Danksagung
Für die Vergabe meines Themas und die Unterstützung möchte ich Herrn Prof. Dr. Ernst Pernicka recht herzlich danken. Für die weitere Betreuung ist Herrn Dr. Roland Schwab ebenfalls Dank zu schenken.
Die Bereitstellung der Proben erfolgte durch freundliche Unterstützung von Herrn Dr. Hans Nortmann vom Rheinischen Landesmuseum Trier sowie Herrn Dr. Michael Schmauder vom Rheinischen Landesmuseum Bonn. Für die Diskussion diverser geologischer Fragestellungen danke ich Herrn Dr. Martin Koziol vom Maarmuseum Manderscheid sowie den Herren Dr. Thomas Schindler und Dr. Michael Wuttke vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Mainz.
Für die Hilfe bei analytischen Messungen danke ich Herrn PD Dr. Thomas Wenzel und Herrn Dr. Heinrich Taubald vom Institut für Geowissenschaften der Universität Tübingen. Außerdem möchte ich Frau Gudrun Heinzel vom Institut für Werkstoffwissenschaft der TU Bergakademie Freiberg für die Unterstützung und die vielen fachlichen Auseinandersetzungen bei der metallografischen Auswertung danken. Gleiches gilt für Frau Oelschlegel von der Werkstofftechnologie.
Letztendlich möchte ich mich noch bei Herrn Dr. Andreas Kronz (Universität Göttingen) sowie Herrn Erwin Holzer (Eisenmuseum Jünkerath) und Herrn Hans- Georg Brunemann für ihre Unterstützung und die „geheimen Hinweise“ und Denkanstöße bedanken.
Abstract
A sufficiently large body of knowledge has been gained from archaeological investigations over the last 100 years in the Eifel and Hunsrück low mountain ranges in Germany for the attribution of a specific culture to the area. This “Hunsrück-Eifel” culture, first declared by K. Schumacher, has been dated as extending from the late Hallstatt to middle La Tène period. Research has also revealed very early metallurgical knowledge of iron smelting in the region.
This thesis aims to answer questions about the culture’s iron technology (origin and type of ores, metallurgical processes, etc). Metallographic and chemical analyses with a microscope and an electron beam microprobe were carried out for this purpose. Sampling series maintained a clear distinction between the regions of Hunsrück and Eifel, in order to identify any regional differences.
Both the metallographic analyses and a range of binary and ternary diagrams reveal marked differences between the two regions.
Zusammenfassung
Archäologische Untersuchungen der vergangenen 100 Jahre im Bereich der Eifel und des Hunsrücks in Deutschland erbrachten Erkenntnisse, die aufgrund ihrer Menge dazu führten, dass ein „Kulturbild“ für diese Region entstand. Die von K. Schumacher als solche deklarierte „Hunsrück-Eifel-Kultur“ konnte zeitlich in die Späthallstattzeit bis in die mittlere Latènezeit eingeordnet werden. Forschungen zeigten, dass in diesem Gebiet sehr früh metallurgische Kenntnisse über die Verhüttung von Eisen vorhanden waren. Diese Arbeit setzt sich zum Ziel Fragen zur Eisentechnologie (Herkunft und Art der Eisenerze, Metallurgische Prozesse etc.) klären zu können. Dazu fanden metallograf- ische und chemische Analysen mittels Auflichtmikroskop und Elektronenstrahl- mikrosonde statt.
Bei den Probenahmen wurde bewusst auf eine Differenzierung nach Regionen, Hunsrück und Eifel, geachtet, um mögliche Unterschiede aufzuzeigen.
Die metallografische Untersuchung sowie die Auswertung der Analysen der Schlackeneinschlüsse durch binäre und ternäre Diagramme zeigten eine eindeutige Dissonanz zwischen beiden Regionen.
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung Zielsetzung NA
2 Überblick zur Hunsrück Eifel Kultur HEK NA
2.1. Forschungsgeschichte und NA
2.2. HEK ein archäologischer NA
2.2.1. Voreisenzeitliche Besiedlung und NA
2.2.2. Siedlungswesen NA
2.2.3. Gräberfelder und die Interpretation des Fundgutes NA
2.2.4. Sozialstruktur NA
2.3. Kritische Zusammenfassung und die Frage nach dem NA
3 Grundlagen der Eisengewinnung NA
3.1. Geschichtliches NA
3.2. Keltische Eisengewinnung und NA
3.2.1. Der Rennofen NA
3.2.2. Roheisen und Stahlherstellung Rennfeuerverfahren NA
3.2.3. Schlacken als Abfallprodukte und die Rolle der NA
3.3. Eisenverhüttung im Untersuchungsgebiet sowie die Arbeit NA
J. Driehaus NA
4 Analytik NA
4.1. Probenaufbereitung und NA
Beschreibung der analytischen Verfahren NA
4.2.1. Elektronenstrahlmikroanalyse NA
4.2.1.1. Aufbau und NA
4.2.1.2. Korrektur der quantitativen NA
4.2.2. Röntgenfluoreszenzanalyse RFA NA
4.2.2.1. Theoretische Grundlagen NA
4.2.2.2. Apparativer Aufbau NA
4.2.2.3. Korrektur NA
4.3. Fehlerbetrachtung NA
5 Geochemische und Mineralogische Betrachtung des NA
5.1. Allgemeines NA
Die Eisenerze und ihre Vorkommen im Bereich der Eifel NA
Die Eisenerzlagerstätten des NA
6 Metallografische Untersuchungen NA
6.1. Grundlagen von Eisen Kohlenstoff Legierungen EKL NA
6.1.1. Das System NA
6.1.2. Die Bestimmung des Kohlenstoffgehalts durch NA
„Punktzählmethode“ Punktzählmethode NA
48
6.1.3. Härteprüfung. . . . . . . 49
6.2. Auswertung der Metallografischen Untersuchung. . . . 50
6.2.1. Gesamtüberblick. . . . . . . 50
6.2.2. Waffen. . . . . . . . 57
6.2.3. Gebrauchsgegenstände. . . . . . 61
6.2.4. Zusammenfassung. . . . . . . 62
7 Auswertung der Chemischen Analyse der Schlackeneinschlüsse. . 64
7.1. Überblick. . . . . . . . . 64
7.1.1. Methodik. . . . . . . . 64
7.2.1. Chemismus der Schlacken. . . . . . 64
7.2. Beschreibung der Schlackeneinschlüsse nach optischen Eigenschaften. 66
7.3. Hauptelemente. . . . . . . . 67
7.4. Nebenelemente. . . . . . . . 70
7.5. Spurenelemente. . . . . . . . 70
7.6. Auffälligkeiten und Möglichkeiten der Rekonstruktion zur Erzbasis. 71
8 Diskussion der Ergebnisse. . . . . . . . 78
8.1. Die Reduktion der Erze . . . . . . 78
8.1.1. Der Verhalten von SiO 2
. . . . . 78
8.1.2. Der Verhalten von MnO . . . . . 79
8.1.3. Der Verhalten von CaO . . . . . 80
8.1.4. Der Verhalten von P 2 O 5 . . . . . 81
8.2. Vermutungen zur Herkunft der verwendeten Erze der Proben des
Hunsrücks. . . . . . . . . 82
8.2.1. Überblick zur Erzgrundlage. . . . . . 82
8.2.2. Die Sonderstellung von Pr. TR_6 – die Rolle des MgO . 83
8.3. Vergleich der Eisenverhüttung: Hunsrück und (Ost-) Eifel . . 85
8.4. Überlegungen zu den Proben des RLMB („Eifelproben“) . . 86
9 Zusammenfassung & Ausblick . . . . . . 88
10 Literaturverzeichnis
Anhang A – Fundkatalog und Ortsverzeichnis
Anhang B – Metallografie
Anhang C – Geochemische Analysen und Tabellen
1
1 Einleitung & Zielsetzung
„Über die reißende Nahe schon war ich
[…] Einsamen Weg betrat ich nunmehr durch düstere Forsten, Nicht die mindeste Spur menschlichen Anbaus gewährend, […]“
(Ausonius 386 v. Chr. auf seiner Wanderung durch den Hunsrück)
Seit der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends belegen zahlreiche Funde und Befunde die bewusste Herstellung von schmiedbarem Eisen im Bereich zweier westdeutscher Mittelgebirgsregionen – dem Hunsrück und der Eifel. Geologisch betrachtet, bilden die vorgestellten Regionen den Großteil des Rheinischen Schiefergebirges (RSG). Das RSG wird vom Rhein in zwei Teile getrennt – dem Linksrheinischen und dem Rechtsrheinischen. Seine mittlere Höhe beträgt etwa 500 Meter. Der Ostflügel wird von der Lahn durchschnitten, südlich von ihr liegt der Taunus, nördlich das Bergische Land, das Sauerland und das Siegerland mit dem Rothaargebirge sowie der Westerwald. Der Westflügel wird von der Mosel geteilt, südlich von ihr liegt der Hunsrück, nördlich die Eifel und die Ardennen mit dem Hohen Venn (Abb. 1.1).
