Inhaltsverzeichnis
Einleitung S.1
I. Allgemeiner theoretischer Teil
1. Gegenstandsbeschreibung. Betrachtung der Situation allein erziehender
Frauen S.3
1.1 Alleinerziehende und Armut S.3
1.1.1 Historische Betrachtung des Begriffs der Armut 5
1.1.2 Begriffsklärung des Begriffs „Armut“ 5
1.1.3 Interdependenz zwischen Armut und Wohngebiet 6
1.1.3.1 Fazit. 8
1.2 Wahrnehmung in Geschlechtstereotypen 8
1.3 Alleinerziehende Berufstätigkeit 10
1.4 Alleinerziehende und Überforderung 12
1.5 Kinder von Alleinerziehenden nach Trennung und Scheidung 13
1.6 Alleinerziehende und elterliche Sorge 15
1.7Alleinerziehende und Gesellschaft - Konsequenz der Erwachsenenbildung innerhalb der
Sozialen Arbeit mit Alleinerziehenden 18
1.8 Hilfsangebote für Alleinerziehende allgemein 19
1.9 Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Alleinerziehenden - Problemlagen
ausl ändischer Alleinerziehender 21
1.10 Allein erziehende Migrantinnen in der Familienselbsthilfe 23
1.11 Fazit 24
II. Theoretischer Teil
2. Denkmodelle und -systeme
2.1 Wissenschaftstheorie 24
2.1.1 Fazit 24
2.2 Gesellschaftstheorie 25
2.3 Menschenbild 26
2.3.1 Fazit 27
2.4 Neues Didaktikverständnis 27
2.5 Neues Kulturverständnis 27
2.6 Gender Mainstreaming 28
2.7 Fazit
Hilfe zur Selbsthilfe und an die Gesellschaft angepasstes „Just in Time Lernen“
S. 29
III. Empirischer Teil
3. Rechtfertigung der hier verwendeten forschungsmethodischen Vorgehensweise
S. 33
3.1 Erhebungsinstrumente
3.1.1 Methode Gruppendiskussion 35
3.1.2 Darstellungsmethode 39
3.1.3 Auswertungsmethode 39
3.1.4 Auswertung des Gruppeninterviews S 41
3.1.5 Bewertende Stellungnahme S. 45
3.1.5.1 Alleinerziehende und Armut
3.1.5.2 Armut und mangelndes Selbstbewusstsein 3.1.5.3 Depression S. 47
3.1.5.4 Ausländisch und allein erziehend, ein Stigma? S. 48
3.1.5.5 Ausländische allein erziehende Frauen bekommen keine Arbeit S. 48
3.1.5.6 Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe
3.1.6 Thematisches Stichwortverzeichnis
3.2 Methode des problemzentrierten Interviews ausgehend von der Fragestellung: „Welche momentanen Angebote gibt es bei der Diakonie Freiburg e.V. für die ausländischen Alleinerziehenden?“ S. 49
3.2.1 Auswertung des problemzentrierten Interviews vom Diakonieverein Freiburg e.V.. mit der Auswertungsmethode der qualitativen Inhaltsanalyse S. 51
3.2.1.1 Qualitative Inhaltsanalyse des Interviews - Zusammenfassende Inhaltsanalyse S. 52
3.2.1.2 Explizierende Inhaltsanalyse: Hinzuziehen von zusätzlichen Materialien (z.B. Informationen über Befragte, andere Interviewpassagen) S. 56
3.3 Zur Representativität der Erhebungsmethoden der Gruppendiskussion und des problemzentrierten Interviews S. 56
3.4 Fazit S. 57
3.4.1 Schlusswort S. 59
4. Literaturverzeichnis S. 60
5. Abkürzungen S. 63
6. Anhang
Einleitung:
In der vorliegenden Diplomarbeit soll die Situation ausländischer allein erziehender Frauen in Freiburg dargestellt werden. Es soll gezeigt werden auf welche Weise man professionell pädagogisch helfen kann beziehungsweise an welchen Punkten sich Verbesserungspotentiale bezüglich der Effizienz der Sozialen Arbeit ergeben. Dabei sollen, von der theoretischen Seite aus betrachtet, zunächst gesellschaftliche Problembereiche erörtert werden. Hierbei wird deduktiv vorgegangen, in dem Sinne, dass zunächst die Situation der Alleinerziehenden allgemein betrachtet wird, wonach auf das Besondere eingegangen wird: Die Situation von ausländischen allein erziehenden Frauen in Freiburg.
Hierauf folgt ein theoretischer Teil, in dem das dieser Arbeit zugrundeliegende Denkmodell erläutert wird, in dem Wissenschaftstheorie, Gesellschaftstheorie, Kulturverständnis, Menschenbild und Didaktik näher diskutiert werden.
Der Theorie folgt ein praktischer beziehungsweise ein empirischer Teil, in dem zuerst die Auswertung einer Gruppendiskussion steht. In Form eben dieser Gruppendiskussion werden von den ausländischen Alleinerziehenden selbst Problembereiche angesprochen und via Reizargumenten von Seiten der Diskussionsleiterin - in diesem Fall der Autorin, der vorliegenden Diplomarbeit - angeregt. Hierbei wird verglichen, inwieweit sich im theoretischen Teil angesprochene Problembereiche wiederholen beziehungsweise, ob sich neue Probleme in den Einstellungen in den Haltungen der Diskussionsteilnehmerinnen widerspiegeln. Nach der Auswertung der Gruppendiskussion soll dann ein problemzentriertes Interview mit der verantwortlichen Sozialpädagogin der Diakonie vom Projekt „Sprungbrett“ der Diakonie Freiburg e.V. stehen. Sie arbeitet innerhalb des Projekts hauptsächlich beratend mit sowohl deutschen als auch ausländischen Alleinerziehenden. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört vor allem auch, Alleinerziehenden den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern, welches - wie später näher erläutert wird - sich gerade für ausländische Alleinerziehende als sehr schwierig erweist. Natürlich besitzt der empirische Teil dieser Arbeit in Form einer Gruppendiskussion keine Repräsentativität, die Gruppe unterliegt den Gesetzen der Spontaneität und der Interpretationsweise der Autorin beziehungsweise Interpretin. Deshalb soll dem Qualitätskriterium der intersubjektiven Überprüfbarkeit insoweit gerecht werden, dass das Vorgehen und das Transkriptionsmaterial einsehbar und nachvollziehbar ist (Anhang, S. I-XXI), wodurch Schlussfolgerungen transparent gemacht werden. Die Situation der ausländischen Alleinerziehenden soll dabei unbedingt von zwei Seiten beleuchtet werden: Zum einen von der professionellen Beraterseite, als auch von den ausländischen Alleinerziehenden selbst.
