1. Einleitung 3
2. Systemtheoretische Grundlagen 5
2.1 Frühe Ansätze 5
2.2 Der Systembegriff 6
2.2.1 Komplexe Systeme 9
2.2.2 Eigenschaften von komplexen Systemen 10
3. Systemische Therapie 13
3.1 Definition und grundlegende Merkmale 13
3.2 Systemische Familientherapie 15
3.2.1 Entwicklung 15
3.2.2 Familie als besonderes System 16
3.2.2 Kernfragen 17
3.2.4 Probleme in systemischer Sicht 18
3.3 Systemische Interventionen 20
3.3.1 Zirkuläres Fragen 21
3..3.2 Weitere Interventionen 28
3.3.2.1 Umdeutung - Reframing 28
3.3.2.2 Systemische Aufstellungen 29
1
4. Systemische Organisationsberatung 30
4.1. Organisation Prozess und Beratung 30
4.3 Dimensionen der Intervention 38
4.3.1 Sachliche Dimension 38
4.3.2 Zeitliche Dimension 39
4.3.3 Soziale Dimension 40
4.3.4 Räumliche Dimension 41
4.4 Der Beratungsprozess 41
4.4.1 Das Erstgespräch 41
4.4.1.1 Bedeutung und Funktion der Beratung erörtern 42
4.4.1.2 Themenwahl 42
4.4.1.3 Rahmenbedingungen festlegen 43
4.4.1.4 Vertraulichkeit und „Etappenziele“ 43
4.4.1.5 Manifestieren 44
4.4.2 Das erste Beratungsgespräch 44
4.4.3 Evaluation 47
5. Fazit 50
Literatur 52
2
1. Einleitung
Familien, Schulklassen, Organisationen, einzelne Individuen werden als Systeme betrachtet, die man mit Hilfe systemtheoretischer Begrifflichkeiten analysieren kann. Aus den Ansätzen früher systemtheoretischer Erkenntnisse und Forschungen entstand in den 1959er Jahren die systemische Familientherapie. Ein Konzept, in dem die Familie als komplexes soziales System gesehen wird, welches im Hinblick auf Strukturen und Prozesse, ihre Beziehungen zur Umwelt und ihren Umgang mit Komplexität, analysiert werden kann.
Die systemtheoretische Perspektive lenkt den Blick auf Vernetzungen und komplexe Wechselwirkungen, die innerhalb eines Systems, ebenso wie in ihrem Verhältnis zur Umwelt existieren. Systemisches Denken ist daher Denken in Zusammenhängen und die systemische Analyse versteht sich als ganzheitliche Betrachtungsweise (dazu: von Ameln, 2004, S.27).
Dieser Ansatz fand zunächst hauptsächlich in der systemischen Familientherapie Anwendung und wurde Anfang der 1990er Jahre konzeptionell umformuliert zur systemischen Organisationsberatung bzw. zum systemischen Coaching (vgl. König, Vollmer, 2003, S.17).
Eine Organisation stellt ein größeres, komplexes System dar, welches aber, wie die Familie, anhand von Regeln in Wechselwirkungen kommuniziert und interagiert. Das Konzept der systemischen Organisationsberatung bzw. des systemischen Coachings basiert auf lösungsorientierten Ansätzen, im Gegensatz zu geläufigen problemorientierten Strategien. Das bedeutet, dass ein Problem (was nicht immer unbedingt negativ besetzt sein muss), im Laufe des Beratungsprozesses an Bedeutung verliert und eine Lösung und deren Erreichung, losgelöst vom Problem erarbeitet wird. Die systemische Organisationsberatung geht davon aus, dass sich komplexe Probleme nicht lösen lassen, wenn man den Focus lediglich auf einen Aspekt oder Auslöser richtet. Soziotechnische Systeme benötigen nach der Theorie der systemischen Organisationsberatung nur Unterstützung bei der Lösung eines Problems. Die Lösung muss „von Innen“ also aus dem System heraus erfolgen und erarbeitet werden. Die „Experten“ des Problems sind die Mitarbeiter oder der zu Beratende, Coachee etc. Der Berater bietet lediglich durch spezielle Fragestellung
3
die Anregung zur Erarbeitung einer Lösung. Der systemische Berater beschränkt sich demnach auf Coaching, Anregung und hinführende Fragestellung.