Außer den Untersuchungen von A. KRONZ & T. EGGERS (2001) fanden im Laufe der letzten Jahre leider keine nennenswerten archäometallurgischen Forschungen statt. Obwohl zahlreichen Autoren wie z.B. J. Driehaus oder R. Schindler vermuten, dass es sich bei dem Gebiet der so genannten Hunsrück-Eifel-Kultur (HEK) um eines der ältesten bekannten Zentren für die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen in Mitteleuropa handelt, so erfolgten bisher allerdings keine großräumig angelegten und planmäßigen Untersuchungen zu diesem Thema.
Bis in die 1980er Jahre wurden mehrere kleinere Grabungen durchgeführt, wobei neben Eisenartefakten auch Reste eines vermutlichen Rennofens (Hillesheim) geborgen werden konnte.
Für die Durchführung der Untersuchung dieser Arbeit wurden Eisenartefakte der Rheinischen Landesmuseen Trier und Bonn beprobt und untersucht. Neben diesen, konnten einige für die Verhüttung in Frage kommende Eisenerze (Sammelfunde) analysiert werden.
2
Reines Eisen ist selbst in der heutigen Zeit nur sehr schwer herstellbar. Selbst technisch hochwertiges Eisen, welches heute als „Reineisen“ bezeichnet wird, enthält noch Spuren anderer Elemente (SCHUMANN 1990).
Als Stahl wird eine große Gruppe von Eisenlegierungen bis zu 1,8 % Kohlenstoff bezeichnet (nach EN 10020), deren Eigenschaften (Festigkeit, Zähigkeit, chem. Beständigkeit) sich durch Änderung der Legierungszusammensetzung und durch Wärmebehandlung in weitem Maße verändern lassen.
Auch schon kleinste Mengen anderer Elemente (Cr, V, Ni, W, Mo u.a.) können zu gewollten oder ungewollten Veränderungen führen. Viele dieser Elemente finden sich anschließend in den Schlacken, wie auch den Schlackeneinschlüssen des produzierten Eisens, wieder.
Durch die Analyse der Elemente der Schlackeneinschlüsse ist es möglich, Informationen über den Prozessablauf, die verwendeten Temperaturen während der Verhüttung sowie die Art des zu verhüttenden Erzes zu bekommen.
Die Untersuchung im Rahmen der vorliegenden Arbeit nimmt sich zum Ziel, das Wissen um die Belange der frühen Eisendarstellung am Beispiel des vorgestellten Raumes aufzuzeigen und dem ein hohes Maß an technischem Können voraussetzenden Handwerk ein Augenmerk zu widmen.
Es soll versucht werden, auf Besonderheiten im Herstellungsprozess näher einzugehen (Erzgrundlage, Verhüttung, Schmiedekunst), um kritisch mögliche metallurgische Dissonanzen in den jeweiligen Bereichen der Regionen Hunsrück und Eifel zu diskutieren.
4
2 Überblick zur Hunsrück-Eifel-Kultur (HEK)
2.1. Forschungsgeschichte und Chronologie
Die ersten Grabungen im Bereich von Eifel (1887/88) und Hunsrück (1892/93) wurden durch H. Lehner geleitet und zusammengefasst (LEHNER 1894). Er definierte eine hallstattzeitliche Mehrener Gruppe (Abb. 2.1) sowie eine frühlatènezeitliche Hermeskeiler Gruppe und erkannte, dass das Verbreitungsgebiet „[…] auf Eifel und Hunsrück einschließlich des rechten Nahegebietes und des Glangebiets zu beschränken ist“ (LEHNER 1894, 12). Dies stellte den ersten Versuch dar, die mittelrheinischen Kulturgruppen zeitlich und lokal abzugrenzen.
Zwei Jahrzehnte später veröffentlichte K. Schumacher mehrere Arbeiten zur Hallstattzeit (Ha) im Mittelrheingebiet und unterschied – in Weiterführung der Vorstellungen Lehners – zwischen einem Koberstadter und Mehrener Typus. Er ordnete die Koberstadter Gruppe 1 mit Hilfe der Kegelhalsurne als Leitform in das
Gebiet des Westerwaldes bis hin zum Rhein und Main ein. Den Mehrener Typ (Abb. 2.2),
den er erstmals auch als „Hunsrück-Eifel-Kultur“ bezeichnete, datiert nach seiner Auffassung in die Stufen Ha C bis Ha D. Er beschrieb Grabritus und Fundmaterial und führte als besonders spezifische Kennzeichen Wendelringe („Totenkränze“), gestrichelte Armbänder sowie gekerbte Armringe an (SCHUMACHER 1918).
Abb. 2.1: Funde der Mehrener Kultur nach Abb. 2.2 Funde des Mehrener Typus/HEK LEHNER (1894, Taf. 1) nach SCHUMACHER (1918, Abb.3)
Ziel Schumachers war es, die Entstehung der HEK „[…] unter der Einwirkung starker ostfranzösischer Späthallstattgruppen“ aus dem Westen nachzuweisen, deren „Volksstamm als Träger dieser Kultur […] sich allmählich nach dem Rheine verschob“ (SCHUMACHER 1918, 100). G. BEHRENS (1927) und H. BEHAGEL 1 Unter dem Begriff „Koberstadt“ versteht sich ein Waldgebiet nahe Egelsbach bei Darmstadt
5
(1942/49) sollten später dies bestreiten und von einer autochthonen Entstehung ausgehen.
In einer Übersicht fasste W. DEHN (1935) die vorrömische Entwicklung zusammen, die sich auf die Vorarbeiten der von J. STEINHAUSEN 1936 erschienenden „Archäologischen Siedlungskunde des Trierer Landes“ unter Mitberücksichtigung des Hunsrücks und der Eifel bezieht. Dehn unterschied zwischen Laufelder Gruppe (Ha C) und HEK (Ha D), sowie den beiden zeitlich parallel verlaufenden Gruppen Rhein- Mosel und Birkenfeld-Hochwald für die Frühlatènezeit (FLt). In seiner Dissertation über die „Urgeschichte des Kreises Kreuznach“ (DEHN 1941) sowie seiner Arbeit über „Vorgeschichtliche Denkmäler und Funde um Hermeskeil“ (1951) korrigierte er diese Einschätzung und schuf eine erste ernsthafte Chronologie und Chorologie (DOTZAUER 2001). Er unterteilte die HEK in einen älteren (Ha D) und einen jüngeren Abschnitt (Lt A-C). Dies bedeutete nach absoluten Zahlen einen Zeitraum von 600 bis 100 v. Chr., wobei der Übergang von älterer zu jüngerer HEK um 450 v. Chr. anzusetzen sei. Regional grenzte er die HEK folgendermaßen ab: vom Mittelrhein und dem Neuwieder Becken im Osten bis an die Saar-Sauerlinie im Westen und vom Nahe-Glangebiet im Süden bis in die Hocheifel im Norden (vgl. W. JORNS 1941/1942). Einen Meilenstein der Erforsch- ung des Gebietes der HEK er- brachten die Arbeiten von H. E.
