Otto-Friedrich-Universität Bamberg WS 2000/01
V: Methodische Grundlagen des soziokulturellen Heimat- und Sachunterricht in der Grundschule
Abgabe: 08.01.2001
Note: 2
Verfasserin:
Barbara Walzner Lehramt an Grundschulen
Fächer: Sozialkunde, Deutsch, Mathematik, Kunst, ev. Religion Fachsemester: 03
2
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1 Einführung S 4
2 Rollenspiel S 4
2.1 Einführung in das Rollenspiel in der politischen Bildung S 4
2.2 Durchführung von Rollenspielen S 5
2.2.1 Zeitliche Dauer und Ablauf von Rollenspielen S 5
2.2.2 Teilnehmer S 6
2.2.3 Lehrertätigkeit S 7
2.2.4 Rollendistanzierung S 7
2.2.5 Spielauswertung S 8
2.3 Mögliche Schwierigkeiten beim Rollenspiel S 8
2.4 Vorteile des Rollenspiels S 9
2.5 Beispiel: Rollenspiel in der Grundschule:
Zusammenleben braucht Regeln (2 4. Schuljahr) S 9
3 Planspiel S 12
3.1 Einführung in das Planspiel in der politischen Bildung S 12
3.2 Durchführung von Planspielen S 12
3.2.1 Zeitliche Dauer und Spielphasen S 12
3.2.2 Gruppeneinteilung S 13
3.2.3 Protokollführung S 14
3.2.4 Interaktionen S 14
3.2.5 Lehrertätigkeit S 14
3.2.6 Spielauswertung S 15
3.3 Mögliche Schwierigkeiten bei der Vorbereitung und Durchführung eines
Planspiels und Nachteile des Planspiels allgemein S 15
3
3.4 Vorteile des Planspiels S 16
3.5 Zur Konzipierung von Planspielen S 17
3.6 Beispiel: Planspiel in der Grundschule:
Entsorgung einer Stadt/ Gemeinde (3 /4. Klasse) S 18
4 Ausblick S 19
5 Handout für das Referat S 22
6 Ergänzungsaufgabe: Beispiel für ein Planspiel in der Grundschule:
Soll in unserem Dorf ein Feuerwehrhaus errichtet werden - ja oder nein? S 27
4
1 Einführung
Da rezeptive Lehr-/Lernverfahren allmählich immer mehr an Attraktivität und Wirksamkeit verlieren, und mit ihnen der nach wie vor äußerst dominante lehrerzentrierte Informationsunterricht 1 , hat man in der politischen Bildung nach anderen, größtenteils handlungsorientierten Methoden gesucht. Zwei davon, nämlich das Rollenspiel und das Planspiel sollen hier behandelt werden.
2 Rollenspiel
2.1 Einführung in das Rollenspiel in der politischen Bildung
„Beim Rollenspiel spielen einzelne Personen Rollen, die nicht von Autoren, sondern von gesellschaftlichen Mechanismen geschrieben wurden, mit dem Zweck, die darin implizierten Zwänge aus der subjektiven Erfahrung zu entäußern und so zum Objekt der Bearbeitung zu machen.“ 2 Ganz wesentlich ist die Vorgabe einer konkreten Situation, die gespielt werden soll (egal ob der Ausgang festgelegt ist, oder erst im Spiel selbst gefunden werden soll). Und da es beim Rollenspiel nicht um individuelle Besonderheiten geht, sondern um das „Typische“ (Rollenverhalten im soziologischen Sinne), sind dazu auch keine besonderen schauspielerischen Qualitäten nötig, da es nur um den Versuch geht, die Wirklichkeit spielerisch abzufotografieren. Besonders in der Grundschule, aber auch später ist die sachliche Reichweite zu beachten, d.h. sachlich können dem Rollenspiel nur solche Situationen zugrunde liegen, die dem Schüler aus eigener Lebenserfahrung hinreichend bekannt sind. 3 Zur Verdeutlichung des Sinns von Rollenspielen sei hier ein Beispiel angeführt: „Wenn der Stellenbewerber dem Arbeitgeber irgendeiner Ungeschicklichkeit wegen missfällt, kann er nicht sagen, „bitte das gilt nicht, noch mal von vorn“. Im Rollenspiel jedoch kann er die Situation mehrmals wiederholen, um sich an sie zu gewöhnen und ihre Fallstricke und Schwierigkeiten erkennen und überwinden zu lernen. Er kann mehrere Strategien erproben, um sich die beste zu
1 vgl. Klippert, Heinz (1988).: Planspiele in der politischen Bildung. Anregungen für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit. S.139
2 Giesecke, Hermann (1973): Methodik des politischen Unterrichts.S.82
3 vgl. Giesecke, Hermann (1973): Methodik des politischen Unterrichts.S.80
5
