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Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema 2
2. Erläuterung der Gestalt Gretchen 2
2.1 Gretchens Rolle in der Gesellschaft und Familie 3
2.2 Gretchens Rolle als Geliebte von Faust 4
3. Rekonstruktion der Fakten die zur Schuldfrage führen 6
3.1 äußere Handlung 7
3.2 innere Handlung 8
4. Thesen und Antithesen zu der vorgestellten Problematik 11
4.1 Die juristische Problematik 11
4.2 Die moralische Problematik
5. Fazit: Inwiefern zeigt sich Goethes Motiv über das Irren in der
Gestalt und dem Schicksal Gretchens
5.1 Erläuterung über das Motiv des Irrens
5.2 Erörterung des Entelechie Modells
6. Literaturverzeichnis 18
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1. Hinführung zum Thema
„ Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen, / Und hat an ihm die Liebe gar / Von oben teilgenommen, / Begegnet ihm die selige Schar/ Mit
herzlichem Willkommen.“ (V. 11936 ff) 1
Gilt dieses Goethesche Motto für jeden Menschen – egal welche und wieviel Schuld dieser auf sich geladen hat?
Die weibliche Hauptperson aus der Tragödie mit dem Titel „Faust – Der Tragödie 1. Teil“ mit dem Namen Gretchen hat juristisch gesehen große Schuld auf sich geladen. So stirbt durch ihre unwissende Beihilfe ihre Mutter, ihr Bruder wird durch ihren Verstoß gegen die moralischen Sitten der Gesellschaft von ihrem Geliebten getötet und schließlich bringt sie ihr eignes Kind um.
Doch so trivial ist die Beantwortung der Frage nach Gretchens Schuld tatsächlich nicht.
2. Erläuterung der Gestalt Gretchen
Gretchen ist eine vierzehnjährige junge Frau, die noch viele kindliche Züge aufweist. Sie ist in einem streng religiösen Elternhaus aufgewachsen und musste schon früh viel Verantwortung im Haushalt übernehmen. So erzieht sie ihre kleine Schwester fast alleine und betrachtet sich selbst als Mutterersatz. Gretchens Mutter ist eine strenge Frau bürgerlichen Standes, die Gretchen zu einem absolut gehorsamen, religiösen und genügsamen Menschen
1 Literaturverzeichnis: Quelle Nummer
3
entsprechend den herrschenden Moralvorstellungen der sozialen Gesellschaft erzogen hat.
2.1 Gretchens Rolle in der Gesellschaft und Familie
Gretchen besitzt einen festen Standpunkt in ihrer Familie und der Gesellschaft. Die Familie hat keinen Ernährer mehr, da Gretchens Vater nicht mehr existiert. So ist Gretchens Mutter dafür zuständig der Famielie das Existenzminimum zu gewährleisten. Daraus resultiert, dass Gretchen schon früh viel Verantwortung im Haushalt übernehmen musste. Sie selbst ist fast noch ein Kind und dennoch für die Erziehung ihrer kleinen Schwester und Instandhaltung des Haushaltes verantwortlich.
Als genügsames, gehorsames, frommes und eifriges Mädchen erledigt sie diese Aufgaben bestmöglich. Bedingt durch diese Situation und den sozialen und materiellen Stand der Familie kam Gretchen lediglich ein Bildungsminimum zu, was wiederum einen Aufstieg Gretchens in eine höhere Bildungsschicht und damit auch in einen höheren sozialen und materiellen Stand nahezu unmöglich werden lässt.
Ihr Bruder Valentin ist Soldat und bezieht seinen Wert aus der Tugendhaftigkeit seiner Schwester. Dies zeigt, welch positives Bild das soziale Umfeld , das für Gretchen von großer Wichtigkeit ist, von ihr hat. Das normative Wertesystem, dessen Erfüllung die Gesellschaft von ihr verlangt, lebt Gretchen in vorbildlicher Art und Weise.
Diese Beschreibung von Gretchens Rolle in der Familie und der Gesellschaft beweisen auf der einen Seite Gretchens bodenständigen festen Stand als Glied des sozialen Umfelds. Zum anderen zeigt sie aber auch Gretchens enge Spannweite an Handlungsfreiheit. Die Gesellschaft gibt ihr nahezu in allen Fragen des Lebens eine klare Handlungsposition vor. Entweder Gretchen
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befolgt diese Vorschriften oder sie bricht die Regeln der Gesellschaft. Damit verliert sie aber nicht nur ihren eigenen sozialen Stand, sondern auch den ihrer ganzen Familie.
