Universität zu Köln, Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Veranstaltung: Georg Büchner
Sommersemester 2006, 4. Semester
Sozialkritik und Darstellung des Vierten Standes im "Woyzeck"
von: Maik Bubenzer
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen 3
2. Deutschland im Vormärz – Das Leben des Vierten Standes 6
2.1. Der Deutsche Bund und das Großherzogtum Hessen 7
2.2. Bevölkerungswachstum und Massenarmut 9
3. Woyzeck – „Vom Leben eines Geringsten“ 11
3.1. Das Leben Woyzecks als System der Ausbeutung und Unterdrückung 12
3.2. Armut und Arbeit 13
3.3. Militär 15
3.4 Menschenversuch 17
4. Fazit 19
Literaturverzeichnis 22
1. Vorbemerkungen
In der Zeit des Vormärz befanden sich die Staaten des Deutschen Bundes in einem tiefgreifenden Wandel. Der Zeitraum der deutschen Geschichte, der von 1815 bis 1848 andauerte, war eine vielschichtige Epoche mit großen Veränderungen im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Der Wiener Kongress und die Märzrevolution sind die eingrenzenden Ereignisse. Nach der Niederlage der „Großen Armee“ Napoleons im russischen Winter von 1812 fiel mit dem Sieg der alliierten Armen (Russland, Preußen, Österreich) in der mehrtägigen „Völkerschlacht“ bei Leipzig, die Entscheidung über das Ende der französischen Vorherrschaft in Europa. Das Leben Georg Büchners begann vor diesem Hintergrund. Er wurde am 17. Oktober 1813, zu Zeiten der Leipziger Vielvölkerschlacht, in Goddelau/Hessen geboren. Büchner wurde nicht alt. Im Alter von nur 25 Jahren starb er am 2. Februar 1837 in Zürich. In seinem kurzen Leben hat er einen wesentlichen Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte geleistet.
Georg Büchners literarische Werke entstanden im Vormärz. Sie lassen sich an einer Hand abzählen: die Flugschrift „Der hessische Landbote“, das Revolutionsdrama „Dantons Tod“, das Lustpiel „Leonce und Lena“, die Novelle „Lenz“ und das Tragödienfragment „Woyzeck“. In seinen Werken nahm er Bezug auf die zeitgenössische Politik. Er widmete sich besonders der sozialen Lage der Bevölkerung und setzte sich kritisch mit den Regierenden im Deutschen Bund und im Großherzogtum Hessen auseinander. Nach den Befreiungskriegen hatten die Menschen in Deutschland große Erwartungen. Die Hoffnungen der Menschen wurden enttäuscht. Ein nationales Deutsches Reich entstand nicht. Der Dualismus zwischen Preußen und Österreich und der Souveränitätsanspruch der Fürsten waren die Gründe dafür. Die Monarchie blieb die herrschende Staatsform. Adel und Geistlichkeit behielten ihre Macht. Die Zeit nach dem Wiener Kongress war eine Zeit der Restauration. Der österreichische Außenminister, Fürst Metternich, hatte daran maßgeblichen Anteil. Er lehnte demokratische und liberale Ideen als Gefährdung für den Staat ab. Den aufkommenden revolutionären Tendenzen setzte er die Zusammenarbeit der europäischen Monarchen und die Einrichtung eines Polizeistaats entgegen.
Georg Büchner war nicht nur Literat, sondern er zählte zum Kreis der Revolutionäre, die sich gegen das System der Restauration richteten. Er gründete zusammen mit ehemaligen Schulkameraden aus Darmstadt, die zu diesem Zeitpunkt wie er 1834 in Gießen studierten, weiteren Studenten und einigen Handwerkern die „Gesellschaft für Menschenrechte“. Im Juli 1834 wurde der Hessische Landbote, den er gemeinsam mit Friedrich Ludwig Weidig verfasst hatte, in Druck gelegt. Es handelte sich um eine Flugschrift, die unter der berühmten Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ die hessische Landbevölkerung zur Revolution gegen die Unterdrückung aufrief.
Auch auf dem sozialen Sektor blieben die Hoffnungen der Menschen unerfüllt. Hunderttausende litten an Armut und Hunger. Der Begriff „Pauperismus“ entwickelte sich in den 1830er Jahren zum Schreckgespenst. Der Vierte Stand lebte in Armut und Abhängigkeit. Im Drama „Woyzeck“ spiegelt sich das Leiden der unteren Stände, in denen sich die Hauptfigur Woyzeck zweifellos befindet. Es stellt die Kluft zwischen oberer und unterer sozialer Schicht dar. An vielen Stellen wird der Bezug zur Zeit des Vormärz spürbar.
Als Textgrundlage für die inhaltliche Analyse des „Woyzeck“ dient der kürzlich erschienene Band 7.2 der Marburger Ausgabe, der neben dem Text, auch Editionsbericht, Quellen und Erläuterungsteil beinhaltet. Bevor es im Kapitel 3 um die sozialkritischen Ansätze und die Darstellung des Vierten Standes im „Woyzeck“ geht, handelt das Kapitel 2 von der politischgesellschaftlichen Lage des Vormärz. Die Erfahrungen Büchners mit den Zeichen der Zeit spielen dabei eine wichtige Rolle.
2. Deutschland im Vormärz – Das Leben des Vierten Standes
[...]
Arbeit zitieren:
Maik Bubenzer, 2006, Sozialkritik und Darstellung des Vierten Standes im "Woyzeck", München, GRIN Verlag GmbH
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