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Die Arbeit ist in groben Zügen in drei Teile untergliedert: einen allgemeintheoretischen Teil (I), einen theoretischen Teil (II) und einen empirischen Teil (III). Im allgemeintheoretischen Teil wird die Situation Alleinerziehender und ausländischer Alleinerziehender erläutert. Anschließend wird im theoretischen Teil die hinter der hier verwendeten Argumentation stehende Denklogik dargestellt. Darauf aufbauend wird im empirischen Teil, das forschungsmethodische Vorgehen begründet und die Umsetzung in die Forschungspraxis dokumentiert und erläutert.
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I. Allgemeiner theoretischer Teil
1. Gegenstandsbeschreibung - Betrachtung der Situation allein erziehender Frauen Jede fünfte Familie in der Bundesrepublik Deutschland ist eine sogenannte „Einelternfamilie“, in der sich Mutter oder Vater allein um die Erziehung ihrer Kinder kümmern. Die meisten dieser Alleinerziehenden sind Frauen. Eine Trennung gehört immer zur Entstehungsgeschichte dieser Lebensform, etwa zwei Drittel dieser Einelternfamilien gehen aus Scheidungen hervor. Schäfers (1998) merkt zu der Anzahl allein erziehender Mütter und Väter folgendes an:
1985 waren es 803 Tsd. Alleinerziehende Mütter und ca. 138 Tausend allein erziehende Väter, mit insgesamt 1,26 Mill. Kindern. Diese Zahlen beziehen sich auf das frühere Bundesgebiet. 1995 war in Deutschland die Zahl der Alleinerziehenden, die Kinder unter 18 Jahren zu betreuen hatten, auf 1,77 Mill. gestiegen (mit insgesamt 2,5 Mill. Kindern). Der Anteil der alleinerziehenden Männer betrug 16,2% (Stat. Jb. 1997, S. 66). (S. 148)
Meistens bedeutet „alleinerziehend-sein“, nicht nur die pädagogischen Belange der eigenen Kinder zu befriedigen, sondern vieles mehr. Die individuelle Schnittmenge mangelhafter Familienförderung durch die Gesellschaft müssen diese Frauen im wahrsten Sinne des Wortes alleine kompensieren. Das gilt für die Kinderbetreuung, Bildung der Kinder, Kosten des Unterhaltes, die Arbeitswelt und das soziale kulturelle Geschehen. Dass die Gesellschaft die Kinderbetreuungsfrage und das mit sich bringende Risikonämlich die eingeschränkte Fähigkeit zur Berufstätigkeit - weitgehend den Familien überlässt, trifft die Alleinerziehenden mit ganzer Härte. Im Folgenden werden solche für das „Allein-Erziehend-Sein“ typischen Begleiterscheinungen erörtert. Das Attribut des zusätzlich noch „Ausländisch-Seins“ kommt dann im Laufe der Aufzählung verschiedener Charakteristika additiv hinzu. Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird die Darstellung der gesellschaftlichen Situation ausländischer Alleinerziehender deduktiv vorgestellt, indem man von der allgemeinen Gruppe der Alleinerziehenden zu den speziellen Schwierigkeiten der ausländischen Alleinerziehenden kommt.
1.1 Alleinerziehende und Armut
Der Teufelskreis zwischen finanzieller Armut, mangelnden Kinderbetreuungsmöglichkeiten durch Dritte, was wiederum mit einem finanziellen Aufwand korreliert, und mangelnden Arbeitsmöglichkeiten ist leider kein Vorurteil. Laut Statistik ist ein großer Teil der allein erziehenden Mütter arm und auf staatliche Subventionen angewiesen. Die Ursachen der Armut wurzeln hauptsächlich in ausbleibenden Unterhaltszahlungen der Kindsväter
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beziehungsweise der fehlenden Erwerbstätigkeit der Mütter. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) macht darauf aufmerksam, dass die Armut der alleinerziehenden Mütter in den ausbleibenden Unterhaltszahlungen der Väter wurzelt (Vgl. http://www.vamv-bundesverband.de/Themen/armut.htm;). Es gibt unterschiedliche Definitionen und
Betrachtungskontexte von Armut ( Kapitel 1.1. bis 1.1.3.1), doch wenn von der Armut Alleinerziehender die Rede ist, ist nicht zwangsläufig die Einkommensarmut gemeint. Ein Mangel an finanziellen Ressourcen bringt auch immer eine Armut in anderen Bereichen mit sich, doch die Einkommenshöhe ist dabei immer noch ein entscheidender Parameter. Dabei ist das Verarmungsrisiko von Einelternfamilien besonders hoch. Deutlich sichtbar wird ein Zusammenhang von Familienform und Armut bei der Betrachtung der Einkommenssituation. Das verfügbare durchschnittliche Einkommen von Alleinerziehenden ist von 1.828 Euro im Jahr 2001 auf 1.776 Euro 2002 gesunken. Das Armutsrisiko Alleinerziehender stieg von 28,3% 2001 auf 35% im Jahre 2002. Demnach ist das Risiko für ein Kind in Armut aufzuwachsen unter anderem abhängig von der Familienform, in der es lebt (Vgl. ebd.). Hier stellt sich natürlich die Frage, warum manche Familienformen - wie zum Beispiel die Familienform der Alleinerziehenden - mehr belastet werden als die Ehe, obwohl doch der Schutz der Familie im Grundgesetz Artikel 6 ausdrücklich festgelegt ist. Im Artikel. 6, des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland heißt es: (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft. (5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern. (Jugendrecht, 1994, S. 80)
Der Bundesverband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) bemängelt, dass die Armut der Einelternfamilien zu beheben wäre, würden die Kindsväter eher zur Unterhaltszahlung angehalten werden. Unterhaltshinterziehung ist auf eine rechtlich legitime Weise möglich:
Der Bundesregierung liegt seit zwei Jahren eine Problembeschreibung mit Skizzierung des Forschungsbedarfs in Bezug auf die Unterhaltssituation allein erzogener Kinder vor. Diese Skizze wurde vom VAMV entwickelt aus der Schrift „Gerechtigkeit und elterliche Verantwortung. Kinderarmut in Einelternfamilien eindämmen“ (Bonn 1998), die mit dem Deutschen Jugendhilfe-Preis ausgezeichnet wurde. Eine Berücksichtigung der aufgeworfenen Fragen und der methodischen Vorschläge ist im Armuts- und Reichtumsbericht wiederum
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unterblieben. Folge: die privaten Ressourcen getrennter Elternteile - meist der Väter - zur Minderung der Kinderarmut bleiben außer Sicht.
