Georg- August-Universität Göttingen, Seminar für Deutsche Philologie
Hauptseminar Lessing und die Literatur der Aufklärung im Deutschunterricht
SS 2006, 10. Fachsemester
Die Shakespeare-Rezeption in Deutschland –
Von der Aufklärung bis zur Romantik
von: Astrid Schumacher
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Der Verlauf der Shakespeare-Rezeption oder Shakespeare zum dritten deutschen Klassiker wurde 3
A. Das 17. Jahrhundert 4
B. Das 18. Jahrhundert 5
1. Polemik und Apologie 6
a. Caspar Wilhelm von Borck 6
b. Gottsched 7
c. Johann Elias Schlegel 7
2. Ernsthafte Auseinandersetzung mit Shakespeare 8
a. Wielands Übersetzung 9
b. Zur Rolle Lessings 10
3. Verehrung und Nachahmung Shakespeares 11
a. Johann Wolfgang von Goethes 13
b. Johann Gottfried Herder 15
c. Shakespeare-Inszenierungen. Ein Brite auf der deutschen Bühne 15
C. Das 19. Jahrhundert 18
1. Shakespeare in neuer Übersetzung 18
D. Shakespeare im Deutschunterricht 19
III. Bewertung 20
Literaturverzeichnis 22
I. Einleitung
Bei den Bad Hersfelder Festspielen stand dieses Jahr Der Widerspenstigen Zähmung auf dem Spielplan, 2007 wird Wie es euch gefällt gegeben – beides Stücke des britischen Dramatikers William Shakespeare.1 Wie jedoch kommt ein englisches Theaterstück auf eine deutsche Bühne? Aber nicht nur dort begegnet man Shakespeare, sondern auch im gymnasialen Deutschunterricht. So sind Goethes Rede zum Schäkespeares-Tag sowie Lessings Siebzehnter Literaturbrief Teil vieler Schulbücher im Fach Deutsch. Wie aber wurde der Brite in Deutschland und somit im Deutschunterricht heimisch?
Die vorliegende Arbeit soll zeigen, wie die Shakespeare-Rezeption in Deutschland vonstatten ging. Die Auseinandersetzung deutscher Gelehrter mit dem Werk William Shakespeares verlief dabei nicht kontinuierlich: Die Meinungen über Shakespeare schwankten zwischen unkritischem Enthusiasmus und strikter Ablehnung. Es soll aufgezeigt, wie Shakespeare schließlich zum dritten deutschen Klassiker neben Goethe und Schiller wurde. Desweiteren soll die Entwicklung neuer ästhetischer Konzeptionen in der Literatur beschrieben werden. Sind Regeln ausschlaggebend oder ist Originalität maßgeblich? Dabei dienen verschiedene literarische Zeugnisse von Schlegel, Lessing, Goethe, Herder und Tieck der Veranschaulichung. Aufgrund der Materialfülle kann hier nur auf die führenden Vertreter innerhalb der Shakespeare-Rezeption eingegangen werden. In der Forschungsliteratur sind Blinn2 und Price3 maßgebend sowie das Handbuch von Schabert4. Die Gliederung der Arbeit orientiert sich dabei an dem Werk Joachimi-Deges5.
II. Der Verlauf der Shakespeare-Rezeption oder wie Shakespeare zum dritten deutschen Klassiker wurde
Zunächst auf dem europäischen Festland unbekannt, wurde Shakespeares Name durch erste, aber noch dürftige Lexikonartikel sowie Rezensionen und Übersetzungen englischer und französischer Quellen oder Zeitschriftenartikel bekannt. Schließlich erfolgte eine von Polemik und Apologie geprägte Auseinandersetzung deutscher Dichter und Schriftsteller mit dem Werk Shakespeares. Im Zuge der fünfziger und sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts stieg das Interesse, Shakespeare auf Deutsch zu lesen, das Wieland mit seiner Übersetzung ermöglichte. Die zahlreichen Fehler Wielands wurden schließlich von Eschenburg verbessert, die anspruchvollste Shakespeare-Übersetzung allerdings verfassten Schlegel und Tieck Ende des Jahrhunderts. Im Laufe der sechziger Jahre wurde vermehrt Shakespeares Genialität betont. Nachdem seine Unkenntnis der klassizistischen Regelpoetik zuvor heftig kritisiert wurde, lobte man sie nun in höchsten Tönen. Auch die aufkommende Genie- Diskussion griff in dieser Zeit vermehrt auf ihn zurück. Diese Phase der Shakespeare- Rezeption war unweigerlich die Zeit der größten Shakespeare-Apologie, jedoch war ihre Auseinandersetzung mit Shakespeare lediglich eine Weiterentwicklung der Auffassungen aus der Aufklärung. Auf die Dramen des Sturm und Drang hatte Shakespeare einen starken Einfluss, Goethe, Schiller und andere orientierten sich an ihrem Vorbild. Nachdem Shakespeare auf der Bühne der Klassik erneut einer Dämpfung unterlag und nicht im Original aufgeführt wurde, erlebte die Shakespeare- Rezeption nach der Epoche des Sturm und Drang mit der Romantik einen zweiten Höhepunkt der Idolisierung. Im Verlauf der Rezeption wurde der Brite zum dritten deutschen Klassiker neben Goethe und Schiller.6