Man kann ein soziales System, wie ein Unternehmen, eine Abteilung oder eine Gruppe nur verstehen, wenn man die Regeln kennt, die das Verhalten der Personen in diesem System leitet.
Im Folgenden möchte ich zunächst die Grundlagen des systemischen Denkens anhand eines kurzen Überblicks über die Systemtheorie erläutern. Danach werde ich auf die Anwendung am Beispiel der Familientherapie eingehen aus welcher die Systemische Organisationsberatung entwickelt wurde. Hierbei möchte ich zunächst auf theoretische Aspekte eingehen und im Anschluss systemische Beratung bzw. Coaching in der Praxis erläutern.
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2. Systemtheoretische Grundlagen
2.1 Frühe Ansätze
Die Systemtheorie ist ein Denkansatz, in dem es um Ganzheiten geht. Die Gefahr sich in Einzelheiten zu verlieren besteht hier also nicht. Ihre Grundidee ist, dass alles und jedes als System betrachtet wird. Jedes System wird unter dem Aspekt seiner inneren Struktur und Organisation, wie seiner Beziehung zur Umwelt analysiert.
Die allgemeine Systemtheorie geht auf den Biologen Ludwig von Bertalanffy zurück. Er arbeitete gemeinsame Gesetzmäßigkeiten der verschiedenen Wissensgebiete heraus, indem er die allgemeinen Prinzipien der verschiedenen Disziplinen beobachtete. In diesem Sinne handelt es sich bei der Systemtheorie um eine Metatheorie, die in den verschiedensten Bereichen anwendbar ist weil sie die Integration von unterschiedlichem Wissen ermöglicht. Zusammen mit der Kybernetik (Norbert Wiener, William Ross Ashby) und der Informationstheorie (Claude Shannon, Warren Weaver) bildet sie grundlegenden Überlegungen dieses Wissenschaftsansatzes. Weitere wichtige Theorien stammen von Humberto Maturana und Francisco Varela (Autopoiesis), Talcott Parsons (Strukturfunktionalismus, Systemfunktionalismus) und Niklas Luhmann (soziologische Systemtheorie).
Luhmanns soziologische Systemtheorie geht davon aus, dass sie „universell“ sei. Sie decke den gesamten Bereich der Wirklichkeit ab (vgl. Berghaus, 2003, 25). Gemeint ist hier, dass der gesamte Bereich des Sozialen, der Gesellschaft und damit alle gesellschaftlichen Tatbestände und Phänomene mit einbezogen sind. Ebenso die „gesamte Welt“. Und zwar deswegen und insoweit, als soziale Systeme in Abgrenzung zu ihrer Umwelt operieren und sich von ihrer Umwelt unterscheiden. Die „gesamte Welt“ ist also zwangsläufig als „Umwelt“ sozialer Systeme ebenfalls enthalten“ (Berghaus, 2003, 25). Dies ist für den systemischen Ansatz der Beratung besonders Wichtig, da das zu beratende System sich in einer Umwelt befindet, die auch mit in betracht gezogen werden muss. Hier deutet sich der ganzheitliche Ansatz dieser Methode bereits an.
5
Weiterhin wichtig für die weiteren Ausführungen ist zudem der Begriff des Konstruktivismus. Systemtheorie und Kybernetik haben den Konstruktivismus maßgeblich beeinflusst. Das heißt aber nicht, dass diese Theorien konstruktivistischer Natur sind (Vgl.: von Ameln, 2004, 21). Jedoch besteht eine enge Verbindung zwischen diesen Theorien, die gerade im Bereich der systemischen Beratung deutlich werden. Beim Konstruktivismus handelt es sich grob gesagt darum, dass die Welt wie wir sie „erleben“ eine von uns konstruierte ist. Hierbei handelt es sich um eine Kognitionstheorie, die behauptet, dass es keine abgebildete Realität gibt, die wir aufnehmen, sondern es handelt sich um eine ausschließlich von uns konstruierte Realität. Der systemische Berater muss sich unter anderem dieser Position gewahr sein, hinsichtlich seiner auf Lösungen zielenden Fragestellung in der Beratung bzw. Therapie.
