Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Geschichte des bäuerlichen beziehungsweise ländlichen Gartens und des
„Bauerngartens“ 1
2.1. Der bäuerliche beziehungsweise ländliche Garten bis zum Mittelalter 1
2.2. Der bäuerliche beziehungsweise ländliche Garten im Mittelalter 2
2.3. Der bäuerliche beziehungsweise ländliche Garten des 19. Jahrhunderts und die
Entstehung des „Bauerngartens“ 4
2.4. Der „Bauerngarten“ im Nationalsozialismus 5
2.5. Der bäuerliche beziehungsweise ländliche Garten in der Nachkriegszeit 5
2.6. Der „Bauerngarten“ zur Zeit des Wirtschaftswunders 6
2.7. Der „Bauerngarten“ seit dem Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre 6
3. Die Pflanzenwelt des „Bauerngarten“ 7
4. Die mögliche Gestaltung des „Bauerngarten“ 8
6. Die Schlussbetrachtung 8
Literaturverzeichnis
II
1. Einleitung
Der „Bauerngarten“ - Tradition oder Erfindung ? erscheint auf den ersten Blick eine Frage, die keiner Antwort bedarf. In einer Umfrage würde die Mehrheit der Befragten ohne viel überlegen zu müssen ein relativ homogenes Bild von einem „Bauerngarten“ entwerfen. Ein Meer aus Blumen, Gemüse und Kräuter zum Würzen, zwar in Beeten voneinander abgegrenzt, jedoch die Arten recht willkürlich im Garten vermischt, alte Sorten vor allem, ausgetretene Wege eventuell mit Holz ausgelegt, eine Vogelscheuche, ein alter Holzzaun und hier und da etwas Altes, Vergessenes oder Verrostetes, alles wahnsinnig idyllisch und scheinbar schon immer existent, über Jahre im Familienbesitz … die Beschreibung könnte so weiter geführt werden. Die Vermutung liegt also nahe, dass die Antwort nur „Tradition“ lauten kann.
Zu Beginn der Arbeit soll zunächst ein Einblick in die allgemeine Geschichte des Gartens gegeben werden. Daran anschließend wird immer mehr der Begriff des bäuerlichen Gartens eingeführt und damit eine Übersicht über seine Entwicklung seit seiner „Entstehung“ bis zum heutigen Tag angegliedert. Einen weiteren Abschnitt und das Kernstück dieser Arbeit stellt die Geburt und Renaissance des Typus „Bauerngarten“ im 19. Jahrhundert dar wie er neuzeitlich gebraucht wird und seine Präsenz in den jeweiligen Jahrzehnten bis in die heutige Zeit. Der Bezug zum bäuerlichen Garten soll dabei nicht aus den Augen gelassen werden. Als bereichernde Basisliteratur ist hier vor allem der Beitrag von Doris Schulmeyer-Torres „Bauerngärten. Historische Entwicklung und Charakterisierung des aktuellen Artenbestandes der ländlichen Gärten in West-Mitteleuropa anhand ökologischer und historisch-geografischer Merkmale“ zu nennen. So wird sich schließlich zeigen, ob der manifestierte Begriff des „Bauerngarten“ einer Tradition entspringt oder eine Erfindung der Neuzeit und somit ein künstlicher Begriff ist.
2. Zur allgemeinen Geschichte des ländlichen beziehungsweise bäuerlichen Gartens und des „Bauerngartens“
Grundsätzlich ist die Geschichte des bäuerlichen Gartens wie jede andere Art der Gartengestaltung geprägt von sich im ständigen Wechsel befindenden klimatischen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren. Die Entwicklung führt uns von den gerade sesshaft werdenden Bauern über die Gärten des Mittelalters bis zum Garten des 19. Jahrhunderts und der heutigen Zeit. Und schließlich wird deutlich werden, dass der
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„Bauerngarten“ im Vergleich zum bäuerlichen oder ländlichen Garten - wie bald zu erkennen sein wird - keine traditionelle Gartenform ist, auch wenn dieser Begriff heutzutage geradezu synonym sowohl für den im 19. Jahrhundert entstehenden Typus sowie seinen vermeintlichen Vorläufer, den ländlichen Garten der Bauern, benutzt wird.