A. Das 17. Jahrhundert
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zogen englische Wandertruppen durch Europa und spielten auf Shakespeare gestützte Stücke. Dies war die erste Begegnung Deutschlands mit dem Briten. Die Wanderbühnen hatten jedoch keine Auswirkungen auf die literarische Shakespeare-Rezeption im 18. Jahrhundert. Obwohl bereits 1672 die erste Übersetzung eines Shakespeare-Stückes, nämlich Der Widerspenstigen Zähmung, in Deutschland vorlag, war der Name Shakespeare kein Begriff. Genannt wurde er zuerst 1682 von Daniel Georg Morhof in seinem Unterricht von der Teutschen Sprache und Poesie, deren Uhrsprung, Fortgang und Lehrsätzen.7
In der kontinentalen Literatur jener Zeit maßgeblich war das französische klassizistische Drama mit seiner strikten Befolgung der aristotelischen Einheiten des Ortes, der Zeit und der Handlung. Die Einheit des Ortes bezog sich dabei auf die Kulissenwechsel, von denen es so wenige wie möglich geben sollte. Die Einheit der Handlung forderte vom Verfasser eines Dramas, sich nur auf das wichtigste zu beschränken und auf Nebenhandlungen zu verzichten. Die Einheit der Zeit verlangte die Darstellung eines überschaubaren Zeitraumes. Shakespeare wurde von den Franzosen aufgrund seiner Unkenntnis dieser Regeln abgelehnt. Die drei Einheiten gehen mehr auf die Rezeption von Aristoteles’ Poetik in der frühen Neuzeit zurück als auf ihn selbst. In der Antike waren diese Einheiten in den klassischen griechischen Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides aus bühnentechnischen Gründen vertreten.8
B. Das 18. Jahrhundert
[...]
1 S. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/theater/programm/83491/index.html. (19.09.2006.); http://www.bad-hersfelder-festspiele.de/ (19.09.2006).
2 Hansjürgen Blinn (Hrsg.): Shakespeare-Rezeption. Die Diskussion um Shakespeare in Deutschland, Bd. I: 1741-1788. Berlin 1982.
3 Lawrence Marsden Price: Die Aufnahme englischer Literatur in Deutschland 1500-1960. Bern 1961.
4 Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Stuttgart 2000.
5 Vgl. Marie Joachimi-Dege: Deutsche Shakespeare-Probleme im 18. Jahrhundert und im Zeitalter der Romantik. Leipzig 1907, S. 2.
6 Vgl. Schabert: Shakespeare-Handbuch, S. 636-645; Blinn: Shakespeare-Rezeption, S. 16-31; Wolfgang Stellmacher: Shakespeare-Rezeption in der deutschen Klassik und Romantik. In: Shakespeare-Jahrbuch 121 (1985). S. 114-134, hier S. 119-126.; Hans Wolffheim: Die Entdeckung Shakespeares. Deutsche Zeugnisse des 18. Jahrhunderts. Hamburg 1959, S. 18; Eckhard Heftrich: Shakespeare in Weimar. In: Das Shakespeare-Bild in Europa zwischen Aufklärung und Romantik, hrsg. von Roger Bauer in Verbindung mit Michael de Graat und Jürgen Wertheimer. Bern; Frankfurt am Main; New York; Paris 1988, S. 182- 200 (Jahrbuch für Internationale Germanistik: Reihe A, Kongressberichte 22), hier S. 195f.; Joachimi- Dege: Shakespeare-Probleme, S. 122f.; Price: Englische Literatur, S. 254f.
7 Vgl. Heinrich Huesmann: Shakespeare-Inszenierungen unter Goethe in Weimar. Wien 1968 (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, Sitzungsberichte, 258. Band, 2. Abhandlung), S. 28; Schabert: Shakespeare-Handbuch, S. 636; Fritz Brüggemann: Die Aufnahme Shakespeares auf der Bühne der Aufklärung in den sechziger und siebziger Jahren. Leipzig1937 (Deutsche Literatur, Reihe: Aufklärung, Bd. 11), S. 5; Hans Henning: Zum Shakespeare- BildHerders. In: Shakespeare-Jahrbuch 115 (1979). S. 117-138, hier S. 118; Wolffheim: Entdeckung Shakespeares, S. 16; Price: Englische Literatur, S. 225.
8 Vgl. Uwe Spörl: Basislexikon Literaturwissenschaft. Paderborn; München; Wien; Zürich 2004, S. 208- 210; Wolfgang Weiß: „Shakespeare, Nature’s Child“: Der ästhetische Naturbegriff in der Shakespeare- Kritik des 18. Jahrhundert. In: Das Shakespeare-Bild in Europa zwischen Aufklärung und Romantik, hrsg. von Roger Bauer in Verbindung mit Michael de Graat und Jürgen Wertheimer. Bern; Frankfurt am Main; New York; Paris 1988, S. 21-36 (Jahrbuch für Internationale Germanistik: Reihe A, Kongressberichte 22), hier S. 33.
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Astrid Schumacher, 2006, Die Shakespeare-Rezeption in Deutschland - Von der Aufklärung bis zur Romantik, München, GRIN Verlag GmbH
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