Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 1
2. Wort und Begriff 2
3. Die Geschichte der Fabel 3
3.1. Entstehung der Fabel 3
3.2. Die griechisch - römische Fabel 3
3.2.1. Aesop 3
3.2.2. Phädrus 4
3.3. Die orientalische Fabel 5
3.3.1. Panschatantra 5
3.4. Deutsches Mittelalter 5
3.4.1. Sticker 6
3.4.2. Ulrich Boner 6
3.5. Zeitalter der Reformation 7
3.5.1. Martin Luther 7
3.5.2. Jean de La Fontaine 7
3.6. Zeitalter der Aufklärung 8
3.6.1. Christian Fürchtegott Gellert 9
3.6.2. Gotthold Ephraim Lessing 9
3.7. Das 19. Jahrhundert 10
3.7.1. Wilhelm Busch 11
3.7.2. Wilhelm Hey 12
3.8. Das 20. Jahrhundert 12
3.8.1. James Thurber 13
4. Strukturmerkmale 13
4.1. Umfang der Fabel 15
4.2. Aufbau der Fabel 15
4.3. Handelnde Figuren und ihre Eigenschaften 17
4.3.1. Die Anzahl der Akteure 17
4.3.2. Die Typisierung der Fabeltiere 18
4.3.3. Die Vermenschlichung der Fabelfiguren 19
4.4. Sprachliche Charakteristika der Fabel 19
4.5. Abgrenzung von verwandten Gattungsformen 20
II
4.5.1. Fabel und Parabel 20
4.5.2. Fabel und Märchen 21
5. Stilzüge der Fabel 21
5.1. Belehrender Stil 22
5.2. Kritisierender Stil 22
5.3. Satirischer Stil 23
6. Aufbautypen der Fabel 23
6.1. Die Normalform und ihre Abwandlungen 23
6.2. Die Sonderform bei Alberus 24
6.3. Die Kunstfabel 24
7. Fabel und Schule 25
7.1. Die Bedeutung der Fabel für die Schule 25
7.2. Einsatz der Fabel im Unterricht 26
7.2.1. Die Altersfrage 27
8. Resümee 28
9. Literaturverzeichnis 29
III
1. Vorwort
Eine typische, klassische Fabel ist kurz und pointiert, leicht zu merken - wie ein guter Witz. Der Begriff Fabel ruft bei vielen Menschen zunächst die Assoziation Tierfabel hervor, obwohl sie sich nicht nur auf die Welt der Tiere, sondern auch auf die gesamte belebte und unbelebte Natur, sowie die Menschen- und Götterwelt bezieht. Die handelnden Figuren innerhalb einer Fabel stellen überwiegend dem Leser bekannte Tiere dar. Grund hierfür sind der Bekanntheitsgrad dieser Tiere, da sie aus der Umgebung des Menschen stammen und keiner weiteren Beschreibung bedürfen, sowie die Verkörperung bestimmter Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sich auch in Sprichwörtern und Redensarten finden lassen. Tiere als Akteure besitzen kein Eigenleben, sondern dienen der Demonstration bestimmter menschlicher Verhaltensweisen.
Die Fabel selbst hat viele Gesichter und eine lange Geschichte (von der Antike bis zur Moderne). Sie „ist von jeher eine volkstümliche Gattung, sie will auch den ansprechen, der „nicht viel Verstand besitzt“ (Ch. F. Gellert). Aber bei aller poetischer Einkleidung (sprechende Tiere!) verlangt sie doch einen denkenden, kritischen Hörer, der die Übertragung aus dem fiktiven Bereich auf seine Wirklichkeit vornimmt. Die Fabel erweist sich damit als eine die ratio ansprechende Gattung.“ 2 Jede Fabel, ob kurz oder lang, enthält eine Lehre, die sowohl vor- oder nachgestellt werden kann oder vom Leser selbst zu suchen ist. Oftmals ist sie Bestandteil der Fabelerzählung und wird einer Figur in den Mund gelegt.
