Proseminar
Einführung in die Geschichte des Mittelalters
„T-Karten“ und ihr Aufbau
Zu starke Unregelmäßigkeiten für ein Schema oder Variation
gemeinsamer Ursprünge?
von
Bastian Hefendehl
Sommersemester 2003, Semester 3, Grundstudium
Studienfächer: Lehramt Sek. I+II, Germanistik, Geschichte
Inhaltsangabe
1. Einleitung 3
2. „T-Schemakarten“ und ihr Aufbau
2.1 Grundvoraussetzungen und Ursprünge der Kartografie des Mittelalters 5
2.2 Größenverhältnisse, Lage und Herkunft der drei Kontinente 8
2.3 Die Ausrichtung der Welt und verwendeter Symbolismus 11
3. Schluss 15
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Omnia in mensura et numero et pondere fecisti. Die von Gott geschaffene Welt ist nach Maß, Zahl und Gewicht bis in das kleinste Detail hinein geordnet.1 Eine nach Regeln erschaffene Welt muss demnach erfass- und erklärbar sein, da ihre Schöpfung in keinem Bereich dem Zufall unterlag. Da die Bibelexegese keine Verbote der Beschäftigung mit der Erde und deren Gestalt formuliert hatte,2 folgten zwangsläufig Versuche der Menschen, die von Gott geordnete Welt zu erklären und darzustellen. Einen besonderen Platz in der Abbildung der Welt und dem Weltbild nehmen dabei die TO-Schemakarten oder auch Radkarten ein. Besonders auch deshalb, weil sie parallel zu geografisch teilweise überraschend genauen Karten existieren.3 Wie erklärt sich demnach, dass die Menschen bedingte Kenntnis von geografischen Lagen und Verhältnissen hatten und sich trotzdem mit einem Typus von Karte beschäftigen, der offenbar nicht die geografische Genauigkeit seiner „wissenschaftlichen Pendants“ aufweist. Wie kommt es, dass der Symbolismus einer T-Karte parallel zum Realismus einer Welt- oder Gebietskarte existieren konnte? Handelt es sich hierbei wirklich um eine Armut des Wissens, wie sie Leithäuser formuliert?4
Betrachtet man verschiedene T-Karten, sind diese nach einem, augenscheinlich immer gleich bleibendem, Schema aufgebaut. Scheinbar folgt ein großer Teil der Karten Gemeinsamkeiten wie der Anzahl und Aufteilung der Kontinente, dem kreisrunden Randozean (das „O“) oder den Grenzflüssen/ -meeren (angeordnet als „T“). Auch ist ein Großteil der T-Karten mit der Himmelsrichtung Osten nach oben ausgerichtet. Einige T-Karten haben diese Schemata allerdings nicht befolgt und weisen eine Ausrichtung zu anderen Himmelsrichtungen auf. Und auch der runde Randozean wird in einigen wenigen Karten nicht dem Schema des kreisrunden, allumschließenden Okeanos entsprechend berücksichtigt. Wie lassen sich solche Tatsachen erklären, wenn die von Gott geschaffene Welt doch ganz klar den Prämissen der göttlichen Ordnung, der Ordo unterlag? Trotzen diese Karten also, wissentlich oder unwissentlich, der Ordo? Denn für den Menschen des Mittelalters kann nur eine Sichtweise richtig sein, beachtet man die Annahme der göttlichen Ordnung. Und am wichtigsten scheint, zu betrachten, aus welchen Gründen eine Karte ein Schema verfolgt oder eben auch nicht.
Ausführliche Studien, auf die hier maßgeblich zurückgegriffen wird, betrieben und betreiben hier Anna-Dorothee von den BRINCKEN in mehreren Werken5 als auch J.B. HARLEY/ David WOODWARD6. Ebenfalls von herausragender Bedeutung für die Untersuchungen waren das Werk „Meister der Kartographie“ von Leo BAGROW/ Raleigh Ashlin SKELTON7 als auch die Habilitation von Brigitte ENGLISCH „Ordo Orbis Terrae“8. Finden sich zur Bedeutung von T-Karten für das Mittelalter noch reichlich Autoren, die Studien betreiben oder betrieben, sind diese bei der kritischen Analyse des T-Schemas doch rar gesät. Die Ursprünge der TKarten, ihre Adaptierung und Weiterentwicklung im Mittelalter sind ebenfalls gut dokumentiert und auch die Entwicklung der Kontinentenanordnung/ -gestaltung ist zahlreich untersucht worden. Allerdings fehlen bei Gesichtspunkten wie z.B. der Ausrichtung der Karte zu einer bestimmten Himmelsrichtung oft multiple Sichtweisen und auch umfassende Untersuchungen. So wird in vielen Studien oft nur auf einen Aspekt und eine Begründung eingegangen oder dieser angerissen.
[....]
1 ISIDOR: Etimologias, ed. José OROZ RETA/ Jose Manuel A. MARCOS CASQUERO, introd. por Manuel C. DIAZ Y DIAZ, 2 Bde.², Madrid: 1993. S. 426.
2 vgl. ENGLISCH, Brigitte: Ordo Orbis Terrae. (Die Weltsicht in den Mappe mundi des frühen und hohen Mittelalters, Bd.1, Textteil). S. 88.
3 vgl. LINDGREN, Uta: Eine Abstraktion des Weltbildes: Schemakarten. in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 36 (1985). S. 23-32. hier: S. 24.
4 LEITHÄUSER, Joachim G.: Mappae mundi. Die geistige Eroberung der Welt. Berlin: Safari-Verlag Carl Boldt und Reinhardt Jaspert 1958. S. 65. und S. 72.
5 u.a.: BRINCKEN, Anna-Dorothee von den: Fines Terrae. Die Enden der Erde und der vierte Kontinent auf mittelalterlichen Weltkarten. Hannover: Hahnsche Buchhandlung 1992.
6 HARLEY, J.B. / WOODWARD, Harley (Ed.): The History of Cartography. Volume One.
(=Cartography in Prehistoric, Ancient and Medieval Europe and the Mediterranean). Chicago/London: 1995.
7 SKELTON, Raleigh Ashlin, BAGROW, Leo: Meister der Kartographie5.Berlin: Propyläen Verlag 1985.
8 ENGLISCH: Ordo Orbis Terrae.
Arbeit zitieren:
Bastian Hefendehl, 2003, 'T-Karten' und ihr Aufbau - Zu starke Unregelmäßigkeiten für ein Schema oder Variation gemeinsamer Ursprünge?, München, GRIN Verlag GmbH
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