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Walther von der Vogelweide - Der Reichston als Beispiel politischer Dichtung

Hauptseminararbeit, 2006, 27 Seiten
Autor: Laurence Miller
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Institution/Hochschule: Universität Trier
Tags: Walther, Vogelweide, Reichston, Beispiel, Dichtung
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 23  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V67080
ISBN (E-Book): 978-3-638-59973-3
ISBN (Buch): 978-3-638-67182-8
Dateigröße: 343 KB

Zusammenfassung / Abstract

Welche politischen Aussagen findet man bei Walther von der Vogelweide? Inwieweit spiegeln seine Äußerungen seine persönliche Meinung wider und in welchem Maße sind diese von Walthers jeweiligen Auftraggebern vorgegeben? In diesem Buch werden die politischen Aussagen Walthers anhand der drei Reichssprüche, unter Berücksichtigung der historischen Umstände, verdeutlicht. Der Aufbau der Arbeit geht von der Darstellung der politischen Ereignisse im Deutschen Reich um 1200 aus. Des Weiteren wird eine allgemeine Schilderung der Möglichkeiten und Einschränkungen eines politischen Dichters im Mittelalter gegeben. Der Hauptteil besteht aus einer Untersuchung der Reichssprüche auf ihren politischen Inhalt hin. Das Buch schließt mit einer abschließenden Darstellung der wahren Absichten welche Walther mit den Reichsprüchen verfolgte.


Textauszug (computergeneriert)

Walther von der Vogelweide –
Der Reichston als Beispiel politischer Dichtung

von: Laurence Miller

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung  3

1.1 Aufbau und Ziel der Arbeit 3
1.2 Dichtung und Politik 3
1.3 Zum Problem der Einheit des Reichstons 4

2. Die politischen Ereignisse um 1200 5

3. Möglichkeiten und Begrenzungen politischer Dichtung im Mittelalter  7

4. Zur Auswahl der Sprüche 11

5. Darstellung der politischen Absichten Walthers an ausgewählten Sprüchen 11

5.1 Der erste Reichsspruch  11
5.2 Der zweite Reichsspruch  13
5.3 Der dritte Reichsspruch  17

6. Fazit: Welche Absichten vertrat Walther von der Vogelweide im Reichston ? 20

Literaturverzeichnis 22

Primärliteratur  22
Sekundärliteratur 22

Anhang  25




 

1. Einleitung

1.1 Aufbau und Ziel der Arbeit

Da die Sangspruchdichtung zum größten Teil einen deutlicheren Bezug zur Alltagrealität und Lebenswirklichkeit des Publikums und des Sängers hat, also mehr ‘Tagesaktualität’ besitzt als die, doch oft hoch stilisierte, Liebeslyrik, habe ich mich für die Betrachtung Walthers unter dem politischen Aspekt entschieden.

Welche politischen Aussagen findet man bei Walther von der Vogelweide? Inwieweit spiegeln seine Äußerungen seine persönliche Meinung wider und in welchem Maße sind diese von Walthers jeweiligen Auftraggebern vorgegeben? Ziel der Arbeit ist es anhand eines ausgewählten Textkomplexes, der drei Reichssprüche, die politischen Aussagen Walthers unter Berücksichtigung der historischen Umstände ein wenig zu verdeutlichen. Der Aufbau der Arbeit geht von der Darstellung der politischen Ereignisse im Deutschen Reich um 1200 aus. Darauf folgt eine allgemeine Schilderung der Möglichkeiten und Einschränkungen eines politischen Dichters im Mittelalter. Dieser Punkt ist insoweit von Bedeutung, um Walthers Intentionen besser verstehen zu können. Anschließend folgt eine Untersuchung der Reichssprüche auf ihren politischen Inhalt hin. Danach kommt eine kurze Erklärung zur Textauswahl. Als Abschluss der Arbeit steht die Frage nach dem Ziel und den Absichten, welche Walther mit den Reichsprüchen1 verfolgte.

1.2 Dichtung und Politik

Da die Spruchdichtung unter realitätsbezogene Gebrauchslyrik fällt, eignet sie sich zur politischen Stellungnahme. Die Verwendung von kurzen einprägsamen Versen konnten, in der mittelalterlichen Gesellschaft, deren Mitglieder durch alle Stände, mit Ausnahme des Klerus, häufig noch Analphabeten waren, eine ähnliche Bedeutung erreichen wie Kommentare in heutigen Pressekampagnen. Walther von der Vogelweide nutzte diese Gattung dann auch als Waffe im politischen Tageskampf. Er durchbrach die Kurzform des Spruchs und schrieb längere Strophen argumentierender Lyrik.2

1.3 Zum Problem der Einheit des Reichstons

Die Texte der drei Reichssprüche sind in den drei Handschriften ABC, hinsichtlich Anordnung und Wortlaut, in zwei verschiedenen Versionen (A und B/C) überliefert. Hinzu kommen noch Interpretations- sowie Datierungsprobleme. Die These von Friedrich Maurer, dass alle Sprüche als vielstrophige ‘‘politische Lieder’’ zu betrachten seien, hat keine Zustimmung finden können. Grundsätzlich bestehen Walthers Sprüche aus einer Strophe. Dies schließt aber nicht aus, dass mehrere Sprüche zusammen vorgetragen worden sind.3

