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Forschungsarbeit, 2007, 125 Seiten
Autor: Dr. med. Ulf-Norbert Funke
Fach: Geschichte - Deutsches Kaiserreich, Imperialismus
Details
Tags: Karl, August, Lingner, Leben, Werk, Großindustriellen
Jahr: 2007
Seiten: 125
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 240 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-60863-3
ISBN (Buch): 978-3-638-73507-0
Dateigröße: 4299 KB
Die Arbeit, auf der Dissertation des Autors von 1993 aufbauend und bis 2006 wesentlich erweitert, beschreibt das Leben und Wirken von Karl August Lingner (1861-1916). Der Odol-Fabrikant setzte einen Großteil seines Vermögens für gemeinnützige Zwecke ein. So veranstaltete er u.a. 1911 eine Weltausstellung für Hygiene in Dresden, aus welcher das Deutsche Hygiene-Museum hervorging. Doch dies sind nur die allgemein bekannten Aspekte seines Lebens. Die hier vorgelegte Biographie führt wesentlich weiter.... Die zugrunde liegende Dissertation wurde mit 1 bewertet. Die Veröffentlichung enthält 190 Abbildungen.
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Zusammenfassung / Abstract
Der Odol-Fabrikant Karl August Lingner (1861-1916) gehörte zu den erfolgreichen Unternehmern, die einen erheblichen Teil ihres Vermögens für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stellten. Mit Hilfe bedeutender Persönlichkeiten und Wissenschaftlern seiner Zeit, genannt seien hier lediglich Robert Koch, Paul Ehrlich, Emil von Behring, Wilhelm Ostwald, Albert Neisser, Gustav Stresemann, Karl Sudhoff, Giacomo Puccini, Richard Strauss, Enrico Caruso und Franz von Stuck, verstand er es, neue Erkenntnisse der Bakteriologie, der Sozialhygiene und des Desinfektionswesens aufzugreifen und für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Seiner Weitsicht und seinem Organisationstalent verdankt die Stadt Dresden auch die Entstehung des Deutschen Hygiene-Museums und des Sächsischen Serumwerkes. Lingner ging als Pionier der deutschen Markenartikelindustrie und als Mitbegründer der hygienischen Volksbelehrung in die allgemeine Industrie- und Medizingeschichte ein. Dabei war und ist die Persönlichkeit Lingners nicht unumstritten. Bereits für viele Zeitgenossen war der Aufstieg Lingners vom Handlungsgehilfen zum Multimillionär suspekt. Unbestritten kann Lingner als visionärer Realist bezeichnet werden. Schon vor einhundert Jahren erkannte er die Notwendigkeit einer Europäischen Union, warnte vor dem Geburtenrückgang in Deutschland und der zunehmenden Wirtschaftsmacht Asiens. Die Vorstellungen Lingners zu diesen Problemfeldern sind heute aktueller denn je. Die vorliegende Biographie unterscheidet sich von bisherigen Veröffentlichungen neben der reichhaltigen Bebilderung auch dadurch, dass sie die von Lingner unterstützen bzw. begründeten Einrichtungen ausführlich darstellt. Dazu gehören das Deutsche Hygiene-Museum, die Internationale Hygiene-Ausstellung 1911, die Kinderklinik mit Säuglingsheim, die Zentralstelle für Zahnhygiene, die Zentralstelle für Desinfektion, die Dresdner Lesehalle, das Sächsische Serumwerk und das Politisch-wissenschaftlichen Archiv in Berlin und nicht zuletzt die Lingner-Stiftung. Das Buch vermittelt ein anschauliches Bild vom oft mühsamen, aber auch erfolgreichen und widersprüchlichen Werdegang eines Mannes, der die gesamtgesellschaftliche Entwicklung im Deutschen Kaiserreich nachhaltig beeinflusst hat.
