Neuer Realismus und Interpretationsansätze zu David Foster Wallaces Lyndon
von Antje Pankow
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: David Foster Wallace und die postmoderne Literatur 1
2. Postmoderne Literatur und Neuer Realismus 1 - 3
3. Einführende Interpretation zu Wallaces "Lyndon" 3 - 4
3.1. Verwendung von sprachlichen Besonderheiten und formal-stilistischen Mitteln 4 - 6
3.2. Interpretation der allegorischen Ebene 6 - 7
3.3. Fiktion und Wirklichkeit 7 - 8
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen:
Darstellung von öffentlicher und privater Geschichte in "Lyndon" 8 - 9
Literaturverzeichnis 10 - 11
1. Einleitung: David Foster Wallace und die postmoderne Literatur
"Heute, wo wir selbst beim Chinesen mexikanisch Essen können, während im Hintergrund Reggae läuft und im Fernsehen eine sowjetische Sendung über den Fall der Berliner Mauer, heute wo uns alles verdammt bekannt vorkommt, hat sich die Aufgabe des Realismus ebenfalls verwandelt. Um einen ähnlichen Erkenntnisschub zu erzielen wie vor hundert Jahren, müsste realistische Literatur eigentlich im Bekannten das Fremde aufdecken, müsste paradoxerweise das, was wir für >real< halten, das heißt die zweidimensionalen Medienbilder, in die dreidimensionale Welt zurückführen, also aus flachen Images des Fernsehens die verloren gegangene Wirklichkeit rekonstruieren." So erklärt David Foster Wallace in seinem Essay "E Unibus Pluram" seine Beziehung zum Realismus-Begriff, die sich als Leitfaden in seinen Kurzgeschichten wiederfinden bzw. lesen lässt. Wallace schreibt auch, dass man postmoderne Literatur daran erkennt, dass diese popkulturelle Realien bewusst einsetzt . In diesem Sinne möchte ich meine Arbeit ausrichten und am Beispiel der Kurzgeschichte "Lyndon" die postmodernen Strukturen als auch den Begriff des Neuen Realismus hinterfragen. Im Anschluss daran folgt ein allgemeiner Interpretationsansatz der allegorischen Ebene der Kurzgeschichte, um die Mehrdeutungen bzw. indirekten Kritikpunkte Wallace′ herauszuarbeiten.
2. Postmoderne Literatur und Neuer Realismus
Thomas Pynchon oder auch Don DeLillo gehören zur amerikanischen Hochmoderne. Sie haben Ende des 20. Jahrhunderts mit Romanen wie "Gravity′s Rainbow" oder "Unterwelt" gezeigt, was Literatur im Bezug zur indirekten Kritik zu leisten vermag. Spuren haben diese zwei bedeutenden Schriftsteller auch bei David Foster Wallace hinterlassen: auch er meldet sich zu Wort und macht seinen Standpunkt mit indirekter bzw. versteckter Kritik an der amerikanischen Gesellschaft deutlich. 1962 geboren, studierte er Philosophie und lehrte an der Illinois State University in Bloomington Normal .
"Mit der Gegenkultur der Studentenbewegung und der populären Jugendkultur wurde auch die strikte Trennung zwischen hoher und populärer Kultur in Frage gestellt." In der Literatur der Postmoderne dominiert "die Frage nach dem Was der Welt, die uns umgibt" und unser Leben bestimmt. Das Triviale bzw. Alltägliche kann zum literarischen oder ästhetischen Gegenstand werden und umgekehrt. Die Grenzen zwischen den unterschiedlichsten kulturellen Ebenen, auch aus literarischer Sicht gesehen, werden verwischt - "... eine Tendenz, die in der amerikanischen Postmoderne zum selbstverständlichen Ausgangspunkt geworden ist..." . In der postmodernen Literatur wird die Wirklichkeit als sprachlich konstruiert und damit als künstliche Ordnung angesehen; das Wirklichkeitsverständnis befindet sich in einer Krise . Dies kann man auch sehr gut an Wallaces Kurzgeschichte nachvollziehen, in der er sich die Postmoderne zum Vorbild nimmt. Öffentliche und private Geschichte werden erzählt und dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit.
