Zusammenfassung
Am 04. Juli 2006 um 23:02 sind auch die letzten Hoffnungen auf einen Finaleinzug der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM zunichte gemacht. Deutschland verliert das Halbfinale gegen Italien, kurze Zeit später wird Italien Fußball-Weltmeister. Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft ist verloren, doch möglicherweise konnte Deutschland beim volkswirtschaftlichen Wachstum einen Gewinn -durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM bewirkt - verzeichnen. Um die Auswirkungen dieser Sportgroßveranstaltung bemessen zu können, müssen zunächst durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM bewirkte Einflussfaktoren bekannt sein. Im Anschluss an die Quantifizierung der Auswirkungen werden die Ergebnisse abschließend hinsichtlich ihrer Qualität bewertet.
FIFA Fußball-Weltmeisterschaften TM gehören neben den Olympischen Spielen zu den Sport-Mega-Events. Als solcher ist die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM Magnet eines internationalen Publikums. Ein wesentlicher Unterschied zu den Olympischen Spielen ist das hervorstechende Merkmal, dass die sozio-ökonomischen Auswirkungen sich nicht alleine auf einen regionalen Raum, sondern auf das gesamte Bundesgebiet beziehen.
Mit dem Wissen um die Charakteristika dieses Mega-Sport-Events können Einflussfaktoren definiert werden, die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM induziert werden und sich auf die Volkswirtschaft Deutschlands auswirken. Für diese Untersuchung werden die Stadioninvestitionen in alle 16 Bewerberstadien, die öffentlichen Investitionen, die Ausgaben ausländischer Touristen und die Nutzenrückflüsse bzw. Betriebskosten aller 16 Bewerberstadien identifiziert.
Die Berücksichtigung aller 16 Bewerberstadien ist eine wesentliche Differenz im Vergleich zu der Analyse nach Kurscheidt. Dadurch ergeben sich erhöhte Stadioninvestitionen und erhöhte Nettoergebnisse der Stadionbetreibung. Weiterhin ist ein signifikanter Unterschied zu der Kurscheidt’schen Analyse die Berücksichtigung „echter“ öffentlicher Investitionen. Bei den Ausgaben ausländischer Touristen sind innerhalb beider Untersuchungen ähnliche Ergebnisse vorhanden. Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft werden durch die Mul-tiplikatorwirkungen sowohl auf die Tourismusausgaben als auch auf sämtliche Investitionen verstärkt. Der wirtschaftlichen Erfolg des OK’s war zum Zeitpunkt dieser Untersuchung bereits bekannt und musste im Gegensatz zu Kurscheidt nicht prognostiziert werden.
Zwei Rechengrößen erfassen die wirtschaftlichen Auswirkungen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM . Der diskontierte Nettonutzen und die Nettogegenwartswerte. Auffällig beim Vergleich der Nettonutzen sind die erheblichen Unterschiede zu den Ergebnissen von Kurscheidt. Die Nettogegenwartswerte beschreiben unter günstigen Rahmenbedingungen einen nachhaltigen Wohlfahrtszuwachs von knapp 5,5 Mrd. € in 2015, unter ungünstigen Rahmenbedingungen jedoch volkswirtschaftliche Verluste von insgesamt mehr als 2,2 Mrd. € bis zum Jahr 2015. Ergebnisse anderer Studien erlauben die Unterstellung günstiger Annahmen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung unter der Restriktion günstiger Rahmenbedingungen können als absolut valide bezeichnet werden.
Die Variablen Zeit und Mittel, veranlassen zu kritischen Auseinandersetzung mit dieser Untersuchung. Ebenso lässt sich die Abgrenzungsproblematik und die subjektive Erfassung der Einflussfaktoren nicht eindeutig lösen. Die Wahl des Zeitpunktes der Untersuchung kann mithin als durchaus frühzeitig betrachtet werden.
Vorwort
Dieser Bericht entstand im Rahmen des Moduls: Individual Topics. Die Themenwahl des Berichts war den Studierenden freigestellt und lediglich dadurch eingeschränkt, dass das Thema einen Bezug zum Studiengang aufzuweisen hat.
