Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Pro-Seminar:
„Ursprung und Geschichte der deutschen Kunstballade im europäischen Kontext“
SS 2001
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1) Einleitung Seite 3
2) Was ist eine Gattung? Seite 4
(Modell eines Gestaltungsschemas oder Idealtypus?)
3) Was ist eine Ballade? Seite 6
3.1) Die Ballade im Gefüge der Gattungen
4) Balladentypen
Seite 9
4.1) historischer Abriss
4.2) Die numinose und historische Ballade
(Charakteristika, Interpretation)
4.3) Vergleich der numinosen mit der historischen Ballade
und Ausblick auf die soziale Ballade
5) Zusammenfassung / Ausblick Seite 24
6) Literaturverzeichnis Seite 26
2
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Das Thema meiner Hausarbeit ist die Gattungsgeschichte der Ballade und ihre historische Entwicklung. Außerdem möchte ich versuchen zu zeigen, warum sie über einen so langen Zeitraum hinweg zu den beliebtesten literarischen Gattungen zählen konnte. Um eine derartige Entwicklung überhaupt darstellen zu können, muss zu Beginn der Frage nachgegangen werden, was eine Gattung ist, da die Ballade selbst eine literarische Gattung verkörpert. Im Anschluss daran soll geklärt werden, wie der Begriff „Ballade“ im Allgemeinen definiert werden kann und was er beinhaltet. Danach habe ich versucht, den Balladenbegriff in das einleitend erwähnte Gattungsgefüge einzuordnen.
Nachdem nun zuerst die allgemeinen Fakten geklärt worden sind, kann mit der eigentlichen Typologisierung begonnen werden. Im Folgenden habe ich den Versuch unternommen zu zeigen, welche Balladenarten es in einer bestimmten Epoche gegeben hat und wer ihre wichtigsten Vertreter waren. Aufgrund ihrer starken Ausprägung folgt hierauf eine Herausstellung der numinosen und sozialen Ballade. Dabei möchte ich im Einzelnen auf die entsprechenden Charakteristika des jeweiligen Typus hinweisen, die anhand eines kurz interpretierten Beispiels belegt werden. Zum Schluss wird ein kurzer Ausblick auf die nachfolgende Balladenart, die soziale Ballade, gegeben, der sich an eine Zusammenfassung des zuvor Beschriebenen angliedert.
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„Eine Gattung ist die Gesamtheit von Einzeldingen, Einzelwesen, die in wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen!“ 1
So lautet die Aussage eines Ethymologischen Lexikons auf der Suche nach einer Definition. Tatsächlich ist das Gattungsproblem ist eines der ältesten und bis heute eines der am heftigsten umstrittenen Probleme der Literaturwissenschaft, mit dem nicht zuletzt auch die Frage nach ihrer Wissenschaftlichkeit berührt wird. Erst nachdem mit der Geniebewegung des 18. Jahrhunderts und dem beginnenden Historismus die Gattungen ihre Mustergültigkeit verloren hatten, wurde die Auseinandersetzung auf das Feld der Poetik übertragen, wo sie bis heute mit unterschiedlich starken Ausprägungen fortbesteht. Versucht man eine geeignete Definition für diesen Begriff zu bekommen, zum Beispiel aus dem Duden oder einem Lexikon, so erhält man wiederum keine eindeutige Antwort auf die zu Beginn gestellte Frage. Nachweisen kann man jedoch bei allen folgende Übereinstimmungen: erste nachweisbare Erklärungs- und Definitionsversuche gab es bereits bei Aristoteles. Im 18. Jahr-
hundert kristallisieren sich nach heftigen Diskussionen GUHL *UXQGJDWWXQJHQ heraus, und
zwar die Lyrik, die Epik und die Dramatik. Diese wurden von Goethe als Naturformen der Poesie bezeichnet beziehungsweise unterschieden 2 und waren gemäß seiner Auslegung bis in das 19. Jahrhundert hinein prägend. Weil jene drei Formen aber in unterschiedlich starker Ausprägung vorkommen, je nach Haltung des Dichters, besitzt die entsprechende Gattung keine konventionellen oder starren Formen. Immer wieder wird aufs Neue hinterfragt, so dass (unter der Prämisse, dass die Gattungstypologie sachlich bleiben soll) die Gattung nicht mehr als ein Ordnungsschema beziehungsweise eine Orientierungshilfe sein kann, die zur Klassifikation vorliegender Werke dient. Auch hierbei treten erneut Grenzfälle oder Misch-formen auf. Des weiteren kam man überein, dass man auch Untergruppen der oben genannten Grundformen als Gattung bezeichnen kann, wobei sowohl formale (Vers, Prosa, Sonett,...) als auch inhaltlich-tendenzielle (Abenteuer- / Kriminalromane, Gespenstergeschichten,...) Aspekte eine Rolle spielen. 3 Zu diesen Untergattungen zählen unter anderem Oden, Hymen, Elegien oder auch die Balladen. Da äußere Gegebenheiten, historische Ereignisse, literarische Mischformen etc., immer wieder die Zuordnung erschweren, ist es auch
1 Ethymologisches Lexikon
2 Bertelsmann Universal Lexikon 2001. Bielefeld, 2001.
3 ebd.
