1. Übersetzung Den morgenblic 3
2. Interpretation 4
3. Das Tagelied- der Zusammenhang zum Minnesang und W v Eschenbach als
Gestalter des Tagelieds 9
3.1 Der Minnesang 9
3.2 Das Tagelied im Vergleich zum Minnesang 10
3.3 Wolfram von Eschenbach als Gestalter des Tagelieds 12
4. Wolfram von Eschenbach sein Leben und seine Werke 12
5. Literaturverzeichnis 17
2
1. Übersetzung „Den morgenblic“
Beim Gesang eines Wächters nahm
eine Herrin das erste Morgenlicht wahr als sie heimlich in den Armen Ihres werten Geliebten Arme lag. Da hat sie von der Freude viel verloren.
Deshalb mussten sich ihre heiteren 1 Augen abermals mit Tränen füllen. Sie sprach: „Ach Tag! Alles, was lebt, freut sich deiner und verlangt, dich zu sehen – nur ich allein nicht. Was soll aus mir werden? Nun kann mein Geliebter nicht länger hier bei mir bleiben: dein Licht jagt ihn fort von mir.“
Strophe 2:
Der Tag drang mit ganzer Kraft durch die Fenster. Viele Riegel haben sie verschlossen.
Das half nicht: Das machte ihnen Angst.
Die Geliebte drückte den Geliebten fest an sich. Ihre Augen benetzten beiden die Wangen. Sie sagte zu ihm:
„Zwei Herzen und nur einen Körper haben wir. Untrennbar bleiben wir durch Treue miteinander verbunden. Der großen Lust bin ich ganz ergeben, wenn du zu mir kommst und ich zu dir.“
1
„liehtiu“ kann ebenso wie mit „heiter“ auch mit „klar“ übersetzt werden, ich habe diese Übersetzung gewählt, da es mit sinnvoller erscheint, dass die Herrin nach einer gemeinsamen Nacht mit ihrem Geliebten heitere Augen hat als klare.
3
Strophe 3:
Der Mann nahm voller Trauer bald entschlossen Abschied. Ihre hellen glatten Körper kamen sich noch einmal ganz nah, obwohl der Tag anbrach. Weinende Augen – zärtlicher Kuss der Geliebten! So konnten sie doch Ihre Münder, ihre Brüste, ihre Arme, ihre weißen Beine ineinander verflechten. Welch Maler, der darstellen wollte, wie ineinander verbunden sie dort lagen –wäre damit überfordert. obwohl ihre Liebe doch viel Gefahr mit sich trug, gaben sie sich ganz einander hin.
2. Interpretation
Das Tagelied „den morgenblic“ von Wolfram von Eschenbach handelt von einem heimlichen Liebespaar das sich nach einer gemeinsamen Nacht bei Tagesanbruch trennen muss, damit es unentdeckt bleibt. Das Lied ist in drei Strophen geteilt, welche aus je zehn Zeilen bestehen, jede Zeile beginnt mit kennzeichnenden Substantiven: „Den morgenblic“(Strophe 1, Z. 1), „Der tac“(Strophe 2, Z. 1) und „Der man“(Strophe 3, Z.1). Als Erzähltempus wird das Präteritum gewählt um eine betrachtende Distanz zu erzeugen. Das regelmäßige Reimschema des Liedes ist abcabc/deed. Es hat eine unregelmäßige Metrik, es muss dabei bedacht werden, dass es sich um ein Lied handelt, das gesungen und nicht vorgelesen wurde. Das Lied ist stilistisch unter anderem durch Enjambements geprägt (z.B. Z. 1-2, Z. 15- 16).