Aufgrund der Kürze und meist leichten Verständlichkeit des Textes ist die Fabel besonders für Kinder im Grundschulalter geeignet und regt zum kritischen Denken und Handeln an. Ist das wirklich so? Innerhalb dieser Hausarbeit soll versucht werden, dieser Frage auf den Grund zu gehen und eine entsprechende Antwort zu finden. Um einen theoretischen Hintergrund zu schaffen wird zunächst die Gattung Fabel genauer beleuchtet, was eine Begriffserklärung, einen geschichtlichen Rückblick, sowie die Analyse ihrer Strukturmerkmale (Umfang, Aufbau etc.) mit einbezieht.
1 Dithmar, R. (1988 7 ), S. 195
2 Poser, T. (1993), S. 60
1
2. Wort und Begriff
„Fabel (lat. fabula = Erzählung) […] im engeren Sinn (Äsoptische Fabel) selbständige, kurze episch - didaktische Gattung vorwiegend der → Tierdichtung in Vers oder Prosa, die als Beispielgeschichte eine allgemein anerkannte Wahrheit, einen moralischen Satz, eine praktische Lebensweisheit an Hand eines überraschenden, doch analogen Beispiels in uneigentlicher Darstellung veranschaulicht und besonders aus der anthropomorphisierenden Übertragung menschlicher Eigenschaften, Verhaltensweisen, Verhältnisse, Sitten, auch der Rede, auf die beseelte oder unbeseelte Natur (Pflanzen, Steine, bes. Tiere) witzig - satirische oder moralisch - belehrende Effekte erzielt. Die Tierfabel erspart durch Benutzung typisch feststehenden, allgemein anerkannten Charaktereigenschaften der einzelnen Tiere (List des Fuchses, Majestät des Löwen u.ä.) eine vorgegebene Charakterschilderung.“ 3
Dem Begriff „Fabel“ wurden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Bezeichnungen zugeordnet. Phaedrus (1.Jahhundert n. Chr.) verwendete den Begriff Fabel mit dem Zusatz „äsoptisch“ zur Bezeichnung der Gattung. In der ionische Poesie wurde der Begriff ainos zur Bezeichnung von Fabel, Rätsel, Sprichwort und Gleichnis und die Begriffe mythos und logos zur Betonung bestimmter Elemente, wie z.B. das phantastisch Märchenhafte der Fabel verwendet. Im Mittelalter verwies das Wort bispel (Beispiel) auf eine belehrende Erzählung, die der Wahrheit entspricht und für etwas steht, dessen Sinn nicht im Erzählten verborgen liegt und bezeichnete die Gattung Fabel. Im 13. Jahrhundert wurde mit dem Begriff spel (Erzählung, Bericht) eine nicht wahre oder lügenhafte Erzählung bezeichnet, was gleichzeitig eine Abwertung des Begriffs selbst bedeutete. Das Lehnwort fabel wurde zur Bezeichnung von Erzählungen verwendet, die nur unterhaltsam waren oder dessen Wahrheit nicht belegt werden konnte. Das Wort Fabel, in seiner jetzigen Bedeutung wurde erst bei Steinhöwel (1476) verwendet. „Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff „Fabel“ auch als Handlungsverlauf eines epischen oder dramatischen Werkes gebraucht, eine Bedeutung, die bis in die Gegenwart neben der Gattungsbezeichnung gilt.“ 4
Jedoch eine eindeutige und allgemein gültige Definition der Fabel gibt es nicht, da sich eine definitorische Bestimmung an den jeweiligen Autoren, Epochen oder Typen der Fabel orientiert.
3 von Wilpert, G (2001 8 ), S. 254
4 Dithmar, R. (1988 7 * , S. 165 )
2
3. Die Geschichte der Fabel
3.1. Entstehung der Fabel
Nach heutigen Erkenntnissen entstand die Fabel in vielen Völkern nahezu zeitgleich und unabhängig voneinander. Grund hierfür liegt vermutlich in der Veränderung der gesellschaftlichen Zustände und der Verschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze. Der Ursprung der Fabel liegt laut mündlicher Überlieferung im Orient: Sumer, Indien und Arabien. Etwa zur selben Zeit, zu der die bekannten antiken Fabeln ent-standen, wurden auch die frühen indischen Sammlungen angelegt. In der Folge gab es auch persische und türkische Sammlungen, deren Verfasser zumeist unbekannt blieben. Dies zeigt deutlich, dass die Fabel nicht nur eine europäische Erscheinung darstellt.
3.2. Die griechisch - römische Fabel
3.2.1. Aesop
Der griechische Sklave Aesop (ca. 550 v. Chr.) gilt als Ahnherr der Fabel. Er schrieb Fabeln als Berichte oder Erzählungen über wahre Begebenheiten. Seine Fabeln galten im Mittelalter als Vorbild der Fabeldichtung. Da seine Lebensdaten jedoch nicht gesichert sind, wird von manchen Forschern bezweifelt, dass er überhaupt gelebt hat. Sie gehen sogar soweit und behaupten Aesop sei eine Konstruktion und seine Fabeln anonyme Produkte aus dem Volk.
Laut Überlieferung war Aesop in seiner gesellschaftlichen Existenz doppelt beeinträchtigt, d.h. nicht nur physisch, weil er einen verkrüppelten Rücken hatte, sondern auch in seiner sozialen Existenz: Als Sklave stand er auf der niedersten Sprosse der Gesellschaft. Im Laufe seines Lebens soll er sich durch seine witzigen, geistvollen und pointierten Erzählungen nicht nur vorerst seine persönliche Freiheit erworben haben, sondern sich später auch die Missgunst, den Neid und den Hass der delphischen Geistlichkeit zugezogen haben.
Diese Leute fürchteten offensichtlich seinen Einfluss auf das Volk. Sie ließen ihn heimlich verhaften aus Angst vor Reaktionen des Volkes. Danach schmuggelten sie eine goldene Schale aus dem Apollotempel in seinen Sack und stellten nun Aesop dem Volk als Kirchenräuber dar. Er wird in den Kerker geworfen, als Kirchenräuber zum Tode verurteilt und vom Felsen gestürzt. Aesop hat bis zuletzt versucht mit seinem einzigen Verteidigungsmittel, der Fabel, um sein Leben zu kämpfen.
3
Die Fabel vom „Frosch und der Maus" erzählt er den Delphern, als sie ihn aus dem Gefängnis holen.
„Was du tust, wirst du erleiden!
Als die Tiere noch alle die gleiche Sprache redeten, gewann eine Maus einen Frosch lieb. Daher lud
sie ihn zum Mahle ein und führte ihn in die Vorratskammer eines Reichen. Da gab es Brot, Käs´, Ho-
nig, Feigen und alle andern Leckerbissen. „Nun iß nach Herzenslust, lieber Frosch", sagte die Maus.
Der ließ sich das nicht zweimal sagen, und alle beide schwelgten in auserlesenen Genüssen. Dann
sagte der Frosch: „Nun komm auch einmal zu mir, liebe Maus, und mäste dich an meinen Schätzen!
Damit du aber bei der Reise durchs Wasser keine Angst bekommst, will ich deinen Fuß an meinen
anbinden." Das tat er auch und sprang in den Teich, wobei er die Maus gefesselt mit sich zog. Als
diese nun merkte, daß sie ertrinken mußte, sprach sie: „Ich werde von dir getötet werden, aber von
einem Stärkeren werde ich gerächt werden." So starb sie. Aber wie sie noch auf dem Wasser dahin-trieb, flog ein Habicht über den Teich. Der sah die Maus, schoß herab und ergriff sie und zugleich mit
ihr den Frosch. Und er verschlang sie beide." 5
Jedoch, es gelang Aesop nicht mehr, seine Feinde umzustimmen und zur Einsicht zu bringen. Er kämpfte also bis zu seinem Tode mit Hilfe der Fabel für sich selbst und damit für alle Unterdrückten, Benachteiligten und Entrechteten.
