2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 4
2. Definition Kommunikation. 5
3. Begriffserklärung „Unterstützte Kommunikation“ 6
4. Zielgruppe der Unterstützten Kommunikation 7
5. Auswirkung der Beeinträchtigungen auf Sprache und Kommunikation. 8
5.1 Vorsprachliche Entwicklung 9
5.2 Begriffsbildungen. 9
5.3 Kommunikationsbereitschaft 10
5.4 Sprachverständnis. 10
6. Ziel der Unterstützten Kommunikation 11
7. Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation. 12
7.1 Kommunikation ohne Hilfsmittel 12
7.2 Kommunikation mit Hilfsmittel 12
8. Kommunikationsmöglichkeiten ohne Hilfsmittel 13
8.1 Körpereigene Kommunikationsformen 13
8.1.1 Ja/Nein-Signale. 14
8.1.2 Praxisbeispiel 14
8.2 Kommunikation mit Gebärden 17
8.2.1 Sprach anbahnende oder Sprach unterstützende Funktion 20
8.2.2 Das internationale Fingeralphabet 21
8.2.3 Nachteile und Voraussetzungen des Gebärdeneinsatzes. 22
9. Kommunikation mit Hilfsmittel. 23
9.1 Nicht- elektronische Kommunikationshilfen. 23
9.2 Kommunikationstafeln 24
9.3 Bildsymbole. 24
9.3.1 Symbolsammlung und Symbolsysteme 25
9.3.2 Bilss-System 26
9 3 3 Auswahl des Vokabulars 28
3
9.4 Elektronische Kommunikationshilfen. 29
9.4.1 Geräte mit Sprachausgabe 29
9.4.2 Geräte ohne Sprachausgabe 30
9.4.3 Selektion des Vokabulars. 30
9.4.4 Vor- und Nachteilen von elektronischen Hilfen. 30
10. Gestützte Kommunikation. 31
11. Fazit. 33
12 Literaturverzeichnis 37
4
1. Einleitung
Die Anzahl der Kinder mit geistigen sowie körperlichen Beeinträchtigungen nimmt zu. Die Gründe dafür sind vielseitig. Augrund einer verbesserten medizinischen Versorgung überleben mehr Kinder schwere Unfälle, Frühgeburten oder Krankheiten mit beträchtlichen Folgebeeinträchtigungen. Die Schwere und die Vielfältigkeit der Schädigungen können auch die Kommunikationsmöglichkeiten der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
„Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis und subjektiv für Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Sie ist eine wesentliche Bedingung für soziale Partizipation und Selbstbestimmung und zudem eine wichtige Grundlage 1 jeder Entwicklung.“
Es ist daher erforderlich betroffenen Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen ergänzende oder ersetzenden Kommunikationsmöglichkeiten zu vermitteln. Die Hilfeformen müssen aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppen sehr individuell sein und den Bedürfnissen des Einzelnen angepasst werden. Vereinzelte Bemühungen die kommunikativen Fähigkeiten von lautsprachbeeinträchtigten Menschen zu verbessern ergaben sich bereits seit Anfang der 70er Jahre. Aus dem Einsatz der Gebärdensprache und aus Erfahrungen mit Kommunikationstafeln entwickelte sich Anfang der 80iger Jahre im angloamerikanischen Sprachraum, in den Niederlanden und in Skandinavien das Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation. Ihre Maßnahmen sind bedeutende Förderungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen in der Lautsprache. Infolgedessen rückten die Schwierigkeiten von nichtsprechenden Menschen verstärkt in den Fokus, was eine Forschung nach Lösungen für Kommunikationsbarrieren antrieb. Zur Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten hat sich in den vergangenen Jahren nun auch in der Bundesrepublik Deutschland die Unterstützte Kommunikation etabliert.
In meiner Ausarbeitung stelle ich den theoretischen Hintergrund der Unterstützten Kommunikation dar und erläutere das Verständnis von Kommunikation im Allgemeinen. Ferner biete ich einen Überblick über die spezifischen Möglichkeiten, die die Kommunikation von und mit Personen ohne oder reduzierter Lautsprache verbessern. Ich gehe auf die Ziele und grundlegenden Prinzipien der Unterstützten
1 Wilken (2002: 1)
5
Kommunikation ein und verdeutliche auch die Grenzen und die für die Unterstützte Kommunikation benötigten Voraussetzungen. Die Betroffenen benenne ich „nichtsprechende“ Menschen. Es ist jedoch schwierig einen geeigneten Titel für die betroffenen Menschen zu finden. Diesen Ausdruck verwende ich daher mit Vorbehalt. Denn Menschen, die sich nicht über die gesprochne Sprache verständigen, sondern sich mit anderen Kommunikationsmöglichkeiten verständlich machen, sind demzufolge nicht ohne Sprache.