JOACHIM (1968) und A.
HAFFNER (1976). Joachim widmete sich vorwiegend der östlichen HEK und bestätigte die zeitliche Abfolge, beginn- end mit der Laufelder Gruppe, bis hin zur älteren sowie der jüngeren HEK nach den Vor- stellungen von Dehn.
Haffner begann 1965 mit einer Arbeit zur Späthallstattzeit im Saarland. Räumlich ordnete er in den Norden des Saarlands die HEK und im Süden die „saarländisch-pfälzisch- lothringische Gruppe“ ein. Diese Grenzziehung, die mit der Südgrenze der HEK gleichzusetzen ist, wurde später unter anderem von A. SEHNERT (1991) bestätigt.
6
1976 weitete Haffner sein Untersuchungsgebiet auf die westliche HEK aus und stellte eine Horizontalstratigrafie auf. Basis war die Verteilung von Importgütern aus dem Mittelmeerraum in Gräbern und Siedlungen sowie der Vergleich von gleichartigen bis ähnlichen Fundgütern in nördlicheren und südlicheren Gebieten. Der Beginn der HEK wurde gleichgesetzt mit dem Ende von Ha C, bzw. dem Beginn von Ha D. Aufgrund der vorangegangenen Arbeiten von G. KOSSACK (1959) und der weitgehenden Übernahme der Datierung durch W. DEHN & O. W. FREY (1962) lag auch für Haffner das Ende von Ha C2 um 600 v. Chr. und damit sei dies als Zeitpunkt für den Beginn der HEK anzusehen. Das Ende der HEK, bzw. von La B, sollte größere Schwierigkeiten bereiten. Als Zeitpunkt des Abbrechens der Gräberfelder von Waldalgesheim und Münsingen wurde die Mitte des 3. Jh. v. Chr. für den Abbruch der Hügelgräberfelder der HEK angesehen.
Haffner schlägt daraufhin folgende Chronologie vor, die bis heute allgemein gilt (Abb. 2.3/2.4):
Abb. 2.4: Chronologie der HEK (in Anlehnung an HAFFNER 1976)
H. PARZINGER (1988) machte es sich zur Aufgabe, auf Grundlage der Grabungen von Bassenheim und Briedel (vgl. JOACHIM 1990), das Chronologieschema zu verfeinern und neue Zwischenstufen für die ältere HEK zu definieren, die er als „Rhein-Mosel-Lahn – Gruppe“ [RML] bezeichnete. Er schlug unter anderem vor, den Abschnitt zwischen der späten Laufelder Stufe (RML IA1) und dem frühen Latène (RML IIA1) in drei weitere Abschnitte zu gliedern. Parzinger versuchte mit Hilfe regionaler Kombinationstabellen überregionale Vergleiche zu ziehen.
H. NORTMANN (1991) kritisiert dieses Vorgehen scharf. Er warf Parzinger vor, dass bei ihm „Kleinfunde gegenüber der bisher stark dominierenden Keramik in den Vordergrund [treten]“, weswegen „eine Prüfung […] offensichtlicher Irrtümer und Fehler Parzingers provoziert wird.“ (NORTMANN 1991, 65). Auf der internationalen Arbeitstagung „Die ältere Eisenzeit im Mittelgebirgsraum“
(1992) versuchte er den Nachweis zu erbringen, dass eine präzisere Gliederung der HEK aufgrund der vorhandenen Fundtypen nicht möglich sei, indem er eine Tabelle von Grabfunden aus 2 HEK IA ist gleichzusetzen mit der jüngeren Stufe der Laufelder Gruppe nach Dehn
7
dem RML Gebiet mit einer groben Typengliederung aufstellte Für Parzinger NA
dieses Ergebnis wiederum unakzeptabel Er wies auf bedeutsame NA
Veränderungen hin wodurch die von Nortmann verwendete grobe NA
unzureichend wäre Daher hält Parzinger eine feine Formengliederung für NA
umgänglich PARZINGER Er wirft Nortmann vor die Augen zu NA
vor dem was sich in Bassenheim und Briedel abzeichnet denn ginge NA
nur um die Trennung klar umrissener Stufen so hätte man es bei den Ergebnissen NA
Reineckes belassen können PARZINGER NA
Ein schwarzes Loch bleibt allerdings das Gebiet zwischen den Arbeitsfeldern NA
Joachim und Haffner Eine laufende Dissertation von HORNUNG Mainz mit NA
Arbeitstitel Die südöstliche Hunsrück Eifel Kultur Studien zur Späthallstatt NA
Früh-latènezeit in der deutschen Mittelgebirgsregion wird hoffentlich NA
Aufschluss darüber NA
2.2. HEK Ein archäologischer NA
2.2.1. Voreisenzeitliche Besiedlung und NA
Folgt man der älteren Literatur SCHUMACHER DEHN KIMMIG NA
so muss daraus geschlussfolgert werden dass das Gebiet der HEK NA
vorurnenfelderzeitlichen Abschnitt mit Ausnahme einiger kleiner NA
Lößinseln dünn bis gänzlich unbesiedelt war KIMMIG NA
Streufunde, die sich hierher verirrten konnten nur als letzte Ausstrahlung NA
Mittelrhein und unteren Main her gelten DEHN NA
Im Laufe der archäologischen und geschichtlichen Entwicklung des NA
Gebietes fällt eine durchweg geringe Besiedelungsdichte gegenüber NA
vergleichbaren Gebieten wie der Schwäbischen Alb oder des Donauraumes auf NA
allem kann eine fast durchgehende Besiedlung seit dem Paläolithikum vor NA
100.000-10.000 Jahren nach heutiger Sicht angenommen werden NA
Faustwerkzeuge aus Quarzit der älteren Steinzeit finden sich auf einem NA
paläolithischer Jäger in Weiler bei Bingen Im Mesolithikum NA
erweist sich diese Region allerdings als fast fundleer KOCH NA
1994). Im Neolithikum bezeugen Knochenfunde die Existenz von NA
Handmühlen aus Porphyr und Sandstein weisen auf die Anfänge des NA
hin. Ausläufer der Bandkeramik der mitteldeutschen Rössener Kultur und der NA
Rheinhessen und die Pfalz nach den typischen monolithischen NA
benannte Hinkelsteingruppe sowie der Michelsberger Tulpenbechergruppe NA
3 Quelle NA
8
belegt werden. Die Besiedlungsplätze lagen an sonnigen geschützten Orten und auf den unteren Flussterrassen entlang der Mosel und der Nahe. So genannte „Schuhleistenkeile“ – häufig als Pflugscharen gedeutete Steingeräte – aus Schwarzenbach und der Umgebung von Birkenfeld lassen auf eine Pflugkultur im frühesten Abschnitt der jüngeren Steinzeit schließen (HAFFNER 1991). Aufgrund der doch spärlichen Besiedlung reichte das Neolithikum hier bis tief in die mitteleuropäische Bronzezeit (ca. 1800 v. Chr.).
In der beginnenden Bronzezeit werden nun, wenn auch nur selten, erstmals das bewaldete Bergland besetzt und gleichzeitig die Lößgebiete an den Flussniederungen teilweise gemieden. Die Zusammensetzung und Verteilung der Grabfunde deutet auf eine Bevorzugung von Jagd und Viehhaltung hin (DOTZAUER 2001). Gegen Ende der Bronzezeit wurde – wohl unter dem Einfluss kultureller und ethnischer Bewegungen aus Südeuropa – die Region in die Urnenfelderkultur (1200-600 v. Chr.) einbezogen. In der neueren Literatur wird häufig dieser Zeitraum mit den frühesten Wurzeln der Kelten („Urkelten“) gleich gesetzt.