eigen zu machen.“ 4 Die Beteiligten lernen also, Handlungsregeln und Erwartungsstrukturen einer Rolle zu analysieren und Verhaltensänderungen einzuleiten; diese Widerspiegelung der Welt im Spiel, in der Simulation, präzisiert die Interaktion in Gruppen und ermöglicht ein Lernen in der Situation und aus der Beobachtung. 5 „Im Rahmen der politischen Bildung wird das Rollenspiel häufig genutzt als zielgerichtetes Verfahren, um für zwischenmenschliche Kommunikation zu sensibilisieren (eigene Haltungen und Gefühle zu äußern und besser zu verstehen); um den Blick für unterschiedliche Sichtweisen, Interessengegensätze und Machtgefüge durch die Übernahme verschiedener Rollen zu schärfen und um Probleme, Verhalten und Ereignisse antizipierend zu bearbeiten und zu erproben. 6 Es gibt verschiedene Arten des Rollenspiels. Das strukturierte Rollenspiel entspricht einem gesteuerten Lernen mit Vorgaben, Fakten, Informationen und Rollenzuweisungen, das unstrukturierte Spiel ermöglicht eher entdeckendes Lernen zur Erforschung persönlicher Situationen, wobei der Lernprozess sehr stark selbstgesteuert ist. 7
2.2 Durchführung von Rollenspielen
2.2.1 Zeitliche Dauer und Ablauf des Rollenspiels
Die Zeit, die für das Rollenspiel in Anspruch genommen wird, muss der Lehrer vom jeweiligen Rollenspiel und der Situation abhängig machen (Aktivität und Motivation der Schüler, Uhrzeit,...). Der Ablauf eines Rollenspiels lässt sich nach Shaftel und Shaftel in mehrere Stufen einteilen. 8 Nachdem die Gruppe „aufgewärmt“ wurde (in dieser Phase werden die Schüler mit dem Problem vertraut gemacht und haben Zeit, sich mit den Rollen vertraut zu machen), sucht der Lehrer die Akteure für das Rollenspiel aus. Eventuell können Karten mit den zu spielenden Eigenschaften als Gedächtnisstütze an die Spieler ausgeteilt werden. Dann wird gemeinsam der Szenenaufbau geplant und die zusehenden Kinder werden auf ihre Rolle als Beobachter vorbereitet (evtl. können ihnen Beobachtungsaufgaben
4 Schützenberger, Anne (1976): Einführung in das Rollenspiel. S.1
5 vgl. Mannheim-Runkel, Monika (1997): Spielend lernen. Entfaltung personaler Kompetenzen in Interaktionsspielen als Voraussetzung politischer Handlungsfähigkeit. S.452
6 Mannheim-Runkel, Monika (1997): Spielend lernen. Entfaltung personaler Kompetenzen in Interaktionsspielen als Voraussetzung politischer Handlungsfähigkeit. S.452f
7 vgl. Mannheim-Runkel, Monika (1997): Spielend lernen. Entfaltung personaler Kompetenzen in Interaktionsspielen als Voraussetzung politischer Handlungsfähigkeit. S.453
8 vgl. Shaftel, Fanny R. / Shaftel, George (1973): Rollenspiel als soziales Entscheidungstraining. S.49
6
gestellt werden, die sie anschließend in die Diskussion einbringen). „Es ist sogar nützlich, wenn möglichst viele sich an der Bearbeitung der Szene auch spielend beteiligen, bis sie hinreichend richtig konzipiert erscheint. Ziel des szenischen Spiels ist also „Richtigkeit“, nicht Agitation oder Aktion, aber auch nicht Gefühlsbetontheit oder Tragik bzw. Komik.“ 9 Mit der „Richtigkeit“ ist natürlich nicht eine einzige Lösung gemeint, sondern nur ein “Leitziel mit fließenden Grenzen“ 10 , denn in der Realität gibt es ja auch immer verschiedene Handlungsmöglichkeiten und nicht nur eine einzige. Entdecken die Schüler das nicht von selbst, muss die Lehrkraft dafür sorgen, dass mehrere Varianten erprobt werden. Nach einer weiteren Vergewisserung des Lehrers, ob die Akteure wissen, welche Position sie vertreten und ob sie, falls vorgegeben, das Ziel auch erreichen können; findet nun das eigentliche Rollenspiel statt. Im Anschluss daran erfolgt eine Diskussion und gegebenenfalls eine Bewertung. Kritik darf um der Schonung der Mitschüler Willen nicht außen vor gelassen werden, ist jedoch von Seiten des Lehrers darauf zu achten, dass nur konstruktive Kritik stattfindet und keine beleidigende, welche die Motivation hemmen und die Angst steigern könnte. Es können weitere Rollenspiele durchgeführt werden, vielleicht mit Änderungen und Erprobung neuer Verhaltensweisen. Auch hieran schließt sich wieder eine Diskussion an. Zum Schluss werden die gemachten Erfahrungen zusammengetragen und kindgerecht verallgemeinert (siehe Spielauswertung). Ganz entscheidend ist, dass den Schülern der Zweck des Rollenspiels verdeutlicht wird (Übungscharakter).