Der VAMV hält solche Ignoranz gegenüber der überaus häufigen Hinterziehung von Unterhalt für unerträglich. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die betroffenen Kinder und Mütter, sondern auch angesichts der Belastung öffentlicher Haushalte durch Unterhaltsvorschussleistungen.
Ohne gerechte Einbeziehung der abwesenden Elternteile in die Unterhaltssicherung ist eine Armutsbekämpfung bei Kindern in Einelternfamilien nicht möglich (Vgl. http://www.vamv-bundesverband.de/Themen/armut.htm; S. 5).
1.1.1 Historische Betrachtung des Begriffs der Armut
Bohnet (1995) betont, dass im Mittelalter Armutsbekämpfung ein persönliches und freiwilliges Band zwischen den Armen und seinem Helfer war, typischerweise zwischen einem Bettler und dem Almosengeber. Er warnt jedoch davor, nicht vorschnell in der Industrialisierung die Ursache von Verelendung zu sehen (Vgl. S. 9). Er verweist darauf, dass in der Fachliteratur keine aussagekräftige Definition von Armut zu finden sei (Vgl. a.a.O., S. 13).
Bei der Analyse von Armut wird typischerweise zwischen absoluter (wenn das Leben der Betroffenen durch physische oder sozio-kulturelle Mangelerscheinung beeinträchtigt wird) und relativer Armut (im Vergleich zu anderen) unterschieden (UNDP, 1990, 106 ff) (Vgl. a.a.O., S. 13-14).
1.1.2 Begriffsklärung des Begriffs „Armut“
Andreß (1999) verwendet für die Festlegung politisch definierter Armutsgrenzen die Leistungen des BSHG (Bundessozialhilfegesetz) für laufende Hilfen zum Lebensunterhalt (HLU). Als Armutsgrenze fungiert im Einzelfall genau der Betrag, den die Mitglieder eines Haushaltes gegebener Größe und Zusammensetzung (zusammen genommen) im „Bedarfsfall“ maximal beanspruchen können (Vgl. S. 91). Doch Armut lässt sich nicht nur in Zahlen fassen. Armut heißt auch, dass eine bestimmte Personengruppe den vorhandenen Wohlstand einer Gesellschaft nicht teilen kann.
Möhring-Hesse (1995) spricht diesbezüglich von Umverteilung des Kuchens; nicht mehr „Wohlstand für alle“, sondern Umverteilung im Sinne von „Wohlstand für mich und Armut für die anderen.“ Er ist der Meinung: „Diese z.T. schleichende, z.T. aber auch aggressive Ausgrenzung der von Armut Betroffenen wird nur selten ausdrücklich beabsichtigt, sie liegt
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eher in der Logik einer Wohlstandsgesellschaft, die den Wohlstand für alle nicht mehr sichern kann“ (S.10). In der „neuen Armut“ drückt sich nämlich das Versagen der überkommenen Instrumente bundesdeutscher Wirtschafts- und Sozialpolitik aus; sie ist Symptom dafür, dass die BRD mit ihren sozialstaatlichen Sicherungssystemen nicht adäquat auf die
soziostrukturellen Veränderungen der Gegenwart hat reagieren können (Vgl. a.a.O., S.10). Alleinerziehende - zumeist Frauen - sind auf Grund ihrer alleinigen Verantwortung für das Kind meist nicht in der Lage, genügend für den Lebensunterhalt zu verdienen, da sie sowohl für die Betreuung ihres Nachwuchses, als auch für dessen finanzielle Versorgung aufkommen müssen. Die mangelhafte und zu teure Kinderbetreuung in Westdeutschland vermag diesen Mangel mit Hilfe der Sozialhilfe beziehungsweise des Betreuungskostenzuschusses selten zu bewältigen. „Alleinerziehend-Sein“ ist in der BRD ein Armutsrisiko. Zwick (1997) macht auf den Strukturwandel der Sozialhilfeempfängerschaft (Vgl. S. 70) aufmerksam. Das Armutsbild hat sich geändert. 1971 war jeder dritte Sozialhilfeempfänger über 56 Jahre alt. Heute gehört etwa jeder 14. Sozialhilfeempfänger dieser Altersgruppe an. Die Altersarmut ist im Vergleich zu 1971 zurückgegangen, wohingegen heute mehr als ein Drittel der Sozialhilfeempfänger Kinder oder Minderjährige sind.
Zwick (1997) unterteilt die Empfängerhaushalte der BSH (Bundessozialhilfe) in folgende Gruppen:
1. 878.000 männliche Singles: In den Jahren vor 1993 nahm dieser Haushaltstyp jährlich um 145.000 Einheiten zu. Im gleichen Zeitraum gerieten davon jährlich durchschnittlich 34.000 männliche Singles in Sozialhilfebezug. 2. 459.000 Einheiten: weibliche Singlehaushalte
3. 258.000 Alleinerziehende: Die Zahl Alleinerziehender ist jedoch stagnierend. Jährlich kommen hier nur 10.000 dazu.
Wenn man nun davon ausgeht, dass es in der BRD gerade 1,1 Millionen Alleinerziehende gibt, dann machen 258.000 Sozialhilfebeziehende 27% davon aus. Zwick (1997) fasst bezüglich der Sozialhilfeempfängerschaft zusammen, dass das Armutsbild der kinderreichen Familie überzeichnet ist. Es gibt sie zwar, qualitativ machen sie gemessen an den anderen Haushaltstypen, jedoch eine Minderheit aus (Vgl. S. 70).