In der ausgehenden Urnenfelderzeit (Ha B) wurden erste Höfe und dorfähnliche Siedlungen angelegt. Diese plötzliche Aktivität ab etwa 800 v. Chr. sowie der eigentliche Beginn der Besiedelung des Hunsrücker Berglandes (vgl. Grabfunde von Bell und Pleizenhausen) kann nicht nur an der Erschließung von neuen Weide- und Jagdgebieten gelegen haben, wie es SCHUMACHER (1918) vermutet hat. Mögliche Ursache für den „Marsch ins Gebirge“ (KIMMIG 1964, 104) könnte auch das an zahlreichen Stellen vorkommende Rot- und Brauneisenerz gewesen sein, welches zur Produktion von metallischem Eisen benötigt wird. Der mögliche Eisenerz-Röstofen in der Nähe von Hillesheim, der auf den Übergang von Ha C auf Ha D datiert, könnte darauf hindeuten (vgl. Kap. 3.3).
Abb. 2.6.: Rekonstruktion der Abb. 2.7.: Wendelring, Abb. 2.5: Knotenarmring, Dm. 6 cm Haartracht Dm. 22 cm (SCHINDLER (HAFFNER 1976, Taf.52,7) (CORDIE-HACKENBERG 1971, 37) 1993, 119)
Um 600 v. Chr. entwickelte sich schließlich im Gebiet von Südeifel und Hunsrück eine regionale Ausprägung der südwestdeutschen Hallstattkultur, die ältere HEK. Sie lässt, was Tracht- und Beigabensitten sowie Gefäß- und Schmuckformen betrifft, sehr deutliche, was Bestattungsformen betrifft, nur geringe Unterschiede zur „eigentlichen“ Späthallstattkultur erkennen (F. TISCHLER 1951).
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Aufgrund einer Reihe von archäologischen Erscheinungsformen wie Trachtelemente - im Besonderen (Schläfen-) Wendelringe, Hals- und Knotenarmringe (Abb. 2.5-2.7) -, Gefäßkeramik sowie Bestattungs- und Beigabensitte, wird die HEK von W. SÖLTNER (1976) in ihrem Formenschatz als Anfangs- und Endpunkt weitreichender Verbindungen angesehen, für die ein lebhafter Handel charakteristisch ist („Rennweg“, „Ausoniusstrasse“).
Erstmals lässt sich eine kulturelle Einheit erkennen, der ein halbes Jahrtausend später von Caesar als Siedlungsbereich der Treverer beschrieben wird 4 .
Die Grabform – Körperbestattung unter einem Grabhügel – kann entweder als Anregung aus dem süddeutschen Hallstattkreis gedeutet werden, oder für ein Wiederaufleben vorurnenfelderzeitlicher Bräuche stehen. Es scheint, als ob von allen Seiten fremde Kulturelemente eingeflossen wären. Von Süden erreichte das Gebiet der von den Etruskern gesteuerte mediterrane Exportstrom, der unter anderem auch zu sozialen Differenzierungserscheinungen, nämlich der Ausbildung einer „Fürstenschicht“, führte. Im Westen wurde die HEK stark von der von Dehn beschriebene Marnekultur beeinflusst (DEHN 1951) und aus dem Norden wurden einzelne frühgermanische Kulturgüter (z.B. Wendelringe) übernommen und lokal abgewandelt(HAFFNER 1991). Die Verbreitung der HEK ist zeitlich sehr differenziert. Die Talbecken an Saar und Mosel, der fruchtbare Saar-Mosel-Gau und die Kalkmulden der Nord- eifel scheinen für die Anfänge der HEK bevorzugte Besied- lungsgebiete gewesen zu sein.
Dies wird durch die Konzen- trationen von Laufelder-, HEK IA1- sowie vereinzelten Ha C- Körpergräbern deutlich.
Die Konzentration der Besied- lung scheint sich nach J. DRIE- Abb. 2.8: Verbreitung der HEK (NAKOINZ 2004) HAUS (1965) bis hin zum Ende der HEK in Gebiete, die sehr reiche Eisenerzlager aufweisen, zu verschieben (vgl. Kap. 3.3). Es ist von einer kontinuierlichen Bestattung in allen Gräberfeldern von HEK IA2-II A3 auszugehen. Eine Ausnahme stellt allerdings der Bereich am Ufer der Nahe dar (Abb. 2.8).
In diesem Gebiet ist eine starke Zunahme von Nekropolen ab der Stufe 4 Caesar: De bello gallico, 4/10
10
HEK IIA auffallend. Eine Bevölkerungsvermehrung während der jüngeren HEK oder eine Neuanlage von Gräbern bzw. Siedlungen wäre daher möglich (O. NAKOINZ 1994).
Eine zwar weiterhin gleichmäßige Verteilung, allerdings starke Reduzierung der Anzahl der Hügelgräber, ist kennzeichnend für die Stufe HEK IIB. Als mögliche Ursachen sieht HAFFNER (1971) in der Änderung des Totenbrauchtums oder der Bevölkerungsstruktur (Teilabwanderungen). Letzteres scheint nach Annahme des Verfassers wahrscheinlicher.
2.2.2. Siedlungswesen
Die Zahl der erforschten Nekropolen liegt weit über denen der Siedlungen, daher ist es nur möglich durch die Belegungsdauer und dem Inventar der Grabanlagen Rückschlüsse auf die Siedlungen zu ziehen, d.h. die jeweilig bestattete Personenzahl kann gleichzeitig als Indikator für die Größe der Siedlung gelten. Als problematisch stellt sich heraus, dass bisher nur Hügelbestattungen auffindbar sind und daher nur eine „privilegierte Schicht“ fassbar ist. Trotz dieser Einschränkung sind zwei Siedlungsgrößen zu erschließen: Zum einen kann ein relativ kleiner Siedlungstyp festgestellt werden. Dazu gehört beispielsweise Oberzerf/Irsch, Losheim, Rückweiler, Peffingen, Beilingen, Theley und Hermeskeil (KOCH & SCHINDLER 1994). In Oberzerf fanden sich 40 Gräber, für die eine maximale Belegungszeit von 300 Jahren angenommen werden kann. Daraus folgt, dass die Siedlung nur aus drei bis vier Personen bzw. einer Großfamilie bewohnt worden sein konnte.
Anders sieht es bei den größeren Siedlungen aus. Im „Königsfeld“ bei Rascheid fanden sich weit über 100 Grabhügel, die auf etwa 300-400 Bestattungen hinweisen (HAFFNER 1977/78). Dies bedeutet, dass über einen Zeitraum von 300 Jahren pro Generation etwa 30-40 Personen im „Königsfeld“ lebten. Ähnliche Vermutungen gelten für Horath, Wederath, Steineberg, Olk, Osburg und Sien.
Bis heute sind 29 Siedlungsplätze innerhalb des Gebietes der HEK bekannt. Davon sind 18 unbefestigt und elf befestigt (HAFFNER 1991). Nicht eine einzige unbefestigte Siedlung wurde vollständig untersucht. Daher ist es schwer, allgemeine Aussagen darüber zu treffen. Die Analyse der Gräberfelder lässt jedoch erkennen, dass die Menschen der Jüngeren HEK in Einzelhöfen oder weilerartigen Hofgruppen lebten (HAFFNER 1977). Die Mehrzahl befinden sich in Hanglage; selten sind Spuren auf Höhenzügen, wie bei Ingendorf, anzutreffen, was allerdings auch daran liegen kann, dass hier aufgrund von Anschwemmungen die Siedlungen durch Erdschichten überlagert wurden (P.T. NICHOLSON 1991). Teilweise konnten kleine Schutzbefestigungen aus Palisaden, wie in Steinborn und Kastel, aufgedeckt werden
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(SCHINDLER 1977). Trotz ungenügender Kenntnisse der unbefestigten Siedlungen fällt auf, dass Keramik der HEK nie gemeinsam mit Keramik der Jüngeren Latènekultur vorkommt (NICHOLSON 1991). Die befestigten Siedlungen sind weitaus besser untersucht worden. Es handelt sich um Burganlagen, die oft auf Bergkuppen angelegt wurden. Der Beginn des Anlegens von Höhenbefestigungen liegt nach Th.
