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Gliederung
1. Einleitender Rückblick in die wissenschaftliche Disziplin der
Wirtschaftsgeographie - Unterscheidung von alter und neuer
Wirtschaftsgeographie. 3
2. Kultur, eine lediglich unbedeutende Variable in der
wirtschaftsgeographischen Fachdiskussion? 6
3. Cultural turn- eine theoretische und thematische
Schwerpunktverschiebung hin zum interpretativen Konstruktivismus
mit Hilfe von hermeneutisch- phänomenologischer Forschung. 8
4. Zusammenfassung, kritische Anmerkungen und Ausblick 13
Abbildungen : 15
Literatur : 16
3
1. Einleitender Rückblick in die wissenschaftliche Disziplin der
Wirtschaftsgeographie - Unterscheidung von alter und neuer
Wirtschaftsgeographie
Die Wirtschaftsgeographie als Wissenschaft ist, wie alle anderen Wissenschaften auch, eine sich ständig Weiterentwickelnde. Seit der Überwindung des Kolonialismus, dem Ende des bipolaren Weltbildes bzw. Zusammenstürzen eines weltweit existierenden ideologischen Gedankengebäudes und der rasanten Globalisierung fand auch in der Wirtschaftsgeographie ein Umdenken bzw. Umorientieren statt, um den (wirtschafts-)geographischen Veränderungen Rechnung zu tragen. Die Globalisierung mit ihren tiefgreifenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen spielt hierbei sicherlich eine herausragende Rolle. Daraus resultierte die problematische Tatsache, dass sich bestimmte Sachverhalte und globale Entwicklungen nicht zwingend mit den existierenden wissenschaftlichen Paradigmen bzw. Lehrmeinungen erklären ließen. Auf Grund dieser Entwicklung wird nun versucht, die bisher (in der Wirtschaftsgeographie) vernachlässigte Ebene des Kulturellen in neuere Forschungsansätze zu integrieren.
Betrachten wir zur Unterscheidung von „alter“ und „neuer“ Wirtschaftsgeographie die jüngere Vergangenheit dieser wissenschaftlichen Disziplin. Bis in die 60er Jahre hinein war die Wirtschaftsgeographie als ein Zweig der Anthropogeographie, bestehend aus Agrar- und Industriegeographie sowie gewisser Bereiche der Sozialgeographie und der Verkehrsgeographie, hauptsächlich eine deskriptive, sich auf die unkritische Beschreibung von Regionen bzw. Ländern beschränkende Wissenschaft. Das bis dato vorherrschende länderkundliche 1 Paradigma wurde auf internationaler Ebene durch Arbeiten von P. Haggett sowie durch eine umfassende Kritik von Studenten und Professoren auf dem Kieler Geographentag 1969 abgelöst.
1 Seit 1900 stetig steigende Verwendung von Landschaft im Titel von wissenschaftlichen Aufsätzen.
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Das alte länderkundliche Programm wurde als wissenschaftstheoretisch unfundiert, beschreibend statt erklärend, holistisch und naturalisierend charakterisiert 2 . Bartels, einer der bedeutenden Vertreter dieser neuen Schule auf dem Kieler Geographentag, hatte neue prioritäre Ziele formuliert: Die analytische Erklärung sollte die reine Beschreibung ablösen, außerdem sollte der Raum nicht mehr als Landschaft, sondern als geometrisches Gebilde gesehen werden. Modell- und Theoriebildung sollten auf Grund dieser Analysen eine ökonomische Erklärung der räumlichen Ordnung und Organisation ermöglichen.
Die Analyse von räumlichen Gegebenheiten, Verteilungen bzw. Verflechtungen zwischen Wirtschaftssubjekten und die dadurch entstehenden Theorien sollten von nun an im Vordergrund stehen. „Es ist Aufgabe der Wirtschaftsgeographie, Beiträge zur Erklärung, Beschreibung und Gestaltung ökonomischer Raumsysteme zu leisten.“ 3 Neues Ziel damals war es also die Wirtschaftsgeographie dem entsprechend als chorologische 4 Wissenschaft zu begründen. Diese doch bedeutende Änderung im wirtschaftsgeographischen wissenschaftlichen Verständnis wird mit dem Schlagwort der „Quantitativen Revolution“ verbunden. Klassischer Untersuchungsgegenstand der Raumwirtschaftslehre ist die Analyse von Standortverteilungen und Standortentscheidungen. Die Akkumulation bzw. die Multiplikation vieler Faktoren wie z. B. bestehende Infrastruktur, Lohnkosten, Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften oder Gewinnbesteuerung bzw. Steuerhöhe bildeten die Grundlage für eine Standortanalyse, ob oder ob nicht ein gewisser „Raum“ für Unternehmensansiedlungen bzw. Agglomerationen in Frage kommt. In der Raumwirtschaftslehre herrscht ein Kausalitätsverständnis, wonach an jedem Ort zu jeder Zeit eine Ursache ihre spezifische Wirkung hat. Zusammenfassung: Die wissenschaftstheoretische Grundposition der Raumwirtschaftslehre ist eine deduktiv- nomologische, d.h. Ziel ist das Herausfinden von Gesetzmäßigkeiten bzw. wenn- dann oder je- desto Aussagen treffen zu können.
2 Bathelt, Harald; Glückler, Johannes: Wirtschaftsgeografie. 2002, Stuttgart, S. 20
3 Schätzl, L.: Wirtschaftsgeographie. 1996 In: Gabler-Volkswirtschafts- Lexikon. Wiesbaden, S. 1295
4 Chorologie: (grch.- lat.) Raum- oder Ortswissenschaft, besonders in der Geographie und Astronomie
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Der raumwirtschaftliche Ansatz prägte die Wirtschaftsgeographie in den letzten 30 Jahren sehr deutlich. Es gab zwar auch andere wissenschaftliche Konzeptionen, wie der verhaltenswissenschaftliche oder der Wohlfahrtsansatz, diese blieben jedoch weitgehend unbedeutend.
Diese eben beschriebene Forschungslandschaft der letzten 30 Jahre kann im Rahmen dieser Hausarbeit als „alte Wirtschaftsgeographie“ bezeichnet werden. Diese Arbeit bzw. dieses Referat soll ein Beitrag zum Verständnis der Rolle des cultural turn in der neuen Wirtschaftsgeographie leisten bzw. versuchen ansatzweise die Unterschiede von „alter“ und „neuer“ Wirtschaftsgeographie aus kulturtheo- retischer Sicht zu beleuchten.
Arbeit zitieren:
Steffen Schuerer, 2005, New Economic Geography: Die Rolle des 'cultural turn', München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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