Inhalt
1. Vorwort 3
2. Einleitung 3
3. Das Jugendalter 4
3.1. Zum Begriff Jugend 4
3.2. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter 5
4. Theorien der Identitätsentwicklung 6
4.1. Zum Begriff Identität 7
4.2. Aufbau der Ich-Identität nach Erikson 9
4.3. Die vier Formen des Identitätsstatus nach Marcia 11
4.4. Zum Problem der Identitätsentwicklung im Jugendalter 13
5. Einflüsse auf die Identitätsentwicklung 14
5.1. Die Familie als Umwelt 15
5.2. Die Lebensregion Peergruppe 17
6. Schlussbetrachtung 19
7. Literaturliste 20
1. Vorwort
Ich habe mich für das Thema "Die Identitätsentwicklung als zentrale Aufgabe des Ju- gendalters" entschieden, da ich aus meiner bisherigen beruflichen Erfahrung als Erziehe- rin, diese als eines der wichtigsten Themen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen sehe.
Während meiner Arbeit in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung speziell mit Jugend- lichen, wurde ich mit teilweise massivst problematischen Verhaltensweisen konfrontiert. Diese Jugendlichen hatten teilweise sehr problematische Entwicklungsphasen hinter sich und zeigten aggressive, depressive, selbstzerstörerische und zum Teil auch suizidale Ver- haltensweisen.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich deshalb nur bestätigen, dass es wichtig ist, den Ju- gendlichen genügend Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten, damit ei- ne positive (Weiter)-Entwicklung gewährleistet ist.
Nur, wenn Kinder und Jugendliche ihre Umwelt als eine Positive erfahren, ist es für sie möglich, auch eine positive Identität aufzubauen.
2. Einleitung
Jeder Mensch macht im Laufe seiner Entwicklung eine Phase durch, in der er nicht weiß, was er will. Es wird sich gegen die Eltern aufgelehnt, Anschluss an Cliquen gesucht, sich auffällig gekleidet und ein Verhalten gezeigt, dass von anderen nicht verstanden und ak- zeptiert wird. Es ist vom Jugendalter die Rede. Welche Bedeutung hat aber dieses Verhal- ten? Jugendliche befinden sich in einer Zeit des Umbruchs, sie müssen sich von der behü- teten, friedlichen Kindheit verabschieden und sich auf den Weg in die selbstverantwortli- che Welt der Erwachsenen machen. Dabei steht eine Frage im Mittelpunkt, die treffend das Kernproblem der Adoleszenz beschreibt: Wer bin ich?
Jugendliche sind also auf der Suche nach der eigenen Identität. Sie müssen sich überle- gen, was sie beruflich machen wollen, ob sie eine Familie gründen wollen und vieles mehr.
Hierbei befinden sie sich jedoch in einer Zwangslage: zum einen wollen sie jegliche Pri- vilegien, die das Erwachsensein mit sich bringt nutzen, zum anderen müssen sie sich aber mit den dazugehörigen Regeln auseinandersetzen und diese auch einhalten. Es gilt also eine Balance zu finden, zwischen den eigenen Träumen, Wünschen und Vorstellungen und den ihnen entgegengebrachten Normen und Werten der Erwachsenenwelt. Hier stellt
sich die Frage, wie Jugendliche in dieser Situation, in der ihnen zum einen alle Wege of- fen stehen, sie zum anderen aber eingeschränkt werden, ihre Identität aufbauen.
Die vorliegende Arbeit versucht dieser Frage nachzugehen. Sie enthält die Identitätsent- wicklung, die im Jugendalter eine zentrale Entwicklungsaufgabe darstellt.
Dabei soll sich zunächst mit dem Begriff der Jugend auseinandergesetzt werden, um im Anschluss auf die individuellen Bedürfnisse und gesellschaftlichen Anforderungen, die das Jugendalter kennzeichnet, einzugehen. In einem weitern Schritt stellt diese Arbeit zwei Theorien zur Identitätsentwicklung dar. Abschließend wird der Einfluss von Familie und der Peergruppe auf die Identitätsfindung der Jugendlichen untersucht, da Identitäts- entwicklung immer in einem Kontext stattfindet.
3. Das Jugendalter
Um sich der Identitätsentwicklung des Jugendalters zu nähern bedarf es zuerst einer Klä- rung des Begriffs der "Jugend". Im Anschluss werden spezifische Entwicklungsaufgaben des Jugendalters dargestellt.
3.1. Zum Begriff "Jugend"
Im Sprachgebrauch des Alltags wir "Jugend" mit dem Erwachsenwerden gleichgesetzt und somit als Übergangsphase zwischen dem Kind sein und erwachsen werden verstan- den. Wann beginnt jedoch die Jugend und wann endet sie?
Als wichtigstes Merkmal für den Übergang vom Kindes - zum Jugendalter wird das Ein- treten der Geschlechtsreife, der Pubertät gesehen. Diese setzt im Allgemeinen zwischen
12 und 14 Jahren ein und ist bei einem Alter von etwa 17 bis 18 Jahren vollendet. Jugend-
liche erleben mit dem Eintritt in die Pubertät eine Reihe von Veränderungen auf körper- licher, psychischer und sozialer Ebene. In Auseinandersetzung mit dem eigenen Ge- schlecht gilt es, die Geschlechtsrolle als Mann oder als Frau kennenzulernen und zu ak- zeptieren. Dazu kommen Veränderungen auf der sozialen Ebene. Die Gesellschaft rea- giert auf die Veränderungen des Individuums und stellt den Jugendlichen vor neue Her- ausforderungen und Anforderungen.
Während in der Kindheit neue Anforderungen durch Imitation und Identifikation mit den Eltern bewältigt werden, kann sich der Jugendliche aufgrund seiner kognitiven Entwick- lung selbstständig mit den an ihn gestellten Anforderungen befassen. Eingeleitet durch den Beginn der Pubertät beginnt sich das Individuum allmählich vom Elternhaus zu lö- sen und entwickelt ein Bild vom eigenen Selbst und Ich. Die vielfältigen eigenen Erfah- rungen, die nun gemacht werden sind die Grundlagen der Hauptaufgaben der menschli- chen Entwicklung, nämlich die der Entwicklung einer stabilen Ich-Identität.
Deutlich wird, dass eine altersspezifische Abgrenzung zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter allgemeingültig nicht getroffen werden kann. Oerter/Montada 1 schla- gen demnach für den Entwicklungsabschnitt der Lebensphase Jugend die Zeitspanne zwi- schen dem vollendeten 10. und 21. Lebensjahr vor und wählen hierfür den Begriff der Adoleszenz, der in der Psychologie heute allgemein Eingang gefunden hat. Der Begriff der Adoleszenz drückt aus, dass mit dem Ende der Pubertät zwar die Geschlechtsreifung vollendet ist, die psychischen und sozialen Folgen aber noch nachwirken. Im Folgenden sollen "Jugend" und "Adoleszenz" synonym verwendet werden.
3.2. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
Mit dem Abschluss der Kindheit eröffnen sich den Jugendlichen viele neue Wege und Chancen. Gleichzeitig werden an sie aber auch gesellschaftliche Anforderungen gestellt. Die Kompetenzen für die Bewältigung von neuen Anforderungen und für die Verfolgung individueller Ziele und Werte werden bereits in der Kindheit erworben und beruhen auf den biologischen und psychischen Veränderungen des Individuums. In diesem Kontext wird in der Entwicklungspsychologie von "Entwicklungsaufgaben" gesprochen. Diese erstrecken sich in altersphasenspezifischen Anforderungen, die es über die gesamte Le- bensspanne zu bewältigen gilt. Die erfolgreiche Bewältigung der Aufgabe eines Lebens- abschnittes wirkt sich positiv auf die nachfolgende Entwicklungsaufgabe aus. Dabei un- terliegt das Individuum zum einen dem gesellschaftlichen Druck, zum anderen kann es durch die Verfolgung eigener Ziele und Werte aktiv die eigene Entwicklung gestalten. Demzufolge lässt sich unter einer Entwicklungsaufgabe "... ein Bindeglied (.) im Span- nungsverhältnis zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Anforderun- gen" 2 verstehen.
1 Oerter/Montada, Entwicklungspsychologie, S.259
2 Oerter/Montada, Entwicklungspsychologie, S. 269
Das Konzept der Entwicklungsaufgaben findet seinen Ursprung in Havighurst (1982). Dieser hielt eine Reihe von jugendphasenspezifischen Entwicklungsaufgaben fest, die bei Oerter/Montada 3 wie folgt dargestellt werden:
"Peer. Einen Freundeskreis aufbauen, d.h. zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts neue, tiefere Beziehungen herstellen.
Körper. Veränderungen des Körpers und des eigenen Aussehens akzeptieren. Rolle. Sich das Verhalten aneignen, das in unserer Gesellschaft zur Rolle eines Mannes bzw. zur Rolle einer Frau gehört.
Beziehung. Engere Beziehungen zu einem Freund bzw. einer Freundin aufnehmen. Ablösung. Sich von den Eltern loslösen, d.h. von den Eltern unabhängig werden. Beruf. Sich über Ausbildung und Beruf Gedanken machen: Überlegen, was man werden will und was man dafür können bzw. lernen muss.
Partnerschaft/Familie. Vorstellungen entwickeln, wie man die eigene zukünftige Familie bzw. Partnerschaft gestalten möchte.
Selbst. Sich selbst kennen lernen und wissen, wie andere einen sehen, d.h. Klarheit über sich selbst gewinnen.
Werte. Eine eigene Weltanschauung entwickeln: sich darüber klar werden, welche Werte man vertritt und an welchen Prinzipien man das eigene Handeln ausrichtet.
Zukunft. Eine Zukunftsperspektive entwickeln: Sein Leben planen und Ziele ansteuern, von denen man annimmt, dass man sie erreichen könnte."
Diese Entwicklungsaufgaben hängen insofern mit der Entwicklung der Identität zusam- men, als dass durch die erfolgreiche Bewältigung der Aufgaben das Grundgerüst für die Identität geschaffen wird.
4. Theorien der Identitätsentwicklung
Im folgenden stellt diese Arbeit zwei Theorien zur Identitätsentwicklung vor. Es handelt sich dabei um die Theorie der psychosozialen Entwicklung von Erikson, die auch heute noch den bekanntesten Ansatz im Bereich der Identitätsentwicklung darstellt. Zum ande- ren wird auf das Konzept der Identitätszustände von Marcia eingegangen, welches zwar auf Eriksons Ansatz aufbaut, allerdings auch zentrale Änderungen enthält. Abschließend soll kurz aufgezeigt werden, inwieweit Jugendliche die Identitätsentwicklung als proble- matisch erleben. Zunächst wird jedoch der Begriff der Identität näher betrachtet.
3 Oerter/Montada, Entwicklungspsychologie, S. 271
Arbeit zitieren:
Stephanie Scheck, 2003, Die Identitätsentwicklung als zentrale Aufgabe des Jugendalters, München, GRIN Verlag GmbH
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