Gliederung
1. Einleitung 3
2. Vergleich der Ziele und Aufgaben 4
2.1. Beitrag zur Allgemeinen Bildung
2.2. Allgemeine fachliche Ziele
2.3. Strukturierung
2.4. Didaktische Grundsätze
3. Vergleich der Ziele in den Lehrplänen 13
3.1. Lernzielbegriffe
3.1.1. Die Verwendung von Lernzielbegriffen
3.1.2. Auswertung
3.2. Bildungs- und Erziehungsziele
3.2.1. Häufigkeit der einzelnen Bildungs- und Erziehungsziele
3.2.2. Auswertung
4. Profile der Fächer 16
4.1. Evangelischer Religionsunterricht
4.2. Katholischer Religionsunterricht
4.3. Ethikunterricht
4.4. Kompetenzentwicklung im Vergleich
5. Vergleich beispielhafter Themen 19
5.1. Sozialbeziehungen, Regeln und Freundschaft (Klasse 5)
5.2. Judentum (Klasse 5 bis 10)
5.3. Leiden, Sterben und Tod (Klasse 5 bis 10)
6. Schlussbetrachtung und Ausblick 26
7. Literaturliste 27
7.1. Quellen
7.2. Sekundärliteratur
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1. Einleitung
In Sachsen besuchen mehr als 80 Prozent der Mittelschüler den Ethikunterricht. Von den knapp 20 Prozent der Schüler des Religionsunterrichts entfallen über 90 Prozent auf die Schüler, die den evangelischen Religionsunterricht besuchen. Diese Werte zeichnen sich als recht stabil ab. Durch eine allgemeine hohe Qualität des Religionsunterrichts könnte allerdings die Chance bestehen die Teilnehmerzahlen an Religion weiter zu erhöhen. 1
Viele konfessionslose Eltern sind nicht selten unentschlossen, ob sie ihre Kinder den Religions- oder den Ethikunterricht besuchen lassen. Die meisten schicken ihre Kinder ab der fünften Klasse dennoch in den Ethikunterricht, weil dieser u.a. als „wertneutral“ gilt und sie dem Religionsunterricht, wahrscheinlich aufgrund mangelnder Aufklärung und eigener Unerfahrenheit mit den Inhalten, skeptisch gegenüber stehen. Diese Eltern wissen also in der Regel nicht, was Religionsunterricht eigentlich ist und welche Ziele er hat. Es gilt ihnen die Unterschiede zwischen Ethik- und Religionsunterricht aufzuzeigen. Sind die Eltern unentschieden, sollten sie nicht aufgrund von falschen Vorurteilen auswählen, sondern die Kompetenzen, Lernziele und Lerninhalte der Fächer Religion und Ethik auf der Grundlage der Lehrpläne, in denen steht welche Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden sollten, gegeneinander abwägen und miteinander vergleichen können. Dieser Schritt ist wahrlich sehr kompliziert und oft fehlt Eltern auch die notwendige Kompetenz um Lehrpläne interpretieren und vergleichen zu können. 2004 wurden in Sachsen die neuen Lehrpläne für die Fächer katholische und evangelische Religion und Ethik herausgebracht, die nun schrittweise eingeführt werden. Die vorliegende Arbeit hat einen Vergleich dieser neuen Lehrpläne hinsichtlich der Ausprägung von Bildungszielen, Bildungsaufgaben, Lernzielen und Kompetenzentwicklung zum Ziel. Danach soll auf dieser Grundlage versucht werden ein Profil der einzelnen Fächer zu erstellen. Schlussendlich sollen drei unterschiedliche Lernthemen der drei Fächer auf Unterschiede untersucht werden.
1 Vgl. Hanisch, Helmut /Kinder, Jochen: Religions- und Ethikunterricht im Freistaat Sachsen aus statistischer Sicht. In: Domsgen, Michael/ Hahn, Matthias/ Raupach-Strey, Gisela (Hg.): Religions- und Ethikunterricht in der Schule mit Zukunft. Bad Heilbrunn 2003. S.203.
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2. Vergleich der Ziele und Aufgaben 2
2.1. Beitrag zur allgemeinen Bildung
Einleitend bemerkt der evangelische Religionslehrplan dass er Bewusstsein und Interesse der Schüler für die biblische Überlieferung, deren theologische Reflexion und christliche und kirchliche Traditionen wecken will. Zudem wird ausgesagt, dass sich das Fach an Werten und Normen des christlich geprägten Kulturkreises orientiert und überdies die religiöse Dimension der Sprache erschließt. Der Lehrplan Evangelische Religion beginnt also mit einer Aussage zum Fach selbst. Es werden hier Aussagen über das Fach und seine Intention getroffen. Ähnlich ist der einleitende Abschnitt im Lehrplan Ethik. Allerdings ist hier nicht vom christlich geprägten Kulturkreis, sondern von der abendländischen Kultur die Rede, auf deren Werte, Normen und Traditionen das Fach Ethik die Schüler mittels Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen, modernen ethischen Positionen und mit den religiösen Vorstellungen vom Menschsein orientieren soll. Fragwürdig erscheint, ob denn ein Unterschied zwischen „abendländischem“ und „christlich geprägtem“ Kulturkreis besteht. Eher kann man annehmen, dass die jeweiligen Lehrplanautoren bewusst auf diese Terminologien, die eigentlich dasselbe bezeichnen, zurückgegriffen haben um einerseits die christliche Prägung des Abendlandes herauszustellen und andererseits eben um diese Prägung nicht sofort offensichtlich werden zu lassen. Auffallend ist, dass hier von „Orientierung auf …“ und bei Evangelischer Religion von „Bewusstsein und Interesse wecken für…“ gesprochen wird. Der Lehrplan katholische Religion fällt etwas aus dem Rahmen, denn hier beginnen die Autoren mit einer gesellschaftlichen Zustandsbeschreibung, die u.a. von der Hilflosigkeit Erwachsener und Jugendlicher gegenüber religiösen Phänomenen und von einer religiösen Neugier bei den Heranwachsenden weiß. Vieles an dieser gesellschaftlichen Bestandsaufnahme mag vielleicht richtig sein, aber dennoch ist es fraglich, ob dies so hier hingehört. Man könnte als Leser,
2 Vgl. im Folgenden, wenn nicht anders angegeben, den Abschnitt „Ziele und Aufgaben“ in jedem der Lehrpläne (Lehrplan Evangelische Religion Iim Folgenden: RE/e], S.2f.; Lehrplan Katholische Religion [im Folgenden: RE/k], S.2f.; und Lehrplan Ethik [im folgenden: ETH], S.2f.)
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überspitzt formuliert, den Eindruck gewinnen, dass die Lehrplanautoren meinen, der katholische Religionsunterricht sei die Gegenwaffe zum fortschreitenden Säkularisierungsprozess. Fragwürdig bleibt schlussendlich, ob es solch einer Eigenlegitimation des Faches im Vorwort des eigenen Lehrplans überhaupt bedarf.
Weiterhin heißt es im katholischen Religionslehrplan, dass der Unterricht für viele Kinder und Jugendliche eine Möglichkeit der Begegnung mit Christentum und gelebtem Glauben sei. Der evangelische Lehrplan führt dies genauso an, und fügt sogar noch hinzu, dass das Fach eine Möglichkeit der Begegnung mit der Offenbarung Gottes in Jesus Christus sei.
Im katholischen Religionsunterricht besteht für die Schüler die Möglichkeit des Einbringens eigener religiöser Erfahrungen und diese sollen mit zunehmendem Alter und Wissen den eigenen Glauben begründen können. Der evangelische Lehrplan spricht „nur“ von der Reflektion der eigenen religiösen Heimat. Identisch ist in diesem Abschnitt der Lehrpläne von evangelischer und katholischer Religion die Verankerung in der religiösen und ethischen Dimension des Bildungsauftrages der sächsischen Mittelschule. Ebenso geben beide Fächer Möglichkeiten zur Selbstfindung und ermutigen zur Selbstannahme. Evangelische und katholische Religion ermutigen die Schüler zum Finden eigener Ausdrucksformen der Lebensgestaltung. Evangelischer Religionsunterricht hilft zu einer altersgemäßen Identitätsentwicklung und katholischer zur Herausbildung eigener religiöser Identität. Beide Lehrpläne betonen, im Gegensatz zum Ethiklehrplan, die Legitimation von Religionsunterricht durch das Grundgesetz und die sächsische Verfassung, ebenso erwähnen beide die gemeinsame Verantwortung für diesen Unterricht von Kirche und Staat.
Abgegrenzt wird sich in beiden Lehrplänen bewusst auch von der Unterweisung in der Gemeinde, also von Christenlehre (und wohl auch Konfirmandenunterricht) und Katechese.
Im Fach Ethik erfolgt die Vermittlung von Grund- und Orientierungswissen mit dem die Schüler Weltanschauungen und philosophisch-ethische Positionen prüfen und einen eigenen Standpunkt erwerben können. Ethik spricht also hier von
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„erwerben können“. Der Lehrplan Katholische Religion sagt für den Prozess der Positionsbildung von konfessionell ungebundenen Schülern aus, dass diese die Möglichkeit erhalten eigene Vorstellungen zu entwickeln und Ermutigung finden, ihre religiöse Identität herauszubilden. Im Lehrplan Evangelische Religion wird von Reflektion der eigenen religiösen Beheimatung (was auch Heimatlose einschließt) gesprochen. Deutlich wird also, dass die Positionsbildung und auchbegründung ein deutliches Anliegen von Religionsunterricht ist, der Ethiklehrplan hingegen formuliert dieses Anliegen nur als Kann-Bestimmung. Weiterhin will Ethik helfen den Schülern die Frage nach Orientierung und Sinn für ihr Leben zu beantworten, dies insbesondere durch Fragen der Verantwortung gegenüber der eigenen Umwelt. Ob dies allerdings zur hinreichenden Beantwortung der Sinnfrage ausreicht ist aus theologischer Sicht durchaus streitbar.
