entstanden, in dem Misstrauen, ständige Aufrüstung und präventive Angriffe als Si- cherheitsfaktoren fungieren.
Der von Thomas Hobbes geschilderte Naturzustand wird häufig als Gefangenendilem- ma rekonstruiert. Im Folgenden wird nun diskutiert, ob es sich hierbei um eine treffende Beschreibung handelt, oder nicht. Der zweite Teil wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit sich auch der Vertragsschluss als ein Gefangenendilemma interpretieren lässt. Abschließen wird das Essay mit einer kurzen Zusammenfassung der Diskussionsergeb- nisse.
„Eine Interaktionssituation vom Typ des Gefangenendilemmas ist dadurch charakteri- siert, daß je individuell optimierende Strategien zu einem Ergebnis führen, das alle Be- teiligten schlechterstellt als ein anderes, das durch nicht-optimierende individuelle Stra- tegien erreicht worden wäre.“ 1 Es wird im Allgemeinen wie folgt dargestellt:
Da es sich bei beiden Spielern um rationale Nutzenmaximierer handelt, gestalten sich ihre Präferenzordnungen nach dem Prinzip des instrumentellen homo oeconomicus. Für Spieler 1: D/K, K/K, D/D, K/D; Für Spieler 2: K/D, K/K, D/D, D/K; 2 Im beschriebenen Dilemma müssen die Entscheidungen beider Spieler gleichzeitig, ohne Absprache und folglich auch ohne bindenden Vertrag, fallen. Da es keinem der beiden Spieler möglich ist, sich durch eine andere Wahl besser zu stellen, ergibt sich D im one shot game, ei- nem Gefangenendilemma mit nur einem Spielzug, als dominante Strategie. Wählen demzufolge beide D, so stellen sie sich gemäß der Definition schlechter, als durch eine gemeinsame Wahl von K.
Thomas Hobbes beschreibt im „Leviathan“, dass die Menschen durch Gefühle wie Furcht und insbesondere Angst vor einem gewaltsamen Tod, zum Wunsch nach Frieden bewegt werden können. Sie leben in einem Zustand des Krieges jeder gegen jeden. Wieso entscheiden sie sich folglich nicht für ein durch Verträge geregeltes, friedliches Zusammenleben? Wäre Kooperation nicht die rationale Antwort auf Konkurrenz, Ver-
1 Nida-Rümelin, Julian: Bellum omnium contra omnes. In: Kersting, W.: Klassiker auslegen
2 K= Kooperation, D= Defektion.
2
teidigung und Ruhmsucht? Hobbes beantwortet diese Fragen im 13. Kapitel in zweifa- cher Art: 1.Verträge haben keine Durchsetzungsgewalt, solange keine Macht ihre Nichteinhaltung sanktioniert. 2. Der Mensch kann nur durch Vernunft aus dem Naturzu- stand gerettet werden. Beide Antworten werden im Folgenden mit Hilfe des Gefange- nendilemmas untersucht.
Antwort 1:
Zwei Akteure schließen im Naturzustand einen Vertrag über Kooperation, der beiden den gemeinsamen Schutz ihrer Güter ermöglichen soll. Für beide ergeben sich die Handlungsalternativen entweder zu kooperieren und den geschlossenen Vertrag zu hal- ten, oder durch Vertragsbruch zu defektieren, das Vermögen des anderen zu entwenden und ihn zu töten. Da beiden Akteuren bei einem Vertragsbruch keine Sanktionen dro- hen, ergibt sich, gemäß des Prinzips des instrumentellen Nutzenmaximierers, „Vertrag brechen“ als dominante Strategie. Ein rationaler Spieler wird im Naturzustand immer Defektion wählen, da sonst seine Existenz in Gefahr ist. Gemäß der ersten Antwort von Thomas Hobbes können Verträge keinen Ausweg aus dem Kriegszustand bieten, solan- ge ihre Erfüllung nicht durch Strafandrohung einer Machtinstanz erzwungen werden kann. Die Beschreibung des Naturzustandes durch das Gefangenendilemma erscheint demnach äußerst treffend.
Antwort 2:
Aufgrund ihrer Furcht vor einem gewaltsamen Tod beschließen die Naturzustandsbe- wohner, im Modell stark vereinfacht dargestellt, eine gemeinsame Abrüstung. Dies er- scheint mit Blick auf den Wunsch nach Frieden vernünftig, da es jedem Vorteile sichern würde. Nun stellt sich jedoch die Frage nach der Präferenzordnung: Ist dem Menschen allgemeiner Frieden wichtiger als sein eigenes Leben? Da wiederum keine Machtinstanz vorhanden ist, die mit Sanktionen droht, besteht auch hier die Gefahr, dass sich Einzel-
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Arbeit zitieren:
Linda Claudia Kohl, 2006, Thomas Hobbes "Leviathan " als Gefangenendilemma, München, GRIN Verlag GmbH
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