Hausarbeit zum Hauptseminar
„Petrarkismus“
Wintersemester ’05/’06
Fleming als Petrarkist?
Über die Bestimmungsschwierigkeiten eines Systems
von
Sebastian Schult
5. Semester
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 1
1. Der Petrarkismus und sein Konfliktpotential 1
2. Paul Fleming 3
3. Analyse 5
3.1 Außenmotive 5 3.1.1 Rahmen- und Maskenmotive 5 3.1.1.1 Pretiosen-Motivik 6 3.1.1.2 Traumerlebnis und Motiv der Vision 9 3.1.2 Die Huldigung der Frau 11
3.2 Grundmotive 15 3.2.1 Antithetik 15 3.2.2 Hyperbolik 17
4. Schlussbetrachtung 20
5. Literaturverzeichnis 21
0. Einleitung
Der Terminus Petrarkismus findet literaturtheoretisch - insbesondere in der Untersuchung der europäischen Lyrik des 15.-17. Jh. - immer wieder Anwendung. Doch so klar er auf den ersten Blick auch umrissen scheint, so schwierig gestaltet sich seine differenzierte und prägnante Bestimmung. Die Gefahr ist groß, den Terminus mit Merkmalen zu beschreiben, die keinen konstitutiven Charakter besitzen. So existieren Definitionsversuche eines petrarkistischen Systems, die auf rhetorischen Verfahren wie der Antithetik, Anapher bzw. dem Vergleich aufbauen, obgleich diese Verfahren auch in einer Vielzahl an literarischen Werken zum Vorschein kommen, die gemäß wissenschaftlicher Intersubjektivität nicht als petrarkistisch gelten (Hempfer 1987, S. 259). Um nun die Schwierigkeiten, die sich mit der Bestimmung des Petrarkismus ergeben an einem konkreten Beispiel aufzuzeigen, werde ich mich in dieser Arbeit im Speziellen der Lyrik Paul Flemings widmen, dessen Schaffen dem barocken Petrarkismus in Deutschland zugeordnet wird. Ich gehe also von folgenden zwei Thesen aus:
Die Arbeit gliedert sich wesentlich in zwei Teile, wobei der erste einführender Art ist. Hier werde ich mich dem Petrarkismus-Begriff auf allgemeine Weise nähern, indem ich einige Definitionsversuche vorstelle und seine begrifflichen Schwierigkeiten erläutere, sowie eine kurze literarische Einordnung Paul Flemings vornehmen. Im zweiten Teil konzentriere ich mich schließlich auf die Analyse seiner Gedichte hinsichtlich des besagten Konfliktpotentials. Als Gedichtquellen dienten mir dabei in erster Linie die zweiteilige Ausgabe von Pappenberg sowie Pyritz´ petrarkistische Untersuchung von Flemings Lyrik.
1. Der Petrarkismus und sein Konfliktpotenzial
Wie bereits angedeutet bereitet die klare Abgrenzung des Petrarkismus-Begriffes deutliche Schwierigkeiten. In der Literaturwissenschaft wurde unter anderem der Versuch unternommen, den Petrarkismus als Nachahmung Petrarcas zu erfassen. So definiert Wilkins diesen Terminus im weitesten Sinne als eine literarische, künstlerische oder auch musikalische Aktivität, die unter direktem bzw. indirektem Einfluss von Petrarcas Schaffen sowie der Auseinandersetzung mit seinem Werk steht (Hempfer 1987, S. 255). Eine weitere Definition beschränkt sich auf den Renaissance-Petrarkismus, der als das Verfassen von Lyrik unter dem direkten bzw. indirekten Einfluss Petrarcas zwischen seiner Lebzeit und 1600 verstanden wird (Hempfer 1987, S. 255). Beide Definitionen überzeugen jedoch nur bedingt. Den Renaissance-Petrarkismus auf die lyrische Arbeit zu beschränken ist äußerst fragwürdig, da petrarkistische Versatzstücke auch in vielen weiteren Gattungen wie der Dramatik oder dem Renaissance-Epos vorliegen. Ebenfalls ist die Formulierung des "indirekten Einflusses" problematisch. Wenn nicht Petrarca, sondern spätere Petrarkisten nachgeahmt werden, so müssten sich auch die dort vorgefundenen Strukturen, die bei Petrarca selbst nicht nachweisbar sind, in den Rahmen der Canzoniere eingliedern lassen. Hierzu ist jedoch die Rekonstruktion eines petrarkistischen Systems vonnöten, um einen indirekten Einfluss Petrarcas festzustellen. Weiterhin bereitet die Formulierung "Einfluss" insofern Schwierigkeiten, als dass sie auch den Antipetrarkismus mit einbezieht, der ja ebenfalls einen Bezug auf Petrarca erkennen lässt. Entgegen dieser zu eng gefassten Definition des Renaissance-Petrarkismus ist die erstgenannte Definition Wilkins´ zu weitläufig. Indem sie nämlich die produktive Auseinandersetzung mit dem (uneingeschränkten) Werk Petrarcas beinhaltet, setzt sie sich der Schwierigkeit aus, auch seine lateinisch-humanistischen Werke unter den Petrarkismus-Begriff fassen zu müssen (Hempfer 1987, S. 256).
Ebenfalls wurde vielfach der Versuch unternommen, den Petrarkismus als System zu betrachten, wobei diesbezüglich folgende wissenschaftlich intersubjektive Grundgedanken in Erscheinung treten:
[....]
Arbeit zitieren:
Sebastian Schult, 2006, Fleming als Petrarkist? Über die Bestimmungsschwierigkeiten eines Systems, München, GRIN Verlag GmbH
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