sor an den pädagogischen Hochschulen Hirschberg, Celle und Lüneburg.
- Aus der Kritik der experimentellen Pädagogik an der traditionellen normativen Pädagogik, welche auf die fehlende wissenschaftliche Begründung, also auf die fehlende empirische Absicherung abzielt, resultiert das Ziel, mit dem Rückgriff auf die Erziehungswirklichkeit objektive Ergebnisse zu erzielen. Daraus ergeben sich folgende Hauptthesen:
- Die Basis der erziehungswissenschaftlichen Theorien sind pädagogische Tatsachen, da diese ein gesichertes Fundament bilden.
- Die Erfassung von Tatsachen geschieht mit Hilfe von Beobachtung und Erfahrung, wodurch die Wissenschaftlichkeit der Pädagogik gesichert ist.
- Aus der empirischen Forschung wird auf Gesetze geschlossen. Hier folgt die experimentelle Pädagogik dem Induktionsprinzip, welches impliziert, daß von dem Besonderen ( = z. B. wiederholte Beobachtungen) auf das Allgemeine ( = Erstellung einer Gesetzmäßigkeit) geschlossen wird.
- Ein hypothetischer Streitpunkt bei Vertretern der experimentellen Pädagogik betrifft die Frage, wie weit die experimentelle Pädagogik zugleich Normen für das praktische Handeln aufstellen kann. Lay und Meumann vertreten die Position, daß die experimentelle Pädagogik gleichsam eine normative Disziplin ist, welche Anweisungen für das praktische Handeln aufstellen kann. Die objektive Instanz ist gamäß ihrem Ermessen in der Aufstellung von Gesetzmäßigkeiten gegeben. Lochner vertritt die Position, daß sich die experimentelle Pädagogik auf Aussagen über die Erziehungswirklichkeit beschränken solle, da gemäß seinem Ermessen allgemein gültige Sätze nur im Rahmen einer Wissenschaft aufgestellt werden können, welche werturteilsfrei sei.
1. 3. Die Forschungsmethodik I. Beobachtung:
- Die Beobachtung kann gemäß der experimentellen Pädagogik als intendierte, umfassende Wahrnehmung mit dem Ziel der Erkenntnisgewinnung über das beobachtete Verhalten verstanden werden. II. Experiment:
- Das Experiment kann gemäß der experimentellen Pädagogik als planmäßig-systematische Herbeiführung von Umständen zum Zweck der Beobachtung verstanden werden. Zu differenzieren sind das Laboratoriumsexperiment und das Feldexperiment. Ein Laboratoriumsexperiment ist durch die künstliche Versuchsanordnung gekennzeichnet. Der Forscher schafft bestimmte gewünschte, kontrollierbare Bedingungen, welche im Verlauf des Experiments entweder konstant gehalten werden, oder variiert werden. Basis für ein Laboratoriumsexperiment ist somit die Simulation als Nachbildung eines Aspektes der Wirklichkeit. Beim Feldexperiment ist das Milieu vorgegeben. Folglich besteht beim Feldexperiment ein Nichtvorhandensein von isolierten Faktoren. Aufgrund des natürlichen Fundaments des Feldexperiments ist die Variierbarkeit der Bedingungen beim Feldex-
II
periment nicht gegeben.
- Beispiel für ein Laboratoriumsexperiment:
Lay führte ein Experiment zum Vergleich von Druck- und Schreibschrift durch. Wortneuschöpf-
lieren lassen. Das Laboratoriumsexperiment besitzt das Manko der Wirklichkeitsentfremdung auf-grund der Ausgrenzung von Wirklichkeitsfaktoren zum Zwecke der Untersuchung eines Wirklichkeitsausschnittes. Diese Künstlichkeitr der Situation läßt vermuten, daß etwaige relevante Faktoren außer acht gelassen werden. Im Feldexperiment ist die Natürlichkeit der Situation zwar gegeben, wegen der dadurch bedingten Komplexität der Situation ist die komplexe Beobachtung jedoch anzweifelbar.
- Fraglich ist, ob aus der Besonderheit von Situationen auf Gesetzmäßigkeiten geschlossen werden kann, da die beobachteten Situationen das Fundament der Individualität besitzen.
