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Die vorgegebene )UDJHVWHOOXQJder Hausarbeit lautet: Ist das diffuse, sozialisa-torische Milieu einer Pflegefamilie besser für die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen als das strukturierte, durch spezifische Rollenbeziehungen geprägte, Milieu einer Heimeinrichtung?
Möchte man dieser Fragestellung nachgehen, so erweist es sich als schwierig, wenn nicht gar unmöglich beide Erziehungssysteme miteinander zu vergleichen. Jedes für sich bietet besondere Vor- und Nachteile. Jedes für sich kann nur nach subjektiven Empfinden der heranwachsenden jungen Menschen beurteilt werden. Aus diesem Grund möchte ich mich bei der Erörterung dieser Frage ausschließlich darauf konzentrieren, die für die Identitätsentwicklung eines jungen Menschen entscheidenden Punkte herauszuarbeiten. Wenn ein Kind nicht in seiner Herkunftsfamilie aufwachsen kann und Hilfe zur Erziehung beansprucht wird, so bieten sich drei grundsätzliche Möglichkeiten der Unterbringung des Betroffenen. Die Adoption, Heimerziehung oder Pflegefamilie. Immer stellt sich die Frage, welche der drei Formen als die am besten geeignete betrachtet werden kann. Kinder, die aus ihrer Ursprungsfamilie herausgerissen werden, aus welchen Gründen auch immer, befinden sich in der Situation, dass sie mindestens schon eine Trennung hinter sich haben. Oft führt dies dazu, dass sie unter schweren traumatischen Erlebnissen leiden. Das wiederum ruft in ihnen ein gesteigertes Bedürfnis nach Sicherheit, welches gleichzeitig das zentrale Bedürfnis des Kindes darstellt, hervor. Glücken kann die Erziehung nur, wenn existenzielle Grundbedürfnisse des Kindes befriedigt werden (Zwernemann 2001:192).
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An dieser Stelle möchte ich eine wichtige Voraussetzung für die Bearbeitung des Themas, nämlich die Sozialisation bzw. die Identitätsentwicklung eines Menschen, darstellen. Diese Darstellung soll vor allem darauf verweisen, was für ein Kind in seiner Entwicklung von besonderer Bedeutung ist. Als weiteres soll sie
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als Vergleichsmaterial zur einer Heim bzw. Pflegefamilienerziehung dienen und auf mögliche Abweichungen verweisen.
Identität stellt ein dynamisches, prozesshaftes Konzept dar. Sie muss immer wieder hergestellt werden. Sie hat immer etwas mit der biographischen Entwicklung von Menschen zu tun. Dabei spielt das Wissen um die eigene Herkunft, seine Wurzeln die entscheidende Rolle. Die Selbsvergewisserung, vor allem im jungen Erwachsenenalter ist von herausragender Bedeutung, da sie zu einer gelingenden Lebenspraxis dazugehört (Gehres 2002).
Die 6R]LDOLVDWLRQ und die ,GHQWLWlWVDXVELOGXQJ eines Kindes stellen einen komplexen Prozess dar. Unmittelbar nach der Geburt stellt sich das Neugeborene als körperlich, geistig und seelisch hilflos dar, wodurch es vollkommen auf soziale Hilfe angewiesen ist. Die Hilfe soll dem Kleinkind günstige Entwicklungschancen eröffnen. In der Regel wird diese durch eine feste Bezugsperson, meist die Mutter, realisiert. Sie stellt dem Kind nicht nur Nahrung zur Verfügung, sondern steuert die Vielzahl der Lernvorgänge, die das Kind in seiner Entwicklung
durchläuft. Hier bildet das Kind im Idealfall das Ä8UYHUWUDXHQ³ aus und lernt durch Lob, Anerkennung und Strafe. Darüber hinaus versichert sich das Kind ständig der emotionalen Nähe. Der Lernprozess verläuft umso erfolgreicher, „je intensiver, eindeutiger und widerspruchsfreier der Interaktionsprozess zwischen wenigen Bezugspersonen und Kind verläuft.“ (Heitkamp 1989:100). Es besteht ein konsistentes Lebensumfeld, indem das Kind die Übersicht über die jeweiligen Bezugspersonen besitzt. Weitere Faktoren, die die Entwicklung eines Kindes fördern, können zum Beispiel aus dem Klima des persönlichen Angenommenseins und der Wertschätzung erwartet werden, aber auch durch ein freundlich gestaltetes Interaktionsfeld und ein überschaubares Lernfeld, in dem „der junge Mensch wiederkehrende Erfahrungen in Lernvorgänge einordnen und internalisieren kann und dabei Sicherheit und Selbstvertrauen gewinnt.“ (Heitkamp 1989:101). Die bezeichneten Voraussetzungen lassen sich jedoch nur dann aufrechterhalten, wenn das Familienleben nicht durch Beziehungsstörungen oder andere Defekte, z. B. materieller Art, geprägt sind.
0HDGgeht davon aus, dass ein Kind zuerst von seinen Eltern lernt. Zuerst reagiert es auf die Eltern, später entwickelt sich ein Bild der eigenen Person, welches es nur ausbilden kann, wenn vorher ein Bild von anderen entstanden ist.
