12 . Die auf Karriere orientierte Bil- dung richtet ihre Blicke verstärkt auf ökonomische, gesellschaftliche Bedingungen. Sie steht der individuellen Orientierung in der betrieblichen Bildung sehr nah, da Karriereambitionen zum Beispiel auch im Mitarbeitergespräch geäußert werden können. Andererseits löst sie sich ebenso stark von der betrieblichen Bildung ab, da sie auch immer eigene Wege gehen will. Dem karrierebewussten Denker bedeuten die internen betrieblichen Ziele nur immer so viel, wie er selbst daraus Gewinn schlagen kann.
11
vgl. Nagel/Oswald/Wimmer 2000
12
Berufsmusiker sind hiervon natürlich ausgeschlossen.
2.2 Der Bildungsbegriff in der betrieblichen Bildung
Von Bildung kann erst dann gesprochen werden, wenn der Gebildete objektive, ma- terielle und inhaltlich bestimmbare Gegenstände sowie geistige Sachverhalte kennt, versteht und verarbeitet hat.
Hierzu muss er in formaler, gegenstandsübergreifender, seine Persönlichkeit einbe- ziehender Form, die erworbenen überfachlichen Fähigkeiten entwickeln und aus- bauen.
Bloßes Faktenwissen reicht nicht aus, wenn von Bildung die Rede sein soll! Erst dann, wenn ein das Faktenwissen übersteigendes Orientierungswissen vorhanden ist, kann von Bildung gesprochen werden.
Bildung schließt die Ausbildung eines speziellen, individuellen Profils ebenso mit ein, wie eine geistige und habituelle Spezifizierung und Differenzierung. Individua- lisierung meint hier auch, dass die Person über einen gewissen Informationsumfang sowie über eine Denk- und Urteilsfähigkeit verfügt. Anschlussfähig müssen jedoch auch Prozesse sein, die das Verhalten, die Einstellungen sowie die moralische Ur- teilsfähigkeit und das individuelle Wertegefühl mit einschließen. 13
Es ist aber Obacht zu geben, dass die betriebliche Bildung nicht zu einer „[...] Qualifi- kationsmaschine im Vorfeld der Wirtschaft“ 14 avanciert. Bildung sollte am Zenit der Zweckreihe verhaftet bleiben. Hierzu bedarf es ethischer Ziele des Wirtschaftens, die nicht durch eine erpresserische Sachzwanglogik verloren gehen dürfen. Bildung soll immer auch zum Prozess der Selbst- und Weltwahrnehmung, der Selbst- und Welt- erkenntnis, der Selbst- und Weltdeutung sowie der Gestaltung der Lebensumstände beitragen.
13
vgl. Döring/Ritter-Mamczek 1999, S. 44
14
Matzen 2005, S. 23
Arbeit zitieren:
Torsten Bergt, 2006, All you need is speed!? - Betriebliche Bildung in Zeiten der Beschleunigung, München, GRIN Verlag GmbH
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