2.2 Der Systembegriff
Beim System handelt es sich um eine Menge von untereinander abhängigen Elementen und Beziehungen. Man spricht von verschiedenen Systemen, die der Gesellschaft immanent sind. Sie stehen in Wechselwirkung zur Umwelt und sind dadurch gekennzeichnet, dass sie autopoietisch sind. Man spricht zum Beispiel vom psychischen System, vom sozialen System und so weiter. Es handelt sich hierbei um theoretische Konstrukte. Etwas als System zu bezeichnen bedeutet nicht mehr, als sich dem bestimmten Gegenstand mit bestimmten Begriffen und unter einem bestimmten Gesichtspunkt zu nähern, was so viel heißt wie, die Systemelemente und deren Beziehungen und Interaktionen zur Umwelt zu verknüpfen (Vgl. Lexikon zur Soziologie, 1995, S 661). Willke definiert System als „einen ganzheitlichen Zusammenhang von Teilen, deren Beziehung untereinander quantitativ intensiver und qualitativ produktiver sind als ihre Beziehungen zu anderen Elementen. Die Unterschiedlichkeit der Beziehungen konstituiert eine Systemgrenze, die System und Umwelt des Systems trennt“ (Vgl.: Schlippe/Schweizer, 1999, 55).
6
Der Systembegriff an sich stammt von dem griechischen Begriff „systema“. Er bezeichnet ein Zusammengesetztes und auf gewisse Weise geordnetes Gebilde. Eine gängige Definition von Hall und Fragen von 1968 beschreibt System wie folgt:
- ein Ganzes (z.B. eine Familie)
- das aus einer Menge von Elementen (den Familienmitgliedern)
- und den Relationen zwischen diesen Elementen (den Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern) besteht, die die je spezifische Systemstruktur ausmachen“ (von Ameln, 2004, 21).
Anhand dieser Definition können die verschiedensten Phänomene systemtheoretisch betrachtet werden. Systemelemente können im Falle eines Körpers, die Zellen sein, im Falle einer Organisation, die Abteilungen, oder einzelne Mitarbeiter oder Arbeitsgruppen. Hierbei handelt es sich um Subsysteme. Jedes System ist in ein übergeordnetes System eingegliedert, wie zum Beispiel eine Organisation in einen Konzern und ein Konzern in das gesellschaftliche Funktionssystem Wirtschaft (ebenda, 22). Systeme und Umwelt stehen in einer wechselseitigen Austauschbeziehung zueinander. In dieser Hinsicht sind sie offen gegenüber ihrer Umwelt. Laut Luhmann ist ein System eine „organisierte Komplexität“, die durch „Selektion einer Ordnung“ operiert. „Systeme bestehen nicht aus Dingen, sondern aus „Operationen“. „Operation“ ist der allgemeine Begriff für die entscheidenden Aktivitäten von Systemen. Sie stehen in Differenz zur Umwelt, sie produzieren und reproduzieren sich durch ihre Operationen. Hier wird der konstruktivistische Ansatz nochmals untermauert, indem die Systeme keine Realität von Außen empfangen, sondern ihre Realität produzieren bzw. reproduzieren. Sie sind in diesem Sinne autopoietisch. Das heißt aber nicht, dass sie ohne die Umwelt existieren können. Jedoch operieren die einzelnen Systeme auf ihre ganz eigene spezifische Weise. Das grenzt sie voneinander und von ihrer Umwelt ab: „Biologische Systeme leben, psychische führen Bewusstseinsprozesse durch und die charakteristische Operationsweise sozialer Systeme ist die „Kommunikation“. Die Operationen aller drei Systemtypen - so verschieden die Typen auch sein mögen - folgen denselben Leitprinzipien. Diese sind: die System/Umwelt-Differenz und die „Autopoiesis“. (Berghaus 2004, 37).