KNOPF (2002) in der Zeitstufe HEK IB. Der teilweise vorgelagerte Graben, sowie eine Pfostenschlitzmauer (Haffner spricht in diesem Zusammenhang mehrfach von einer „Ring- oder Abschnittsmauer“) aus einem Abb. 2.9: Rekonstruktion einer Toranlage bei Gronig (SCHINDLER 1968, 105) Gerüst von Sand- und Quarzitsteinen, dienten als Schutz. Die Funktion der Toranlagen wie in Allenbach und dem Mommerich bei Gronig konnten noch nicht vollständig rekonstruiert werden (Abb. 2.9). Eine zweite Generation von Höhensiedlungen (z. B. Altburg bei Bundenbach) entwickelte sich gegen Ende der HEK im Gebiet der Westlichen HEK.
Im Innern der Anlage sind wiederum Unterschiede in der Belegungsdauer feststellbar. Es scheint aufgrund von Keramiktypen sowie –mengen so zu sein, dass zum einen von einer ständigen (Kordel, Preist) und zum anderen nur von einer teilweisen Besiedelung (Allenbach, Montclair) ausgegangen werden kann (SCHINDLER 1965). Es wird angenommen, dass speziell befestigte Siedlungen wie der Montclair bei Mettlach aufgrund des Fehlens von Kulturschichten „[…] in den für Besiedlung günstig erscheinenden Zonen“ (SCHINDLER 1968, 138) als Fluchtburgen oder dauerhafte Siedlungen genutzt wurden. Es ist vorstellbar dass diese im Zusammenhang mit dynastischen Auseinandersetzungen oder im Kampf um wichtige Rohstoffgebiete entstanden sind und gegen Ende der Frühlatènezeit erstmalig abbrechen.
Abb. 2.10: Burganlage Aalburg mit Hausgrundrissen Die Häuser besaßen eine Grundfläche von etwa 10 mal 15 (HAFFNER 1971, 151) Metern mit Feuer- und Herdstellen (Abb. 2.10).
Da innerhalb der Siedlungen vorwiegend Gebrauchskeramik gefunden wurde, sind Aussagen über den Beginn und das Ende der jeweiligen Siedlungen nicht über das Fundgut allein möglich. Feinkeramik, die zur Datierung besser herangezogen werden kann, fehlt im Gegensatz zu den Gräbern fast vollständig. Ebenso sind keine Tracht- und Schmuckteile auffindbar.
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2.2.3. Gräberfelder und die Interpretation des Fundgutes
Von den 34 bisher bearbeiteten Bestattungsplätzen konnte für 27 eine Belegung von 150-300 Jahren festgestellt werden (H.P. WOTZKA 2005). Ähnlich den Siedlungen ist eine dichte bis lockere Streuung von Hügelgruppen auffällig. Für die frühe Eisenzeit ist es üblich geworden, reiche Hügelgräber in Bezug zu nahe gelegenen Burganlagen zu setzen, wie es beispielsweise im süddeutschen Raum mit der Heuneburg und dem dazugehör igen Hohmichele oder dem Mont Lassois und dem Grab von Vix in Ostfrankreich geschehen ist. Dies ist auch im Bereich von Siedlungszentren der HEK wie Besseringen-Mettlach, Siesbach- Allenbach oder Berschweiler- Fischbach ersichtlich (DEHN 1951).
Abb. 2.11 zeigt den Montclair (Mettlach) als thronender Stütz- Abb. 2.11: Blick auf den Montclair bei Mettlach punkt über der Saarschleife. Dieser (www.hunsrueck-info.de; Stand: 10.04.06) dürfte einen engen Zusammenhang mit dem „Fürstengrab von Besseringen“, wie auch der Mommerich (Gronig) mit dem „Fürstengrab von Theley“, haben (SCHINDLER 1968). Der Wechsel von Brand- zu Körperbestatt ungen vollzieht sich überwiegend in der Zeitstufe HEK IB.
tinuierlicher Übergang scheint sich von der HEK auf die jüngere Ein weitgehend kon Latènezeit (frühes Lt C) vollzogen zu haben (Fundgut, Siedlungszentren, ähnlicher Bestattungsbrauch). Die Gefäßbeigaben sind größtenteils mit denen der vorangegangenen Stufe (HEK IIB) äquivalent.
des Wechsels von Bestattungsplätzen, Gleichfalls ist eine Neuorientierung aufgrund der Gründung neuer Siedlungen, sowie der Entstehung neuer Siedlungstypen sichtbar. Vereinzelte Brandgräberfelder wie in Rückweiler (Grab 1) und Horath (Grab 15) sind aus der jüngeren Latènekultur bekannt. Sie entsprechen in etwa der älteren Phase von Lt C (HAFFNER 1969). Es ist davon auszugehen, dass die Hügelgrabsitte im Bereich der beiden Zeitstufen HEK IIA2 bzw. IIB aufgegeben wurde. Die Nekropolen der jüngeren Lt-Kultur sind in den meisten Fällen räumlich entfernt von denen der HEK. Die Grabbeigaben innerhalb des Zeitraumes der HEK weisen auf verschiedene Handwerksbranchen hin. Eisenschmelzer, Bronzegießer, Töpfer sowie im Besonderen Waffenschmiede, Buntmetallhandwerker und Wagner. Der schwierig zu produ- zierende HEK I Bronzeschmuck konnte nur von Spezialisten verarbeitet werden. Die reiche Ornamentik im frühen Kunststil nach Jacobsthal (gepunzte Kreisaugen,
13
plastische Wellenbänder, geometrisch gravierte Ornamente) zeigt die Erfahrung, über die der Handwerker verfügt haben muss.
Bei der Betrachtung des Fundmaterials fällt auf, dass es außer der Hügelgrabsitte wenige bis gar keine Anzeichen für Verbindungen zwischen der HEK und den nordwestalpinen Ha-Kulturen gab. Diese Sonderrolle ist durch das Fehlen sämtlicher späthallstattzeitlicher Typen, wie Fibeln, Gürtelschmuck, Dolchen und Fußringen ersichtlich (NAKOINZ 2004). Erst zu Beginn der jüngeren HEK finden sich vereinzelt Fibeln (HAFFNER 1977).
In der jüngeren HEK geht die kulturelle Sonderstellung des Hunsrück-Eifel-Raumes zwar nicht völlig verloren, sie ist jedoch weit weniger deutlich ausgeprägt als zur Zeit der älteren HEK. Diese gehört nun zu einem von der Seine bis zum Mittelrhein reichenden Zentrum frühkeltischer Kultur. Der Frühlatène Kunststil im Gebiet der HEK entwickelte sich aus importiertem etrus- kischem Bronzegeschirr. Die Verfügbarkeit dieses Geschirrs ausschließlich am Hofe des Auftraggebers weist darauf hin, dass wahrscheinlich nur dort die Kopien angefertigt wurden. Daher ist es vorstellbar, dass der Handwerker von Ort zu Ort je nach Auftrag ging 5 .
Bemerk
enswert ist die Perfektion der Goldverarbeit- ung (G. JACOBI 1969). Beispielsweise sind die
gelöteten Nähte am hohlen Goldarmring von Theley Abb. 2.12: geschlossener und hohler nur unter einem Mikroskop sichtbar (Abb. 2.12).
Goldarmring von Theley. Naht innen. Dm.8,1 cm. (HAFFNER 1976, Taf.10) Auch scheint durch die Spezialisierung der Metal l- verarbeitung die Zusammenarbeit verschiedener Handwerksgruppen notwendig gewesen zu sein. Wie sonst sollte ein reich verziertes Schwert ohne Hilfe des Waffenschmiedes (Herstellung der eisernen Klinge und Scheide) und des Buntmetallhandwerkers (Bronzebeschlag) hergestellt werden? Oder wie sollte ein Prunkwagen ohne die Zusammenarbeit eines Wagners und Buntmetallhandwerkers gebaut werden?