Zeitliche Einordnung: Die Tageszeit zu der das Lied spielt ist der frühe Morgen, es dämmert (Z. 1). Zur Jahreszeit sowie zur historischen Zeit ist keine Aussage möglich, da keine Andeutungen darüber gemacht werden, zudem scheint das Lied historisch gesehen allgemein anwendbar zu sein. Das Alter in dem sich die Figuren befinden ist ebenso nicht eindeutig zu bestimmen, aber es scheint, als ob mindestens eine der
4
beiden Hauptfiguren bereits verheiratet ist. Zu den Personen ist zu sagen, dass es sich um ein heimliches (Z. 3) Liebespaar, einer Frau und einen Mann, handelt, beide Figuren scheinen von hohem Stand zu sein, da es sich um einen „werten Mann“ (Z. 3) und um eine „frouwe“ 2 (Z. 2) handelt. Diese Standesgleichheit scheint aber nicht relevant für die Anerkennung der Liebesbeziehung durch die Gesellschaft zu sein. Es liegt nahe, dass es sich um verheiratete Leute handelt und in diesem Fall um Ehebruch. Das Paar hat eine gemeinsame, verbotene Nacht miteinander verbracht und muss sich bei Tagesanbruch (Z. 10) trennen um nicht entdeckt zu werden. Zum Abschied geben sich beide ein letztes Mal ihrer Liebe hin. Die nahende Trennung macht die Herrin traurig, ihre Augen füllen sich „abermals“ (Z. 6) mit Tränen, was ein Hinweis darauf ist, dass diese heimliche Liaison bereits länger andauert und die Frau den Schmerz des Abschiedes schon häufiger erlebt hat. Zudem sind die Tränen ein Motiv dafür, dass die Sorge der Frau einen Weg findet ihre negative Energie freizusetzen. Um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, singt die Frau ein Klagelied an den Tag (Z. 6ff). In diesem Lied kennzeichnet sie den anbrechenden Tag als eine Bedrohung, sieht sogar ihre Existenz durch ihn bedroht (Z. 7). Das Morgenlicht hat bereits einen bedrohlichen Charakter, es ermöglicht, dass das Liebespaar entdeckt werden könnte, ebenso bedrohlich könnte auch die Figur des Wächters sein, dessen Gesang die Herrin weckt (Z.1) und welcher die Liaison aufdecken könnte. Trotzdem tritt der Wächter auch als rettende Person auf, da dieser die Herrin weckt und sie damit vor dem anbrechenden Tag warnt. Interessant an dieser Konstellation erscheint, dass die Frau ihre scheinbare Macht- und Hilflosigkeit nicht dem Wächter, der materiellen Figur, sondern dem Tag entgegenbringt. Den Tag beschuldigt sie der Ungerechtigkeit, da die beschützende Nacht ihm weichen muss. Sie meint, dass alle Freude am Tag hätten (Z. 7), nur sie und ihr Geliebter könnten diesen nie genießen. Sie müssten aus Angst vor einer Entdeckung die Erfüllung ihrer Liebe in der Nacht finden. Im Gegensatz zur üblichen Symbolik ist hier nicht die Nacht die Bedrohung, diese spendet dem Liebespaar Sicherheit und Schutz vor der Entdeckung ihrer Liebe, der Tag tritt als größte und dominierende Gefahr hervor. Er bedeutet Unsicherheit für das Liebespaar, Angst vor
2
„frouwe“ bezeichnet eine edle Dame von hohem Stand, gleichgültig ob diese verheiratet ist. vgl. http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/bmz/wbgui?lemid=BV02456 vom
5
Arbeit zitieren:
Katharina Rahmer, 2006, Den Morgenblic, Wolfram von Eschenbach, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Totentanz im Mittelalter - eine monumentale Bußpredigt
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 19 Seiten
Schrift und Sprachlosigkeit in Kafkas Erzählng 'In der Strafkoloni...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Der mittelalterliche Totentanz (Unter besonderer Berücksichtigung des ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 22 Seiten
Panegyrik und Kritik in den Kaiserstrophen des Ottentons von Walther v...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 15 Seiten
»Ein kneht, der lag verborgen« - Tageliedkritik oder gattungsstabilisi...
Seminararbeit, 14 Seiten
Groteske Elemente bei E.T.A. Hoffmann und N. Gogol
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Über die Bildlichkeit von Tod und Vergänglichkeit im 'Armen Heinri...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
Stille Reserven im Jahresabschluss - Bildung, Auflösung, Erkennbarkeit
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Hauptseminararbeit, 38 Seiten
Die Parodie in Wernher der Gaertners Helmbrecht
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 18 Seiten
Mönch und Nonne als Erzähler von modernen Ritterromanen - Ein Vergleic...
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Wolfram von Eschenbach: Sine klawen
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Experiment, Wissenschaft und künstlerische Gestaltung bei Dziga Vertov...
Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften
Magisterarbeit, 88 Seiten
Das Motiv des Aussatzes in der deutschen Literatur unter besonderer B...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Funktion des Keie im Iwein
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 17 Seiten
Leseförderung von Mädchen und Jungen im Unterricht der Grundschule
Überlegungen und Möglichkeiten...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 17 Seiten
Katharina Rahmer hat den Text Den Morgenblic, Wolfram von Eschenbach veröffentlicht
Katharina Rahmer hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare