Hausarbeit Bastian Rittinghaus
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Subjektivierung durch Sprache
(Gedichtanalyse) abgegeben am 19. 03. 2002 GLH$UEHLWLVWLQDOWHU5HFKWVFKUHLEXQJYHUIDW ,QKDOW
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Leben und Werk
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2.1. Geschichte der Zeitschrift
2.2. Vergleich mit anderen Autoren der ‘Aktion’
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3.1. Form
3.1.1. Metrik 3.1.2. Syntax 3.2. Interpretation 3.2.1. Rausch 3.2.2. Subjektivierung
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5. Bibliographie
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Max Herrmann, genannt Herrmann-Neiße, wurde in der Stadt Neiße in Schlesien am 23. Mai 1886 geboren. Diese katholische Provinzstadt erlebte der Protestant Herrmann als "lokalisierte Düsternis und Beklemmung". Als körperlich mißgestalteter Mensch - er war kleinwüchsig und buckeligmachte er hier früh die Erfahrung des Außenseitertums. Das Gefühl des Andersseins, das Erleben von Ressentiments und eine fast immer unerfüllte Sehnsucht, dennoch dazuzugehören, prägten sein gesamtes dichterisches Werk bis in die Emigration. Schon als junger Mensch erkannte er "in den Kräften eines nur ihm eigenen Intellekts die heimliche Waffe, sich des Zugriffs einer höhnenden Umgebung zu erwehren" i . Trotz dieser Funktion, ist Herrmanns "Schicksal", wie Thomas Mann 1936 im Vorwort zu einer Gedichtsammlung Max Herrmann-Neißes betont ii , "durch seine sprachlichideelle Formung so sehr dem Persönlichen enthoben, so stark vermenschlicht", womit allgemein-menschheitlich gemeint ist, "und dem allgemeinen Erlebnis seiner Zeit verschmolzen, [daß man] (...) dennoch das Leid dieser Lieder, ihre Klage (...) aufs Wort verstehen und die eigene innerste Erfahrung mit der ihren vereinigen kann". Während der letzten Schuljahre am Gymnasium entstehen die ersten Gedichte, die Herrmann bereits 1906 bei Joseph Singer, Straßburg unter dem Titel "Ein kleines Leben. Gedichte und Skizzen" veröffentlichen kann. 1905 beginnt er das Studium der Literatur- und Kunstgeschichte in München, auch, um der Kleinstadt Neiße zu entkommen, ist jedoch enttäuscht von der leidenschaftlosen "Verstaubtheit" der Kollegs. Die literarischen und künstlerischen Zirkel Münchens bleiben ihm weitgehend verschlossen (immerhin war München die Stadt der -XJHQG und des 6LPSOLFLVVLPXV), lediglich mit Wedekind hat er hier Bekanntschaft
gemacht, den er später als "das große, nie vergessene, blutsverwandte
i
Rosemarie Lorenz, Max Herrmann-Neiße
- Geschichte seines Lebnes und seines Werkes, mit einer Interpretation seiner Lyrik, Stuttgart
1966 (Diss.). Darin: 1. Teil, Leben und Werk, S. 2.
ii wieder in: Thomas Mann, Altes und Neues, Frankfurt a. M.: S. Fischer, 1953, S. 548 - 554.
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Mysterium" iii beschreibt. Bereits nach dem ersten Semester wechselt Herrmann nach Breslau, doch auch hier erfüllen sich seine Erwartungen an das Studium nicht.
In den folgenden Jahren entdeckt Herrmann die Welt der Studentenlokale, Kabaretts und Nachtcafés für sich, in denen er zunehmend verkehrt und "zum ersten Mal im Milieu unbürgerlicher Existenzen einen Hauch von Geborgenheit findet". Hier wuchs sein Entschluß, das Studentendasein mit dem des freien Schriftstellers zu vertauschen, weshalb er 1909 das Studium ohne Abschluß beendet und ins Elternhaus zurückkehrt. Zunächst beschränkt sich seine literarische Tätigkeit jedoch auf das Verfassen von Theaterkritiken für eine lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Rezensionen Kerrs in dem 7DJ bewegen ihn, dessen Stil zu
imitieren und einen "Miniatur-Kerr" hinzulegen, "so radikal es nur ging" iv . 1913 veröffentlicht Herrmann einen zweiten Gedichtzyklus, in dem er die bürgerlichen Figuren seiner Heimatstadt vorführt, unter dem Titel "Porträte des Provinztheaters", bei Alfred Richard Meyer in Berlin. Die Neißer Bürger waren entsetzt und Herrmann verlor seinen Posten als Rezensent.
Bereits 1911 war in der expressionistischen $NWLRQ ein Gedicht Herrmanns erschienen, 1912 folgen weitere im 3DQ der Zeitschrift Kerrs,
der den Gedichten einige empfehlende Zeilen vorausschickt. Jedoch wirken seine Gedichte immer wieder unzeitgemäß, provinziell und epigonal an den jungen Rilke, Hofmannsthal und George angelehnt. Herrmann war bemüht, Anschluß an die junge expressionistische Lyrikergeneration zu bekommen und imitiert den Stil, den er in den Zeitschriften findet. Immer wieder wird die Ambiguität einer "verzweifelten Klage und Sentimentalität" v gegenüber einem "antibürgerlichen Affekt" deutlich, eine Spannung zwischen Banalität und Zynismus, in der Herrmann sich bewegt. In dieser Zeit lernt Herrmann Leni Gebek kennen, die er liebt, und die später seine Frau wird.
iii Rosemarie Lorenz, M. H’-N’, S. 3.
iv ebd. S.6.
v ebd. S. 8.
