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Examensarbeit, 2001, 121 Seiten
Autor: Anja Kunjandy
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Tags: Erzählen; Grundschule; Primarstufe; mündliches Erzählen; Theorie des Erzählens; Erzählen in Schulbüchern
Jahr: 2001
Seiten: 121
Note: 1.0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14366-0
Dateigröße: 290 KB
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Erzählen in der Grundschule
Examensarbeit
von
Anja Kunjandy
20.09.01
Inhaltsverzeichnis
Eidesstattliche Erklärung ... 2
0 EINLEITUNG ... 3
A THEORETISCHE GRUNDLAGEN ... 6
1 ERZÄHLEN IM ALLTAG ... 6
Exkurs: Literarisches Erzählen ... 9
1.1 Erzählen in Abgrenzung zum Berichten und Beschreiben ... 10
1.2 Die "Ungewöhnlichkeit" als Kennzeichen einer Erzählung ... 12
1.3 Das Erzählen nach dem Höhepunkt-Modell (LABOV/WALETZKY) ... 13
1.4 Kommunikative Funktionen des Erzählens ... 16
1.5 Resümee ... 21
2 DER ERZÄHLERWERB ... 22
2.1 Der Erzählerwerb als kognitiver Prozess (BOUEKE ET AL.) ... 24
2.1.1 Strukturmodelle in der bisherigen Erzählforschung ... 24
2.1.2 Die Entwicklung eines neuen Modells ... 25
2.1.3 Das Modell und die Ergebnisse der Untersuchung ... 26
2.1.4 Kritik am Verfahren ... 33
2.2 Der Erzählerwerb als interaktiver Prozess (HAUSENDORF/QUASTHOFF) ... 35
2.2.1 Das Modell und seine Konstituenten ... 37
2.2.2 Die Rolle des Zuhörers ... 40
2.2.3 Abschließende Ergebnisse ... 42
2.3 Der Vollzug des Erzählerwerbs beim Spracherwerb (WAGNER) ... 44
3 ERZÄHLEN IN DER GRUNDSCHULE ... 48
3.1 Zur Berücksichtigung des mündlichen Erzählens in den Richtlinien ... 51
Exkurs: Mündliches Erzählen vs. Schriftliches Erzählen ... 53
3.2 Resümee ... 55
B EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG ... 57
4 DIDAKTISCHE KONZEPTE - EINE BESTANDSAUFNAHME ... 57
4.1 BARTNITZKY, Sprachunterricht heute ... 59
4.2 HAUSENDORF/WOLF, Erzählentwicklung und -didaktik ... 64
4.3 LUDWIG, Die Schulerzählung oder Erzählen in der Schule ... 67
4.4 Die Grundschulzeitschrift 132/2000 ... 70
4.5 CLAUSSEN/MERKELBACH, Erzählwerkstatt ... 74
4.6 Zeitschrift "Grundschule", Erzählen - Zuhören - Erzählen ... 88
4.7 CLAUSSEN, Erzählen lernen in der Grundschule ... 91
4.8 HAUEIS, Bildergeschichten nacherzählen - leichter gesagt als getan! ... 91
4.9 Ergebnisse der Untersuchung ... 92
5 UNTERRICHTSMATERIALIEN - EIN ÜBERBLICK ... 94
5.1 Pusteblume ... 101
5.1.1 2. Schuljahr ... 101
5.1.2 4. Schuljahr ... 102
5.2 Bausteine Sprachbuch ... 104
5.2.1 2. Schuljahr ... 104
5.2.2 4. Schuljahr ... 108
5.3 Ergebnisse der Untersuchung ... 110
C SCHLUSSWORT ... 112
LITERATURVERZEICHNIS ... 114
Didaktische Konzepte ... 117
Sprachbücher ... 119
0 Einleitung
"Erzählen? - Was kann man darüber schreiben? Es stimmt; in der Schule wird viel erzählt, aber darüber nachdenken oder darüber sprechen tut man eigentlich nicht."
Diese und ähnliche Zitate, von Lehrern geäußert, gaben den Ansporn für die vorliegende Arbeit.
Erzählen gehört zum Alltag eines jeden Menschen. Jedoch ist unser Bild vom Erzählen geprägt von perfekten Erzählungen professioneller Erzähler, der Literaten. Dieses Erzählen ist allerdings ein schriftliches Erzählen, das gewissen Regeln unterliegt. Das alltägliche Erzählen gerät demgegenüber in den Hintergrund und erscheint als ebenso selbstverständlich wie belanglos; eine theoretische Beschäftigung damit gilt als überflüssig.