2.2 Gretchens Rolle als Geliebte von Faust
Gretchens Rolle als Geliebte von Faust kommt ihr mehr zufällig zu. Zu Beginn lehnt sie diese, auch aus Pflichtbewusstsein ihrer Familie und deren Stellung im sozialen Gefüge gegenüber ab. Dies wird besonders deutlich in der Szene „Straße“, in der Faust und Gretchens das erste Mal aufeinander treffen.
Faust. „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, / Meinen Arm und mein Geleit ihr
anzutragen?“
Margarete. „Bin weder Fräulein, weder schön, / Kann ungeleit nach Hause gehen.“ (V.2605ff.)
(Sie macht sich los und ab.)
An dieser Reaktion Gretchens wird deutlich, dass sie sich sowohl ihres Standes, als auch ihrer weiblichen Geltungsstärke sehr wohl bewusst ist. Sie macht sich los und zeigt damit, dass sie ein anständiges Mädchen ist. Faust, der nach dem Genuss des Zaubertrankes in allen Frauen „schöne Helenen“ (V.2604) sieht, begegnet Gretchen zufällig auf der Straße und richtet seinen enthusiastischen Liebestaumel mehr wahllos als gezielt auf sie. Mephisto erkennt sofort, welch tugendhaftes Mädchen Gretchen ist und sagt sie sei „ein gar unschuldig Ding“. (V.2624) Damit will er Fausts Drang nach Erfüllung von Lust und Begierde umlenken. Denn sogar Mephisto ist sich bewusst, dass er Probleme bekommen wird über Gretchens sittsame Gestalt Gewalt zu bekommen.
Gretchen spürt, dass sowohl Mephisto, als auch Faust nicht in ihre Welt gehören. Dies wird besonders in der Szene „Abend“ deutlich, als Gretchen
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nach Hause kommt, nachdem Faust und Mephisto in ihrem Zimmer gewesen sind. Sie spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist wenn sie sagt:
„ Es ist so schwül, so dumpfig hie, / Und ist doch eben so warm nicht drauß. / Es wird mir so, ich weiß nicht wie- / Ich wollt, die Mutter käm nach Haus. / Mir läuft ein Schauer übern ganzen Leib - /Bin doch ein töricht furchtsam Weib!“ (V.2753 ff.)
Dennoch ist Gretchen von der Begegnung mit Faust beeindruckt und denkt in der Szene „Abend“ neugierig über Faust nach.
„Ich gäb was drum, wenn ich nur wüßt, / Wer heut der Herr gewesen ist! / Er sah gewiß recht wacker aus, / Und ist aus einem edlen Haus;“ (V.2678 ff.) In diesem Ausspruch Gretchens werden bereits die gravierenden Unterschiede im Stand und Alter deutlich, die zwischen Gretchen und Faust bestehen. Mephisto lehnt sie jedoch entschieden ab. Sie spürt instinktiv, dass von ihm nichts Gutes ausgeht.
In dem Lied vom König von Thule kann man Gretchens hohe Anforderungen an die Liebe erkennen. In dem Lied geht es um einen Mann, der einer Frau über den Tod hinaus treu ist. Diesen Maßstab setzt Gretchen nun auch für ihre Beziehung zu Faust an. Sie ist bereit alles aufzugeben, was ihr bisher wichtig gewesen ist und fordert dies auch von Faust. An einer flüchtigen Liäson zu Faust ist sie nicht interessiert, was ihrem pflichtbewussten, frommen und zuverlässigen Wesen auch nicht gerecht werden würde. Gretchen besitzt ihren eigenen Stolz, den sie über ihre Familie, Arbeit und Pflichten definiert. Dies wird besonders deutlich, wenn Gretchen zu Faust sagt:
„Wir haben keine Magd; muß kochen, fegen, stricken / Und nähn,
und laufen früh und spat; (...) / Und so erzog ich’s ganz allein, (...) / Bald mußt ich’s tränken, bald es zu mir legen, / (...) Und früh am Tag schon am Waschtrog stehn; / Dann auf den Markt und an dem Herde sorgen, / Und immer so fort wie Wie heut so morgen.“ (V.3111 ff.)
Arbeit zitieren:
Meike Schöl, 2003, Zur Schuldfrage Gretchens in Goethes Faust I, München, GRIN Verlag GmbH
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