Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die psychischen Instanzen 2
2.1 Störungen 3
3. Die Phasenlehre 3
3.1 Die orale Phase (Geburt bis ca Ende des 1 Lebensjahres) 4
3.2 Die anale Phase (ca 2 ca 3 Lebensjahr) 5
3.3 Die phallische Phase (ca 4 ca 5 Lebensjahr) und der Ödipuskomplex
6
3.4 Die Latenzphase (ca 6 ca 12 Lebensjahr) 8
3.5 Die genitale Phase (ca 13 bis ca 18 Lebensjahr) 9
3.6 Diskussion 9
4. Zusammenfassung 10
5. Quellenverzeichnis 12
1. Einleitung
Wir finden dass das Sexualleben des Menschen sich nicht wie das der meisten ihm na
he stehenden Tiere vom Anfang bis zur Reifung stetig weiterentwickelt sondern dass es
nach einer ersten Frühblüte bis zum fünften Jahr eine energische Unterbrechung erfährt
worauf es dann mit der Pubertät von neuem anhebt und an die infantilen Ansätze an
knüpft (Freud VI 2000 293)
Sigmund Freud hat sich mit Fragen der psychosexuellen Entwicklung des Menschen in
mehreren wichtigen Veröffentlichungen auseinander gesetzt von denen folgende für die
vorliegende Arbeit herangezogen wurden: Hemmung Symptom und Angst aus den Jah
ren 1925 1926 der die eingangs zitierte Passage über den phasenhaften Entwicklungs
verlauf entnommen ist die zweite und dritte der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
die erstmals 1905 und während Freuds Lebzeiten noch in sieben weiteren Auflagen er
schienen die ergänzende Schrift Die infantile Genitalorganisation aus dem Jahr 1923
sowie Der Untergang des Ödipuskomplexes aus dem Jahr 1924
Freuds psychoanalytisches Paradigma geht davon aus dass menschliches Verhalten der
Ausdruck eines komplizierten Wechselspiels der drei psychischen Systeme des ES des
ICH und des ÜBER-ICH sei Diese Psychodynamik der Persönlichkeit wird hauptsächlich
durch die im ES angesiedelte Libido die Energie des Sexualtriebes in Gang gehalten
1
Entsprechend kommt der Theorie der psychosexuellen Entwicklung eine zentrale Bedeutung im psychoanalytischen Paradigma zu. Im Folgenden soll versucht werden, Freuds Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung auf diesem Hintergrund in seinen wesentlichen Zügen darzustellen und zu diskutieren.
2. Die psychischen Instanzen
Freuds Phasentheorie der psychosexuellen Entwicklung ist im Zusammenhang mit seinen Konzepten der psychischen Instanzen und der Triebdynamik zu verstehen. Freud unterscheidet grundsätzlich zwischen drei Instanzen mit spezifischen Funktionen, dem ES, dem ICH und dem ÜBER-ICH. Das ES gehört zur natürlichen Ausstattung des Menschen und ist der Sitz der Triebenergie, die das menschliche Verhalten erzeugt und steuert. 1 Freud postuliert zwei divergierende Triebe: Den Eros, dem die lebens-„bejahende“ sexuelle Energie der Libido innewohnt – aus ihr resultieren nicht nur die sexuellen Impulse, sondern alles Streben nach Lustgewinn (vgl. Zimbardo/Gerrig 1999, 531) - und den Thanatos, den schwächer entwickelten „Todestrieb“. Diese Kräfte bleiben dem Bewusstsein verborgen. Das ES folgt irrational dem Lustprinzip und sucht unmittelbare Befriedigung, um Bedürfnis-Spannung abzubauen. Spannungsabbau kann auf zwei Arten erfolgen: Direkt, durch Reflexaktivität, oder durch den sog. Primärprozess, bei dem befriedigende Vorstellungen imaginiert werden; beim Sexualtrieb z.B. direkt durch Geschlechtsverkehr oder indirekt durch Ersatzhandlungen wie erotische Kunst, Witze etc.