Textauszug (computergeneriert)
Ulf-Norbert Funke
Karl August Lingner -
Leben und Werkeines sächsischen Großindustriellen
Juni 2006
Inhaltsverzeichnis
Einführung ... 5
I. Die Biographie von K. A. Lingner
Soziale Herkunft, Kindheit und Schulbildung ... 6
Lingners kaufmännische Lehre und seine ersten beruflichen Jahre ... 7
Vom Korrespondenten zum ersten Versuch als Unternehmer ... 8
Lingners Aufstieg zu einem bedeutenden Unternehmer ... 11
Gemeinnütziges Wirken und unternehmerischer Erfolg25Lingners letztes Lebensjahr ... 42
II. Das gemeinnützige Wirken K. A. Lingners
Die Kinderpoliklinik mit Säuglingsheim in der Johannstadt ... 48
Die Zentralstelle für Zahnhygiene und Schulzahnklinik ... 55
Die Öffentliche Zentralstelle für Desinfektion und die Desinfektorenschule ... 61
Die Dresdner Lesehalle ... 65
Lingner und die Kunst ... 67
Das Sächsische Serumwerk und Institut für Bakteriotherapie ... 70
Die Internationale Hygiene-Ausstellung 1911 und die Entwicklungdes National Hygiene-Museums ... 74
Die Lingner-Stiftung ... 88
Lingner als Verleger und seine Bibliographie ... 92
III. Wissenschaftlicher Hintergrund ... 95
IV. Quellen -und LiteraturverzeichnisVerzeichnis der Quellen ... 96
Medizinhistorische und sonstige Literatur ... 111
V. Personen-, Vereins- und Produkteverzeichnis
Personenverzeichnis ... 116
Vereinsverzeichnis ... 122
Produktverzeichnis ... 123
Einführung
Der Odol-Fabrikant Karl August Lingner (1861-1916) gehörte zu denerfolgreichen Unternehmern, die einen erheblichen Teil ihres Vermögens fürgemeinnützige Zwecke zur Verfügung stellten. Mit Hilfe bedeutender Wissenschaftler seiner Zeit verstand er es, neue Erkenntnisse der Bakteriologie,Hygiene und des Desinfektionswesens aufzugreifen und für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Seiner Weitsicht und seinem Organisationstalentverdankt die Stadt Dresden auch die Entstehung des Deutschen Hygiene-Museums und des Sächsischen Serumwerkes. Lingner ging als Pionier derMarkenartikelindustrie und als Mitbegründer der hygienischen Volksbelehrung in die allgemeine Industrie- und Medizingeschichte ein. Dabeiwar und ist die Persönlichkeit Lingners nicht unumstritten. Bereits für vieleZeitgenossen war der Aufstieg Lingners vom Handlungsgehilfen zum Multimillionär suspekt. W. Büchi schreibt dazu treffend: „Der schnelle Erfolgprägt das Lingnerbild auf Dauer. Moneymaker, Schoßkind des Glücks,Reklameheld. Was immer Lingner künftig tut, es wird durch diese Brillegesehen. Von nun an wird Mammon stets neben ihm auftauchen, hinter ihmhocken, durch die Nebentüre ins Spiel kommen: Ein Mammonmechanismus,der es dem Zeitgenossen wie dem Historiker schwer macht, Lingners Leistungen im Einzelfall gerecht zu werden.“[239].
Unbestritten kann Lingner als visionärer Realist bezeichnet werden.Bereits vor einhundert Jahren erkannte er die Notwendigkeit einer Europäischen Union, warnte vor dem Geburtenrückgang in Deutschland und derzunehmenden Wirtschaftsmacht Asiens. Die Vorstellungen Lingners zu diesen Problemfeldern sind heute aktueller denn je.
Der Förderverein Lingnerschloss bewahrt mit seinem Engangementnicht nur Lingners herrliches Anwesen in Dresden, sondern damit auch seinlebendiges Vermächtnis, für die Sicherung der Zukunft Deutschlands undEuropas einen Beitrag zu leisten.
Dresden, im Juni 2006
Dr. Ulf-Norbert Funke
I. Die Biographie von Karl August Lingner
Soziale Herkunft, Kindheit und Schulbildung
Karl August Lingner wurde am 21. Dezember 1861 als dritter Sohn des Kaufmanns August Bernhard Lingner (geb. 25. 7. 1828 in Hermsdorf bei Magdeburg – gest. 13.11.1878 in Nietleben bei Halle) und dessen Ehefrau Caroline Augusta geborene Herzog (geb. 11. 08. 1828 in Leipzig – gest. 21. 09. 1910 in Dresden) in Magdeburg geboren. Sein Geburtshaus befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit am Alten Fischerufer Nr. 42 [125]. Lingner stammte väterlicherseits aus einer alten Lehrers- und Pfarrersfamilie, die 1936 vom Verein für Sippenforschung bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden konnte [150]. Zur Familie gehörten die älteren Brüder Oscar (1855-1927) und Emil (1857-1925), die jüngere Schwester Anna (verheiratete Fischer-Peckel, 1864-1930) und die im Alter von acht Wochen1858 verstorbene Johanna [150]. Lingners Vater arbeitete als “Handelsagentund Kommissionär” in Magdeburg. Die Lebensverhältnisse der Familie waren eher bescheiden [215].