2.2.2 Teilnehmer
Die Anzahl der teilnehmenden Schüler an einem Rollenspiel ist begrenzt und muss für jedes Spiel neu vom Lehrer festgelegt werden. Da diese Methode für die meisten Schüler unbekannt ist, sollte mit leichten Rollenspielen begonnen werden, je geübter eine Klasse darin ist, desto mehr kann man den Schwierigkeitsgrad steigern. Durch das Herbeiführen einer gelockerten Atmosphäre kann der Lehrer die Angst der Teilnehmer vor dem Spiel abbauen und ein Sich-öffnen erreichen. Auf keinen Fall jedoch sollte jemand zum Mitmachen gezwungen werden. Ist der Andrang zu stark und die Zeit zu knapp, dass alle einmal spielen dürfen, ist es
9 Giesecke, Hermann (1973): Methodik des politischen Unterrichts.S.77
10 Giesecke, Hermann (1973): Methodik des politischen Unterrichts.S.78
7
sinnvoll, zu losen, um den Unmut vom Lehrer abzuwenden, da es der Zufall ist, der bestimmt, wer am Rollenspiel teilnehmen wird.
2.2.3 Lehrertätigkeit
Vor der Unterrichtsstunde, in der das Rollenspiel durchgefürt wird, bedarf der Lehrer einer guten Vorbereitung auf die Thematik, auch sollte er sich überlegen, welche Schüler am ehesten in welche Rolle passen würden. Während des Rollenspiels sollte sich der Lehrer weitgehend zurückhalten und schlüpft selbst in die Rolle eines Beobachters, evtl. noch in die eines Beraters und Mitspielers. Seine Aufgabe besteht darin, darauf zu achten, dass das Spiel nicht zu lange dauert und nicht ausartet. Nach Kaiser sollte das Rollenspiel abgebrochen werden, wenn das Gespräch in einer Sackgasse endet, wenn es zu einem Spiel im Sinne von rhetorischem Wettkampf wird, wenn es zu einem Streitgespräch auszuarten droht, wenn die Strategien der Teilnehmer für alle ersichtlich sind oder wenn eine Person zu sehr dominiert. 11 Massing dagegen vertritt die Ansicht, Lehrer sollten auch dann nicht eingreifen, wenn das Spiel zu scheitern droht, da das Herausarbeiten der Ursachen, die zum Scheitern geführt haben, Aufgabe der Auswertungsphase sei. 12 Meiner Meinung nach ist das eine gute Methode für ältere Schüler, um zu wichtigen Erkenntnissen, auch über das Methodische hinaus, zu gelangen; jedoch in der Grundschule würde ich nach Kaisers Regeln besser eingreifen, um die wesentlichen Inhalte, um die es geht, nicht zu verzerren. Des Weiteren ist es so, dass der Lehrer nicht von vornherein über die sachliche Einsicht verfügt, die der Schüler nur zu reproduzieren hätte, vielmehr können die Schüler sogar einen Erfahrungsvorsprung haben, denn welcher Lehrer weiß schon, wie der Feierabend bei der Szene „Feierabend in einer Arbeiterfamilie“ wirklich aussieht? 13 Der größte Einsatz kommt dem Lehrer in der Auswertungsphase zuteil.
2.2.4 Rollendistanzierung
Die Schüler brauchen nicht nur Informationen und das Unterrichtsgespräch, um sich in ihre Rollen einzufinden, sondern auch eine gewisse Zeit, um sich mit der zu
11 vgl. Schmidt, Sabine (1988): Rollenspiel, Fallstudie und Planspiel. Darstellung und Vergleich der Lehrmethoden. S.21
12 vgl. Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. Ausgewählte Methoden. S.24
Arbeit zitieren:
Barbara Walzner, 2001, Arbeitsformen in ihrer Bedeutung für die politische Bildung: Rollenspiel und Planspiel, München, GRIN Verlag GmbH
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