Inhaltsverzeichnis
1. Die Einleitung S 2
2. Das Schreiben S 3
3. Die Analyse S 5
a) Die Textanalyse S 5
b) Zwei Analysearten der Textanalyse S 8
4. Die Arbeitsschritte S 10
5. Die Arbeitsphasen S 14
a) Vorarbeiten S 14
i. Entscheidung für einen Text S 15
ii. Aufgabenstellung S 15
iii. Mehrfaches Lesen S 16
b) Untersuchen des Textes S 16
i. Gliederung des Aufsatzes S 18
ii. Deutungshypothese S 19
iii. Textbeschreibung und Analyse S 20
iv. Textdeutung S 23
v. Gliederung der Ergebnisse S 24
vi. Vom Text her belegen S 25
c) Ausführungen und Überprüfung S 25
i. Sprache und Stil des Aufsatzes S 26
ii. Fehler bei der sprachlichen Gestaltung S 27
6. Das Fazit S 28
7. Literaturverzeichnis S 30
Anhang
1
1. Die Einleitung
Diese Hausarbeit hat als Untersuchungsschwerpunkt die schulische Analyse von Texten.
Analysen sind ein großer Bestandteil des Deutschunterrichts. Schülerinnen und Schüler haben oft große Probleme bei der Analyse von Textsorten. Das Hauptproblem liegt meist darin, dass es unklar ist, wie solche Analysen aufgebaut sein sollten. Im Gegensatz zur einfachen Textwiedergabe, für die die schreibdidaktische Praxis feste Stilnormen etabliert hat, besteht bei den in den Sekundarstufen als Prüfungsaufsatzform sehr üblichen Formen der schriftlichen Analyse, Erschließung und Interpretation von Texten einige Unsicherheit in Bezug auf Form oder Stil des Schülertextes. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es hilfreich ist ein Grund-Aufbau-Gerüst zu haben an dem man sich orientieren kann.
In dieser Hausarbeit möchte ich daher ein Grundgerüst zur Analyse von Texten herstellen und untersuchen.
Zunächst werde ich den Schreibprozess untersuchen. Danach werden allgemeine Merkmale einer Analyse diskutiert, wobei der Aufbau von Textanalysen im Mittelpunkt steht. Dabei soll nicht der zu analysierende Text vorrangig sein, sondern die Rezeptions- und Produktionsleistungen, die Lehrer erwarten und Schüler erbringen oder nicht erbringen. Nach diesen Untersuchungen werde ich versuchen ein schülerorientiertes Grundgerüst der Analysen darzustellen.
Im Anhang dieser Hausarbeit soll dieses Gerüst auf ein Gedicht praktisch angewandt werden.
Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, eine Orientierungshilfe zu bieten, wie Texte analysiert werden können. Dabei stehen keine literaturwissenschaftlichen Aspekte, wie zum Beispiel die Interpretation von Gedichten oder Ähnliches, im Vordergrund. Schwerpunkt der Arbeit soll die Struktur der Analyse sein.
2
2. Das Schreiben
Im Schulalltag hat das Schreiben einen hohen Stellenwert. Nicht nur im Deutschunterricht findet der Erwerb von Schreibkompetenzen statt. In fast allen Fächern beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler mit Texten. „Texte werden abgeschrieben, umgeschrieben, gelesen, vorgetragen, auswendig gelernt, analysiert, interpretiert, übersetzt, besprochen und nicht zuletzt selbst geschrieben, überarbeitet und schließlich von anderen beurteilt und bewertet.“ 1
Die Funktion des Schreibens als Instrument zur Problemlösung wird bei der Erschließung von Informationsquellen offensichtlich. Dies geschieht besonders dann, wenn das fächerübergreifende und fächerverbindende Lernen bei der Aneignung von Wissen hervorgehoben wird und auf den Erwerb von Schlüsselqualifikationen bezogen wird.
In der Schule und in der Freizeit begegnen Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Schreibanlässen. Daher kennen sie die vielfältigen Funktionen des Schreibens. Solche Funktionen sind: Kommunikations- und Mitteilungsfunktion, Gedächtnisentlastung, Stichwortzettel, Tagebuchnotizen usw. „Schreibanlässe haben insgesamt eine zentrale Schlüsselfunktion, da sie bereits gemachte Lernerfahrungen erneut aufleben lassen und Lernprozesse beim Schreiben [...] anregen.“ 2
Schulisches Schreiben beschränkt sich auf wenige Funktionen. Es ist die Aufgabe der Schule, die Entwicklung der Schreibfähigkeit und Textkompetenz der Schülerinnen und Schüler soweit zu fördern, dass sie die Anforderungen an öffentliche Schreibprozesse bewältigen können. Diese Aufgaben werden im Lehrplan manifestiert.
Der Lehrplan des Unterrichtsfaches Deutsch für die gymnasiale Oberstufe in Nordrhein-Westfalen gliedert sich in vier Lernbereiche: ‚Mündliche und schriftliche Kommunikation’ ‚Umgang mit Texten und Medien’, ‚Reflexion über Sprache’ und ‚Methoden fachlichen und fächerübergreifenden Arbeitens’. Als Basis zur Strukturierung der Lerninhalte werden zwei lernprozessorientierte Unterscheidungen getroffen: ‚Verstehen und Verfassen von Texten im Be-
1 Merz-Grötsch,J.: Methoden der Textproduktionsvermittlung. In: Didaktik der deutschen Sprache Band 2. UTB, Paderborn 2003. S. 802
2 Merz-Grötsch, J.: Methoden der Textproduktionsvermittlung. In: Didaktik der deutschen Sprache Band 2. UTB, Paderborn 2003 S. 805
3
reich `nichtfiktionale Texte´’ und Verstehen und Verfassen von Texten im Bereich `fiktionale Texte´.“ 3
„Mit Hilfe des Schreibens sollen nach Vorstellung des Lehrplans Kompetenzen auf drei Ebenen, nämlich der sprachlichen, der kognitiven und der ästhetischen, entwickelt werden.“ 4
Diese drei Ebenen nehmen im Lernplan die Funktionen ein: ‚Schreiben in kommunikativer Absicht’, ‚Schreiben in heuristischer Funktion’ und ‚freies Schreiben’. Im Unterricht sollen Themen behandelt werden, welche für Schülerinnen und Schüler gegenwärtige Relevanz haben und für sie von Interesse sind. Daher sollen Textformen, wie Leserbriefe, Veranstaltungskritiken und Redevorlagen im Unterricht bevorzugt behandelt werden. Der Lehrplan versteht Schreiben als „Lernmedium“. 5 Das Schreiben als Lernmedium wird vor allem unter dem Begriff des heuristischen Schreibens differenziert.
„Schülerinnen und Schüler lernen, bereichern ihre Verständnisfähigkeit, ihre Einsichten und ihr Wissen, indem sie schreiben.“ 6 Der Lehrplan weist weiterhin auf die besondere Funktion des heuristischen Schreibens für den Bereich ‚Umgang mit Texten’ hin, die in der ‚intersubjektiven Verständigung mittels Texten über Texte’ gesehen wird. Sofern es sich um produktionsorientiertes Schreiben handelt, bietet es Möglichkeiten des nachahmenden oder kreativen Begreifens von ästhetischen Werken. 7 Das Schreiben hat grundsätzlich die Aufgabe auf klausurrelevante Aufgabenarten vorzubereiten. Daher ist Schreiben nicht nur Lernmedium, sondern auch Lerngegenstand. Die Schülerinnen und Schüler sollen sach- und themenbezogenes Schreiben erlernen und bestimmte Schreibformen einüben. Hierzu soll die Aufgabenart ‚Analyse eines Textes’ näher betrachtet werden, wobei die Textsorte des zu analysierenden Textes offen gelassen wird, um einen möglichst hohen Grad an Allgemeingültigkeit zu wahren.
3 vgl.: Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in NRW. Deutsch. 1999. Hg. V. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen.
4 Merz-Grötsch, J.: Methoden der Textproduktionsvermittlung. In: Didaktik der deutschen Sprache Band 2. UTB, Paderborn 2003. S. 802
5 vgl.: Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in NRW. Deutsch. 1999. Hg. V. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen.
6 Merz-Grötsch, J.: Methoden der Textproduktionsvermittlung. In: Didaktik der deutschen Sprache Band 2. UTB, Paderborn 2003. S. 802
7 vgl.: Merz-Grötsch, J.: Methoden der Textproduktionsvermittlung. In: Didaktik der deutschen Sprache Band 2. UTB, Paderborn 2003. S. 802
4
3. Die Analyse
Die Analyse eines Textes soll einen literarischen Text verständlich machen, ihn erklären und deuten.
„Analyse (von griechisch analysis: Auflösung), Sammelbezeichnung für unterschiedliche methodische, Verfahren der Zergliederung eines Ganzen in seine Teile, vor allem in der Logik. Die Analyse kann sowohl darauf gerichtet sein, die stoffliche Zusammensetzung eines körperlichen Ganzen zu ergründen, als auch darauf, die Basis eines Denk- oder Beweisansatzes aufzudecken. Dabei lassen sich elementare, kausale und logische Verfahren differenzieren. Die elementare Analyse lässt beim Zergliedern die Wechselbeziehungen der identifizierten Teile untereinander und ihre Bedeutung für das zergliederte Ganze außer Acht. Die kausale Analyse ist auf die Identifizierung der dem Ganzen zugrunde liegenden Beziehungen von Ursache und Wirkung. Bei der logischen Analyse schließlich rücken die logischen Beziehungen der Teile zum Ganzen in den Mittelpunkt des Interesses.“ 8
Eine der häufigsten Aufgaben im Deutschunterricht der Oberstufe ist die Textanalyse. Dabei wird erwartet, dass der Text nicht nur verstanden wird, sondern auch, dass man Aussage, Aufbau und sprachliche Gestaltung analysieren kann.
Dazu müssen verschiedene Fachbegriffe beherrscht werden. Diese sollen später näher betrachtet werden. Zu diesen Fachbegriffen gehören insbesondere die sprachlichen Mittel. Diese sind gesondert im Anhang 1 in einer Übersicht aufgeführt.
a) Die Textanalyse
Zunächst einmal möchte ich die ‚Textanalyse’ näher untersuchen. Die Textanalyse ist ein Sammelbegriff für verschiedene philologische Verfahren, die unterschiedlichen Zwecken dienen. „Philologische Textanalyse ist:
Bei dieser Aufteilung werden verschiedene Zielperspektiven sichtbar. Auf der einen Seite ergibt sich ein Interesse an ästhetischen Phänomenen und auf der anderen Seite zeigt sich ein besonderes Interesse am Sprachmaterial.
8 Analyse, Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997
9 Abraham, U.: Lesarten - Schreibarten. Klett, Stuttgart 1998. S.62
5
Abbildung 1: Textanalyse 10
Somit wurzelt die Textanalyse sowohl in die Literaturwissenschaft, als auch in die Sprachwissenschaft (vgl. Abbildung1). Die Textanalyse ist eine Folge von Teiloperationen, die je nach Erkenntnisinteresse unterschiedlich ausfallen kann. Der Umgang mit Texten ist nicht nur begriffsbildend und begriffsanwendend, sondern auch praktisch-handelnd, also instrumentell. Die Schüler müssen den Text mit den Augen absuchen und einteilen, aber sie müssen auch unterstreichen, markieren und durch Striche Sinnabschnitte herstellen. Demnach ist der Umgang mit Texten, sowohl kognitiv, als auch instrumentell.
Die Abbildung 1 verdeutlicht diesen Zusammenhang. im gleichen Maße der
Textidiolekt berücksichtigt werden muss.
Im ganzen geht Analyse darauf aus, Unterschiede auf der Basis von Ge-meinsamkeiten festzustellen und wahrnehmbar zu machen. Das gilt sowohl
für Beobachtungen innerhalb eines Textes als auch für solche intertextueller
Art (Zuordnung zu Gattung, Genres, Epochen, usw.). Analysiert werden kann
ein Text letztlich nur relativ, nicht absolut und immer nur in Beziehung zu ei-
ner, als bekannt vorausgesetzten, literarisch-ästhetischen Erwartungsnorm.
10 vgl.: ebd.
6
Sehr viele Aufgabenstellungen im Deutschunterricht beginnen mit Analysieren und interpretieren Sie... Die Abgrenzung dieser Begriffe wird von Lehrer/in zu Lehrer/in unterschiedlich gehandhabt. Manche Lehrerinnen und Lehrer sehen diese Begriffe synonym, andere trennen diese scharf von ein-ander ab. Die beiden Begriffe lassen sich auf folgende Art und Weise von-einander abtrennen.
Die Analyse lässt sich als Textbeschreibung deuten. Hierbei wird der Text als Tatsache gesehen und die Aufgabe besteht darin die Beschaffenheit des Textes zu untersuchen. Der Inhalt des Textes soll dargestellt werden. Es kann untersucht werden, wie der Text aufgebaut ist und wie er sprachlich formuliert ist. Im weiteren können die stilistischen Merkmale herausgearbeitet werden. Der Text sollte zu einer Textsorte zugeordnet werden und der Kontext näher betrachtet werden.
Im Gegensatz zur reinen Analyse geht es bei der Interpretation um eine Deutung der Zusammenhänge der Textelemente im Hinblick auf menschliche Absichten und Reaktionen. Im Vordergrund der Interpretation steht also die Aussage des Textes, die Wirkung auf den Leser und die Intention des Verfassers.
Da ein literarisches Werk einen besonderen Charakter zeigt, darf seine Analyse nicht im naturwissenschaftlichen Sinn verstanden werden. Vielmehr ist die Analyse so zu verstehen, wie die Pädagogik des 19. Jahrhunderts ihn verstanden hat.
„Der Begriff „Analyse“ bezeichnet hier einen mehrschichtigen, differenzierten Erkennensprozeß, welcher der spezifischen Eigenart des literarischen Textes adäquat angepaßt ist.“ 11
Daher sollte nach dem ersten Teil der Analyse, das Erkennen der einzelnen Schichten des literarischen Textes, ein zweiter Teil, die Synthese, folgen. Bei der Analyse sollte beachtet werden, dass die Gesamtheit des Textes und alle Einzelheiten möglichst vollständig erfasst werden. Weiterhin sollte nichts übersehen werden, was von Wichtigkeit sein könnte, aber auf der anderen Seite darf nichts in den Text hinein projiziert werden, welches nicht im Text enthalten ist.
„Im Mittelpunkt der Analyse steht auf jeden Fall das Werk selbst, von dem immer auszugehen ist und zu dem man immer zurückkehren muss.“ 12
11 Strelka, J.P.: Einführung in die literarische Textanalyse. - 2.,durchges. Auflage - Francke, Tübingen; Basel 1998. S.7
7
Bei der Textanalyse ist das wichtigste Ziel die Interpretation des Textes. Die Interpretation soll zeigen, wie ein Text, dessen Sinn nicht sofort voll und ganz verstanden werden kann, zu deuten ist.
„Dabei wird nun, so könnte man denken, gerade bei ‚dunklen’, schwerer zugänglichen Texten, der Willkür Tür und Tor geöffnet beim ‚Erfinden’ des Sinns.“ 13
Aber gerade dies wird durch die Textanalyse vermieden. Der Verfasser eines Interpretationsaufsatzes soll durch die Textanalyse mitteilen, welchen Sinn er dem Text entnimmt.
Ausführungen, die nur interpretieren und am Text bleiben, sind eigentlich gar nicht möglich, weil jede Interpretation die Textelemente benennen muss, auf die sie sich bezieht; sie also erst analytisch herausgearbeitet haben muss. Eine Interpretation ohne Analyse stellt keine ausreichende Leistung dar. Die Analyse ist die eigentliche fachliche Arbeit am Text. Auf ihr sollte der Schwerpunkt eines Interpretationsaufsatzes liegen. Im allgemeinen gilt die Faustregel: Besser eine gründliche, detaillierte Analyse und eine knappe Interpretation, als eine knappe Analyse und eine umfangreiche Interpretation ohne genauen Textbezug.
Bei einer Textanalyse sind grundsätzlich zwei Analysearten zu unterscheiden. Auf der einen Seite die lineare Analyse und auf der anderen Seite die aspektorientierte Analyse.
b) Zwei Analysearten der Textanalyse
Bei der linearen Analyse wird der Text Zeile für Zeile kommentiert. Viele Schülerinnen und Schüler neigen zu dieser Art der Textanalyse. Diese Art der Analyse ist recht einfach, da hierbei der Arbeitsschritt der Gliederung (siehe Arbeitsschritte) entfällt. Die Gliederung ist vom Text vorgegeben und die Schülerinnen und Schüler können sich am Text entlanghangeln. Die lineare Analyse wird nicht allen Aufgabenstellungen gerecht. Die Schülerinnen und Schüler können auf diese Art und Weise nur Teile, der von den Lehrerinnen und Lehrern gestellten Anforderungen, erfüllen. Erst das Verstehen der Gesamtheit des Textes führt zur Lösung von bestimmten Aufgabenaspekten.
12 Strelka, J.P.: Einführung in die literarische Textanalyse. - 2.,durchges. Auflage - Francke, Tübingen; Basel 1998. S. 13
13 Schardt, F.: Textinterpretation Lyrik - Drama - Epik. STARK, Freising 2000. S.1
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Benny Alze, 2004, Wie schreibe ich einen Interpretationsaufsatz - Die schulische Analyse von Texten, München, GRIN Verlag GmbH
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