2.2.4. Sozialstruktur
A ls Kriterium zur Verdeutlichung der Sozialstruktur schlägt HAFFNER (1976) die Betrachtung der Siedlungsbilder sowie den Aufwand der Bestattungen vor. Er errechnet insgesamt 2000-3000 Menschen, die gleichzeitig im betrachte ten Gebiet lebten. 5 HAFFNER (1979) spricht in diesem Zusammenhang von „Wanderhandwerkern“
14
Nach heutiger Sicht scheint allerdings die Siedlungsdichte weitaus höher gewesen zu sein, als Haffner es vermutete. Kennzeichen dafür sind die großen Burganlagen mit 500-800 Metern langen und 3-4 Metern breiten Befestigungsmauern. Die geringe Anzahl der berechneten Bevölkerung würde niemals ausreichen, solche Bauwerke zu errichten. Daher ist davon auszugehen, dass eine Vielzahl von Gräbern bisher nicht aufgedeckt ist.
Zwei vermutlich „höher privilegierte“ Schichten sind im Gegensatz dazu durch das eisbar. Zum einen eine Gruppe, die gesellschaftlich unterhalb der Fundgut nachw „Adelsschicht“ anzusiedeln wäre. Es fällt auf, dass eine starke Differenzierung der Männergräber, kaum aber der Frauengräber, auftritt. Bei den männlichen Gräbern kann zwischen einer Gruppe von Schwertträgern und einer weiteren Gruppe von mit Lanzen und Hiebmesser bestatteten Kriegern unterschieden werden (SCHINDLER 1977). Zu erstgenannter Gruppe gehören aufwändige und geräumige Grabanlagen;
große Hügel, Steinkisten oder Holzsärge und reiche Gefäß- ausstattung. Eine wechselseit- ige Beeinflussung mit der „Adelsschicht“ oder der Ver- such der „Nachahm- ung“ könnten Gründe dafür sein.
Die zweite Gruppe weist auf Männer hin, die nicht den Status des Schwerträgers erlang ten. Ob ein Geburtsstatus oder das Alter der Grund dafür war und inwieweit die Möglichkeit zum „Schwert- träger“ aufzusteigen bestand, konnte bisher nicht geklärt Abb. 2.13: Verbreitung der eisenzeitlichen Grabhügelfelder , einfachen Gräber, der „Adelsgräber“ x und der befest en der igt werden. Die Frauengräber sind edlungen o der HEK (nach HAFFNER 1977, 39) Si weniger aufwändig und, wie bereits erwähnt, kaum differenziert. Einige wenige Grabanlagen weisen goldene Halsringe auf. DRIEHAUS (196
5) vermutete, dass der Halsring dem Schwert des Mannes entsprechen könnte.
Die Stufe der höchsten politischen und wirtschaftlichen Macht hatte der „Adel“ inne. Die ca. 50 „Fürstengräber“, die Burganlagen zugeordnet werden, sind eindeutig in der Minderheit (Abb. 2.13). Große Hügel und Grabkamm ern (Holz oder Stein) sowie
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Bestattungen mit zweirädrigen Streitwagen und vereinzelt mit Pferden (Grab von Oppertshausen) scheinen auf diese „aristokratische Schicht“ hinzuweisen (KOCH & SCHINDLER 1994). Aber auch innerhalb dieser „Aristokratie“ gibt es Anzeichen für Differenzierungen. Einige Adelsgräber, wie die von Hundheim-Bell, können aufgrund ihrer vergleichsweise bescheidenen Ausstattung kaum die Bedeutung von reichen Bestattungen wie von Theley-Rodenbach gehabt haben, die unter anderem durch unterschiedliche Mengen südlicher Importware gekennzeichnet sind.
Die betrachtete Sozialgruppierung gilt vornehmlich für die längste Zeitdauer der HEK, der Stufe HEK IIA. Für die ältere HEK sieht dies etwas anders aus. Es gibt keine archäologisch sichtbaren Hinweise auf eine „Adelsschicht“ und demzufolge auf Burganlagen und reich ausgestattete Grabanlagen. Die Männergräber ähneln sich sehr stark, während sich die Frauengräber unterscheiden. Teils sind sie ohne Schmuck, teils mit unvollständiger Schmuckgarnitur (nur Armringe), teils finden sich auch reiche vollständige Garnituren (Kopf-, Hals-, Armschmuck).
In HEK IB tauchen erste größere Grabkammern und Hügel sowie vier- und zweirädrige Wagen in der Bestattung auf. Eine erste Abgrenzung von der Masse der nlagen wie in Kordel oder die Gräber ist ersichtlich. Vereinzelt treten bereits Burga Aalburg bei Befort auf. Erste soziale Differenzierungen sind bereits anzunehmen (KOCH & SCHINDLER 1994).
Auffällig für die gesamte HEK ist, dass im östlichen Bereich das Späthallstattzeitliche Wagengrab mit dem frühlatènezeitlichen Fürstengrab nebeneinander auftritt, die ältere Gruppe (ausgenommen in Wallerfangen) allerdings in der westlichen HEK komplett fehlt. HAFFNER (1977) vermutet, dass die Adelsfamilien aus dem östlichen Bereich in den westlichen abgewandert sind. Grund könnte dafür die bereits mehrfach angedeutete Ausbeutung besonders wertvoller Eisenerzvorkommen sein. Das Fürstengrab von Waldalgesheim (330-280 v. Chr.), das auf Grund seiner Goldbeigaben als eines der reichsten Frauengräber des gesamten keltischen Gebietes angesehen wird und einer ganzen Epoche frühkeltischer Kunst die Bezeichnung „Waldalgesheimer Stil“ gegeben hat, liegt in unmittelbarer Nähe von bekannten Rot- und Brauneisensteinvorkommen, die mit Sicherheit in vorgeschichtlicher Zeit abgebaut wurden (HELD & GÜNTHER 1993). Haffner untermauert seine Theorie weiter mit der Betrachtung der Keramikfunde in den Gräbern. Die „Adelsgräber“ im westlichen Bereich der jüngeren HEK beinhalten hauptsächlich bauchige Flaschen als Grabbeigaben. Diese treten in den „einfachen“ Gräbern nicht auf. Im östlichen Bereich allerdings sehr häufig (HAFFNER 1976).
Dies würde die Mobilität verdeutlichen, die während der älteren HEK vom Mittelrheingebiet und in jüngerer HEK vom Hochwald-Nahe-Gebiet ausging.
16
2.3. Kritische Betrachtung und die Frage nach dem
„Kulturbegriff“
In den vorangehenden Abschnitten wurden Fund- und Befundgattungen sowie deren terpretationen der meist älteren Literatur vorgestellt, ohne diese bewusst kritisch zu In hinterfragen.
In der Fachliteratur wird seit Jahrzehnten die Auffassung der Identität von Kultur, und Ethnos vertreten. Autoren wie Driehaus, Schindler, Haffner etc. Bevölkerung deuteten den Westlichen und Östlichen Hunsrück-Eifel-Raum als „Einheit“ oder „Kultur“, die ihre Wurzeln in der voran gegangenen „Laufelder-Zeit“ hatte und bis in die Mittel- und Spätlatènezeit verlief. Alle Veränderungen im Handwerk, im Handel, im Siedlungswesen und in der Bestattungssitte wurden auf die Ausbildung und zunehmende Differenzierung einer „Adelsschicht“ zurückgeführt. Trotz dieser Differenzierungen wird der gesamte eisenzeitliche Hunsrück-Eifel-Raum Kultur“ in „starkem einer einzigen Kultur zugeschrieben. Th. Knopf sieht den Begriff „ Maße mit ethnischer Einheit bzw. konkret dem Stamm der Treverer gleichgesetzt“ (KNOPF 2002, 120).
Neuere Grabungen, Forschungen und Auswertungen von keramikführenden Gräbern zeigen in allen Bereichen der „Ethnie“ gleiche, zu diesem Thema (WOTZKA 2005) doch auch überwiegend verschiedenartige Entwicklungen. Es verbietet sich für die HEK von einer jahrhundertlangen Konstanz der Töpfereierzeugnisse zu sprechen, wenn „Techniken der Keramik irgendwann nichts mehr mit älterer Tonware gemeinsam hatte“ (KNOPF 2002, 103). Eine regionale Diskontinuität zeigt sich im Falle der zweiten Generation von Höhensiedlungen (Altburg bei Bundenbach) zum Ende der HEK im Westen und dem gleichzeitigen Abbrechen aller Siedlungen im Osten. Dies ist ebenso kennzeichnend wie die Unterschiede in der Feinkeramik und stärkere Veränderungen im Westen gegenüber dem Osten (NICHOLSON 1991). Die Sichtweise einer einheitlichen „Kulturgruppe“ wird von Knopf abgelehnt, da „zweifellos vorhandene Gemeinsamkeiten […] meist wesentlich mehr räumliche und zeitliche Unterschiede bzw. Veränderungen (entgegenstehen)“ (KNOPF 2002, 123). Spezifische Besonderheiten wie im Metallschmuck sind nicht von der Hand zu weisen, doch ihre räumliche und zeitliche Entwicklung erscheint nicht homogen und konstant . Eine Begriffsdefinition von E. B. TYLOR von 1871 bestimmte Kultur als eine komplexe Einheit von religiöser Vorstellung, moralischen Regeln, Bräuchen und Sitten sowie Fertigkeiten und Haltungen. In Anbetracht der vorliegenden Situation sollte eher nicht von der Hunsrück-Eifel-Kultur gesprochen werden, sondern, wie Knopf es bereits vorschlägt, von einer Hunsrück-Eifel-Gruppe oder -Gemeinschaft, was im Sinne einer räumlich mehr oder weniger abgegrenzten Traditionsgemein- chaft zu verstehen wäre.
s
17
3 Grundlagen der Eisengewinnung
„Das Eisen selbst, das stärkste von allen Metallen, Wenn es in Bergesschluchten vom lodernden Feuer bezwungen, Schmilzt in der göttlichen Erde, von der Hand des Hephaistos gemeistert.“ (Hesiod: „Theogonie“, 864)
r a
Abb. 3.1: Illustration des „Eisenschmelzens“. Metallarbeite us dem Grabe des Ibj (Ägypten). (NEUMANN 1954, 90)
3.1. Geschichtliches
Erst nachdem Metalle wie K
upfer, Gold, Silber, Blei und Zinn Verwendung gefunden hatten, gelang der Menschheit die Nutzbarmachung des Eisens. Die Ablösung hin zum Eisen vollzog sich jedoch nur allmählich und regional zu unterschiedlichen Zeiten (B.G. SCOTT 1990).
Die Problematik der Herstellung von Eisen liegt trotz eines hohen Schmelzpunktes (Abb. 3.2)
weniger in der Verhüttung des jeweiligen Erzes, sondern eher in der Verarbeitung, d.h. im Schmiedeprozess (A. KRONZ & I. KEESMANN 2003).
Abb. 3.2
Der Beginn der Metallverarbeitung fand bereits während d er ersten großen gesellschaftlichen Transformation der Menschheit statt, als sich die Wirtschaftsform von einer aneignenden zu einer produzierenden wandelte. Die gezielte Verarbeitung von Eisen geht auf diese Zeit zurück. Gediegenes Eisen wurde durch eine Art Kaltschmieden bearbeitet, ähnlich wie es damals für Kupfer, Blei oder Gold bereits üblich war (R. PLEINER 1981). Der Beginn einer Metallzeit
18
wird jedoch zu Recht erst für den Zeitpunkt angesetzt, als die Menschen begannen, das Metall aus den geeigneten Erzen zu gewinnen. Hinweise auf die früheste gezielte Eisenverhüttung führen nach Kleinasien. Gegenstände aus verhüttetem Eisen, die aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. stammen, fanden sich vielerorts von der Ägäis bis zum Kaukasus. Von denen im Hochland des Kaukasus ansässigen Chattiern und Chalybern scheinen die eingewanderten Hethiter die Techniken übernommen und selbst weiterentwickelt zu haben. Nach ägyptischen Quellen des 13. Jhs. v. Abb. 3.3: „Schmelzfeuer“ in Ägypten (ca. 1500 v. Chr.), (VDE 1999, 166) Chr. stellten eiserne Objekte der Heth iter bereits begehrte Exportartikel dar. Die thiterreich zeigt sich darin, dass der eiserne herausragende Bedeutung des Eisens im He es Herrschers waren.
Thron und das eiserne Zepter die Insignien d Des Weiteren werden u.a. von P.F. TSCHUDIN (1985) und B. NEUMANN (1954) ein verzierter Eisendolch und ein goldenes Amulett, das als Fassung für ein so genanntes Horus-Auge („Mondauge“) aus Eisen diente, im Grab des Tut-ench-Amun erwähnt, das chronologisch ins Jahr 1337 v.
Chr. eingeordnet werden kann (Abb. 3.3).
Nach der Zerstörung des Abb. 3.4: mögliche Ausbreitung des Eisens sowie der metallurgischen Kenntnisse in Europa ca. im 8. Jh. v. Chr.. es um 1200 v.
Hethiterreich A vermuteter thrako-venetoillyrischer Weg ; B kimmerischer Chr. fand das Eisen weiterhin Weg ; C griechisch-phönizischer Weg (nach PLEINER 1981, 124 ; mit persönl. Änderungen) eher selten Verwendung, doch breitete sich sein Gebrauch in ). In der Mitte des 9. Jh. v. Chr. begann das der Ägäis kontinuierlich aus (Abb. 3.4 “ (Hesiod „Theogonie“, um 700 v. Chr.). eigentliche „Zeitalter des Eisens Die Kenntnis der Eisenverhüttung gelangte von Kleinasien nach Griechenland, wobei spielten.
wohl die Inseln Zypern, Kreta, Rhodos und später Sizilien eine Mittlerrolle Einen besonderen Ruf in der Antike hatten der sinopische Stahl der Chalyber, die an e der Südostküste des Schwarzen Meeres lebten, sowie der lydische und der lakonisch Stahl.
19
Die nach den Quellen Herodots und Dionysos um 800 v. Chr. (mitteleuropäische Spätbronzezeit) vermutlich aus dem anatolischen Taurusgebiet nach Italien (Etrurien) eingewanderten Etrusker und die Illyrer der Hallstattzeit, vermittelten die Technik der Eisenverhüttung nach Mitteleuropa, wo sie von den Kelten übernommen und von diesen weiter verbreitet wurde (PLEINER 1981). Sowohl das deutsche Wort „Eisen“ als auch das englische Wort „iron“ werden auf die illyrische Bezeichnung Abb. 3.5: Eiserner Dolch- „isarnon“ zurückgeführt. Das bis dahin bestehende griff. Bisher ältester eiserner Gegenstand Mitteleuropas, metallurgische Süd-Nord-Gefälle w urde schließlich durch die 88 mm, Fundort Ganovce/ Keltenwanderungen von 500-250 v. Chr. aufgehoben. Es Slowakei (PLEINER 1981, 115) entstanden Zentren der mitteleuropäischen Eisenindustrie, vermutlich beginnend mit dem Hunsrück- und Eifelraum.
3.2. Keltische Eisengewinnung und -verarbeitung
D as Verfahren zur Verhüttung der Erze in der vorchristlichen Zeit bis hinein in das Mittelalter war das so genannte „Rennfeuerverfahren“ (nach Überlieferung von Beck KEESMANN 1884, in KRONZ & KEESMANN 2003), welches nach KRONZ & (2 003, 259) „[…] sich in der Begriffswelt der Eisentechnologie [...] für die Erzeugung einer Fayalitschlacke eingebürgert hat“ 6 . Die Bezeichnung Rennfeuerverfahren ist auf
das „Rinnen“ der Schlacke aus dem Ofen zurückzuführen. Die Öfen, die man dafür baute, nennt man Rennöfen.
3.2.1. Der Rennofen
D ie Rennöfen dienten den Kelten bereits vor etwa 2500 Jahren zur Verhüttung von E isenerzen (Abb. 3.6). Sie befanden sich meist dort, wo das Erz ansteht, um es direkt vor Ort zu verhütten.