„Mit Sprache bezeichnen wir Kommunikationssysteme, die auf festgelegten Symbolen beruhen. Gleich ob es sich dabei um Gebärden, gesprochene bzw. geschriebene Wörter oder andere optische Zeichen handelt, repräsentieren diese Symbole nicht nur Dinge oder Handlungen, sondern ermöglichen auch Beziehungen, zeitliche Ordnungen und Abfolgen darzustellen, kontextunabhängige Mitteilungen zu machen und Fragen zu stellen sowie eigene und fremde Handlungen zu 1 reflektieren.“
In mancher Literatur traf ich auch auf den Begriff „Sprachbehinderte“, der die Betroffenen tituliert. Hier bevorzuge ich jedoch lieber die alternativen Bezeichnungen „Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf bei der Kommunikation “ oder „Menschen mit Beeinträchtigung“.
2. Definition Kommunikation
Die folgende Definition der Kommunikation stützen sich auf Wilken(2002: 4-6); sowie Wikipedia: „Kommunikation“. http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation [Stand.25.11.2006] Bevor der Begriff Unterstützte Kommunikation definiert werden kann, muss zuerst geklärt werden, was der Begriff Kommunikation beinhaltet. Kommunikation stammt von dem lateinischen Wort „communicare“, das teilnehmen lassen, mitteilen, teilen, vereinigen oder gemeinsam machen bedeutet. Kommunikation charakterisiert den wechselseitigen Gedankenaustausch zwischen Personen in Form von Sprache, Mimik, Gestik, Bild oder Schrift. Hierbei werden Signale übermittelt, diese für den Beobachter oder Empfänger bestimmte Bedeutungsinhalte haben. Kommunikation beinhaltet folglich viel mehr als gesprochene Sprache. Die Verständigung kann über Stimme, Worte, Gefühle, Berührungen oder Gedanken erfolgen. Mittels Kommunikation können Menschen miteinander in Kontakt treten und Beziehungen
1 Wilken (2002: 33)
6
aufbauen. Sie können dadurch ihre Emotionen, Bedürfnisse oder Absichten ausdrücken.
„Zu den wichtigen individuellen Grundlagen der Kommunikation gehören - mit unterschiedlicher Relevanz - die sensorischen Fähigkeiten Sehen, Hören, Fühlen, 1 2 Schmecken, Riechen, aber auch kinästhetische, propiozeptive und vestibuläre
Wahrnehmung. Gelernt werden muss die Bedeutungsgebung dieser über die Sinne 3 aufgenommenen Eindrücke und ihre Koordinierung sowie „Sensorische Integration.“ Den Darlegungen von Bochert(2000: 802) zu folge ist Kommunikation ein elementares menschliches Bedürfnis. Ohne kommunikativen Austausch können schwere psychische Störungen entstehen wie beispielsweise das Hospitalismus- 4 Syndrom . Die sprachliche und kognitive Entwicklung liegen laut entwicklungspsychologischen Forschungen eng beieinander. Ist einem Menschen die Lautsprache oder andere Kommunikationsmöglichkeiten verwehrt, ist infolgedessen die Entwicklung der Sprache im Zusammenhang mit der Entstehung kognitiver Fähigkeiten erschwert. Für Personen mit Beeinträchtigungen in der Kommunikation sind daher frühzeitig eingesetzte Methoden der Unterstützten Kommunikation erforderlich, um die daraus resultierenden Defizite möglichst auszubalancieren.
3. Begriffserklärung „Unterstützte Kommunikation“
Die folgende Definition der Unterstützten Kommunikation beruhen auf Kristen (1994: 15); sowie Wilken( 2002: 3).
Der Ausdruck „Unterstützte Kommunikation“(Abk.:UK) ergab sich aus dem englischen Begriff „Augmentative and Alternative Communication, was wörtlich übersetzt „ergänzende und ersetzende Kommunikation“ bedeutet. Diese Übersetzung ist zwar in ihrem Inhalt eindeutiger, jedoch hat sich seit dem Jahr 1992 in Deutschland der Oberbegriff „Unterstützte Kommunikation“ „für alle pädagogischen bzw. therapeutischen Maßnahmen, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen ohne Lautsprache bezwecken“,
1 von propriozeptiv: Wahrnehmung des eigenen Körpers vermittelnd
2 den Gleichgewichtssinn betreffend, zur Feststellung der eigenen Körperhaltung sowie Orientierung
im Raum
3 Wilken (2002: 4)
4 Entwicklungsverzögerung-/Störung infolge von mangelnder individueller Zuwendung und
unpersönlicher Betreuung
7
1 verfestigt. Der Fokus der Kommunikation ist hierbei also auf die ergänzende und ersetzende Lautsprache ausgerichtet. Ein individuell abgestimmtes Kommunikationssystem setzt sich aus verschiedenen situationsorientierten Kommunikationsmethoden zusammen.
Alternative Kommunikationsformen bezeichnen Hilfen für Personen, die aufgrund einer Behinderung kaum oder gar nicht Sprechen können und anstelle einer lautsprachigen Kommunikation ein alternatives Kommunikationssystem benötigen. Hierzu zählen graphische Symbole, Schrift, Gebärden oder technische Hilfen. Bei Ergänzender Kommunikation handelt es sich um Hilfen, die unterstützend zur gesprochnen Sprache verwendet werden. Diese Maßnahmen sollen das Lernen der Sprache fördern und das Verstehen von Sprachbehinderten vereinfachen. Hierzu zählt beispielsweise die Gebärden unterstützte Kommunikation.