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1912 fährt Herrmann auch erstmals auf Einladung des A. R. Meyer-Verlags nach Berlin, wo er an einem Autorenabend teilnimmt. Berlin ist für Herrmann zu dieser Zeit Inbegriff des Unbürgerlichen und ersehntes geistiges Zentrum. Zwar erfüllt sich sein Wunsch, Kerr zu treffen, den er sich zum Freund machen kann, die Begegnung mit der expressionistischen Generation jedoch enttäuscht ihn, da es keine große geschlossene Gruppe gibt, sondern kleine Cliquen, die sich gegeneinander abschotten. 1913 erscheint "Das Sittlichkeitsdelikt" in der Aktion, 1914 wieder in dem Gedichtband "Sie und die Stadt", in dem Herrmann Leni Gebek ("Sie") und Berlin ("die Stadt") besingt. In Leni fand Herrmann Bestätigung und Zuneigung und stets blieb in ihm eine "Fassungslosigkeit zurück, daß ein so schönes Wesen sich ihm (...) zuneigte" vi . Wegen des Ersten Weltkriegs und da Herrmann in Berlin keine Anstellung fand, konnte er seinen Wunsch zunächst nicht erfüllen, sich mit Leni in Berlin niederzulassen. Erst 1917 kommt es zur Übersiedlung, als er einen schlechtbezahlten Posten beim S. Fischer-Verlag bekommt, dessen Umstände als entwürdigend beschrieben werden. Neben kabarettistischen Komödien und einigen Prosawerken erscheinen in der folgenden Zeit immer wieder Gedichtbände, die Herrmann zunehmend in der expressionistischen Liga etablieren. 1924 erhält Herrmann den Eichendorff-Preis für seine nach dem Ersten Weltkrieg wieder verstärkt auf traditionelle Formen zurückgreifenden Gedichte. 1927 folgt die Verleihung des Gerhart-Hauptmann-Preises. Am 2. März 1933 wandert Herrmann, den die Machtübernahme der Nazis ängstigt, zunächst nach Zürich aus. Leni geht von hier bald nach London. Nach weiteren Stationen in den Niederlanden und Paris folgt Herrmann seiner Frau Ende des Jahres dorthin. Im Exil verstärkt sich noch einmal das Motiv des Ausgestoßenseins und der Sehnsucht. Seine verhaßte Heimatstadt Neiße erfährt in einigen Texten eine romantische Verklärung. Am 8.4.1941 stirbt Max Herrmann im Exil.
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Max Herrmann, aus der Provinz stammend, suchte Anschluß an die expressionstische Generation von Dichtern, die sich wesentlich in Berlin sammelten. Zu seiner Lektüre zählten die $NWLRQ der 3DQ die 1HXH 5XQGVFKDX vereinzelt auch die =XNXQIW der 0lU] und die -XJHQG Die Gedichte, die er für die $NWLRQ und den 3DQ schrieb, zeugen von einer
Abkehr von sich bis dahin auf traditionelle Formen und Inhalte beziehenden Texten, und sind teils deutlich, teils unterschwellig, von den in diesen Zeitschriften gefundenen Werken inspiriert.
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Die Aktion wird von 1911 bis 1932 von Franz Pfemfert (1879 - 1954) in Berlin herausgegeben. Sie ist "eine der heftigsten expressionistischen-Zeitschriften" vii atimilitaristischen-pazifistischen Deutschlands. Im
Untertitel bezeichnet sich die Aktion anfangs als "Zeitschrift für freiheitliche Politik und Literatur". Das Hauptgewicht liegt in dieser Zeit auf politischen Äußerungen allgemeiner Bedeutung. Behauptet das Programm der Zeitung "vollkommene Unabhängigkeit von Rechts und Links", ist Pfemferts Linksradikalismus doch stets tendenzgebend. Ab Anfang 1912 wird das Gewicht stärker auf die Kunst verlagert. Die Gedichte bekommen eine fettere Type, die Frakturschrift wird von einer Antiquaschrift abgelöst, und graphische Beiträge erhalten Raum. Der Untertitel wird in "Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst" geändert. Die politischen Schwerpunkte der Aktion sind in den ersten Jahrgängen (bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs) vor allem linksradikale Kritik an der Sozialdemokratie und am Parlamentarismus, Kritik an der Presse des Wilhelminischen Deutschland und Propagierung des Antipatriotismus. Pfemferts antikapitalistische Position bringt ihn immer wieder in ökonomische Bedrängnis; so lehnt er ab Mai 1913 jede
vi ebd. S. 13.
vii Heinz-Dietrich Fischer, Deutsche Zeitschriften des 17. bis 20. Jahrhunderts, Pullach bei München: Verlag Dokumentation, 1973. Darin: S.
365 - S. 378, Gerhard Hense, Die Aktion.
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Bastian Rittinghaus, 2002, Zu Max Herrmann-Neißes "Das Sittlichkeitsdelikt" - Subjektivierung durch Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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