Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der dramaturgische Ansatz 3
2.1 Rolle, Rollenerwartung und Rollendistanz 3
2.2 Aspekte des Rollenspiels. 5
3. Umformung des Selbst des Insassen 8
3.1 Neugestaltung der sozialen Situation 8
3.2 Totale Institutionen. 8
3.3 Eintritt des Insassen in die totale Institution 10
3.4 Anpassung an die totale Institution 11
3.4.1 Anpassungsstrategien 11
3.4.2 Institutionelle Zeremonien 12
3.4.3 Primäre und sekundäre Anpassung 13
4. Das Stanford-Prison-Experiment 14
4.1 Überblick 14
4.2 Die Studie 15
5. Fazit 17
Literaturverzeichnis. 18
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1. Einleitung
Einer der bekanntesten neueren Soziologen ist Erving Goffman (1922 - 1982). In dieser Hausarbeit nehme ich Bezug auf Goffmans Werke „Wir allen spielen Theater“ (1998) und „Asyle“ (1973). In „Wir alle spielen Theater“ (1998) vergleicht Goffman die Interaktion von mindestens zwei Menschen mit dem Rollenspiel auf einer Bühne, was häufig als sein „dramaturgischer Ansatz“ bezeichnet wird. Dabei misst er den Personen, die daran teilnehmen eine besondere Bedeutung bei und beschreibt die Umstände und die Art und Weise, wie sie miteinander interagieren. Ich werde in dieser Arbeit die wichtigsten, von Goffman beschriebenen, Aspekte der Interaktion beschreiben und erläutern. Im Anschluss daran beziehe ich mich auf Goffmans Werk „Asyle“ (1972), in welchem er das Verhalten von Mitgliedern totaler Institutionen analysiert und beschreibt. Ich werde definieren, was Goffman unter totalen Institutionen versteht, und erklären, wie Goffman ihr Funktionieren beschreibt. Danach lege ich dar, wie sich das Verhalten der Mitglieder an die totale Institution anpasst und wie sich die Identität der Mitglieder verändert. Zum Abschluss betrachte ich ansatzweise eine empirische Studie mithilfe Goffmans Analysen.
2. Der dramaturgische Ansatz
2.1 Rolle, Rollenerwartung und Rollendistanz
„Wenn ein Einzelner mit anderen zusammentrifft, versuchen diese gewöhnlich, Informationen über ihn zu erhalten oder Informationen, die sie bereits besitzen, ins Spiel zu bringen“ (Goffman 1998, S. 5). Sie interessieren sich dabei für seine Erscheinung, seine Handlungen, seinen Status, seine Einstellung zu ihnen und seine Fähigkeiten, so wie vergleichbare Aspekte. Wenn der Einzelne dabei seinen Gegenüber nicht kennt, so kann er seinen eigenen Beobachtungen bestimmte Hinweise entnehmen, die er dann mit früheren Beobachtungen anderer, ähnlicher Personen vergleicht. Kennt der Beobachter seinen Gegenüber bereits, so kann er Voraussagen über dessen Verhalten, aufgrund früherer Interaktionen mit ihm, treffen. Was und wie viel „wahre“ Informationen der Beobachter dem Verhalten des Einzelnen entnehmen kann, ist aber auch stark davon abhängig, was der Einzelne tatsächlich von sich Preis gibt. Der Einzelne kann sich anders geben und präsentieren als er tatsächlich ist. Jedes Individuum versucht dem Anderen ein bestimmtes Bild zu vermitteln. Das, was der Einzelne zeigt, seine Handlungen, seine Mimik und
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Gestik, sein Verhalten in einer unmittelbaren Interaktion mit einem Gegenüber nennt Goffman Darstellung. „Eine ‚Darstellung’ (performance) kann als die Gesamttätigkeit eines bestimmten Teilnehmers an einer bestimmten Situation definiert werden, die dazu dient, die anderen Teilnehmer in irgendeiner Weise zu beeinflussen“ (Goffman 1998, S. 18). Vom Punkt eines bestimmten Teilnehmers und seiner Darstellung ausgehend, wird jeder andere, der eine Darstellung beisteuert als Partner, Zuschauer oder Publikum bezeichnet. „Das vorherbestimmte Handlungsmuster, das sich während einer Darstellung entfaltet und auch bei anderen Gelegenheiten vorgeführt oder durchgespielt werden kann, können wir ‚Rolle’ (part) nennen“ (Goffman 1998, S. 18). Die Darstellung einer Rolle wird als „Rollenspiel“ bezeichnet. Goffman vergleicht die Interaktion zwischen Personen mit einem Theaterstück, das aus Darstellern, ihren jeweiligen Rollen, dem Publikum und der Bühne, also dem Ort der Darstellung, besteht. Die Bühne wird in Vorder- und Hinterbühne unterteilt. Auf der Vorderbühne findet die „Aufführung“ der Rolle statt, auf der Hinterbühne wird diese Rolle vorbereitet. Der Akteur ist gezwungen, auf unterschiedlichen Bühnen, mit unterschiedlichen Partnern oder vor unterschiedlichem