Eine solche Überlegung steht jedoch im Widerspruch zur tatsächlichen Rolle des Erzählens im Alltag, denn: "Wer gut erzählen kann, erfreut sich der Wertschätzung seiner Umgebung. Wer zu oft erzählt, kann in Konflikt geraten mit den institutionell verlangten Tätigkeiten; wer schlecht erzählt, steht leicht abseits, und wer es ganz lässt, sieht seine sozialen Handlungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt." Dieser Aussage zufolge ist das Erzählen also viel zu wichtig, als dass eine bevorzugte Behandlung des literarischen Erzählens zu rechtfertigen wäre.
Wenn die Schule sich des Erzählens annimmt, muss sie sich vor Augen führen, dass sie sich mit einem Gegenstand befasst, der für die Schüler, auch außerhalb der Schule und jenseits literarischer Erwartungen, von großer Bedeutung ist.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem mündlichen Erzählen in der Grundschule. Die Entscheidung für die Thematik des mündlichen Erzählens liegt zum einen darin begründet, dass der mündliche Sprachgebrauch Ausgangspunkt und Medium des Unterrichts ist; er macht den größten Teil des Unterrichts aus. In ihm findet Austausch, Erarbeitung und Verständigung statt. Die Kinder bringen hier die am weitesten ausgebauten sprachlichen Fähigkeiten mit.
Innerhalb des mündlichen Sprachgebrauchs eignet sich, zum anderen, gerade das Erzählen für eine exemplarische Behandlung besonders gut, weil hier linguistische, entwicklungstheoretische und didaktische Aspekte am weitesten erforscht sind.
Insbesondere untersucht die vorliegende Arbeit die Fragestellung, ob die Schule, angesichts der Bedeutung des Erzählens im Alltag, in dem das Erzählen natürlich vornehmlich mündlich erfolgt, in der Lage ist, eine Chancengleichheit zwischen mündlichem und schriftlichem Erzählen anzustreben.
Da es notwendig ist, die empirischen Untersuchungsergebnisse durch eine theoretische Grundlage zu fundieren, gliedert sich diese Arbeit in drei Abschnitte:
Im ersten Teil der Arbeit (Kap. 1-3) werden die theoretischen Überlegungen dargelegt, welche die Grundlage für die empirische Untersuchung bilden. Neben der Rolle des Erzählens im Alltag (Kap. 1) und der Darstellung des Erzählerwerbs (Kap. 2) werden wesentliche Widersprüche thematisiert, die sich aus dem Erzählen in der Grundschule ergeben (Kap. 3). Die vielfach geäußerte Kritik über die diskriminierende Behandlung des mündlichen Erzählens gegenüber dem schriftlichen Erzählen wird außerdem Thema des dritten Kapitels sein.
Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der empirischen Untersuchung. Ziel der Untersuchung ist es, zu überprüfen welchen Stellenwert die Schule dem mündlichen Erzählen beimißt, d.h. ob sie sich der oben ausgedrückten Kritik beugen muss oder handfeste Gegenargumente aufzuweisen hat. Anhand einer Reihe von erzähldidaktischen Konzepten, die auch daraufhin durchforstet werden, inwiefern sie die theoretischen Grundlagen berücksichtigen und einer exemplarischen Auswahl von Sprachbüchern, soll versucht werden, diese Frage hinreichend zu beantworten.
Im abschließenden Schlusswort wird die eingangs gestellte Fragestellung aufgegriffen und in ihren wesentlichen Aussagen zusammengefaßt. Mithilfe der sich daraus ergebenden Erkenntnisse soll ein Ausblick für angemessene Förderungsmöglichkeiten des mündlichen Erzählens in der Schule gegeben werden.
Anhand der empirischen Arbeit wird also der Versuch unternommen, exemplarisch darzulegen, ob die Schule in der Lage ist, das mündliche Erzählen gemäß seiner Bedeutung im Alltag zu würdigen oder eher den literarischen Erwartungen folgt und dem schriftlichen Erzählen demnach den Vorrang lässt.
Es sei darauf hingewiesen:
Der Einfachheit halber verwende ich in der Arbeit bei Bezeichnungen für Personen oft die männliche Form; weibliche Personen sind hier selbstverständlich gleichermaßen mit einbezogen.
A Theoretische Grundlagen
1 Erzählen im Alltag
Erzählen im Alltag meint eine Tätigkeit, die sich im Bereich des Üblichen, des Gewöhnlichen, des Tagtäglichen abspielt. "Alltag" bezeichnet nach KONRAD EHLICH die Lebenswelt der Mehrheit. Er ist nicht nur aus dem Grund bedeutend, weil er einen großen Teil eines jeden Menschen ausmacht, sondern weil in ihm die tatsächliche Selbstverständigung stattfindet. Er ist der reale Handlungsraum, in "dem die gesellschaftlichen Widersprüche aufeinanderstoßen" ; bestimmt ist er durch seine Massenhaftigkeit.
[...]
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