Das ICH entwickelt sich, beginnend in der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres, aus dem ES. Doch kann es nicht unabhängig vom ES reagieren, da es von ihm seine gesamte Energie bezieht. Das ICH hat zwischen den Ansprüchen des ES und den Zwängen der Realität zu vermitteln. Seine vornehmste Aufgabe besteht darin, die vom ES verlangte unmittelbare Bedürfnisbefriedigung aufzuschieben und zugleich den nicht real zielführenden Primärprozess durch den sog. Sekundärprozess, das heißt Planen und Entscheiden mit dem Ziel einer real möglichen Bedürfnisbefriedigung, zu beherrschen. Das ICH folgt also dem Realitätsprinzip. Trotzdem hat es unbewusst bleibende Anteile, die sog. Abwehrmechanismen.
Zugleich ist das ICH dem ÜBER-ICH verpflichtet, dem „Sitz“ der gesellschaftlichen Werte und Normen, die als „Gewissen“ während der Kindheit internalisiert werden, und der vielfach unbewusst bleibenden Zwänge moralischer Entscheidungen. Das ÜBER-ICH entwi-
1 Freud geht von einer biologischen Verhaltensgrundlage aus (vgl. Zimbardo/Gerrig 1999,
531).
2
ckelt sich während der phallischen Phase im Zuge der Lösung des ödipalen Konflikts. Seine Energie erhält es ebenfalls vom ES.
Freud vertritt in seiner psychodynamischen Persönlichkeitstheorie die Vorstellung eines komplizierten deterministischen Wechselspiels dieser drei Instanzen, dessen zentrale Aufgabe darin besteht, dass das ICH Kompromisse zwischen den divergierenden Forderungen des ES und des ÜBER-ICH arrangiert (vgl. Davison/Neale 1996, 35f., und Zimbardo/Gerrig 1999, 533).
2.1 Störungen
Das Gelingen oder Misslingen von Lösungen früher Grundkonflikte ist entscheidend für die weitere psychische Entwicklung und die psychische Gesundheit überhaupt. Werden Bedürfnisse einzelner psychosexueller Entwicklungsphasen nicht angemessen, sondern in zu geringem oder zu hohem Maße befriedigt, so kann es nach psychoanalytischer Vorstellung zu einer Fixierung auf die für die entsprechende Phase typische Triebbefriedigung kommen. Die Triebobjekte und die Befriedigungsformen des Triebes bleiben dann auch im Erwachsenenalter, jenseits der Phasengrenzen, infantil (vgl. Huber 1994, 448). Zudem begünstigen Fixierungen das Auftreten von Regressionen auf bestimmte Triebquellen, -objekte und -ziele, wenn in einer genetisch späteren Entwicklungsstufe eine schwere Triebfrustration stattfindet (vgl. Tölle 1996, 50). Auch Fehlentwicklungen der Persönlichkeit sind möglich: so kann die Fixierung zu Konflikten zwischen den Triebkräften des ES und den Kontrollinstanzen des ÜBER-ICH führen, was, je nach konstitutionellen Faktoren und Charakterstruktur, in neurotischen Störungen münden kann (vgl. Freud VI 2000, 294; vgl. auch Bergius 1994, 396). Hieraus wird klar, warum Freud den frühen Entwicklungsphasen große Bedeutung für die Herausbildung der Persönlichkeit und des Verhaltens - bis hin zum Erwachsenen - beimaß (vgl. Zimbardo/Gerrig 1999, 532).
3. Die Phasenlehre
Sigmund Freuds psychosexuelle Entwicklungstheorie revolutionierte die bis zu seiner Zeit gültige Vorstellung, die Entwicklung der Sexualität beginne erst mit der Pubertät. Nach Freud beginnt die Sexualität bereits im Säuglingsalter mit dem Erleben von Lust und dem gleichzeitigen Abbau von Triebspannung bei der Stimulation bestimmter erogener Zonen. Freud unterschied somit zwischen der Lustfunktion der Sexualität und ihrer Fortpflanzungsfunktion, in deren Dienst sie erst in späteren Entwicklungsstadien gestellt wird (vgl. Mönks et al. 1996, 20). Nach der jeweils primären erogenen Zone, dem vorherrschenden
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Arbeit zitieren:
Katja Rommel, 2006, Psychosexuelle Entwicklung nach Freud, München, GRIN Verlag GmbH
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