1.1.3 Interdependenz zwischen Armut und Wohngebiet
Abgesehen von dem Kreislauf des „Nicht-arbeiten-könnens“, auf Grund des schwierigen Spagats zwischen Kinderbetreuung und Arbeit, dem schlechten Gewissen und finanziellem Fiasko oder auf Grund des zu viel Arbeitens auf Grund mangelnder Qualifikation oder
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schlechter wirtschaftlicher Lage hat auch die Wohngegend beziehungsweise das vorhandene beziehungsweise nicht vorhandene soziale Netzwerk einen Effekt auf die Armut ihrer Bewohner.
Die Universität Köln veröffentlichte die Ergebnisse ihrer Studie zum Leben in benachteiligten Wohngebieten 2000 (Vgl. Blasius, 2000). Die Studie basiert auf folgenden theoretischen Vorannahmen: Benachteiligte Wohngebiete entstehen nicht zufällig. Ursachen für deren Entstehung sind:
1. Deindustrialisierung
2. Arbeitslosigkeit
Bis Ende der 70er Jahre war die BRD ein Land mit stetigem Wirtschaftswachstum. Seit Mitte der 80er Jahre stieg die Zahl der Arbeitslosen und der Sozialhilfeempfänger stetig an. Die städtische Armut nahm in Form von sinkenden Steuereinnahmen und Wohngebieten mit hohem Anteil armer Sozialhilfeempfänger zu.
Unternehmen der Montanindustrie (Textilfabriken, Werften etc.) verlagern ihre Produktion ins Ausland, wodurch die Steuereinnahmen sinken.
Armut wird an der Zahl der Sozialhilfeempfänger gemessen. Ein erhöhtes Armutsrisiko haben Alleinerziehende und Ausländer (Vgl. a.a.O., S. 11). Als ausländische Alleinerziehende träge man somit ein doppeltes Verarmungsrisiko. Neu ist nicht nur die Zunahme der Armut, sondern auch deren Verteilung (Vgl. a.a.O., S. 12)
Betroffene Armutsgebiete konnten sich aus nachfolgenden Gründen nicht aus der Verarmung lösen:
1. eine zunehmende Verarmung der Bewohner
2. selektive Zuzüge in die Gebiete
3. selektive Fortzüge aus den Gebieten (Vgl. a.a.O., S. 15). Die Studie fand heraus, dass es zugleich einen Zusammenhang zwischen dem Zustand der Wohnung und der Anzahl der privaten Kontakte gibt. Das heißt je schlechter der Zustand der Wohnung war, desto seltener lud man Gäste ein und desto seltener ging man zu Besuch. Daraus kann gefolgert werden, dass mit zunehmender finanzieller und räumlicher Benachteiligung auch die soziale Benachteiligung und, mithin die soziale Isolation zunimmt (Vgl. a.a.O., S. 195).
Der selektive Zuzug von Alleinerziehenden in sogenannte „günstigere Wohngegenden“ kann somit die Isolation verstärken, da in die „bescheidenen Verhältnisse“ seltener Besuch eingeladen wird. Meistens ist auch die Wohnlage am Stadtrand platziert, wodurch der Besucher einen langen Anfahrtsweg zu überwinden hat.
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1.1.3.1 Fazit
Es sind auch die Kontexteffekte wie Wohngegend und Lebensstandards, welche Armut zum Dauerzustand werden lassen beziehungsweise operant verstärken können. Ein weiteres Ergebnis dieser Studie war neben dem Kontexteffekt der Wohngegend, dass die finanzielle Armut auch zu einer Verringerung des sozialen Netzwerkes geführt hat. Hieraus ergibt sich die sozialpädagogische Aufgabe das soziale Netzwerk Alleinerziehender zu verstärken und vor allem zunehmend in sozialen Brennpunkten, sogenannten Wohngebieten mit einer hohen Anzahl von Sozialhilfeempfängerinnen, tätig zu werden, um dem Kreislauf der Armut vor allem in sozialer Hinsicht konstruktiv entgegenzuwirken. Zudem sollte die Konsequenz, welche aus der Interdependenz zwischen Armut und Größe des sozialen Netzwerkes entsteht, sozialarbeiterisch dahingehend genutzt werden, dass man sowohl deutschen, als auch ausländischen Alleinerziehenden dabei behilflich ist, ein stabiles soziales Netzwerk zu schaffen. Hierbei ist meines Erachtens der Einbezug der Kinder wichtig, da die „Einelternschaft“ die Frauen oft ans Haus bindet und geradezu in der Isolation hält.
1.2 Wahrnehmung in Geschlechterstereotypen und Partnerwahl
Was kann man unter Geschlechterstereotypen verstehen? Pasero (1999) versteht darunter gesellschaftlich stereotypisierte Erwartungen, welche die Wahrnehmung beeinflussen: Erwartungen filtern also Irritationen der Wahrnehmung und regulieren damit einhergehende Missverständnisse. Es sind soziale Standards: Wir können damit rechnen, dass Züge zu den angegebenen Uhrzeiten fahren, dass Geschäfte zu Geschäftszeiten geöffnet sind, dass also bestimmte Ereignisse „mit Sicherheit“ wiederholbar gehalten werden. Erwartungen werden mit vielen anderen geteilt. Es handelt sich um einen basalen Prozess wechselseitiger Stabilisierungen. Dieser Prozess ist keinesfalls frei von besonders trivialen Schemata und Mustern, die als Stereotype bezeichnet werden und sich hervorragend dazu eignen, komplexe Informationen stark zu vereinfachen. Dies macht ihre universelle Wirksamkeit und Haltbarkeit aus. Geschlechterstereotype spielen dabei eine herausragende Rolle im Stereotypen-Repertoire. Geschlechterstereotype werden als einfach strukturierte Muster von Einstellungen und Erwartungen zu Eigenschaften von Frauen und Männern definiert. (S. 17)
Das Bild, das manche Frauen von „dem Mann an sich“ haben, wirkt sich wiederum auf ihre jeweilige Partnerwahl aus und vice versa. Da diese Frauen nun schon mindestens einmal die Erfahrung einer inadäquaten, nicht die Elternzeit überdauernde Partnerwahl gemacht haben, der sie zwangsläufig in die Situation einer Alleinerziehenden gebracht hatte, ist es an dieser Stelle auch ratsam, die Deutungsmuster der Frauen gemeinsam kritisch zu hinterfragen und im Rahmen der pädagogischen Arbeit Einstellungen zu reflektieren. Natürlich müsste an dieser Stelle erst einmal empirisch überprüft werden, ob Alleinerziehende wirklich auf Grund ihrer „schlechten“ Partnerwahl allein erziehend sind beziehungsweise, ob dieses durch mangelnde Vaterqualitäten ausgelöst wurde. Darüber hinaus müsste auch erst einmal operationalisiert werden, was mit dem qualitativen Merkmal „schlecht“ gemeint ist.