Publikum, unterschiedliche Rollen zu spielen. Um das an einem einfachen Beispiel zu verdeutlichen: Ein Familienvater „spielt“ zuhause den fürsorglichen Vater und lieben Ehemann. Bei der Arbeit ist er jedoch als Chef für einen Betrieb und mehrere Angestellte verantwortlich. Dort „spielt“ er den autoritären Chef und ehrgeizigen Geschäftsmann. Nach der Arbeit geht er zum Sport. Dort wiederum ordnet er sich in einer Mannschaft dem Trainer unter und „spielt“ den Mannschaftskameraden, der allen anderen gleichgestellt ist. Mit jeder sozialen Situation wechselt das Individuum seine Rolle und auch die sozialen Verhaltenszuschreibungen, die an den Einzelnen herangetragen werden. Goffman sieht dies immer auch als „Identitätsnormen“ an (Weiss 1998, S. 81). Das Ausüben mehrerer Rollen erfordert eine Rollentrennung. Die Rollentrennung wird dabei durch die Trennung des Publikums unterstützt und schützt damit wiederum vor Rollenkonflikten. Bei allen sozialen Rollen, die er spielt, muss sich der Akteur an soziale Rollenvorschriften halten. Bei jeder Rolle die ein Akteur übernimmt, stellt er fest, dass es bereits eine „Form“ dieser Rolle gibt, die man nur noch ausfüllen muss. So wird beispielsweise von einem Polizisten erwartet, dass er die Einhaltung der Gesetze kontrolliert und diese auch selbst einhält. Das Bild eines Diebes hingegen ist, dass er sich den Besitz Fremder eigenmächtig aneignet. So gibt es für jede Rolle ein bestimmtes Erwartungsbild. „Der Handelnde versucht, die an ihn gerichteten Erwartungen zu erfüllen, aber dennoch seine Auffassung von sich selbst, seiner ‚Identität’ und von der Situation einzubringen“ (Weiss 1993, S. 81). Die Art der Darstellung einer Rolle ist im Rahmen der Rollenerwartung also immer von der Identität, das heißt dem
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Selbst(bild), des Darstellers abhängig. Die Darstellung sagt also immer auch etwas über die eigentliche Identität aus. Um diese Identität zu schützen, ist nach Goffman jedoch immer eine gewisse Rollendistanz von Nöten. Besonders wichtig ist dabei „das Verhältnis zwischen Selbstverwirklichung auf der einen und der Ausführung sozialer Rollenvorschriften auf der anderen Seite [...] (Münch 2003, S. 288). In „Wir alle spielen Theater“ (1998) beschreibt Goffman verschiedene Aspekte des Rollenspiels, die auch diese Verhältnismäßigkeit bestimmen.
2.2 Aspekte des Rollenspiels
Bei der folgenden kurzen Erläuterung dieser Aspekte des Rollenspiels sind diese analog zu den Kapiteln in „Wir alle spielen Theater“ (Goffman 1998) angeordnet und bezeichnet:
Der Glaube an die eigene Rolle
Goffman (1998) unterscheidet zwei Arten des Rollenspiels. Die „aufrichtige“ und die „zynische“ Darstellung einer Rolle. Glaubt der Darsteller an seine Rolle und ist er von dem, was er ausdrückt auch tatsächlich überzeugt, so spricht man vom „aufrichtigen“ Rollenspiel. Ein Darsteller hingegen, der nicht ernsthaft an die Überzeugungen seines Publikums und seine ausgedrückten Einstellungen glaubt, wird als „zynisch“ bezeichnet. „Aufrichtig“ und „zynisch“ stellen hierbei die beiden Extreme des Rollenspiels dar. Zwischen ihnen liegt eine große Reihen von Kompromissen (Richard Münch 2003, S. 289). Eine Rolle kann also sowohl „zynisch“, als auch „aufrichtig“ gespielt werden. Oftmals findet sich aber auch eine strikte Trennung zwischen einer „aufrichtigen“ Spielweise hinter und einer „zynischen“ Darstellung vor der Bühne.
Fassade
Als Fassade bezeichnet Goffman „das standardisierte Ausdrucksrepertoire, das der Einzelne im Verlauf seiner Vorstellung bewußt oder unbewußt anwendet“ (Goffman 1998, S. 23). Sie beschreibt die Umstände eines Auftritts und gibt außerdem die Art des Rollenspiels an, die stattfindet. Dabei lassen sich zwei Typen der Fassade unterscheiden. Zum einen gibt es die soziale Fassade, die das Umfeld eines Rollenspiels beschreibt. Und zum anderen gibt es die persönliche Fassade, die den Auftritt des Akteurs und die Art und Weise des Rollenspiels definiert (Münch 2003, S. 290).
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Arbeit zitieren:
Tom Seidel, 2006, Erving Goffman - „Der dramaturgische Ansatz“ und die Analyse totaler Institutionen, München, GRIN Verlag GmbH
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Erving Goffman - "Interaction order"
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