Dadurch wurde ich in die glückliche Position versetzt, ein Thema zu wählen, mit dem ich mich identifizieren kann. Eine gerade vergangene FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM hat ganz Deutschland begeistert. Nie zuvor habe ich solch eine euphorische Stimmung erleben dürfen, nie zuvor hat Deutschland seinen Nationalstolz so offen gelebt wie während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM . Auch wenn Deutschland eine schmerzliche Halbfinalniederlage gegen Italien hinnehmen musste - ich selber war zu dem Zeitpunkt des Ausscheidens in den Dortmunder Westfalenhallen - hat Deutschland dennoch durch diesen Event profitiert. Sei es durch den neu entdeckten Nationalstolz oder durch den Imagegewinn einer ganzen Nation.
Dieser Bericht versucht die Frage zu beantworten, ob die Volkswirtschaft Deutschland durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM auch zu den Gewinnern gezählt werden kann. Ich hoffe, Sie haben beim Lesen dieses Berichts genauso viel Spaß, wie es mir Spaß bereitet hat, das Thema zu bearbeiten und oben genannte Frage zu beantworten. Mein besonderer Dank gilt der deutschen Fußballnationalmannschaft für eine tolle Turnierleistung, für die Initialzündung oben beschriebener Stimmung und für die Beeinflussung meinerseits hinsichtlich der Themenwahl. Ich habe eine Motivation wiederentdeckt, die ich lange Zeit vermisst habe.
Christian Hilscher Straelen, 15. November 2006
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung 2
Vorwort 3
Inhaltsverzeichnis 4
1 Einführung 5
Charakterisierung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM
2 7
3 Grundlagen der Analyse 8
3.1 Die Methode der Kosten-Nutzen-Analyse nach Kurscheidt 8
Induzierte Effekte durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM - die
3.2
Abgrenzungsproblematik der Einflussfaktoren 9
3.2.1 Die Stadioninvestitionen 10
3.2.2 Öffentliche Investitionen 11
3.2.3 Tourismusausgaben 12
3.2.4 Das Nettoergebnis der Stadienbetreibung 13
4 Daten und Dynamik der Kosten-Nutzen-Analyse 14
5 Empirische Befunde 17
6 Bewertung und Einordnung der Ergebnisse 19
7 Kritische Würdigung 20
Literatur - und Quellenverzeichnis 22
Tabellenverzeichnis 24
Abbildungsverzeichnis 25
Verzeichnis der Anhänge 26
5
1 Einführung
„Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Mann 90 Minuten einem Ball hinterherlaufen, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ 1
Es ist Mittwoch, der 04. Juli 2006, 23:00 Uhr: Die zweite Spiel-Hälfte der Verlängerung neigt sich dem Ende, die Zuschauer vor dem heimischen Fernseher, auf den zahlreichen Public-Viewing-Plätzen und die wenigen Glücklichen, die sich in dem Besitz einer Karte befinden, erwarten das Elfmeterschießen. Nichts kann die deutsche Mannschaft jetzt noch von dem Einzug ins Finale abhalten. Das Elfmeterschießen kennt nur einen Sieger: Deutschland. Das wissen die Italiener spätestens seit dem Elfmeterkrimi der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Argentinien.
In dieser trügerischen Gewissheit des sicheren Sieges geschieht das Unmögliche: in der 122. Spielminute erzielt Fabio Grosso mit einer Bogenlampe in die linke Ecke unhaltbar für Lehmann das 1:0 für Italien - mitten in das Herz einer ganzen Fußballnation. Totenstille im Stadion, Totenstille in ganz Deutschland - von den wenigen Tifosi abgesehen. Das 2:0 für Italien durch Alessandro del Piero zwei Minuten später begräbt auch die letzten Hoffnungsschimmer der noch verbliebenen Optimisten. Das Spiel ist aus. Und mit diesem Spiel endet der Traum des wiederholten Titelgewinns nach 1974 im eigenen Land.
Mit berauschendem Fußball eroberte die deutsche Mannschaft während des Turniers die Herzen einer ganzen Nation. Die Euphorie während des Turniers war einzigartig, nur der Gewinn des Weltmeisterschaftstitels hätte diese unvergessliche und unvergleichliche Stimmung noch weiter steigern können. Doch Gary Lineker sollte zum Entsetzen aller Fans der deutschen Elf Unrecht behalten. Am Ende gewannen nicht die Deutschen...
... oder doch? „Fußball is’ auf’m Platz“ 2 und „Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt“ 3 . Auch wenn die Chance auf den Titel im eigenen Land nunmehr unwiderruflich verloren gegangen ist, stellt sich die Frage, inwieweit (die Volkswirtschaft) Deutschland durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM möglicherweise an Wachstum gewinnen konnte. Die vorliegende Untersuchung verfolgt im Wesentlichen drei Ziele: Zum einen analysiert diese Untersuchung solche Einflussfaktoren, die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM induziert werden und sich auf das volkswirtschaftliche 4 Wachstum auswirken. Zum anderen wird versucht, dass Wirtschaftswachstum unter günstigen und ungünstigen Rahmenbedingungen zu quantifizieren. Als drittes Ziel erfolgt die Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Qualität.
„Statistik? Welche Statistik stimmt schon? Statistisch gesehen ist jeder vierte Mensch Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“ 5 Dem Motto dieses Zitates folgend sind eine Vielzahl von Studien zu den volkswirtschaftlichen Auswirkungen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM veröffentlicht worden. Die Aussagen über Auswirkungen der FI-
1 Freinach Gary Lineker, ehem. engl. Fußball-Nationalspieler: „Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes, and at the end the Germans always win”.
2 Sepp Herberger, ehem. Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (1936-1942 und 1950-1964). Fußball-Weltmeister 1954.
3 Günter Rexrodt, Bundesminister für Wirtschaft von 1993 - 1998.
4 Wenn im Folgenden von wirtschaftlich, volkswirtschaftlich, gesamtwirtschaftlich ect. (...) die Rede ist, bezieht sich diese Aussage stets auf die Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland.
5 Werner Hansch bei der Kommentierung des Länderspiels Frankreich - Deutschland.
6
FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM auf die Volkswirtschaft Deutschland sind in etwa so zahlreich wie die Studien selber.
Die hohe Anzahl an unterschiedlichen Ergebnissen hat im Wesentlichen drei Ursachen: Zunächst ist zu berücksichtigen, dass das Spektrum an Ergebnissen sich dadurch begründet, dass den jeweiligen Studien unterschiedliche Prognosemodelle zur Berechnung der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen vorliegen, was sich letzten Endes in den benannten unterschiedlichen Ergebnissen manifestiert. Als zweite Ursache muss angeführt werden, dass durch die Subjektivität der Autoren die Fragestellung, welche Impulswirkung tatsächlich durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM hervorgerufen wird und welche Impulswirkung durch Substitutionseffekte wieder nivelliert wird, verschieden beantwortet wird. Und die dritte Ursache für die Vielzahl an Ergebnissen resultiert aus den Zeitpunkten der Untersuchung. Ein Großteil dieser Studien ist bereits im Vorfeld der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM erschienen. Dementsprechend können die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM induzierten Wachstumsimpulse lediglich prognostiziert werden.
Diese drei Ursachen beeinflussen auch den Gang der vorliegenden Untersuchung. Bei der Wahl des Prognosemodells wird auf die Kosten-Nutzen-Analyse 6 nach Kurscheidt 7 zurückgegriffen. Die KNA wird von der Mehrheit der Sportökonomen als das am besten geeignete Modell zur Bewertung von Sportgroßveranstaltungen beurteilt. In der vorliegenden Untersuchung wird versucht - nach bestem Wissen und Gewissen - alle für die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM relevanten Einflussfaktoren zu identifizieren. Aufgrund des Zeitpunktes dieser Untersuchung (Stand: Oktober 2006) kann eine Reihe von Daten, die in anderen Studien prognostiziert werden mussten, nun exakt ermittelt werden. Aufgrund der schon durch die Verwendung des Prognosemodells gegebenen Nähe zu der Untersuchung nach Kurscheidt, wird ein Vergleich der empirischen Befunde beider Untersuchungen angestrebt.
Kapitel 2: Charakterisierung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM beschreibt den Event-Charakter der Sportgroßveranstaltung. In Kapitel 3: Grundlagen der Analyse wird zunächst das Prognosemodell der Kosten-Nutzen-Analyse vorgestellt und im Anschluss wird versucht, alle relevanten durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM induzierten Ein-flussfaktoren auf das wirtschaftliche Wachstum zu benennen. Kapitel 4: Daten und Dynamik der Kosten-Nutzen-Analyse erklärt die Daten, auf denen diese Untersuchung basiert und vergleicht die Daten mit denen von Kurscheidt. Die Differenzen sowohl der Einflussfaktoren als auch der Daten - jeweils im Vergleich zu Kurscheidt - führt in der Konsequenz zu differenzierten Untersuchungsergebnissen, dargestellt in Kapitel 5: Empirische Befunde. Durch die Bewertung der Ergebnisse in Kapitel 6: Bewertung und Einordnung der Ergebnisse wird die Qualität der zuvor ermittelten Ergebnisse untersucht. Kapitel 7: Kritische Würdigung schließt den Bericht.
6 Im Folgenden auch KNA genannt.
7 Kurscheidt, veröffentlicht im Internet (Abfrage 31.10.2006 um 13:05).
7
2 Charakterisierung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM
FIFA Fußball-Weltmeisterschaften TM sind Sportgroßveranstaltungen und zählen - wie die Olympischen Sommer- und Winterspiele auch - zu den sogenannten Sport-Mega-Events. Es entspricht dem Charakter derartiger Veranstaltungen, dass diese Sport-Mega-Events überall auf der Welt in genau der gleichen Art und Weise nach den gleichen Regeln ausgerichtet werden können. Sport-Mega-Events sind weder abhängig von der lokalen Kultur noch dem politischen bzw. wirtschaftlichen System.
FIFA Fußball-Weltmeisterschaften TM werden in dem regelmäßigen Turnus von vier Jahren ausgetragen. Insbesondere aufgrund der Neuregelung, dass bei der Vergabe der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft TM jeder Kontinent nur noch alle 20 Jahre einen Austragungsort beheimatet, ist die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM für Deutschland ein einmaliges Ereignis. Dass eine FIFA Fußball-Weltmeisterschaft TM in einem ähnlich kurzen Intervall von 32 Jahren (Zeitraum zwischen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 1974 TM und der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM ) wiederholt in Deutschland stattfindet, ist nahezu ausgeschlossen. Vielmehr noch ist es sogar äußerst unwahrscheinlich, dass die Generation der heute 20-30jährigen nochmals zu Lebzeiten eine FIFA Fußball-Weltmeisterschaft TM im eigenen Land erleben wird.
FIFA Fußball-Weltmeisterschaften TM sind Magnet eines internationalen Publikums und finden globale Beachtung. Eine bedeutende Besonderheit der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM und ein wesentlicher Unterschied zu den Olympischen Spielen ist das hervorstechende Merkmal, dass das Turnier über das ganze Land verteilt in verschiedenen Städten stattfindet, sodass eine ganze Nation an der Ausrichtung beteiligt ist. Dadurch beschränken sich die faktischen sozio-ökonomischen Auswirkungen nicht alleine auf einen regionalen Raum. Zwar sind auch bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 TM regional-lokal hauptsächlich die Spielorte betroffen, allerdings sind diese über das gesamte Bundesgebiet verteilt und im Gegensatz zu den lokal ausgerichteten Mega-Events (Olympische Spiele, Weltausstellung EX-PO) finden ungleich größere Transportbewegungen statt 8 .
8 Vgl.: Kurscheidt, veröffentlicht im Internet (Abfrage 31.10.2006 um 13:05).
Arbeit zitieren:
Christian Hilscher, 2006, Die Auswirkungen der Fussball- Weltmeisterschaft 2006 auf die Volkswirtschaft Deutschlands, München, GRIN Verlag GmbH
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