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verständlich, dass es bis heute keine eindeutige Antwort auf die Frage „Was ist eine Gattung?“ gibt. Zusammengefasst heißt das, dass der übliche Begriff für die diversen literarischen Phänomene der der Gattung ist. Hierbei war und ist vor allem zu bedenken, dass die aufgenommenen Bezeichnungen zum Teil auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen liegen (zum Beispiel Bildungsroman / Roman, Schauspiel / Drama) und schon deshalb einen möglichst allgemeinen Oberbegriff erforderlich machen. Auch sollten nach Meinung der Literaturwissenschaftler Grenzfälle des konventionellen Gattungssystems wie Groteske, Parodie oder Satire miteinbezogen werden. 4 Eine deutlichere Abgrenzung hingegen erfolgt zwischen der Definition des Gattungsbegriffs und des Ausdrucks „Textsorte“. Er wurde als Bezeichnung für alle literarisch fixierten Texte eingeführt. 5 Diese Form der Texttypologie versucht Werke unter anderem nach funktionalen oder sozialen Kriterien zu kategorisieren. In diesem Punkt grenzt sich auch die Textsorte von der Gattung ab. Denn die zuvor genannten Kriterien stehen in Kontrast zur formalen und intentionalen Bezeichnung der an der prinzipiellen Dreiteilung (Lyrik, Dramatik, Epik) orientierten, auf poetische und fiktionale Texte zugeschnittenen Einteilung der älteren Literaturwissenschaft. 6 Somit kann auch hier wiederum festgehalten werden, dass die Gattung kein Idealtypus für eine Kategorisierung, sondern lediglich ein Modell beziehungsweise ein Gestaltungsschema ist.
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4 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus: 'HU%URFNKDXVPXOWLPHGLDO Mannheim, 2000.
5 Sammlung Metzler: Ballade. Hg. v. Gottfried Weißert. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart:
Carl Ernst Poeschel Verlag, 1993.
6 ebd.
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Nachdem nun einigermaßen deutlich dargestellt werden konnte, was eine Gattung ist, möchte ich im Folgenden dem Begriff der Ballade widmen. Denn schließlich bilden die Ballade und ihre Entwicklungsgeschichte das Zentrum dieser Arbeit. Der Begriff selbst hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „ ballare“ (= tanzen) beziehungsweise im italienischen Wort (ballata“ ). Seit dem 12. Jahrhundert ist dieser Ausdruck bei den südromanischen Völkern in der Bedeutung „ Tanzlied“ gebräuchlich. Die Ballade tritt zu dieser Zeit als liedförmige Erzählung, die von einer merkwürdigen Begebenheit berichtet, in Erscheinung. Im Frankreich des 14. und 15. Jahrhunderts verbreitet sich die Ballade relativ schnell, allerdings in einer streng gebauten Gedichtform, in der sich der Kehrreim nach jeder Strophe wiederholt. 7 Im Deutschen dagegen wird der Begriff „ Ballade“ erstmalig im 16. Jahrhundert belegt. Allerdings stammt die Bedeutung „ Tanzlied“ in diesem Fall von dem französischen Wort “ ballade“ ab, welches wiederum seinen Ursprung in dem zuvor genannten lateinischen beziehungsweise italienischen Wort hat. Endgültig durchgesetzt hat sich die Ballade allerdings erst im 18. Jahrhundert. beeinflusst von der englischen Balladendichtung wurde der Name zuerst aus dem schottischen als alte erzählende Volkslieder übertragen. Die englischschottische „ ballade“ , die nun in Deutschland, unter anderem mit Hilfe G.A. Bürgers oder Goethes, immer weiter Einzug erhält, leitet um 1770 die Kunstballadendichtung ein. Als das „ klassische Balladenjahr“ wurde das Jahr 1779 bezeichnet. Das klassische Vorbild, welches Goethe und besonders Schiller waren, wirkte über die Romantik bis weit in das 19. Jahrhundert. Inhaltlich gibt die Ballade eine einheitliche Grundstimmung wieder, die meistens düstere oder tragische Züge besitzt. Sie bietet eine Gegendarstellung von der „ inneren“ und „ äußeren“ Natur einer Person. Diese enthält außerdem häufig irrationale Züge. 8 Formal gesehen weist die Ballade teilweise sehr starke Parallelen, aber auch Unterschiede zu den drei Naturformen Epik, Lyrik, Dramatik auf. Zum Beispiel ist die Epik in der Ballade stark verkürzt, womit eine deutliche Parallele zum Drama vorhanden ist. Dagegen tritt die Beschreibung völlig in den Hintergrund und der Bericht ist ebenfalls auf das Notwendigste begrenzt. Im Gegensatz dazu spielt die Szene eine wichtige Rolle. Erzählungen sind fast immer in Dialog- oder Monologform vorhanden und nehmen eine beherrschende Stellung ein. Auch lyrische Grundelemente treten vielfach in Erscheinung, nämlich immer dann,
¢ ¡ ¤ £ ¦ ¥ § £ © ¨ § ! "#$ % ¡ ¤ & ' $ " ( ' ) ) 0 1 7 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus: Mannheim, 2000.
8 Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 7., verbesserte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Alfred Körner Verlag. 1989.
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Arbeit zitieren:
Martina Winkler, 2001, Zur Gattungsgeschichte der Ballade und ihrer historischen Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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