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Dennoch, die Art und Weise, wie Menschen als Beobachter die Welt wahrnehmen, beeinflusst wiederum ihre Art in der Welt zu sein. Wahrnehmbar ist also nur das, was bekannt und vertraut ist. Es geht bei der Arbeit mit Alleinerziehenden vor allem auch darum, alte Wahrnehmungsmuster kritisch zu hinterfragen und sich auf die positiven Merkmale ihrer Mitmenschen zu konzentrieren, in der Hinsicht, dass die nächste Partnerwahl nicht nach den alten, sondern nach reflektierteren Mustern abläuft. Es sollten bei den Frauen Veränderungen angeregt werden und männerfeindliche Tendenzen in der Wahrnehmung der Frauen sollten kritisch reflektiert werden, da eben diese zu einer „schlechten Partnerwahl“ führen können. Mit anderen Worten: Eine Frau, die beispielsweise davon ausgeht, „alle Männer seien verantwortungslos“ wird vermutlich an eben so einen geraten, da sie diesen Glaubenssatz als Grundcharakteristikum akzeptiert hat. Somit bestätigt sie ihre Wahrnehmungs- und Denkstruktur, ohne sich und ihre Lage zu verbessern. Schulz von Thun (1998) spricht diesbezüglich von einem Bestätigungslernen. Dieser Autor geht sogar soweit, von einer Erfahrungsverzerrung zur Bestätigung des Selbstkonzepts zu sprechen (Vgl. S. 196). Dieses entspricht dem Prinzip des Bestätigungslernens, das heißt dass nur gelernt wird, was bereits vorhandene Wissensbestände bestätigt. Wahrnehmung ist Voraussetzung für Lernen, denn es kann nur gelernt werden, was die Oberfläche des Bewusstseins erreicht und somit wahrgenommen werden kann. Genau hier kann den Frauen geholfen werden. Sie benötigen konstruktiven strukturellen Wandel ihrer Persönlichkeit. Damit ist eine Veränderung in der Ontogenese des Individuums gemeint, dahingehend, dass alte Lebensmuster durchbrochen werden. Maturana und Varela (1987) meinen dazu: „Jede ontogenetische Veränderung führt zu einer bestimmten Art in der Welt zu sein, denn die Struktur der Einheit bestimmt, wie sie in ihrem Milieu interagiert“ (S. 98).
Die Art und Weise, wie Menschen in Gedanken "mit sich selbst reden" (Glaubenssätze) beziehungsweise die sprachliche Substanz der individuellen Gedankengänge, konstituiert ihr Bewusstsein, ihr Selbstkonzept und letztendlich die Art und Weise, wie sie mit anderen kommunizieren. Unser Nervensystem ist so konzipiert, dass wir nie direkt mit der Außenwelt interagieren, sondern lediglich mit unseren inneren Zuständen (Vgl. Siebert, 1999, S. 7). Es gibt aufgrund dieser "operationalen Geschlossenheit" des Nerven- und somit auch des Bewusstseinssystems (Maturana und Varela, 1987) keinen direkten Zugriff auf fremde Bewusstseinssysteme, die wiederum in sich operational geschlossen sind. Die alleinerziehenden ausländischen Frauen müssen somit zu Expertinnen ihrer selbst gemacht werden, indem sie lernen ihre eigenen Denksysteme und Wirklichkeitsmodelle - in diesem Falle auch Wahrnehmungsmodelle des anderen Geschlechts - kritisch zu hinterfragen.
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Nicht nur in Hinsicht auf die Partnerwahl, auch in Hinsicht auf berufliche Eingliederung gilt es neue Perspektiven anzuregen. Doch scheint es, dass vor allem die Partnerbeziehungsweise Vaterlosigkeit im Sinne eines „Nicht-mit-dem-Kindsvaterwohnens“ ein Charakteristikum des „Allein-erziehend-Seins“ ist, weswegen dies eines der Charakteristika ist, welches herangezogen wird, wenn es um das „Alleinerziehend-Sein“ geht. Deshalb ist meines Erachtens der Reflexion der kritischen Betrachtung der eigenen Wahrnehmung gerade in Hinblick auf die Wahrnehmung des anderen Geschlechts großes Augenmerk zu schenken. Die das Verhalten und Denken blockierende Glaubenssätze müssen unbedingt in einen konstruktiven Lernprozess integriert werden.
Ein weiteres Charakteristikum der Partnerwahl ist die Übertragung der individuellen Erfahrung des eigenen Vaters beziehungsweise der eigenen Mutter auf den Partner. Figdor (1997) beschreibt derartige Übertragungsmechanismen folgendermaßen: Es ist nicht nur dieser generelle „apriorische“ Pessimismus über die Chancen heterosexueller Beziehungen, der zur Erwartung, vom Partner verlassen zu werden, führt. Eine große Rolle spielt auch der Umstand, daß Liebespartner ganz allgemein die geeignetesten Objekte für Übertragungsprozesse darstellen. Und wie sollte die zentrale Erfahrung mit dem Vater: „Er hat mich verlassen und verraten“ nicht auf die späteren Liebespartner übertragen werden, ganz besonders natürlich von Frauen. Ein häufiges Übertragungsmuster von Männern besteht darin, in der eigenen Frau (alles natürlich unbewußt) die einst herrschende Mutter zu erblicken. Diese und andere Übertragungsmuster wirken sich nicht nur innerhalb schon bestehender Beziehungen störend aus, sondern determinieren mitunter schon die Partnerwahl. Obwohl die bewußte Vorstellung vom idealen Partner bei Männern wie Frauen möglicherweise geradezu die Negation des Wesens der Mutter beziehungsweise des Vaters darstellen mag, „passiert es“ dann ausgerechnet bei jenen, die dem Idealbild gar nicht entsprechen. Und zumeist ist es die erotische Anziehung, die sich um bewußte Idealbilder nicht „kümmert“ und sich ausgerechnet dort einstellt, wo sie nicht „sollte“ „Genau einen Mann, wie er ist, habe ich mir immer gewünscht. Aber ich liebe ihn nicht!“ Wie oft habe ich diese oder ähnliche Sätze von Frauen über gutmütige, unaggressive, rücksichtsvolle, gefühlvolle Männer gehört beziehungsweise von Männern über Frauen, die den Mann schätzen, bewundern, verwöhnen, ihm rechtgeben usw. Und wie oft schon den anderen Satz: „Es ist (war) furchtbar mit ihm/ihr und hat auch keinen Sinn mehr. Aber ich komme nicht von ihm/ihr los!“. (S. 83- 84)
Solche Übertragungsmechanismen müssen in der sozialpädagogischen Arbeit zum Thema gemacht werden. Es muss den Frauen klar werden, nach welchen mehr oder weniger effizienten Kriterien sie ihre potentiellen Lebenspartner auswählen.