4. Zielgruppe der Unterstützten Kommunikation
Bei den folgenden Darstellungen beziehe ich mich auf die Ausarbeitung von Kristen (1994: 15-16).
Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation sind auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgerichtet, dessen Sprachvermögen aufgrund einer frühkindlichen (konnatalen),angeborenen (kongenitalen) oder erworbenen Behinderung so stark beeinträchtigt ist, dass sie kaum oder gar nicht lautsprachig kommunizieren können, obwohl sie ein adäquat entwickeltes Sprachverständnis besitzen.
Die zur allgemeinen Zielgruppe gehörenden Personen sind unter anderen ohne Sprechvermögen, resultierend aus einer angeborenen oder erworbenen Behinderung. Außerdem sind es Personen, die beim Erwerb der Lautsprache Unterstützung benötigen, die sie zwar verstehen, sich aber nicht ausdrücken können. Ebenso sind es Personen, die eine Ersatzsprache oder unterstützende Hilfsmittel benötigen, da die Lautsprache für sie als Kommunikationsinstrument zu komplex ist und von ihnen deswegen abgelehnt wird. Zudem erschweren zusätzliche körperliche 2 Beeinträchtigungen bei den genannten Personen die nonverbale Ausdrucksform,
1 Kristen (1994: 15-16)
2 nicht sprachlich, sondern kommunizierend über körpereigene Kommunikationsmittel, wie z.B.
Gestik/Mimik/Körperhaltung/Augenkontakt
8
dieses eine Kommunikation mit dem sozialen Umfeld erschwert und demzufolge eine gesellschaftliche Isolation und extreme Abhängigkeit zu Anderen verursacht. Unter diesen Personenkreis fallen beispielsweise:
• Menschen mit geistiger Behinderung oder angeborenen Bewegungsstörungen durch frühkindliche Hirnschädigungen(Cerebralparese);
• Menschen, die unter einer progressiven Erkrankung leiden wie beispielsweise die Multiple Sklerose;
• Menschen mit erworbener Beeinträchtigung aufgrund von Unfällen oder eines Schlaganfalls;
• Menschen, deren Sprachvermögen beispielsweise aufgrund einer Gesichtsverletzung vorübergehend eingeschränkt ist. Ich werde in meiner Ausarbeitung, je nach Methode der Unterstützen Kommunikation, auf Kinder sowie Erwachsene mit besonderem Unterstützungsbedarf eingehen.
5. Auswirkung der Beeinträchtigungen auf Sprache und Kommunikation
Die folgenden Ausführungen der Auswirkungen auf die Sprache und Kommunikation stützen sich auf Köster/Schwager (1999: 24-30).
Die in Punkt 4. genannten Sprech- und Bewegungsbeeinträchtigungen können sich negativ auf die Entwicklung der Sprache und Kommunikation auswirken. Ich verdeutliche diese Auswirkung anhand der cerebralen Bewegungsstörung. Diese Störung ist meist eine Folge von frühkindlichen Hirnschädigungen. Sie kann aber auch aufgrund von traumatischen Einflüssen in jedem Alter auftauchen. Bei dieser Störung liegt eine abweichende Regulierung des Muskeltonus, wie auch der Koordinationsleistungen der Muskelgruppen vor. Daraus resultiert bei den Betroffenen eine Bewegungs- und Haltungsstörung, wie z.B. eine Spastik, die sich auch auf die Sprache auswirken kann.
Arbeit zitieren:
Kerstin Kleinscheck, 2007, Keiner ist ohne Sprache - Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützten Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Minnesang - Ein entwicklungsgeschichtlicher Einblick in eine liter...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Bedeutung und Möglichkeiten Unterstützter Kommunikation für Menschen m...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 38 Seiten
Zusammenhänge zwischen Motivation und Arbeitszufriedenheit
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 19 Seiten
Die Entwicklung serieller Strukturen. Von den sakral-kultischen Frühfo...
Medien / Kommunikation - Sonstiges
Hausarbeit, 25 Seiten
Pflegeplanung als Voraussetzung für eine hohe Pflegequalität bei der B...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 33 Seiten
Theoretische Grundlagen der Mitarbeitermotivation
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 25 Seiten
Projektunterricht in Förder- und Integrationsklassen
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Seminararbeit, 13 Seiten
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen - Autistische Syndrome
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Unterstützte Kommunikation im Unterricht an einer Schule für Körperbeh...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 19 Seiten
Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit durch Auswahl und Einführung e...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 37 Seiten
Grundlagen der Montessoripädagogik im Spiegel der eigenen Praxis
Seminararbeit, 40 Seiten
Die Pazzi-Verschwörung und die Grundlagen der Medici-Herrschaft
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Sinnentnehmendes Lesen - Eine Piratengeschichte!
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Nonverbale Kommunikation in der Integrationsklasse
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 100 Seiten
Kerstin Kleinscheck hat den Text Keiner ist ohne Sprache - Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützten Kommunikation veröffentlicht
Kerstin Kleinscheck hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare