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Hauptseminararbeit, 1996, 19 Seiten
Autor: Magister Ansgar Schwarzkopf
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Neue deutsche Literatur und Medienwissenschaft)
Tags: Kafka, Kurzgeschichte, Kaiserliche Botschaft, Theologie
Jahr: 1996
Seiten: 19
Note: 1,25
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14171-0
ISBN (Buch): 978-3-638-92632-4
Dateigröße: 194 KB
Es handelt sich bei der Arbeit um einen theologischen Deutungsversuch zu Kafkas Kaiserliche Botschaft, die evt. auch für den Fachbereich Theologie interessant sein könnte.
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Zusammenfassung / Abstract
Zu Kafkas Prosa sind bis heute vielfältige Interpretationsversuche unternommen worden. Seine Werke entziehen sich der rationalen Deutung und erfahren in aller Welt sich widersprechende Auslegungen: psychoanalytische, soziologisch-existenzialistische, metaphysisch-spekulative und dergleichen. Als Schlüssel zum Verstehen der Werke gelten Kafkas Konflikte zwischen religiöser Veranlagung und skeptischem Intellekt, die Spannung zwischen ihm und seinem despotischen Vater und der Widerstand gegen das erbamungslose, und unüberwindlich scheinende System der Bürokratie. Das Hauptaugenmerk des vorliegenden Deutungsansatzes wird auf einer theologischen Betrachtungsweise liegen.
Textauszug (computergeneriert)
Franz Kafka - Eine kaiserliche Botschaft. Ein theologischer Deutungsversuch
von Ansgar Schwarzkopf
Inhalt:
1. Einleitung und Definition 4
1.1 Vergleich mit anderen Texten Kafkas und Einordnung in das Gesamtwerk 4
1.2 Zur Gestaltung und Grobstruktur 6
1.3 Der zehnte Satz (Schlußsatz) 7
2. Erzählstruktur und Erzählsituation 10
3 Beschreibung der Charaktere: 11
3.1. Der Bote 11
3.2 Der Kaiser: 11
4 Ansatz einer theologischen Deutung 12
5. Deutung unter Berücksichtigung der "Tod-Gottes-Theologie" 14
6. Schlußbemerkung 17
Literaturverzeichnis: 18
1. Einleitung und Definition
Zu Kafkas Prosa sind bis heute vielfältige Interpretationsversuche unternommen worden. Die meisten in der Form von Träumen konzipierten und gestalteten Prosadichtungen entziehen sich der rationalen Deutung und erfahren in aller Welt sich widersprechende Auslegungen: psychoanalytische, soziologisch-existenzialistische, metaphysisch-spekulative und dergleichen. Als Schlüssel zum Verstehen der Werke gelten Kafkas Konflikte zwischen religiöser Veranlagung und skeptischem Intellekt, die Spannung zwischen ihm und seinem despotischen Vater und der Widerstand gegen das erbarmungslose, unüberwindlich scheinende System der Bürokratie. Das Hauptaugenmerk meines Deutungsansatzes wird im folgendem auf einer theologischen Betrachtungsweise liegen.
Bei der "kaiserlichen Botschaft" handelt es sich um eine Passage aus der Erzählung "Beim Bau der chinesischen Mauer". Innerhalb dieses Erzählfragmentes wird der parabolische Text als "Sage" bezeichnet, die das Verhältnis zwischen dem chinesischen Volk und dessen Kaiser ausdrückt (womit selbstverständlich nur eine vordergründige Seite der Erzählung berührt wird). Meiner Meinung nach kann man den Text jedoch als Parabel bezeichnen, da er alle Voraussetzungen, die an eine solche gestellt werden, erfüllt: Es ist eine lehrhafte Erzählung, die eine Wahrheit oder Erkenntnis durch analogen Vergleich, also durch Analogieschluß, aus einem anderen Vorstellungsbereich erhellt, der nicht ein in allen Einzelheiten unmittelbar übereinstimmendes Beispiel gibt (wie etwa die Fabel), sondern nur in einem Vergleichspunkt mit dem Objekt übereinstimmt und im Gegensatz zum Gleichnis keine direkte Verknüpfung mit dem zu erläuternden Objekt enthält, wenngleich sie das Beziehungsfeld erkennen läßt, sondern vom Gegenstand abgelöst zur selbstständigen Erzählung wird.
Ursprünglich sollte - nach dem Willen Kafkas - das Fragment "Beim Bau der chinesischen Mauer" vernichtet werden, nicht aber die "Kaiserliche Botschaft". Diese Tatsache spricht dafür, daß der Text unabhängig von einer rahmenden Erzählung verstanden sein sollte.
1.1 Vergleich mit anderen Texten Kafkas und Einordnung in das Gesamtwerk
"Eine kaiserliche Botschaft" läßt sich gut in den Kreis der Geschichten stellen, die in der Nähe alttestamentlichen und jiddischen Erzählmaterials entstanden sind (u.a. "Brudermord" und "Vor dem Gesetz"). Für diese Texte - so ist zu folgern -war der judaistisch zu verstehende Obertitel "Verantwortung" wohl zutreffend, unter dem Kafka Geschichten des späteren "Landarzt"- Bandes für die Zeitschrift "Der Jude" anbot. "Gemeinsam ist den so verschiedenartigen Mythologien verbundenen Geschichten das zur Vollendung entwickelte Verfahren, vorgefundene Muster zu erweitern und zu verwandeln"
Wie "Auf der Galerie" gehört auch die "Kaiserliche Botschaft" zu zwei kürzeren Texten der Sammlung, in denen der Erlebnischarakter der Erfahrung hinter einer abstrakten Darstellungsform zurücktritt. Das Kernstück der "Chinesischen Mauer" ist ebenso wie die Erzählung "Auf der Galerie" durch jene sprachliche Zweischichtigkeit bestimmt, die für die Prosa Kafkas charakteristisch ist. "Es sind aber zwei Erzählungen, in denen es der Wahrheit nicht gelingt, in die Wirklichkeit einzubrechen" . Gemeinsam ist beiden ferner, daß zur "Lösung" (Der Traum als "Ersatz" für die nicht als Wirklichkeit faßbare Wahrheit) in beiden Fällen auf den letzten Satz verwiesen wird. Im Gegensatz zu "Auf der Galerie" wird hier aber nicht derselbe Vorgang einmal in der dreidimensionalen Gegenständlichkeit, das andere Mal in der vierten Dimension dichterischer Schau erzählt. Vielmehr sind von Anbeginn an beide Wirklichkeitsebenen in einer eigentümlichen Doppelbödigkeit vorhanden, freilich in wechselnder Mächtigkeit.
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