1.3 Alleinerziehende und Berufstätigkeit
Alleinerziehende müssen auf Grund ihrer relativ schlechten finanzielle Lage auf vieles verzichten. Deshalb ist es auch zwangsläufig ihr Wunsch - wie der vieler Menschen - zu arbeiten. Der Wunsch nach Selbstbetätigung und produktivem Tun ist ein Grundbedürfnis des Menschen.
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Frevert (1979) schreibt diesbezüglich:
Die fehlende Befriedigung im Beruf wurde bei der Mehrzahl weiblicher Angestellte durch äußere Attribute und „Tagträumerei“ kompensiert. Die Betonung physischer Attraktivität...die Kinobesessenheit der weiblichen Angestellten waren zwangsläufige Resultate ihrer Unausgefülltheit im Beruf. (S. 100)
Demnach entspringt das Bedürfnis nach Berufstätigkeit nicht nur dem Wunsch den Lebensunterhalt aus eigener Kraft wirtschaftlich abzusichern, sondern wurzelt auch in dem tiefen Wunsch nach produktivem Tun. Über die berufliche Tätigkeit kann Befriedigung und Selbstbestätigung gewonnen werden. Haeffner (2001) beschreibt die Bedeutung der Arbeit für den einzelnen Menschen folgendermaßen:
Eine regelmäßige Arbeit tut aber dem Menschen nicht nur objektiv gut. Im Durchschnitt wissen die Menschen das auch, wenn sie dieses Wissen auch nicht immer auf sich anwenden wollen. Es gibt also auch ein subjektives Bedürfnis nach Arbeit. Beispiele: Der Asylbewerber, der nicht arbeiten darf, leidet im Allgemeinen unter diesem Entzug. Auch das Kind sucht schon im Spiel den Widerstand, die Notwendigkeit der Regeln, die Leistung, mit anderen Worten das, was die Arbeit charakterisiert; so jedenfalls hat es Maria Montessori gesehen. Es ist, als ob das formlose Innere auf dem Umweg über das geregelte Äußere seine Prägung suchte. Freilich ist es sehr schwer auszumachen, wie es mit diesem Bedürfnis stünde, wenn es keine Erziehung zur Arbeit und gar keine gesellschaftliche Hochschätzung gäbe. Sicher wird auch das Ausmaß diese Bedürfnisses von dem anderen Wunsch begrenzt, das Mühsame nach Möglichkeit zu fliehen. Und ganz sicher müssen die Arbeitsbedingungen menschenwürdig sein und die Früchte seiner Arbeit müssen dem Arbeitenden in gerechtem Maß zukommen. (S. 16)
Gerade nach einer Trennung ist es für die Frauen wichtig, kein ausschließliches Hausfrauendasein zu fristen. Berufstätigkeit bedeutet zwar immer auch einen Stress für Mutter und Kind, doch der muss nicht immer negativ sein. Negativer wäre, wenn die Mutter zu Hause sitzt und unter Kontaktarmut leidet und von der alleinigen Mutterrolle nicht ausgefüllt wird. Das spüren schließlich auch die Kinder. Hetherington und Kelly (2003) beschreiben dieses wie folgt:
Hausfrauen mit Kindern waren nach einer Scheidung oft sehr einsam und klagten darüber, dass sie „in ihrem Gefängnis“ lebten. Eine Frau sagte: „Wissen Sie, wie es ist in der Welt eines Kindes gefangen zu sein, wo sich nichts über Tischhöhe bewegt? Ich komme mir vor, als ob ich eine besondere Beziehung zu Meister Eder entwickeln würde. Er ist der einzige Mann, den ich zu sehen bekomme.“ Berufstätige Mütter hatten häufig größere Sorgen. Sie mussten mit Kinderbetreuung, Beruf und Haushalt jonglieren. Doch weil sie gleichzeitig zwei Dinge hatten, die den „Hausmüttern“ abgingen, nämlich Umgang mit Erwachsenen und Selbstachtung, erging es ihnen psychisch meist besser. Berufstätige Frauen waren nach der Scheidung bedeutend weniger depressiv und isoliert als Mütter. (S.78) Die Mutterschaft darf unter keinen Umständen in einer Isolation enden. Ein funktionierendes soziales Netzwerk kann hier helfen einer Isolation vorzubeugen.