Auch zur Entwicklung kritischer Selbstwahrnehmung, zum Aufbau eines positiven Selbstbildes und zum verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Freiheit will Ethik durch die Frage der Verantwortung gegenüber der eigenen Umwelt beitragen. Religionsunterricht ermutigt dahingehend nicht nur zur Selbstfindung sondern auch zur Selbstannahme mit Stärken und Schwächen und will Hilfestellung geben sich selbst mit eigenen Begabungen und Grenzen anzunehmen, um dadurch Vertrauen in das eigene Leben zu gewinnen. Im Fach Ethik erwerben die Schüler Reflexions- und Urteilsfähigkeit durch das Einüben und Thematisieren von Regeln. Besonders herausgehoben wird im Lehrplan Ethik auch der Erwerb von methodischer Kompetenz.
2.2. Allgemeine fachliche Ziele
Die Zielformulierungen des evangelischen und katholischen Religionslehrplans sind wortwörtlich identisch. Auch die Leistungsbeschreibung der Mittelschule 3 formuliert für die beiden Fächer identische fachliche Ziele. Es soll also nun versucht werden die allgemeinen fachlichen Ziele des Ethiklehrplans mit denen
3 Vgl. Comenius-Institut: Reform der Sächsischen Lehrpläne. Leistungsbeschreibung der Mittelschule. Juni 2004. [im Folgenden: Leistungsbeschreibung]
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der Religionslehrpläne unter Berücksichtigung der Ziele in der Leistungsbeschreibung zu vergleichen. Ethik zielt demnach auf das Aneignen von Fähigkeiten der Lebensgestaltung in der Gemeinschaft. Damit wird der Lehrplan Ethik auch der Leistungsbeschreibung des Faches gerecht. Fähigkeiten der Lebensgestaltung sind in der Leistungsbeschreibung der Mittelschule kein ausgemachtes Ziel von Religion, allerdings wird hier von der Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens gesprochen. Also ist hier zumindest eine Ähnlichkeit festzustellen, denn gelingt es dem Schüler im Religionsunterricht die Frage nach dem Sinn seines eigenen Lebens befriedigend zu beantworten, so sollte auch dieser in der Lage sein, sein Leben sozial verantwortlich zu gestalten. Überdies formulieren die Religionslehrpläne das theologische Reflektieren der Vieldimensionalität der Wirklichkeit als Ziel. Damit wird man auch hier der Leistungsbeschreibung gerecht, in der von Wahrnehmung der religiösen Dimension des Menschseins die Rede ist. Im Ethikunterricht sollen die Schüler interkulturelle Kompetenz entwickeln und religionskundliches Wissen erwerben. Die Leistungsbeschreibung formuliert sowohl für den Ethik- als auch für den Religionsunterricht das Ziel der Entwicklung von Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das Erwerben religionskundlichen Wissens steht im Lehrplan Ethik in einem Anstrich mit der Entwicklung interkultureller Kompetenz. Dies folgt m. E. nicht ganz der Formulierung in der Leistungsbeschreibung, wo von einer Erweiterung des religionskundlichen Wissens insbesondere zum Christentum die Rede ist. Diese Schwerpunktlegung fehlt in den Zielen des Lehrplans von Ethik. Religionsunterricht hat das Ziel des Auseinandersetzens mit der Bibel, religiös geprägten Traditionen und Entwicklungen. Hier also auch ein Erwerb von religionskundlichem Wissen, aber vertiefter und mit dem Ziel des Auseinandersetzens. Als drittes Ziel formulieren die Religionslehrpläne die Deutung und Bewertung der christlichen Botschaft und den Aufbau einer eigenen religiösen und ethischen Position. Der Lehrplan Ethik nennt an dritter Stelle ein ähnliches Ziel: den Aufbau von ethischer Reflexions- und Urteilsfähigkeit. Vergleicht man die Formulierungen in der Leistungsbeschreibung so scheint man sich in diesem Ziel noch viel näher zu sein. Für das Fach Ethik wird formuliert:
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Arbeit zitieren:
2006, Ethikunterricht, Evangelischer und Katholischer Religionsunterricht im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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