U m eine kleine mit Lehm ausgeschmierte Grube wurde ein Ring aus Lehm und Steinen gelegt. Nach dem ersten Ring wurden zwei bis drei Röhren (anfangs aus Holz, später
aus Eisen) eingefügt. Die eine Öffnung diente der Regulation der Luftzufuhr, die je nach Bedarf geö ffnet und wieder geschlossen werden konnte und normalerweise einem Berghang zugewandt war, um Fallwinde auszunutzen (G. WEISGERBER 2003). Durch die etwas tiefer gelegene zweite Öffnung „entrann“ später die Schlacke, 6 Untersuchungen konnten zeigen, dass neben typischen Fayalitschlacken auch Silikatschlacken (Glasschlacken) in der vorrömischen Eisenherstellung anfallen.
Abb. 3.6.: Aufbau eines frühlatènezeitlichen Rennofens
nach den Vorstellungen von GASSMANN (1997)
ährend die zur Ei en nicht erreicht wurden. w senschmelze benötigten Temperatur aher kann grundsätzlich nicht von Eisenschmelzen und Schmelzöfen gesprochen D w erden, wenn vorgeschichtliche Eisenerzeugungsanlagen gemeint sind.
nden Es ist bekannt, dass in der auslaufenden Bronzezeit Kupfererze in hohen freistehe Öfen in metallisches Kupfer mittels Holzkohle überführt wurden. Daher ist es für F. J. ERNST (1966) nahe liegend, dass auch das erste Eisenerz in solche n Ofentypen verhüttet wurde . Erst viele Jahrhunderte später, als der Prozess der Eisenreduktion vollständig bekannt war, wurde dazu übergegangen, Eisen auch in kleineren Öfen oder Schmelzgruben zu gewinnen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Eisenerzeugung aus Erzen in Schmelzgruben (bowl furnaces) ein weitaus einfacherer Vorgang sei und daher vor der Nutzung von Rennöfen angewandt wurde, wie es beispielsweise H. STRAUBE (1996) postuliert. Neben prozesstechnischen Problemen (Hitzeverlust, geringe Luftzufuhr) ist auch eine nachträgliche Beschickung der Grube nicht möglich, was den gesamten Prozess als wenig rentabel erscheinen lässt (P. WESTPHALEN 1989).
21
3.2.2. Roheisen und „Stahlherstellung“ – das Rennfeuerverfahren
ie Technologie des Rennfeuerverfahrens wurde ausführlich von E. SCHÜRMANN D (1958) und B. OSANN (1971) dargestellt. Zum besseren Verständnis sollen hierbe i e inige grundsätzliche Prinzipien nachskizziert werden. Die wichtigsten Ausgangsstoffe für die Herstellung primären Roheisens und anschließendem „Stahls“ sind Eisenträger (Eisenerze), Brennstoffe (Holzkohle) und gegebenenfalls Reduktionsmittel und Zuschläge (H. S CHUMANN & H. OETTEL 2005).
Die prähistorische Aufbereitung der zum Großteil im Tagebau gewonnenen Eisenerze bestand aus dem Ausklauben, also der Absonderung des tauben Nebengesteins (B.S. OTTAW AY 1994). Dies förderte die Anreicherung des Erzes. Für das Rennverfahren sind besonders wasserhaltige Erze geeignet (z.B. Goethit .- FeOOH). Beim Erhitzen kommt es durch das Entweichen des Hydratwassers zum Substanzverlust. Dabei wird das Erz porig und ermöglicht eine früh einsetzende Reduktion.
Obwohl verschiedene Ansichten über den Prozessablauf existieren und zum Teil auch feststellbar ist, „[…] dass häufig einer vom anderen abschreibt, und zwar Richtiges und Falsch es“ (OSANN 1971, 3), so kann doch folgende Vorgehensweise nachskizziert werden: J.W. GILLES (1958) zeigte in seinen „Schmelzversuchen“, dass Eisenerz und Kohle lagenweise im Gewichtsverhältnis von 1:1 auf bereits vorbereitete Glut im Rennofen aufgegeben werden können. Aufgrund der unterschiedlichen Dichten besteht die eschickung zu 10 % aus Erz und 90 % aus Holzkohle. Das Erz wird daraufhin durch Energiezufuhr (Wärme) und unter Zugabe eines Reduktionsmittels in Metall umgewandelt 7 . Der Wind wird im Rennofen von unten zugeführt, so dass die entstehenden Verbrennungsgase die Beschickung d es Ofens durchströmen können.
Nach den Gleichungen O 2 + C Æ CO 2 (1) CO 2 + O 2 Æ 2 CO + O 2 (2)
mit dem Kohlenstoff de
verbrennt der Sauerstoff r Holzkohle zunächst zu Kohlendioxid und anschließend zu Kohlenmonoxid (OSANN 1971). Erst ein ntsprechendes CO 2 /CO-Verhältnis führt zur Reduktion des Eisens 8 (SCHÜRMANN e 1958).
A. KRONZ & T. EGGERS (2001) beschreiben diesen metallurgischen Prozess auf Grundlage von SCHÜRMANN (1958) vereinfacht durch die Gleichung: 7 Häufig diente gleichzeitig die Holzkohle, ein kohlenstoffhaltiger Energieträger, als Reduktionsmittel 8 vgl. Richardson-Ellingham-Diagramm in Abb. 7.1
22
Erz + Ofenwand + Brennstoffasche = Schlacke + Eisen (+ Gas),
wobei die Ofenwand als ein zusätzlicher silikathaltiger Schlackenbildner fungiert. r Verhüttung Unter Berücksichtigung der Eigenarten des Rennprozesses sind an ein zu gelangendes E rz folgende Grundforderungen zu stellen:
1. Der Eisengehalt darf nicht niedriger als 50 Gew.-% sein, da eine große Me
nge Eisen in die Schlacke übergeht.
2. Es können nur Erze mit vorwiegend Kieselsäure
(SiO 2 ) als Gangart verwendet werden, um die günstigste schmelzpunkterniedrigende Wirkung zu erzielen (OELSEN & SCHÜRMANN 1954, 512)
Bei der Eisenherstellung wird zwischen dem direkten und dem indirekten Verfahren untersc hieden:
Im
direkten Verfahren wird das Eisen nicht schmelzflüssig, sondern nur die Schlacke. Sie „rinnt“ aus dem Ofen. Zunächst wird (kohlenstofffreies) Eisen aus den Eisenoxiden des Erzes durch die kohlenstoffhaltigen Gase der Holzkohle (CO ) uziert 9 und bei Temperaturen von etwa 750°C auf etwa 0,5-1 Gew.-% stufenweise red C aufgekohlt:
F e O + C O Æ Fe + CO 2
(3) 3 Fe + C Æ Fe 3 C
(4)
ch zu einer teigigen Dadurch erniedrigt sich der Schmelzpunkt und das Eisen sintert si Masse am Boden des Rennofens an, der so genannten Luppe (Eisenschwamm). Durch oxidierende Bedingungen des Luftstroms erstarrt der Eisenschwamm und wird n ach:
Fe 3 C + O 2 Æ 3 Fe + CO 2 (5)
teilweise wieder entkohlt (STRAUBE et al. 1964). Ein Teil des Eisenoxids bildet h dem Modell von SCHÜRMANN (1958, Abb. 3.7) bei daraufhin mit der Gangart nac iedrigschmelzende, fayalitische S lac etwa 1200°C eine n ch ke (Fe 2 SiO 4 ) durch die R eaktion:
2 Fe + SiO 2 + O 2 Æ Fe 2 SiO 4
(6) 9 Auf die genaue Beschreibung der einzelnen Verfahrensschritte der Reduzierung von Hämatit (Fe 2 O 3 ) zu Magnetit (Fe 3 O 4 ) bei T < 570°C und schließlich zu Wüstit (FeO) bei T > 570°C soll hierbei verzichtet werden.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Arch. Rene Kunze, 2006, Archäometallurgische Untersuchungen zur frühen Eisenverhüttung und -gewinnung in der Hallstatt- und Latènezeit am Beispiel von Eisenfunden der Hunsrück-Eifel-Kultur, München, GRIN Verlag GmbH
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