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1.4 Alleinerziehende und Überforderung
Nave-Herz (1994) betont, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten die Situation der alleinerziehenden beziehungsweise ledigen Mütter in rechtlicher und sozialpsychologischer Hinsicht verbessert hat. 1970 wurde durch das Gesetz zur Neuregelung der nichtehelichen Geburten die rechtliche Diskriminierung beendet und durch dieses Gesetz ein neuer gesellschaftlicher Status zuerkannt (Vgl. S. 96). In sozio-ökonomischer Hinsicht verhält es sich anders: die Wohnsituation und die ökonomischen Verhältnisse sind in der Mehrzahl der Fälle bei Alleinerziehenden bedrückend; die Überbelastung der zumeist jungen Mütter ist gravierend. Hinzu kommt eine auch durch die Überbelastung bedingte erhebliche Reduktion von Sozialkontakten (Vgl. Schäfers, 1998, S. 148). Wie in Kapitel 1.1.3 Interdependenz zwischen Armut und Wohngebiet beschrieben, gibt es eine Interdependenz zwischen Armut, Wohngegend und Sozialkontakten. Alles in allem ist auch im Hinblick auf die schulische Situation der Kinder eine soziale Konstellation gegeben, die als ungünstig zu bezeichnen ist, da effektive Nachmittagsbetreuung noch nicht ausreichend ausgebaut worden ist. Nach wie vor ist das Armutsrisiko für die alleinerziehenden Mütter am höchsten; sie weisen auch den höchsten Anteil an Sozialhilfeempfängerinnen auf, verfügen über das niedrigste „Pro-Kopf-Haushaltseinkommen“ und sind von gesundheitlichen
Beeinträchtigungen am ehesten betroffen (Vgl. Nave-Herz, 1994, S. 97). Mangelhaft vorhandene gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten schränken die Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit Alleinerziehender ein. Durch diese Einschränkung gibt es wenige Arbeitsmöglichkeiten, was wiederum eine Verschlechterung des finanziellen Einkommens der Frauen bedeutet. Dieses bedeutet wiederum, dass kein Geld für eine gute Kinderbetreuung vorhanden ist. Alleine dieser Teufelskreis kann das „Burn-out-Syndrom“ hervorrufen. Wie in Kapitel 1.3 Alleinerziehende und Berufstätigkeit beschrieben kann man sehen, dass die Fähigkeit, für den eigenen Lebensunterhalt selbst aufzukommen, wichtig für ein positives Selbstwertgefühl ist. Nun ist es aber so, dass die alleinerziehenden Frauen oft nicht arbeiten können, weil sie nicht wissen, wohin sie ihre Kinder geben können, damit die gesamte Arbeitszeit abgedeckt ist. Somit bleibt ihnen nur der Gang zum Sozial- und Jugendamt. Das Sozialamt, um finanzielle Subventionshilfen zu beantragen und das Jugendamt, um eventuell eine Tagesmutter finanziert zu bekommen. Hinzu kommt dann noch das schlechte Gewissen die Kinder zu vernachlässigen, was bei alleinerziehenden Müttern einen emotionalen Stress auslösen kann. Egal von welcher Seite man es betrachtet. Eine Person kommt zu kurz. Die Mutter. Sie muss alles organisieren: Ämtergänge, Kinderbetreuung, Kindesunterhalt, Arbeitssuche etc.. Es gibt wenige Extraregelungen für alleinerziehende Mütter in der BRD.
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Das Sozialamt begegnet seinen Klientinnen oft mit einem Hauch von Misstrauen, da ihre Aufgabe zum Teil auch der Kontrolle verpflichtet ist, dass kein Missbrauch betrieben wird, das heißt, genau zu prüfen, ob es sich tatsächlich um eine bedürftige Alleinerziehende handelt. Alleinerziehende müssen diesbezüglich ebenfalls eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen, um ausdauernd und stetig, sowohl die finanziellen als auch die privaten Verhältnisse vor den Sachbearbeitern des Sozialamtes darzustellen und zu beweisen. Das ist auf Dauer sehr anstrengend. Das ist vor allem dann anstrengend, wenn sich an der beruflichen und finanziellen Situation nichts zu ändern scheint. Das Gefühl nichts ausrichten beziehungsweise an der eigenen negativen Situation ändern zu können, kann zum einen in einer Depression enden, zum anderen wirkt es selbstverstärkend auf die Situation. Ganz im Sinne einer „Erlernten Hilflosigkeit.“ (Vgl. Seligman, 1999). Außerdem kann es auch eine wichtige Rolle für das Überwinden einer Situation spielen, wie die eigene Einflusskraft auf die Situation eingeschätzt wird. Baacke (1994) unterscheidet hierbei zwischen „external control“ und „internal control“. Wer annimmt, dass bestimmte Situationen nicht von ihm abhängen, verlagert die Kontrolle der Situation aus sich selbst heraus, schreibt es also äußeren Umständen zu (external control). Wer andererseits der Meinung ist, dass Entscheidungen und Erfolge von ihm selbst abhängen, schreibt sich die Kontrolle der Situation selbst zu (internal control). Baacke (1994) betont, dass sozial Benachteiligte eher einen „externalen Locus of control“, wohingegen sozial Bevorzugte einen „internalen Locus of Control“ besitzen. Außerdem korreliert die Zuschreibung externaler Zustände mit Ängstlichkeit. Einerseits stellt diese „es kommt, wie es kommt Haltung“ eine Erleichterung dar, andererseits verbleiben die betreffenden Personen in ihrer Situation. In einer leistungsorientierten, Mobilität und politische Partizipation erwartenden Gesellschaft ist der interne Locus für den Einzelnen günstiger und sozial nützlicher (Vgl. S. 222-227).
Dieses spräche für die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Ausbildung der Kompetenzen sozial Benachteiligter, damit die Betroffenen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten fassen und deren Ausbau mutig angehen, um ihre eigene Situation konstruktiv zu verbessern.
1.5 Kinder von Alleinerziehenden nach Trennung und Scheidung
Nicht nur in den USA auch in der BRD ist eine rege Diskussion bezüglich der negativen Folgen von Scheidungen entstanden. Hetherington und Kelly (2003) haben diese Folgen untersucht und kamen zu einem überraschenden Ergebnis beziehungsweise zu zwei zentralen Erkenntnissen:
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Die erste macht deutlich, dass gerade geschiedene Mütter, selbst bei intensiver Stressbelastung, oft eine kraftvolle, engagiert Anteil nehmende, kompetente Erziehungsarbeit leisten. Die Erziehungsleistung dieser Mütter wird in der Einschätzung der Autorinnen noch immer nicht hinreichend gewürdigt.
Als zweite Erkenntnis steht für die Hetherington und Kelly (2003) fest, dass die Scheidung keine Entwicklung im herkömmlichen Sinne ist. Vielmehr ist diese ein Ereignis, das unterschiedliche Entwicklungen begünstigen kann. Dabei verfügen die Betroffenen - gleich ob Kinder oder Erwachsene - über verschieden Schutz- und Risikofaktoren. Diese Faktoren setzen sich aus Wesensmerkmalen und den Erfahrungen aus zwischenmenschlichen Beziehungen zusammen.