7
Die Betrachtung der Außenbeziehungen des Systems (z.B. die soziale Einbettung der Familie) ist ein mögliches Thema systemtheoretischer Analyse. Nach von Ameln unterscheiden sich die internen Relationen des Systems qualitativ von den Relationen des Systems mit der Umwelt: innerhalb der Systemgrenzen geschieht etwas anderes als außerhalb. Aus diesem Blickwinkel können Systeme auch gegenüber ihrer Umwelt als geschlossen betrachtet werden. Das ist kein Widerspruch zu der vorher erwähnten Offenheit der Systeme. Denn nach Luhmann sind soziale Systeme sowohl offen als auch geschlossen. Er erläutert dies anhand des Konzeptes der Autopoiese: Systeme erzeugen alle Elemente aus denen sie bestehen selbst. Wie oben schon erwähnt erzeugen psychische Systeme Gedanken anhand von Ereignissen die operativ gehandhabt werden, jedoch können psychische Systeme nicht kommunizieren, das können nur soziale Systeme. Sie erzeugen Kommunikation als Ereignisse, die operativ gehandhabt werden, dafür können soziale Systeme aber nicht denken. Laut Luhmann gehören deshalb psychische Systeme (also Menschen) zur Umwelt sozialer Systeme. Soziale Systeme (Interaktionen, Organisationen und Funktionssysteme wie Wirtschaft, Recht, Wissenschaft, Politik, Kunst, Erziehung usw.) sind mit psychischen Systemen durch Sprache, welche selbst kein System ist, strukturell gekoppelt. Durch strukturelle Kopplung wird das Problem gelöst, dass autopoietische Systeme 1 nicht in ihrer Umwelt, also auch nicht innerhalb anderer Systeme operieren können, wobei trotzdem aufeinander abgestimmte Entwicklungen zu beobachten sind. Strukturelle Kopplung zwischen Systemen und ihrer Umwelt besteht dann, wenn das jeweilige System Erwartungsstrukturen aufbaut, die es für bestimmte Irritationen sensibler macht. Zum Beispiel hat jede Organisation ihren eigenen Verhaltenscodex, der als ungeschriebenes „Gesetz“ meist weitergegeben und verinnerlicht wird. Innerhalb des Systems Organisation finden Operationen anhand von diesen Regeln statt.
1 Autopoietische Systeme (aus dem griechischen „Selbst Erzeugung“): sind strukturell determiniert- die aktuelle Struktur bestimmt in welchen Grenzen sich ein Lebewesen verändern kann, ohne seine autopoietische Organisation zu verlieren bzw. zu sterben; sie haben keinen anderen Zweck, als sich selbst zu reproduzieren. Alle anderen Behauptungen über ihren Sinn werden durch Beobachter an sie herangetragen; sie sind operationell geschlossen, das heißt sie können nur mit ihren Eigenzuständen operieren und nicht mit systemfremden Komponenten. Operationelle Geschlossenheit meint etwas anderes als informelle Geschlossenheit. Lebende Systeme können sehr wohl Umweltinformationen aufnehmen (hören, verarbeiten). Aber sie sind nicht unbegrenzt beeinflussbar, formbar, instruierbar durch diese. Die Außenwelt wird nur soweit zur relevanten Umwelt (und von dort kommende Informationen werden nur soweit zu relevanten Informationen), wie sie im System Eigenzustände anzustoßen, zu „verstören“ mag (Vgl. Schlippe/ Schweitzer, 1999, 68).
8
Ein Außenstehender oder eine andere Organisation kann diese Regeln und Operationalisierungen nicht unbedingt erfassen und sie werden auch nicht nach außen transportiert. Sie dienen ausschließlich zum Erhalt des Systems der Organisation und in diesem Sinne ist das System operativ geschlossen. Trotzdem muss die Organisation mit der Umwelt oder anderen Systemen interagieren. Dieses geschieht durch strukturelle Kopplung.
2.2.1 Komplexe Systeme
Bei Familien und Organisationen handelt es sich um komplexe Systeme. Diese zeichnen sich durch einige Besonderheiten aus, die für die Analyse wichtig sind.
Komplexe Systeme sind Systeme, die sich nicht vereinfachen lassen und durch Vielschichtigkeit gekennzeichnet sind. Das bedeutet, dass diese Systeme zwar zum Bestehen ihre eigene Komplexität auf ein handhabbares Maß reduzieren müssen „durch zum Beispiel (quantitativ wirkendes) Ausblenden einer Teilmenge von Komplexität (z.B. erreicht ein Großteil der über das Auge aufgenommenen visuellen Informationen das Bewusstsein nicht) und andererseits durch (auf der qualitativen Ebene wirkende) Strukturierung ungeordneter Komplexität (Im Beispiel: es werden keine einzelnen Bäume, sondern ein Wald wahrgenommen).“ (dazu: von Ameln 2004, 24), jedoch kann diese Komplexität nicht beliebig reduziert werden. Ein System muss damit es auf Ereignisse und Veränderungen reagieren kann über eine angemessene Eigenkomplexität verfügen. Um Komplexität verarbeiten zu können, treffen Systeme Ausdifferenzierungen in ihren Teilsystemen. Im Zuge dieses Differenzierungsprozesses können weitgehend identische, aber kleinere Subsysteme entstehen, die leichter zu handhaben sind, oder es entstehen auf einzelne bestimmte Systemfunktionen spezialisierte Subsysteme: funktionale Differenzierung zum Beispiel bei verschiedenen Abteilungen in einem Unternehmen. Je weiter ein System jedoch ausdifferenziert wird, desto schwieriger wird die Verknüpfung mit den einzelnen Teilen des Systems, beziehungsweise den Zusammenhalt der einzelnen Teile zu erhalten. „Mit zunehmender Differenzierung steigt daher die Notwendigkeit der Integration- ein Problem mit dem große Unternehmen, aber auch Familien zu kämpfen haben.“ (von Ameln, 2004, 24).
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2.2.2 Eigenschaften von komplexen Systemen
Nichtlinearität zwischen Ursache und Wirkung
Kleine Störungen des Systems oder minimale Unterschiede in den Anfangsbedingungen führen schnell zu unterschiedlichen Ergebnissen: nicht jeder Input ist mit einem definierten Output verbunden. Es gibt zwischen Ursache und Wirkung keine „Punkt - zu - Punkt - Zuordnung“. Kausalitäten werden sprunghaft, Prozesse zirkulär und dadurch entstehen zwischen Variablen oder Teilprozessen Wechselwirkungen, negative oder positive Rückkopplungen und insgesamt eine Eigendynamik des Systems, welche sich nicht mehr auf bestimmte Ziel-Mittel-Relationen reduzieren lässt. Das „Innenleben“ dieser Systeme wird gegenüber der Umwelt relativ autonom (Willke, 1994, 71, von Ameln, 2004, 25). Das bedeutet, dass eine Problematik beschrieben werden kann, im Beratungsprozess, unter der Absicht eine bestimmte Lösung zu erzielen, jedoch kann die Lösung völlig losgelöst vom Problem entstehen. Es ergibt sich ein neues Innenleben des Systems.
Emergenz
Im Gegensatz zu lediglich komplizierten Systemen, zeigen komplexe Systeme Emergenz. 2 Laut Luhmann operieren lebende, psychische und soziale Systeme auf emergenten und autopoietisch abgeschlossenen Phänomenebenen. Das heißt: „dass Systeme höherer (emergenter) Ordnung von geringer Komplexität sein können als Systeme niederer Ordnung, da sie Einheit und Zahl der Elemente, aus denen sie bestehen, selbst bestimmen, also in ihrer Eigenkomplexität unabhängig sind von Realitätsunterbau. Das heißt auch: dass die notwendige bzw. ausreichende Komplexität eines Systems nicht ‚materialmäßig’ vordeterminiert ist, sondern für jede Ebene der Systembildung mit Bezug auf die dafür relevante Umwelt neu bestimmt werden kann.
2 Emergenz ist eine wichtige Eigenschaft von komplexen und/oder nichtlinearen Systemen im Sinne der Systemtheorie. Solche Systeme können Eigenschaften entwickeln, die sich aus der Summe ihrer Einzelkomponenten nicht erklären lassen. Der menschliche Körper ist ein biologisches System, der menschliche Geist ist ein psychisch-mentales System, die Kommunikation erzeugt soziale Systeme, usw. All diese Systeme weisen Emergenz auf: Ihre Eigenschaften (Atmung, Jagdverhalten, Selbstbewusstsein, usw.) lassen sich aus den Einzelteilen (Zelle, Organismus, einzelner Gedanke) nicht ohne weiteres erklären. Diese Emergenzhypothese wird in der heutigen Forschung oft als Gegenstück der Welttheorie -TOE=Theory of everything oder Supertheorie- angesehen,welche eine *allem übergeordnete* Meta-These (Weltformel) zu finden versucht (Wikipedia)
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Arbeit zitieren:
Anja Ragati, 2006, Von der systemischen Familientherapie zur systemischen Organisationsberatung, München, GRIN Verlag GmbH
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