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Johann Wolfgang von Goethe Universität Frankfurt/Main Fachbereich Neuere Philologien
Einführung in die Historische Sprachwissenschaft II Sommersemester 2002
vorgelegt von: Florian Fix: 2. Semester
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Etymologie 4
3. Frühgeschichte
3.1. Geschichtliche Voraussetzungen 5
3.2. Erste Erwähnungen 5
3.3. Übertragung auf die Sprachträger
3.3.1. Erste Übertragung 7
3.3.2. Besonderheiten der Übertragung 8
4. Orthografie und Aussprache
4.1. Schreibweisen in den Epochen 9
4.2. Streit um die richtige Schreibweise
4.2.1. Wechsel von anlautendem "t" zu "d" 9
4.2.2. Argumente der Parteien 10
5. Bedeutungsgeschichte
5.1. Funktionen des Wortes 12
5.2. Bedeutungen seit dem späten
8. Jahrhundert 12
5.3. Bedeutungen im 18. und 19. Jahrhundert 13
5.4. Bedeutungen im Nationalsozialismus 15
5.5. Auffällige Tendenzen in der
Bedeutungsgeschichte 16
5.6. Heutige Bedeutung 16
6. Resümee 18
7. Literaturverzeichnis 19
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Als Thema meiner Hausarbeit im Proseminar "Einführung in die historische Sprachwissenschaft II" habe ich den Versuch der Klärung von Herkunft und Geschichte des Wortes GHXWVFK gewählt. Dieses Thema war und ist für mich vor allen Dingen deshalb ansprechend, da ich schon seit längerer Zeit großes Interesse an der Geschichte des Volkes habe, dem ich angehörig bin. Dazu gehört auch die Entstehung des Sprachnamens- schließlich ist es meiner Meinung nach wichtig zu wissen, was das Wort bedeutet, mit dem ich mich selbst und das Land, in dem ich lebe, bezeichne. Des weiteren wurde in diversen Diskussionen des vergangenen Jahres die Frage nach der "deutschen Leitkultur" gestellt, es gilt herauszufinden, was "typisch deutsch" ist. Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn man sich der Herkunft und Geschichte des Wortes bewusst ist. Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt die Etymologie des Wortes problematisiert werden, d.h. von welchen Wörtern es abgeleitet wurde, was es ursprünglich bedeutete etc.
Anschließend soll auf die Frühgeschichte eingegangen werden, welche Aufschluss gibt, wann und wo GHXWVFK das erste Mal schriftlich festgehalten wurde und was die Voraussetzung für die Entwicklung des Sprachnamens war. Dieser Punkt beinhaltet des weiteren auch die Übertragung des Sprachbegriffs auf die Sprachträger. Sodann will ich die Orthographie und Aussprache behandeln; die verschiedenen Schreibweisen in den Epochen und die Erklärung für die heutige Schreibweise sind Teile davon, ebenfalls sollen die Angelegenheiten des Streits im 18. Jahrhundert, welcher sich um die richtige Schreibweise von GHXWVFKdrehte, erläutert werden. Schließlich soll auf die Bedeutungsgeschichte, mit Schwerpunkt auf die übertragene Bedeutung, eingegangen werden, wobei die heutigen Bedeutungen nicht vernachlässigt werden sollen, obwohl sie strenggenommen nicht zur Geschichte gehören, wie es das Thema der Hausarbeit vorschreibt, meiner Meinung nach allerdings für die Vollständigkeit unerlässlich sind.
