Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Grundlagen 2
3. Merkmale 4
3.1 Polylexikalität 5
3.2 Stabilität 5
3.3 Idiomatizität 7
3.4 Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit 8
4. Entstehung neuer Phraseologismen 9
5. Beispiele für neuere Phraseologismen 10
6. Fazit 14
II
1. Einleitung
Diese Arbeit beruht auf einem Kurzreferat zum Thema „Phraseologismen – Neue Redewendungen“, das ich im Rahmen des Seminars „Sprachwandel – Entwicklungstendenzen der deutschen Gegenwartssprache“ im Sommersemester 2006 an der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg gehalten habe.
Mit dieser Seminararbeit möchte ich meine Ausführungen schriftlich vertiefen. Die Phraseologie hat in den letzten dreißig Jahren an Relevanz in der linguistischen Forschung gewonnen. Einmal sicherlich, da sie ein Spezialgebiet der Lexikologie ist, zum anderen weil sie durch den kreativen Umgang mit Sprache in den Jugendkulturen sowie der Werbung ebenso großes Potential in der Wortschatzerweiterung in sich birgt wie „normale“ Wörter.
Die Arbeit beinhaltet grob betrachtet zwei ungleiche inhaltliche Teile. Zuerst werden die Besonderheiten und Merkmale der festen Redewendungen erläutert, anschließend geht es um die Analyse von fünf ausgewählten Beispielen für Phraseologismen, die erst im Laufe der letzten zehn Jahre entstanden sind. Die ersten drei Kapitel haben, resultierend aus den Vorgaben zur Seitenzahl, Einführungscharakter. Die wesentlichen Punkte sollen grob angerissen werden. Auf eine Vorstellung der verschiedenen Klassifikationsmöglichkeiten habe ich verzichtet.
Bei den Beispielen handelt es sich um prägnante, heute im Gebrauch befindliche, Phraseologismen, die in ihrer Semantik und Struktur besprochen werden.
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2. Grundlagen
Obwohl bereits 1909 mit „Traité de stylistique française“ von Ch. Bally eine Monografie zur Phraseologie veröffentlicht wurde und auch die sowjetische Sprachwissenschaft früh die Relevanz der festen Wendungen erkannte, gilt die Phraseologie noch immer als relativ junge Teildisziplin der Linguistik. Erst ab den 1970er Jahren begann die westeuropäische Forschung sich für die Phraseologie zu interessieren. Dabei lässt der Begriff der Phraseologie zwei Bedeutungsebenen zu: einmal beschreibt er die Teildisziplin inklusive der Forschung, andererseits wird auch das Inventar einer bestimmten Einzelsprache als solches benannt (FLEISCHER, 1997, S. 2 f).
Bei der Definitionsfindung herrscht wie so oft in der Linguistik ein Pluralismus (HESSKY, 1987), wobei das „Handbuch der Phraseologie“ durchaus einen Grundkonsens in zwei Punkten zusammenfassen kann:
„Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn (1) die Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden, und wenn (2) die Wortverbindung in der Sprachgemeinschaft, ähnlich wie ein Lexem, gebräuchlich ist.“ Wichtig dabei ist das wechselseitige Verhältnis, dass wenn (1) gilt, dann gilt auch (2), aber nicht umgekehrt (BURGER et altera, 1982, S.1).
Daraus lassen sich vier wesentliche Merkmale von Phraseologismen herauslesen: Polylexikalität, Stabilität, Lexikalität sowie Idiomatizität, auf die ich später noch ausführlicher kommen möchte.
Durch den Lexemcharakter von Phraseologismen erweitern sie den Wortschatz, um „mentale Größen, wie Emotionen, Einstellungen, (negative) Verhaltensweisen“ differenzierter zu versprachlichen (PALM, 1995, S. 1). Spätestens hier wird die Bedeutung von festen Wendungen evident. Nicht nur Wörter, bestehend aus einzelnen Morphemen, sind Bestandteile des mentalen Lexikons. Auch fest geprägte Einheiten, die mehr oder weniger starke Diskrepanzen zwischen den wörtlichen Bedeutungen der einzelnen Bestandteile einer Einheit und der übertragenen, oder besser „phraseologischen“ (BURGER, 1998, S. 13), Gesamtbedeutung einer Einheit aufweisen, sind wichtig für den Wortschatz einer Einzelsprache. Quantitative und qualitative Unterschiede gibt es in punkto Länge, morpho- syntaktischer Variabilität oder lexikalischer Besetzung (BURGER, 1998, S. 12).
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Als Gegenteil zu den festen Wendungen gelten die freien Wortverbindungen, wie sie aus der Syntax als so genannte Phrasen bekannt sind. Je nach dem wesentlichen Bestandteil der Verbindung spricht man von Nominal- oder Verbalphrasen, die Personen, Gegenstände oder Sachverhalte beschreiben. Dabei besteht eine morpho-syntaktische Kongruenz zwischen allen Bestandteilen einer Phrase. Sie ist nur als Ganzes auf syntagmatischer Ebene variabel, bleibt jedoch auf paradigmatischer Ebene offen für den Komponentenaustausch.
Beispiel 1:
Das weiße Auto
Formativ Bedeutung -> alle Komponenten sind austauschbar, die Bedeutung der Wendung ist aus den Einzelbedeutungen der Komponenten abzuleiten.
Bei genauerer Betrachtung muss auch der Begriff der festen Wendungen weiter differenziert werden. Dies hat semantische Gründe. Denn es gibt lexikalisierte Einheiten, deren Gesamtbedeutung aus den Bedeutungen der einzelnen Bestandteile erschließbar ist, während dies bei anderen Einheiten nicht möglich ist.
Beispiel 2
Zähne putzen
Formativ Bedeutung -> die Komponenten sind nicht austauschbar, die Gesamtbedeutung wird aber anhand der einzelnen Komponenten deutlich
Feste Wendungen dieser Art werden auch Kollokationen oder, wenn auch nicht synonym verwendet, Nominationsstereotypen genannt.
Häufig werden Phraseologismen mit Idiomen gleichgesetzt, also Wortverbindungen mit einer Gesamtbedeutung, die von den Einzelbedeutungen der Komponenten abweicht.
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Arbeit zitieren:
Jens Wollweber, 2006, Phraseologismen - Neue Redewendungen, München, GRIN Verlag GmbH
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