Gliederung
1. Vorbemerkung. 3
2. Das Oktoberfest - die Ausnahmesituation 4
3. Der Zeppelin. 5
4. Das Verhältnis zwischen Kasimir und Karoline 6
5. Das Verhältnis zwischen Franz und Erna 8
6. Das Primat der Ökonomie 9
7. Die Figur der Karoline 10
8. Rauch und Speer. 13
9. Maria und Elli. 15
10. Fazit 17
11. Literaturangabe 18
“Liebe stirbt nie"
1. Vorbemerkung
In der vorliegenden Untersuchung wird versucht, den komplexen Zusammenhang der gesellschaftlichen Verhältnisse mit dem Geschlechterverhältnis aufzuzeigen. Erschwert wurde die vorliegende Arbeit dadurch, daß kaum Literatur zur Verfügung stand. Aus diesem Grunde erfolgt die Interpretation größtenteils textimmanent.
Bei “Kasimir und Karoline“ handelt es sich um ein Volkstück aus den Jahren 1931/32, das im November 1932 in Leipzig uraufgeführt wurde. Das Stück spielt auf dem Oktoberfest in München in den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Grob thematisiert es das Ende der Beziehung zwischen den zwei Hauptcharakteren Kasimir und Karoline.
2. Das Oktoberfest - die Ausnahmesituation
Der Schauplatz, das große Volksfest, an dem Menschen unterschiedlicher Schichten und Herkunft zusammenkommen, um sich miteinander zu amüsieren, Bekanntschaften zu knüpfen, die Grenzen und Normen des Alltags zu vergessen, eröffnet einen besonderen Spielraum. Der herrschende Trubel und Jubel, das Treiben des fahrenden Volkes der Schausteller, die Karussells und Achterbahnen ermöglichen und finden ihre Entsprechung in dem, was den Figuren während der schnellen Abfolge der einzelnen Szenen des Stückes widerfährt. In Ernas Bemerkung: “Kaum fängt man an, schon ist es vorbei“ 1 , spiegelt sich das Vorübergehende und doch immer Gleichbleibende des menschlichen Daseins, das im Stück zum Ausdruck kommt.
1 Horvath, Ödon von: Kasimir und Karoline. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1994, S. 61
3. Der Zeppelin
Das handlungsauslösende Element ist eine Meinungsverschiedenheit zwischen Kasimir und Karoline im ersten Bild. 2 Dabei geht es vordergründig um das Luftschiff, das eben in geringer Höhe über die Festwiese fliegt. Die Festbesucher jubeln begeistert der Attraktion zu. Der Zeppelin ist Symbol für den Fortschritt der Zeit 3 , für den sich bereits abzeichnenden Wiederaufschwung 4 und genauso für den politischen Wechsel. 5 Im Laufe der Handlung gewinnt der Zeppelin leitmotivischen Charakter für den Bruch zwischen Kasimir und Karoline.
Der Streit zwischen Kasimir und Karoline entbrennt, weil sie unterschiedliche Auffassungen darüber vertreten, was der Zeppelin bedeutet. Während Karoline in ihm ein Zeichen für neue und bessere Zeiten sieht 6 , also optimistisch in die Zukunft blickt, vergißt Kasimir die deprimierende Gegenwart nicht und versucht das Spektakel, ebenso wie das gesamte Fest, als Instrument der oberen Klassen zur Ablenkung und Ruhigstellung der Arbeiterschichten zu entlarven. 7
Karoline ist enttäuscht, denn sie war auf das Oktoberfest gekommen, um sich zu amüsieren und den Alltag zu vergessen. Sie beklagt Kasimirs Pessimismus, den er allerdings als einen schlichten Realismus und seiner Situation angemessen versteht. 8
Diese Lappalie soll das Initial für den weiteren Handlungsverlauf, den Bruch zwischen den Verlobten, darstellen. Doch die Banalität der Meinungsverschiedenheit weist auf andere, tiefergehende Ursachen für ein Mißlingen einer Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren hin.
2 Vgl. Horvath, S. 11f
3 Vgl. Horvath, S. 11
4 Vgl. Horvath, S. 12
5 Vgl. Horvath, S. 11
6 Vgl. Horvath, S. 11
7 Vgl. Horvath, S. 12
8 Vgl. Horvath, S. 12
Arbeit zitieren:
Kerstin Weich, 1998, Das Geschlechterverhältnis in Horvaths "Kasimir und Karoline", München, GRIN Verlag GmbH
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Das Frauenbild in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline"
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