2.1. Der bäuerliche beziehungsweise ländliche Garten bis zum Mittelalter
Als aus Nomaden sesshafte Bauern werden, beginnen sie zur Lebenserhaltung Rohstoffe für Kleidung, den Hausbau oder Medizin anzubauen. Dazu nutzen sie unter anderem das Stück Land direkt am Haus. Dort pflanzen sie zunächst wild wachsende heilende Kräuter für Mensch und Tier und andere stärke-, zucker- und fettreiche Pflanzen an. Folglich ist nun ein Schutz vor Eindringlingen wie zum Beispiel wilden Tieren notwendig. Sie begrenzen ihr Land mit Zäunen aus gefälltem Holz oder mit „lebendigen“ Zäunen aus Schlehe oder Weißdorn. 1
Etymologisch geht der Begriff „Garten“ auf die Bezeichnung für einen umzäunten Besitz zurück. Sein Wortstamm kann unter anderem auf das mittelhochdeutsche garte und das althochdeutsche garto für ein „begrenztes Stück Land [an, um ein Haus] zur Anpflanzung von Gemüse, Obst, Blumen o. Ä.“ zurückgeführt werden. 2
Der Zaun gibt dem Garten demzufolge schließlich seinen Namen. Der Charakter des Gartens gleicht zu jener Zeit einem schlichten Nutzland, auf dem der Germane das Nötigste zum Leben anbaut. Die Umzäunung grenzt es nun deutlich vom Allgemeingut wie Feld, Wiese und Wald ab. Seine Bepflanzung beschränkt sich auf Nutz- und Heilpflanzen. Als Folge des Eindringens der Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. findet eine Bereicherung des germanischen Würz- und Heilgarten statt und bereichern so den bisherigen Bestand. Dazu zählen Raute, Anis, Dill, Kerbel, Senf und Koriander ebenso wie hochwertige Obstsorten wie zum Beispiel Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Aprikose, Walnuss, aber auch die Weinrebe. Im folgenden Jahrhundert werden sogar erste Blumenbeete angelegt, jedoch mit der Einschränkung, dass hier zunächst nicht die Zier, sondern der Nutzen der Blumen als Heilmittel im Vordergrund steht. Die Beete der von den Römern angelegten Gärten werden mit kleinwüchsigem Buchsbaum eingefasst, ein Element, welches sich später auch im „Bauerngarten“
1 Vgl. Schulmeyer-Torres, Doris: Bauerngärten. Historische Entwicklung und Charakterisierung des aktuellen
Artenbestandes der ländlichen Gärten in West-Mitteleuropa anhand ökologischer und historisch-geografischer
Merkmale; ein Beitrag zur Erforschung der Überreste des Bauerngartens, Saarbrücken, 1994, S. 19.
2 Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG (Hrsg.): Die Zeit. Das Lexikon in 20 Bänden. Deutsches
Wörterbuch, Bd.17, Hamburg 2005, S. 838.
2
wiederfindet. Die Völkerwanderung, die im 2. Jahrhundert n. Chr. einsetzt und einige Jahrhunderte anhält, hat zur Folge, dass die Reichhaltigkeit der Gärten zerstört und mancherlei Errungenschaft verloren geht. 3
2.2. Der bäuerliche beziehungsweise ländliche Garten im Mittelalter
Über die ländlichen beziehungsweise bäuerlichen Gärten im Mittelalter ist nur wenig bekannt. Zu jener Zeit sind es die Klöster, die mit ihrem umfangreichen Wissen über Land- und Waldwirtschaft die Gartenkultur erhalten. Sie sind zum überwiegenden Teil Selbstversorger und bauen nicht nur die Heilkräuter und Blumen wie zum Beispiel Rosen, Lilien, Iris und Salbei an und erforschen diese, sondern sie geben Pflanzen und Samen und ihr Wissen darüber auch an die Dorfbewohner ab, vor allem aber an andere Klöstern. Die Blumen dienen nicht der Zierde, sondern sind von ihnen aufgrund angenommenen oder nachgewiesenen heilende Kräfte in den Garten aufgenommen worden. Das dabei vorherrschende Kriterium zur Auswahl der Sorten ist oftmals der Duft. Zudem lässt sie aber auch ihre christliche Symbolik und ihre Verwendung zum Altarschmuck zum festen Bestandteil des Klostergartens werden. Dank der italienischen Klöster erweitert sich der Bestand der Blumen in den Klöster Deutschlands und zunehmend auch in den ländlichen Gärten. Dieser Austausch führt zu einem sich stetig erweiternden Reichtum an Pflanzen im ländlichen Garten. Eine genauere Darstellung der rein landschaftlich aufgebauten Wirtschaft zu dieser Zeit gibt uns auch die von Karl der Großen verordnete Landgüterverordnung von 812, das Capitulare de villis et curtis imperialibus, in der er im 70. Kapitel 73 Nutzpflanzen und 16 verschiedene Obstbäume bestimmt, die in den Landgütern angebaut werden sollen. Dazu zählen unter anderem Sorten wie Melonen, Flaschenkürbisse, Saubohnen, Kreuzkümmel, Rosmarin, Kümmel, Kichererbse, Meerzwiebel, Schwertlilie, Drachenwurz, Feige, Nußbaum oder Kirschbaum. Es ist unbedingt anzunehmen, dass diese Güter wohl auch Einfluss auf die ländlichen Gärten der einfachen Leute nehmen. 4
Zur weiteren Verbreitung von Pflanzen - und Pflanzwissen tragen im Hochmittelalter unter anderem die Äbtissin Hildegard von Bingen und Konrad von Megenberg mit ihren Büchern bei. Dort werden die entsprechenden Pflanzen aufgeführt und dazugehörige Kenntnisse um
3 Vgl. Schulmeyer-Torres, Doris: Bauerngärten. Historische Entwicklung und Charakterisierung des aktuellen
Artenbestandes der ländlichen Gärten in West-Mitteleuropa anhand ökologischer und historisch-geografischer
Merkmale; ein Beitrag zur Erforschung der Überreste des Bauerngartens, Saarbrücken, 1994, S. 20f.
4 Vgl. Schulmeyer-Torres, Doris: Bauerngärten. Historische Entwicklung und Charakterisierung des aktuellen
Artenbestandes der ländlichen Gärten in West-Mitteleuropa anhand ökologischer und historisch-geografischer
Merkmale; ein Beitrag zur Erforschung der Überreste des Bauerngartens, Saarbrücken, 1994, S. 21 - 26.
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Arbeit zitieren:
M.A. Sina Neumann, 2005, Bauerngarten - Tradition oder Erfindung, München, GRIN Verlag GmbH
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Die natur- und heilkundlichen Theorien der Hildegard von Bingen
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