Zum Neuen Realismus der Literatur (Ende des 20.Jh.) ist zu sagen, dass es sich hier ähnlich wie bei der Malerei verhält. So wurden z.B. ab 1960 reale Gegenstände verwendet , um diese dann ins Bild einzufügen und mit der Farbe zu verbinden. Bezugnehmend zur Literatur bedeutet dies, dass der
"... Wahrheitsanspruch (...) die Tendenz hatte, auf (...) [eine] nicht-abbildliche Wahrheit zuzulaufen..." . Wahrheit und Fiktion, Original und Abbild - die Grenzen verschwimmen und es ergibt sich aus dieser neuen Kombination eine völlig neue Geschichte mit Doppel- oder Mehrfachdeutungen, die oft der Kritik bzgl. Politik und Gesellschaft dienen. Die Realismusforschung der 60er Jahre zog daraus den Schluss, dass die Realitätsnähe nichts weiter sei als eine Illusion und damit bei dem Gedanken an den Begriff ‚Neuer Realismus′ nicht an Realismus zu denken ist . Laut Wallace geht es dem Neuen Realismus besonders darum, "... die Fremdheit in all dem Bekannten aufzudecken..." . Der Neue Realismus berücksichtigt die postmoderne Einsicht in die sprachliche Konstruiertheit aller Repräsentationen von Wirklichkeit, aber andererseits will er nicht auf eine Wirklichkeitsdarstellung verzichten .
Wallace, der zusätzlich auch als Vertreter des Schwarzen Realismus gehandelt wird, erhielt diese Zuordnung aufgrund seiner "... bösen, kalten Erzählungen... , [die] von den Verwüstungen in unseren Seelen... [handeln]..." und, weil sein pessimistisches Menschenbild diesen Realismus trägt .
[...]
Arbeit zitieren:
Antje Pankow, 2002, Neuer Realismus und Interpretationsansätze zu David Foster Wallaces Lyndon, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Caryl Phillips’ The Final Passage zwischen Postkolonialismus und Postm...
Hausarbeit, 23 Seiten
Das literarische Feld aus Sicht der Bourdieuschen Feldtheorie
Seminararbeit, 13 Seiten
David Foster Wallace - Eine Einführung zu Autor und Werk
Ausarbeitung, 29 Seiten
Performanz der Bild-Assoziation im Poetry Slam
Ansätze zu einer intermedialen...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 90 Seiten
Das Verhältnis von Tod und Geschlecht in Max Frischs Roman -Homo faber...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 28 Seiten
Erinnerung und Gedächtnis: Die Konzepte von Halbwachs, Assmann & C...
Hausarbeit, 29 Seiten
Die Ereigniskultur nach Gerhard Schulze
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Hauptseminararbeit, 14 Seiten
Krise und Chance - Herleitung eines neuen Tragikbegriffs
Seminararbeit, 24 Seiten
Warum dreht sich Orpheus nach Eurydike um? Vergleich ausgewählter lite...
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Seminararbeit, 24 Seiten
Die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck - Darstellung und Krit...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Seminararbeit, 13 Seiten
Gedächtnisbildung von Individuen und Gruppen
Das kollektive Gedächtnis
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit, 18 Seiten
Gegenstände, Formen und Funktionen modernen autobiographischen Erzähle...
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Magisterarbeit, 182 Seiten
The motif of decay in "The Waste Land" by T. S. Eliot
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
"Goodbye, Lenin?" - Social change as wound in post-socialist...
Hauptseminararbeit, 34 Seiten
Zwischen Fiktion und Fakten - Eine Analyse des Phänomens 'New Jour...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hauptseminararbeit, 24 Seiten
Der bestätigende und der korrektive Austausch Interaktionsanalyse Ervi...
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 21 Seiten
Rollentheorie und Erving Goffman
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 14 Seiten
Die Suche nach Heimat als Motiv in der Shoahliteratur der Gegenwart am...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 16 Seiten
Antje Pankow hat den Text Neuer Realismus und Interpretationsansätze zu David Foster Wallaces Lyndon veröffentlicht
Antje Pankow hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare