Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG. 2
1.1 EINLEITUNGSGEDANKEN 2
1.2 VORGEHEN UND ZIELE DER ARBEIT. 2
1.3 ZUR BEDEUTUNG DES STREICHQUARTETTS ZUR ZEIT BEETHOVENS UND SCHUBERTS 3
1.4 DAS STREICHQUARTETT BEI BEETHOVEN. 5
1.5 DAS STREICHQUARTETT BEI SCHUBERT 6
2 ZU DEN AUSGEWÄHLTEN WERKEN. 7
2.1 BEGRÜNDUNG DER WERKAUSWAHL. 7
2.2 SCHUBERTS STREICHQUARTETT A-MOLL OP. 29 (D 804) „ROSAMUNDE“ 9
2.3 BEETHOVENS STREICHQUARTETT A-MOLL OP. 132 10
3 DIE KOPFSÄTZE BEIDER WERKE IM VERGLEICH 11
3.1 DER 1. SATZ BEI SCHUBERT. 11
3.2 DER 1.SATZ BEI BEETHOVEN 13
3.3 VERGLEICH BEIDER KOPFSÄTZE 15
4 WEITERE SÄTZE UND DEREN BESONDERHEITEN 17
4.1 ANALYTISCHE GEDANKEN ZU AUSGEWÄHLTEN SÄTZEN 17
4.1.1 Schubert: 2.Satz 17
4.1.2 Schubert: 4.Satz 18
4.1.3 Beethoven: 3.Satz. 18
4.1.4 Beethoven: 4.Satz. 19
4.2 AUSGEWÄHLTE VERGLEICHSPUNKTE 19
4.2.1 Formale Anlage 19
4.2.2 Außermusikalischer Bezug 20
4.2.3 Gesangliche Elemente - Bezug zur Vokalmusik 20
4.3 FAZIT - DURCHBRUCH ZU EINEM NEUEN GATTUNGSVERSTÄNDNIS 21
5 LITERATUR 23
1
1 Einführung
1.1 Einleitungsgedanken
Beethoven und Schubert lebten fast zeitgleich und hielten sich über weite Strecken gemeinsam in Wien auf. Da aus heutiger Sicht Beethoven eher als Klassiker und Schubert als Romantiker angesehen werden 1 , aber beide gleichermaßen als überragende Lichtgestalten der Musikgeschichte gelten, ist es höchst interessant zu vergleichen, wie sich beide Komponisten auf ihre eigene Art und Weise mit der damals als anspruchsvollste Gattung der Kammermusik geltende Form, dem Streichquartett 2 , auseinandergesetzt haben. Beide Komponisten haben sich in ihrem Leben ständig weiterentwickelt und ihr eigenes kompositorisches Profil geschärft. Eine Betrachtung der jeweils zuletzt entstandenen Werke ist aus dieser Perspektive besonders aufschlussreich, da man die jeweiligen Unterschiede und Entwicklungsrichtungen, die jeder der beiden bis zum Lebensende erreicht hat, kontrastreich gegenüberstellen und vergleichen kann.
1.2 Vorgehen und Ziele der Arbeit
Die jeweils zuletzt entstandenen Werke auf dem Gebiet der Gattung Streichquartett von Beethoven und Schubert sollen in dieser Arbeit in ihrer grundlegenden Art untersucht und verglichen werden. Dazu wird zunächst die Entwicklung und die Bedeutung der Gattung zur Zeit beider Komponisten abrissartig dargestellt und anschließend von jedem Komponisten ein Überblick über die auf diesem Gebiet geschaffenen Werke gegeben, um den Entstehungszusammenhang des jeweiligen Spätwerks zu beleuchten. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Vergleich von Schuberts Streichquartett a-Moll op. 29 (D804) und Beethovens Streichquartett a-Moll op.132. Nach einer Begründung der Werkauswahl mit entsprechenden Erläuterungen zum jeweiligen Kontext der Entstehung werden die Kopfsätze direkt miteinander verglichen. Vergleichsrelevante Besonderheiten ausgewählter weiterer Sätze werden zunächst getrennt analysiert, um dann in einem übergeordnet vergleichenden Kontext dargestellt zu werden. Ziel der Arbeit ist
1 Ich beziehe mich hier auf eine landläufig vorherrschende epochale Zuordnung beider Komponisten,
welche zwar in der Literatur nicht unwidersprochen bleibt, vor allem in der Sekundärliteratur aber häufig
getroffen wird. Vgl. u.a. P. Schnaus, Die Musik des 19. Jahrhunderts, in: Europäische Musik in Schlag-
lichtern, 1990, S. 309-314
2 s. L. Finscher, Art. Streichquartett, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 8, 1994, Sp. 1927
2
das Herausarbeiten von unterschiedlichen Herangehensweisen, Kompositionstechniken, Ausdrucksformen und Absichten der beiden Komponisten im Hinblick auf die vorgestellten Werke. In den Kapiteln 4.2-3 werden entsprechende Schlussfolgerungen gezogen und als Fazit in Kapitel 4.3 zusammengefasst.