Obwohl die Überlieferung also gegen eine dreistrophige Einheit des Reichstons spricht, geht der Großteil der Forschungsliteratur von der Voraussetzung aus, dass es sich bei den drei Strophen um eine enge, in irgendeiner Weise ‘‘liedhafte Einheit’’ handelt. Beispiele dieses Konsenses sind Konrad Burdach (1900), Friedrich Maurer (1954), Kurt Herbert Halbach (1965) und Jörg Schäfer (1972). Dabei war sich die Forschungsliteratur aber bewusst, dass die Strophen nicht zur gleichen Zeit entstanden sein können. Die drei Reichssprüche werden vielmehr als eine ‘gewachsene Einheit’ betrachtet. Zweifel an einer solchen ‘gewachsenen Einheit’ hat Ulrich Müller geäußert. 4

Da die folgende Arbeit aber nicht die Überlieferungsproblematik thematisieren will, wird die These der ‘gewachsenen Einheit’ der Reichssprüche als Voraussetzung angenommen.

2. Die politischen Ereignisse um 1200

Voraussetzung für das Verständnis der Spruchdichtung Walthers ist die Kenntnis der Reichsgeschichte um 1200. Nach dem Tod des staufischen Kaisers Heinrich VI. (1197) kam es zu schweren Unruhen und einem Bürgerkrieg. Heinrich hatte zwar einen Sohn hinterlassen, aber dieser war mit seinen drei Jahren noch zu jung, um die Nachfolge antreten zu können. Durch sein Geburtsdatum (26.12.1194) und seinen Geburtsort Iesi besa er aber genug der Gottesgnade, um Kaiser zu werden. Aufgrund der Unmündigkeit von Heinrichs Sohn Friedrich bestand das Interesse der staufischen Partei zunächst darin, dem Kleinkind den Thron zu sichern. So wurde Philipp von Schwaben, der jüngere Bruder des verstorbenen Heinrich, als Reichsregent eingesetzt.5 Da sich die Fürsten damit nicht einverstanden erklärten, kandidierte Philipp selbst für das Herrscheramt und wurde von der Mehrheit der Fürsten gewählt. Die Minderheit der Fürsten optierte aber für den Welfen Otto, den Sohn Heinrichs des Löwen,6 als König. Im Reich wurden nun zwei Könige gewählt und gekrönt: der Staufer Philipp von Schwaben, Bruder Heinrichs VI., und der Welfe Otto, Graf von Poitou, Neffe von Richard Löwenherz.

Nach dem Tod des Papstes Coelestin im Januar 1198, bestieg der jüngste Kardinal, der 37jährige Lothar von Segni, als Innozenz III. den Stuhl Petri. Dieser wollte den Kirchenstaat wiederherstellen und vergrößern sowie die Macht des Papstes universal gültig machen. Im April 1199 stirbt Richard Löwenherz, was den Anhang Ottos sehr schwächte. Im deutschen Thronstreit verhielt sich der Papst zunächst zurückhaltend, erkannte aber 1201 den Welfen Otto, Graf von Poitou, als rechtmäßigen König an. Dieser verzichtete unter Eid auf seine Rechte in Mittel- und Süditalien. Über den Staufer Philipp von Schwaben dagegen verhängte Innozenz III. den Bann. Dennoch blieb die Mehrzahl der Fürsten Philipp treu und so wurde, im März des gleichen Jahres, Philipp von Schwaben dann auch von der Mehrheit der deutschen Reichsfürsten zum König gewählt. Die welfische Gegenpartei dagegen krönte im Juni Otto zum König. Dieser wurde im Juli in Aachen durch den Erzbischof Adolf von Köln, der hierzu legitimiert war, ohne die Throninsignien7 gekrönt. Im September wurde dann Philipp in Mainz durch den Erzbischof Aimo von Tarenteise, der dazu nicht legitimiert war, mit den Throninsignien gekrönt. 1201 verabschiedete die Fürstenversammlung zu Bamberg eine Protestnote gegen das päpstliche Eingreifen. Dieser Vorgang wiederholte sich im Dezember 1201 in Hagenau und im Januar 1202 in Halle.

[...]


1 Zitiert wird Walther von der Vogelweide nach der Ausgabe von Karl Lachmann mit Beiträgen von Thomas Bein und Horst Brunner, herausgegeben. von Christoph Cormeau (1996).

2 von Borries , Erika und Ernst, Deutsche Literaturgeschichte. Band 1. S. 160.

3 Vgl. Bumke, Joachim, Walther von der Vogelweide. In: Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. S. 198.

4 Vgl. Müller, Ulrich, Zur Überlieferung und zum historischen Kontext der Strophen Walthers von der Vogelweide im Reichston. In: McDonald, William C., Spectrum Medii Aevi. S. 398.

5 Vgl. Herbert, Walz, Die deutsche Literatur im Mittelalter. S. 77.

6 Heinrich der Löwe war der Todfeind des Staufers Friedrich I. Barbarossa (Vater von Heinrich VI.) gewesen.

7 Kaiserkrone, Reichslanze und Reichskreuz.


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