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Die Ä,FK,GHQWLWlW³ (Self) bildet sich aus dem Zusammenspiel zwischen Ä,³ und Ä0H³, wobei das „I“ den Organismus an sich, die Kreativität und die eigenen Bedürfnisse des Individuums beschreibt, das „Me“ dagegen die soziale Umwelt, Werte, Normen und Erwartungen der Gesellschaft an das Individuum darstellen. Das Kind durchläuft den Prozess der Identitätswerdung indem es sowohl im
Spiel SOD\bei der Übernahme der Mutter- bzw. Vater-Rolle, als auch im organisierten Spiel JDPH bei der Anwendung von Regelwerken, wie sie zum Beispiel im Fußball vorkommen (dabei steht das Verhalten des Kindes nicht nur in Abhängigkeit vom Regelwerk, sondern auch von allen Mitspielern), lernt die jeweiligen Vorgehensweisen zu übernehmen und zu deuten. Somit geht Identität immer aus der Gesellschaft hervor (Baldwin 1986:106-122). Auch nach Erikson entsteht Identität „an den Schnittstellen von persönlichen Entwürfen und sozialen Zuschreibungen.“ (Krappmann 1999:66).
Die 6R]LDOLVDWLRQVIRUVFKXQJ geht davon aus, dass sich die individuelle Persönlichkeit im aktiven Austauschprozess mit gesellschaftlichen
Gegebenheiten ausformt. Sozialisation findet immer statt, auch wenn die bewusst-willentliche Komponente des Erziehens fehlt (Wiswede 1985:112). Grundsätzlich kann zwischen drei Arten der Sozialisation unterschieden werden.
• der primären (durch Elternhaus, Herkunftsfamilie bestimmt),
• sekundären (durch Gleichaltrige, Schule usw.) und
• die tertiären (durch wechselnde Umgangspersonen, Beruf und Arbeit) (Wiswede 1985:113).
Die Forscher gehen davon aus, dass die Prägkraft innerhalb der Phase der SUL PlUHQ 6R]LDOLVDWLRQ außerordentlich groß ist, innerhalb der späteren Lebensjahre nimmt diese ab. Auf der anderen Seite kann festgehalten werden, dass zwar die ersten Lebensjahre als besonders wichtig gehalten werden, jedoch ein Individuum lebenslang vor neuen Rollensituationen steht und dadurch immer wieder neuen Lernprozessen unterworfen bleibt (Wiswede 1985: 114).
Mit der VHNXQGlUHQ6R]LDOLVDWLRQnimmt die Attraktivität der Eltern als Bezugspersonen stets ab und verlagert sich in die Gleichaltrigengruppen. Den Eltern werden Orientierungen zugesprochen, die sich an Erfolgsorientierung, Aufga-
benbewältigung und Zukunftsorientierung festmachen. Den 3HHUVdagegen eher die Entwicklung des Selbstbildes, Entwicklung sozialer Motive wie Kontakt,
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Affiliation (Wechsel der Loge eines Freimaurers; Tochtergesellschaft), Kommunikation. Hier werden bestimmte Rollen zum Ausdruck gebracht und Konfliktsituationen bewältigt (Wiswede 1985:115).
Die WHUWLlUH6R]LDOLVDWLRQ, auch als Erwachsenensozialisation bezeichnet, findet als ein lebenslanger Prozess statt. Sie wird vor allem mit der Berufsrolle, mit wechselnden Berufsrollen usw., in Verbindung gebracht. Die Verhaltenseinstellungen sind hier mehr vom jeweiligen Arbeitsbereich abhängig und deshalb für die weitere Diskussion in dieser Hausarbeit ungeeignet, da sie für die Kindes-und Jugendsozialisation innerhalb von Pflegefamilie bzw. Heimerziehung als unbedeutend erscheinen (Wiswede 1985: 115/116).
Der Familie, als besondere soziale Einheit, wird folglich eine besondere Bedeutung eingeräumt. Außer Frage steht auch, dass „die Beziehungsqualität, in der ein Kind aufwächst, für sein Überleben essentiell und von prägender Bedeutung für den weiteren Lebensweg ist.“ (Kreppner 1999:183). Die Besonderheit der Familie liegt nicht zuletzt in der Vielfältigkeit der verschiedenen Beziehungen. Sowohl die Beziehung zwischen Eltern und Kind, als auch die Beziehungsstruktur innerhalb der Familie werden zunehmend als bedeutend betrachtet. Deutlich wurde auch, dass zur Pflegeperson eine besondere emotionale Bezogenheit besteht. „Informationen über Beziehungen sind also von außerordentlicher Bedeutung für die Konstruktion der Lebenswelten, wie sie Kinder gerade in Zeiten individueller Entwicklungsschübe beim Heranwachsen in ihren Familien vornehmen.“ (Kreppner 1999:189).
Zusammenfassend kann man an dieser Stelle bemerken, dass die Besonderheit von Familie darin liegt, dass alle Beteiligten die Beziehungen (die Anzahl derer) überschauen und untereinander feste Beziehungen ausbauen können. Es wird darauf verwiesen, dass vor allem in den ersten Lebensjahren eines Menschen ein fester Bezugspunkt von besonderer Bedeutung ist. Später spielen jedoch die Beziehungen innerhalb von Gleichaltrigengruppen eine größere Bedeutung.
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Arbeit zitieren:
Anna Eckert, 2002, Pflegefamilie oder Heim? Die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Erziehungskontexten - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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