2. Die Erziehungswissenschaft auf der Basis des Kritischen Rationalismus
war Anlaß für eine Änderung der Wissenschaftstheorie empirischer Wissenschaften. Kritik an der klassischen Empirie wurde insbesondere im Hinblick auf das Induktionssprinzip geübt. Begründet wurde diese Kritik damit, daß es nicht haltbar sei, aus einzelnen Beobachtungen auf Gesetzesaussagen zu schließen, da sie dem Wahrheitsanspruch aufgrund der Unmöglichkeit der Erfassung der vollständigen Wirklichkeit aufgrund von selektiven Wahrnehmungen nicht genügen. Der dadurch nicht gegebene Objektivitäts- und Wahrheitsanspruch führte in den 30er Jahren zur
III
Konzeption des kritischen Rationalismus. In Deutschland brach die Fortentwicklung der empirischen Forschung 1933 ab. Erst in den 50er Jahren begann in der Erziehungswissenschaft die Rezeption empirischer Forschung.
- Vertreter des kritischen Rationalismus:
- Karl Raimund Popper (1902-1994):
Popper promovierte 1928 in Wien bei dem Psychologen Karl Bühler und hatte zugleich in Wien Verbindung mit dem Wiener Kreis, einer an den Naturwissenschaften orientierten Variante des Empirismus. 1934 erschien Poppers Werk "Logik der Forschung", die im wesentlichen eine Ausein-andersetzung mit der Position des klassischen Empirismus liefert. Popper lehrte von 1936 bis 1949 in Christchurch, Neuseeland und war von 1949 bis 1969 Professor für Logik und Wissenschaftsmethodologie an der London School of Economics and Political Science.
- Hans Albert (geb. 1921):
Albert lehrt seit 1963 an der Universität Mannheim Soziologie und Wissenschaftslehre. Durch ihn ist Poppers Konzept des Kritischen Rationalismus in die wissenschaftstheoretische Diskussion der Sozialwissenschaften im deutschen Sprachraum eingebracht worden.
- Ziel sei die Erlangung von wissenschaftlichen Ergebnissen, welche eine möglichst große Annäherung an die Wahrheit als Qualitätsmaßstab haben, und die Eliminierung falscher Problemlösungen. Daraus ergeben sich folgende Hauptthesen:
- Der Prozeß wissenschaftlichen Denkens wird alss "systematisches Raten" aufgefaßt, dessen Ergebnis niemals die Wahrheit sein kann, da diese nicht vollständig erfaßbar sei. Ein wissenschaftliches Ergebnis kann im Sinne des kritischen Rationalismus somit als Annäherung an die Wahrheit verstanden werden.Ein wissenschaftlioches Ergebnis wird folglich als Hypothese betrachtet.
- Die Wahrheitsqualität von Aussagen wird durch die Objektivität des wissenschaftlichen Prozesses bestimmt. Das Maß der Objektivität resultiert folglich aus der Qualität der Methode.
- Die objektive Methode der Wahrheitsfindung besteht darin, daß die wissenschaftlichen Ergebnisse einer kritischen Überprüfung unterzogen werden. Theorien, bei denen es trotz strenger Prüfungen nicht gelungen ist, sie zu falsifizieren, werden als bewährt beibehalten. Sie sind vorläufig verifiziert. Falsifizierte Theorien werden verworfen. Dieses von Popper als "Prüfung durch empirische Anwendung" bezeichnete Modell findet in der Literatur und in der Anwendung Eingang als "Falsifikationsprinzip".
- Die "Prüfung (einer Theorie) durch empirische Anwendung" ist so konzipiert, daß sie an der Erfahrung scheitern kann. Das impliziert, daß die zu prüfenden Hypothesen so formuliert sind, daß sie möglichst einfach widerlegbar sind. Der methodologische Überprüfungsprozeß ist durch die Verwendung bereits anerkannter Sätzeund Methoden gekennzeichnet. Das Überprüfungsverfahren ist ein deduktives, das heißt, daß aus dem Allgemeinen (die zu überprüfende Theorie) das Besondere (Folgerungen/Prognosen) abgeleitet werden. Der Wahrheitsgehalt dieser Folgerungen wird nun durch die praktische Anwendung (Experiment usw.) überprüft.
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Arbeit zitieren:
Isabel Ebber, 2000, Erziehungswissenschaft als empirische Verhaltenswissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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