1.3 Zur Bedeutung des Streichquartetts zur Zeit Beethovens und Schuberts
Joseph Haydn kommt bei der Schaffung der Gattung Streichquartett eine maßgebliche Erfinderrolle zu. 3 Aber als er gegen Ende der 1750er Jahre die Gattung zunächst noch mit fünfsätzigen Divertimenti begründete, entstanden fast zeitgleich Werke von Luigi Boccherini und Georg Philipp Telemann. Aus den Vorläufern der barocken Triosonate, der italienischen Sinfonia und der im deutschsprachigen Raum geprägten Quartett-Divertimenti bildete sich die neue Gattung als ein von Anfang an mit höchsten Wertmaßstäben belegter Weg um neue kompositorische Entwicklungen, wie u.a. die Lösung vom Generalbass und die zunehmende Gleichberechtigung und Individualisierung der Einzelstimmen in eine angemessene musikalische Form zu gießen. Haydn war es allerdings, der spätestens mit seinen 1781 entstandenen und nach eigenen Angaben auf eine „ganz neue, besondere Art“ 4 komponierten sechs Quartetten op. 33 (Hob. III:37-43) die Gattung zu einer mustergültigen klassischen Form gebracht hat. Genau auf diese Werkgruppe reagierte Mozart, indem er als „das Ergebnis einer langen, arbeitsreichen Bemühung“ 5 die in den Jahren 1782-85 entstandenen sechs Quartette Haydn widmete und somit maßgeblich an einer Herausbildung eines mustergültigen Kanons mitwirkte. Durch die Expansion des Wiener Musikverlagswesens 6 und die große Beliebtheit dieser neuen Form fand die Quartettliteratur eine schnelle Ausbreitung und wurde als anspruchsvollste Gattung der Kammermusik und neben der Sinfonie als bedeutendste Gattung überhaupt für jeden ernstzunehmenden Komponisten zum Prüfstein kompositorischer Meisterschaft. 7
In dieser klassisch mustergültigen Form bestehen die Streichquartette aus vier Sätzen, wovon der erste Satz das Schwergewicht trägt, aus einem Kerngedanken entwi- 3 vgl.L. Finscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1931 ff.
4 J. Haydn, zit. nach P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S. 264
5 W.A. Mozart, zit. nach P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S.265
6 s. L. Finscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1934
7 vgl. P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S. 263-267
3
ckelt wird und in der Sonatenhauptsatzform steht. Der langsame zweite Satz hat in der Regel die größte emotionale Tiefe und kennzeichnet sich häufig durch eine gesangliche Melodie, worauf ein Tanzsatz als dritter Satz in der Form eines stilisiertes Menuetts oder Scherzos folgt. Die Reihenfolge zwischen zweitem und drittem Satz ist in einigen Werken umgekehrt. Der vierte Satz ist meist ein rasches Finale mit hoher motivischer Dichte, welcher zunehmend schwergewichtiger komponiert wurde, wodurch er ein gewisses Gegengewicht zum ersten Satz darstellt und insgesamt zu einer stark zyklischen Geschlossenheit der Gattung Streichquartett beitrug. 8 Als wichtigste generelle Merkmale bildeten sich eine zunehmende Verselbstständigung und verflechtende Durchdringung der einzelnen Stimmen, eine konsequente thematische Arbeit, eine hohe Dichte der satztechnischen Struktur, sowie eine Klarheit der melodischen Erfindung heraus. Darüber hinaus entwickelte sich sehr früh eine bedeutungsvolle und musikgeschichtlich lang zurückreichende Gattungs-Ästhetik. Die sich verstärkende Vorstellung von Kammermusik als einer besonders anspruchs- und kunstvoll gestalteten Musik für Kenner und musikalisch gebildete Liebhaber 9 bildeten den Nährboden für die von Goethe so treffend ausgedrückte Vorstellung des Streichquartetts als „Viergespräch“ 10 , also einem anspruchsvollen Diskurs zwischen vier vernünftigen Personen. Die Zahl Vier hat zudem eine mythologisch, literarisch und musikgeschichtlich gewachsene besondere Bedeutung von Würde und Vollkommenheit. Die vier Himmelsrichtungen, die vier Elemente, die vier Jahreszeiten und in der Musik die besonderes würdevolle Stellung des vierstimmigen Satzes, die Stimmgattungen mit Sopran, Alt, Tenor und Bass und nicht zuletzt die viergliedrige Instrumentenfamilie der Streichinstrumente stellen diese Bedeutung einrucksvoll unter Beweis.
In der Zeit als Beethoven und nachfolgend auch der 27 Jahre später geborene Schubert zu komponieren begannen, war die Gattung Streichquartett also bereits durch Haydn und Mozart 11 mustergültig ausgebildet und mit hohen Wertansprüchen belegt. Zudem erfreute sich das schnell wachsende Streichquartettrepertoire großer Beliebtheit vor allem in gut gebildeten Bevölkerungskreisen. Beide Komponisten waren somit durch die Hypostasierung des Streichquartetts als anspruchsvollste Gattung der Kam- 8 vgl.P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S. 264 f.
9 s. L. Finscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1925
10 s. ebda., Sp. 1926
4
mermusik 12 mit der Erwartung konfrontiert sich als herausragende und ernstzunehmende Komponisten mit dieser musikalischen Form angemessen auseinander zusetzen und bedeutende Werke zu schaffen. Ebenso waren sie mit der Schwierigkeit konfrontiert, eine bereits weitestgehend vollkommene Form mit strengen Vorgaben und Erwartungen weiterentwickeln und mit eigenen unverwechselbaren Ideen füllen zu müssen, wenn sie Streichquartette nicht nur in der Art von Mozart und Haydn schreiben wollten.
1.4 Das Streichquartett bei Beethoven
Im Leben Beethovens gab es drei Abschnitte in denen er sich der Gattung Streichquartett widmete. Es wird zwischen den frühen, den mittleren und den späten Streichquartetten unterschieden. 13 Beethoven wagte sich erst relativ spät, im Alter von 29 Jahren, erstmals an die Form des Streichquartetts und komponierte zwischen den Jahren 1798 und 1800 die als frühe Streichquartette geltende Werkgruppe op. 18, welche sich am Vorbild Haydns orientiert und aus sechs Quartetten besteht. Die intensive Auseinandersetzung mit den großen Meisterwerken von Haydn und Mozart ist klar zu erkennen, wofür auch die Tatsache spricht, dass Beethoven die Quartette mehrmals überarbeitete und die Nummerierung nicht mit der Entstehung übereinstimmt. Ähnlich wie Mozart in seinen Haydn-Quartetten versuchte hier Beethoven einen gründlich ausgearbeiteten Zyklus derart auszuformulieren, dass man mit Recht sagen kann, dass damit das klassische Streichquartett ans Ende gelangt zu sein scheint. Beethovens unverwechselbar persönlicher Stil ist aber u.a. durch den Kontrastreichtum, die thematische Entwicklung aus kleinen Motiven und die gesteigerte Individualisierung der Tonsprache bereits deutlich zu erkennen. Nach einer Pause von etwa fünf Jahren entstanden in den Jahren 1805/06 die dem russischen Fürsten Rasumowsky gewidmeten und als mittlere Streichquartette bezeichneten drei Quartette op. 59. Zu dieser Periode werden auch das im Jahr 1809 entstandene Quartett Es-Dur op.74 sowie das ein Jahr später fertiggestellte Werk op. 95 in f-Moll gerechnet. Diese fünf Werke wirken wie ein völlig neuer Ansatz und stellen eine Neudefinition der Gattung dar. 14 Beethovens Stil, der sich inzwischen deutlich von seinen Vorbildern gelöst hat, kennzeichnet sich durch eine leidenschaftlich erregte Ton-
11 Zudiesem Zeitpunkt komponierten bereits viele weitere Komponisten Streichquartette. Sie orientierten
sich aber zumeist an den prägenden stilistischen Vorgaben von Mozart und Haydn.
12 s. L. Finscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1927
13 vgl. J. Forner, Streichquartette, in: Konzerführer Ludwig van Beethoven, 1988, S. 182
5
Arbeit zitieren:
Dipl. Orchestermusiker/Dipl. Instrumentalpädagoge Rafael Gütter, 2006, Späte Streichquartette von Beethoven und Schubert, München, GRIN Verlag GmbH
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Martin Kiesbretter
Super Arbeit!.
Eine sehr detaillierte, gut verständliche und prägnant pointierte Arbeit. Kann ich dringend empfehlen, wenn man einen guten und umfassenden Texte zu diesem Thema sucht!
am Sunday, July 22, 2007-