3.2.2. Phädrus
Phädrus - „der Freigelassene des Augustus", wie er sich selbst nennt - lebte im 1. Jahrhundert n. Chr., war Sklave im Haus des Augustus und erhielt später die Freiheit. Phädrus führte die äsopische Fabel in Rom ein, war jedoch bei den zeitgenössischen Schriftstellern unbeliebt, da sich diese durch seine Fabeln angegriffen fühlten. Zu den äsopischen Fabeln, die er in lateinischen Versen nachdichtet, ergänzt er eigene Erfindungen. Er schreibt, wie er selbst sagt, „im alten Stil zwar, doch mit neuem Inhalt“ 6 . Die fünf Bücher des Phädrus enthalten insgesamt 92 Fabeln. Für seine Fabeln wählte er den sechsfüßigen Jambus.
„Der Fuchs und der Storch
Verletze niemand; doch hast du verletzt,
Ist´s recht, mit gleichen Ruten dich zu zücht´gen.
Der Fuchs, erzählt man, lud zuerst den Storch
Zur Mahlzeit ein und setzt´ in flacher Schüssel
Ihm eine Brüh´ vor, die des Storches Schnabel
Trotz Hunger sich umsonst zu kosten mühte.
Nun ladet er den Fuchs und tafelt Flaschen
Voll Brocken auf, worein den Schnabel steckend
Er selbst sich labt, den Gast durch Hunger peinigt.
Wie der der Flasche Hals vergeblich leckt,
Läßt sich der Wandervogel so vernehmen:
„Was selbst man angab, trage man mit Gleichmut"" 7
4
3.3. Die orientalische Fabel
3.3.1. Panschatantra
Das wichtigste Fabelbuch des Orients Panschatantra beruht auf einem indischen Grundwerk, das seit etwa 500 n. Chr. existiert. Ihre Entstehung lässt sich leider nicht genauer angeben als: nach dem 2. Jahrhundert v. Chr. und vor dem 6. Jahrhundert n. Chr. Der Grund für die Entstehung nach dem 2. Jahrhundert v. Chr. ist vermutlich der ausgeprägte Bekanntheitsgrad der Fabel, da viele äsopische Fabeln im Panschatantra erscheinen. Eine solche Bekanntschaft aber ist erst im 2. vorchristlichen Jahrhundert möglich.
Jedes der fünf Bücher des Panschatantra steht unter einem Thema, zu dem Geschichten erzählt werden, ergänzt durch eine Reihe von angehängten und eingefügten Lebensweisheiten im Sprichwortstil. Die Erzählungen sind meist sehr umfangreich und mit märchenhaften Zügen versehen. Eine Erzählung enthält oft mehrere Lehren verschiedener Art, die an der passenden Stelle in die Geschichte eingefügt werden. Die Themen der Bücher lauten: 1. Verfeindung mit Freunden
2. Erwerbung von Freunden
3. Krähen- und Eulenkrieg
4. Verlust von schon Besessenem
5. Handel ohne sorgfältige Prüfung
Die Sammlung enthält insgesamt 83 Erzählungen, von denen man allerdings nur einen Teil als echte Fabeln bezeichnen kann. Auch Fabeln, die offensichtlich griechischen Ursprungs sind, wie beispielsweise „Die Elefanten und die Mäuse", werden so ausgeschmückt, dass sie in die Nähe des Märchens geraten.
3.4. Deutsches Mittelalter
Der Beginn der fabelartigen Literatur in deutscher Sprache machte die Physiologusübersetzung aus dem Jahre 1070. Diese Übersetzung kann allerdings noch nicht als Fabel angesehen werden, obwohl sie fabulose Züge zeigt: „Die Auslegung tierischer Eigenschaften und Verhaltensweisen, so daß ihre Bedeutung für den Menschen sichtbar ist.“ 8
8 Leibfried, E. (1967), S. 45
5
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Katja Küchemann, 2006, Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung, München, GRIN Verlag GmbH
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