Am 26. Januar 1862 erhielt Lingner in der evangelischen Gemeinde St. Jacobi in Magdeburg die Taufe [15]. Im Jahre 1866 begann seine schulische Ausbildung in der “Städtischen Vorbereitungsschule”, Große Schulstraße Nr. 1. Von hier wechselte er 1871 in die Sexta der “Städtischen Höheren Gewerbeschule”, bis 1874 ebenfalls Große Schulstraße Nr. 1, ab 1875 Ravensberger Straße 1 [16]. Seine schulischen Leistungen bewegten sich im hinteren Drittel der damaligen Bewertungsbreite. Lediglich im Fach Singenerreichte er ein “befriedigend”.
Im Jahr 1873 zog die Familie Lingner auf die Stephansbrücke Nr. 38 [125]. Lingners Vater verstarb 1878 in der Irrenanstalt Nietleben. Bereits seit 1876 wurde Lingners Mutter im Adressbuch von Magdeburg als allein stehend geführt. Durch Wegfall des Vaters mußte Lingner seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. So brach er 1877 mit Abschluss der 11.Klasse die Schule ab, um sich “dem kaufmännischen Berufe zu widmen” [16]. Seinen damals schon vorhandenen künstlerischen Neigungen konnte er aufgrund der bescheidenen Familienverhältnisse nicht nachgehen [223]. Lingners zukünftige Glück lag also nicht in der Wiege. Wenn er später soziale Armut als Ursache vieler Erkrankungen reflektiert, so sprach er aus eigenem Erleben.
Lingners kaufmännische Lehre und seine ersten beruflichen Jahre
Lingners kaufmännische Ausbildung begann 1877 in Gardelegen. Prof. J. F. Wollf (1871-1935), Herausgeber der “Dresdner Neuesten Nachrichten” und Freund Lingners, berichtete von einer Ausbildung in einem Warenladen [223]. Andere Autoren schrieben von einer Drogistenlehre Lingners [204]. Belege für eine berufliche Qualifikation liegen nicht vor. Sicher ist nur Lingners spätere Mitgliedschaft im “Deutschen Drogisten Verband von 1873 e.V.”. Auch über Lingners erste Arbeitsjahre in Gardelegen, wo er von 1879-1883 in einem Ladengeschäft als “Handlungsgehilfe” angestellt war, fehlen ausführliche Angaben. Es sollen entbehrungsreiche Jahre gewesen sein mit dem Ziel, das Geld für einen Parisaufenthalt zusammenzusparen [223]. Im Herbst 1883 begab sich Lingner nach Paris, wo er am Konservatorium Musik studiert haben soll [223]. Für eine Aufnahmeprüfung Lingners gibt es keine Hinweise. Das Pariser Konservatorium stand damals unter der Leitung von A. Thomas (1811-1896) und galt als exklusive Ausbildungsstätte. Berühmte Musiker Frankreichs wie M. Ravel (1875-1937), C. Debussy (1862-1918), F. Schmitt (1870-1958) und V. D‘ Indy‘ (1851-1931) erhielten hier ihre Ausbildung. Es scheint unwahrscheinlich, dass ein einfacher “Handlungsgehilfe” Zugang zum Konservatorium hatte, auch enthielten die Schulzeugnisse Lingners keinen Hinweis auf eine außergewöhnliche musikalische Begabung. Seinen Lebensunterhalt verdiente Lingner als Vertreter deutscher Firmen in Paris [197]. Er wohnte in der Rue de la Tourd‘ Auvergne. Zu seinem Pariser Freundeskreis zählten Wilhelm Rikkers, der Sohn eines holländischen Bankiers, ein Stettiner Kaufmannssohn Namens Lindemann und der Dresdner Karl Lange [223].
[...]
15 Archiv des Deutschen Hygiene Museums.L ingners Geburtsurkunde und Taufschein. III/158.
16 Archiv des Deutschen Hygiene Museums. Lingners Abgangszeugnis der Städtischen Höheren Gewerbeschule. III/158.
125 Stadtarchiv Magdeburg. Laut Recherchen des Archives in den Adressbüchern Magdeburgs der Jahre 1862, 1873 und 1875. Mitteilung vom7. Feb. 1992
150 Butte, H. Zum Bilde Lingners. Mitteilungen des Rolands (4) 1936.Dresden, Verein für Sippenforschung, 1936.
197 Historische Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.).Neue Deutsche Biographie. Berlin, Duncker & Humblot, 1985.
204 Lienert, M. und G. Heidel Zum 75. Todestag von K. A. Lingner. Dresden, unveröffentlichtes Manuskript, 1991.
223 Wollf, J. F. Lingner und sein Vermächtnis. Hellerau, Verlag von Jakob Hegner, 1930.
239 Büchi, Walter A. Schlossherr ohne Adelstitel – Lingner die Exzellenz In: In aller Munde - Einhundert Jahre Odol, Deutsches Hygiene-Museum, 1993 Edition Cantz
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