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'HXWVFK ist ein Adjektiv, welches vor dem 11 Jahrhundert entstanden ist. Im Mittelhochdeutschen hieß es WLXWVFK GLXWLVFK, im Althochdeutschen GLXWLVF, altsächsisch WKLXGLVF
Das Wort GHXWVFK wurde abgeleitet von griechisch *SHXG} für Volk. Das Wort 9RON wird folgendermaßen übersetzt: in gotisch SLXGD, altenglisch SHRG, altfranzösisch WKLmG, altsächsisch WKLRGD, althochdeutsch GLRW Dieses kommt vom indogermanischen *WHXWmfür9RONin altlitauisch WDXWj, altiranisch W~DWK oskisch-umbrisch WRXWR und wohl auch hethitisch WX]]L "Heer" (eine ältere Bedeutung verweist auf neupersisch tõda, was soviel wie "Masse" oder 'Erdhaufen' bedeutet, übertragen auf 9RON wohl "Menschenmasse"). Das Adjektiv GHXWVFK bedeutet also "zum Volk gehörig". Es ist systematisch gebildet. Wegen des Vokalunterschieds von ahd. GLRWzu ahd. GLXWLVF muss das Adjektiv alt sein. Die Bedeutung ("in der Volkssprache") wurde im Frankenreich schon früh festgelegt, zuerst 786 in latinisierter Form bezeugt (WKHRGLVFH WKHRGLVFD OLQJXD. Dieser latinisierte Gebrauch ist früh auch schon in England für die Volkssprache - altenglisch - verwendet worden, möglicherweise in Anlehnung an den fränkischen Gebrauch.
So wie das althochdeutsche Wort KHLPLVF einerseits "heimisch" und "innländisch", andererseits aber auch "ungebildet", "dumm" und "stümperhaft" bedeuten kann, kann das Adjektiv GHXWVFK einerseits "zum Volk gehörig", aber auch - in abwertender Weise - "nur zum Volk gehörig", "auf die Volkssprache beschränkt" bedeutet haben. Der Gegensatz zur Volkssprache war das Latein, welches nur die Geistlichen und Gebildeten sprachen. Für sie könnte GHXWVFK ein abfälliger Ausdruck für die bäuerliche und ungebildete Bevölkerung gewesen sein. Im Zuge der Romanisierung der Westfranken und der Abgrenzung des Altfranzösischen gegen das Althochdeutsche (Fränkische) wird dann GHXWVFK aber auch als Bezeichnung gegenüber dem Romanischen verwendet. Im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts wird GHXWVFK zur Bezeichnung aller kontinentalgermanischen Sprachen, 1 einschließlich der niederländischen Sprachausprägungen.
1 Vgl.: Kluge (1995)
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3.1. Geschichtliche Voraussetzungen
Voraussetzung zur Entwicklung des Wortes GHXWVFK war das Zusammenfassen der deutschen Stämme zu einem Reich. Erst dadurch konnte ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt werden, welches den Anlass gab, für dieses neue Bewusstsein ein Wort zu finden. Die Reichsbildung gab den Anstoß für die Entstehung eines
Nationalbewusstseins, sie schuf den Gegensatz zwischen Franken und den übrigen Germanen und bot den germanischen Stämmen, den Bayern, Sachsen, Franken, Alemannen usw. in der Reichseinheit Gelegenheit, sich gegenüber dem romanischen Westen ihrer Andersartigkeit wie auch ihrer Zusammengehhörigkeit bewusst zu werden. Am wesentlichsten an der Herausbildung des späteren deutschen Reiches beteiligt war Karl der Große (768-814). Unter seiner Herrschaft wurden die einzelnen Stämme rechts des Rheins fester politisch-organisatorisch miteinander verknüpft, auch wenn sie noch keine eigene politische Einheit bildeten.
Karl der Große führte eine Herrschafts- und Glaubenseinheit ein. Dies geschah teilweise durch die Reichsverwaltung, welche größtenteils mit Mitgliedern der Reichsaristokratie besetzt war. Diese besaßen meist Güter in mehreren Teilen des Reiches und waren deshalb, schon allein aus Eigeninteresse, Vertreter der Reichseinheit über die Stämme hinweg. Auf der anderen Seite stand die Reichskirche, welche die Stämme über 2 regionale und ethische Grenzen miteinander verband.
3.2. Erste Erwähnungen
Die erste schriftliche Erwähnung des Wortes GHXWVFK stammt aus dem Jahre 786, nach L. Weisgerber ist das Wort jedoch früher, im 7. Jahrhundert, um Tournai, Cambrai und Soissons aufgekommen. Damals herrschte ein kultureller und politischer Kampf zwischen Romanen- und Frankentum. Das Vordringen der Romanen hatte eine stärkere Betonung
2 Vgl.: Prinz (1993)
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Arbeit zitieren:
M A. Florian Fix, 2002, Herkunft und Geschichte des Wortes 'deutsch', München, GRIN Verlag GmbH
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