Die Autorinnen halten diese Faktoren für ausschlaggebend bei der positiven Anpassung an die neue Situation. Damit bleibt genau an diesem Punkt ein Arbeitsansatz. Eine Stärkung der Schutzfaktoren für Kinder bleibt in der Summe eine zu leistende Aufgabe für Eltern und Gesellschaft.
Hetherington und Kelly (2003) postulieren hierzu:
Die Herausforderungen, die mit einer Scheidung und dem Leben mit nur einem Elternteil einhergehen, scheinen tatsächlich bei manchen Kindern die Fähigkeit zu stärken, zukünftige Belastungen besser zu bestehen. Doch Kinder können das nicht alleine leisten; sie brauchen einen unterstützenden Erwachsenen in ihrem Leben, der sie vor Unglück und Missgeschick beschützt, und diese/r Erwachsene ist zumeist ein liebevoller, verantwortungsbewusster, bestimmter, autoritativer, allein erziehender Elternteil. Kinder, die aus einer konfliktgeladenen in eine harmonischere Situation mit einem autoritativen Erziehenden überwechseln, zeigen gewöhnlich nach zwei Jahren Scheidung eine bessere Anpassung als vor der Scheidung. Doch Kinder, die bei einem unfähigen Elternteil mit mehr Stress und Streit als vorher leben müssen, zeigen eine Zunahme an seelischen Problemen, Aggressivität, Reizbarkeit und Verhaltensstörungen. (S. 215)
Der konstruktive Umgang mit der Trennungssituation ist etwas, was nur in einem stressfreien Raum stattfinden kann. Meines Erachtens muss sowohl die Soziale Arbeit, als auch die Gesetzgebung dieses in ihre Handlungsmaximen einbeziehen. Alleinerziehende Frauen und ihre Kinder müssen insoweit geschützt werden, als dass die Gesellschaft ihnen in soweit entgegen kommt, dass es bessere Betreuungsmöglichkeiten gibt und auch jedwede Form von überflüssiger Belastung von ihnen ferngehalten wird. So sollten Beratungsstellen ihre Vermittelnde Aufgabe ernst nehmen und effektive Entlastungsarbeit leisten. Um die Kinder zu stärken, gilt es auch immer erst die Mütter zu stärken. Allein erziehende Mütter schaffen Erziehungsräume.
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Schick (2000) macht darauf aufmerksam, dass Kinder eine Scheidung beziehungsweise Trennung der Eltern nur dann konstruktiv verarbeiten, wenn die Mütter dieses tun: Am eindeutigsten waren jedoch die Zusammenhänge zwischen Verhalten und Erleben der Kinder einerseits und der psychischen Gesundheit der Mütter andererseits. Diesen Zusammenhang erklären die Autoren mit der dadurch beeinflußten Mutter-Kind-Beziehung. Nur wenn die Mütter psychisch gesund genug seien, um positive Beziehungen zu ihrem Kind zu erhalten, verlaufe deren Entwicklung weitgehend ungestört. (S. 46)
Dazu gehört jedoch auch der partnerschaftliche Umgang der Ex-Partner beziehungsweise getrennten Eltern miteinander. Auch wenn diese nicht mehr eine Paarbeziehung führen, ist ein respektvoller Umgang der Eltern vor und wegen des Kindes absolut erforderlich. Ist dieses nicht der Fall, bringt man das Kind in einen Loyalitätskonflikt, welches fatale Folgen für die gesunde psychische Entwicklung des Kindes haben kann.
Eine Trennung der Eltern hat jedoch nicht nur negative Folgen für die psychische Gesundheit von Scheidungskindern. Figdor (1997) merkt hierzu an:
Eine aus psychoanalytischer Erfahrung gewonnenen Erkenntnis, keineswegs neu, seit Jahrzehnten Bestandteil des psychoanalytischen Wissenschatzes, bewog und ermutigte mich zu dem Versuch, der Frage nach möglichen positiven Scheidungsfolgen theoretisch nachzugehen. Und zwar meine ich die Erkenntnis, daß neurotisches Leid, das Menschen dazu bewegt, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, zwar auf heftige und daher abgewehrte innerpsychische Konflikte zurückgeht, daß jedoch die abgewehrten innerpsychischen Konflikte sich nicht ausschließlich in diesen, Leid verursachenden Symptomen manifestieren, denn darüber hinaus ergeben sich aus der Konfliktabwehr stets auch psychische Erwerbungen, die für den Betreffenden nicht nur nicht störend, sondern oft genug eine Bereicherung seiner Persönlichkeit beziehungsweise seines Lebens darstellen. (S. 79)
1.6 Alleinerziehende und elterliche Sorge
Wo ist das Bundesgesetz zur Finanzierung öffentlicher Kinderbetreuung? Wo ist die ausreichende Finanzierung der Beratungsangebote? Wo ist das Umgangsrecht für Kinder, wo die Sorgepflicht für Väter im Falle der mehrheitlich alleinerziehenden Frauen? Wo ist die finanzielle Unterstützung der Hilfe zur Selbsthilfe, damit sich alleinerziehende Mütter selbst finanzieren können? Es scheint, dass die Alleinerziehenden mit dem Aufkommen für den Kindesunterhalt und der „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ ihrer Kinder alleingelassen werden. Diese Alleinbewältigung der schweren Alltagsarbeit wird meines Erachtens nicht nur von der Gesellschaft zu wenig honoriert. Auch der VAMV (Verband alleinerziehender Mütter und Väter) steht für die anerkennungswürdige Arbeit Alleinerziehender ein. Ist die elterliche Sorge geteilt, ist der Mann nicht zwangsläufig dazu gezwungen, sich im gleichen Maße wie die Frau um den gemeinsamen Nachwuchs zu kümmern. Er hat jedoch das Recht, über den Bestimmungsort der Mutter mit dem Kind mitzuentscheiden. Die allein erziehenden zumeist Frauen können also in ihren Freiräumen durch die geteilte elterliche Sorge enorm in ihrem Lebensbereich eingeschränkt werden.
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Arbeit zitieren:
Ilona Pfaff, 2005, Zur Situation von ausländischen Alleinerziehenden in Freiburg, München, GRIN Verlag GmbH
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