Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG - 3 -
1.1 Forschungsstand und Materiallage
1.2 Fragestellung und Schwerpunkte der Arbeit - 4 -
2 HILDEGARD VON BINGEN – DIE PERSON - 5 -
2.1 Vita
2.2 Hildegard von Bingen im Blickfeld der Wissenschaft - 5 -
3 DARSTELLUNG DER HEIL-/NATURLEHRE VON HILDEGARD VON
BINGEN - 7 -
3.1 Physica / LSM
3.2 Curae et Causae / LCM - 9 -
4 ENTSTEHUNG UND BEDEUTUNG DER HEIL-/NATURKUNDLICHEN
WERKE DER HILDEGARD VON BINGEN - 13 -
4.1 Physica / LSM
4.2 Curae et Causae / LCM - 16 -
5 SCHLUSS - 17 -
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS - 18 -
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS - 20 -
Anlage 1 – Tabelle der Elementareinteilung
Anlage 2 - Handschriften des LSM - 22 -
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1 Einleitung
Mit den Schriften „Physica“ 1 und „Causae et curae“ 2 der Hildegard von Bingen liegen uns die zurzeit bekannten Überlieferungen ihrer heilkundlichen Theorien vor. Vielen sind heutzutage die naturheilmedizinischen Theorien, die unter dem Namen Hildegard von Bingen verkauft werden ein Begriff und manch einer setzt sie sogar noch heute, über 800 Jahre nach ihrem Entstehen, ein. Doch wie entstand dieses Werk, das immer noch so viele Menschen in seinen Bann zieht? Durch Visionen Gottes oder durch Genialität der Verfasserin?
1.1 Forschungsstand und Materiallage
Aufgrund des Hildegardjahres 1998 anlässlich des 900. Geburtsjahres Hildegards von Bingen hat die Forschung rund um die Werke und das Leben Hildegards von Bingen neuen Auftrieb bekommen.
Momentan befassen sich Melitta Weiss-Adamson, Barbara Fehringer, Laurence Moulinier, Irmgard Müller, José Carlos Santos Paz und Reiner Hildebrandt mit den handschriftlichen Werken der Hildegard von Bingen. Hierbei sind die drei Hauptziele der derzeitigen Forschung:
• die Verbreiterung der Quellenbasis durch Auffindung und Beschreibung bislang unbekannter Textzeugen,
• die Annäherung an die jeweils ältesten Textfassungen und
• die Rekonstruktion einer deutschsprachigen Hildegard-Überlieferung. 3 Dies ist deswegen so notwendig, da die Entstehung der Werke mit der derzeitigen Quellenlage nicht endgültig geklärt werden kann, sondern erst mit Auffinden der Originalhandschriften. Weiterhin sei erwähnt, dass es in der Literatur momentan viele Überschneidungen gibt und vieles inhaltlich identisch ist. 4 Ebenso hat die so genannte „Hildegard-Medizin“ eine wahre Renaissance erfahren, wobei aus wissenschaftlicher Widergabe der medizinisch/naturkundlichen Werke
1
Im Folgenden als „Liber simplicis medicinae“ / LSM bezeichnet, da diese Bezeichnung wesentlich früher in den Quellen erscheint.
2 Im Folgenden als „Liber compositae medicinae“ / LCM bezeichnet. Begründung wie bei 1 3 Embach, Michael: Die Schriften Hildegards von Bingen, Studien zu ihrer Überlieferung und Rezeption im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, Berlin 2003, S. 25.
4 Bingen, Hildegard von: Heilkraft der Natur – Physica – Das Buch von dem inneren Wesen der verschiedenen Naturen der Geschöpfe – Erste vollständige, wortgetreue und textkritische Übersetzung, bei der alle Handschriften berücksichtigt sind – Übersetzt von Marie-Louise Portmann, Basel, Augsburg, Pattloch, 19972, S. 10.
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Hildegards von Bingen oft esoterische Phantasterei wird, die in fragwürdiger Literatur mündet. 5
1.2 Fragestellung und Schwerpunkte der Arbeit
Im Folgenden werde ich die heil-/naturkundlichen Schriften Hildegards von Bingen, den „Liber simplicis medicinae“ (LSM) und den „Liber compositae medicinae“ (LCM), untersuchen, die wesentlichen Thesen beider herausarbeiten und der Frage nachgehen, was Hildegard von Bingen zu der Medizin ihrer Zeit beitragen konnte. Ferner werde ich erörtern, wie weit die von ihr dargelegten Theorien dem allgemeinen Verständnis der Medizin ihrer Zeit entsprachen oder ob sie als revolutionär oder visionär angesehen werden können.
5
Henning, Aloys: Hildegard von Bingen (1098-1179) – Vorträge zum 900. Geburtstag, in: Berliner Osteuropa Info: BOI; Informationsdienst des Osteuropa-Instituts der Freien Universität.-Berlin, Berlin 1999, Bd. 12, S.44-45.
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2 Hildegard von Bingen – Die Person
2.1 Vita
Hildegard von Bingen wurde 1098 bei Alzey als Kind des Edelfreien Hildebert v. Bermersheim und seiner Frau Mechthild geboren. Da bei ihr schon mit vier Jahren 6 die visionäre Begabung festgestellt wurde, vertrauten ihre Eltern sie in ihrem 9. Lebensjahr der Reklusin Jutta v. Spanheim in der Frauenklause auf dem Disibodenberg an. Dort lebte sie im Schatten des dortigen Benediktinerklosters, studierte die Vulgata 7 und legte 1113/14 das Gelübde des Benediktinerordens ab. Persönlich wurde sie geprägt durch Liturgie und Stundengebet und die Arbeit im Kräutergarten. 1136 wurde sie zur Magistra der zum Konvent angewachsenen Frauengemeinschaft gewählt. 1147-52 ließ sie gegen den Widerstand der Mönche ein Frauenkloster auf dem Rupertsberg bei Bingen bauen und siedelte schließlich mit ihrem Konvent dorthin um. Im Jahrzehnt nach 1141 verfasste Hildegard von Bingen das „Liber Scivias“, zwischen 1158 und 1163 das „Liber vitae meritorum“, das „Liber divinorum operum“ entstand im Jahrzehnt nach 1163. Diese drei Werke bilden das theologische Werk Hildegards von Bingen. In den Jahren 1150 bis 1160 verfasste sie das „Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum“ (LSu), das natur-/heilkundliche Werk. 1179 starb Hildegard von Bingen im Kloster Rupertsberg. 8
2.2 Hildegard von Bingen im Blickfeld der Wissenschaft
Heinrich Schipperges beschreibt Hildegard von Bingen wie folgt: „Hildegard von Bingen gründete Klöster, revolutionierte die Medizin, dichtete und komponierte Lieder und wurde zum politischen Orakel für Kaiser und Päpste.“ 9 Ihre Bedeutsamkeit in Bezug auf die Heilkunde stellt Schipperges folgenderweise dar: „Einzigartig und unerreicht steht diese Klosterfrau vor allem in der mittelalterlichen Medizin da. [...] Bei Hildegard [hingegen] ist alles sehr klar und ganz konkret ausgesprochen, oft derb und bäuerlich, real durchdacht, durch und durch rationalisiert,
6
Müller, Irmgard: Die pflanzlichen Heilmittel bei Hildegard von Bingen, Freiburg im Breisgau 1993, S. 7.
7 vom heiligen Hieronymus im 4. Jh. begonnene, später für authentisch erklärte lateinische Übersetzung der Bibel 8 Gössmann, Elisabeth: Hildegard v. Bingen, in: Lexikon des Mittelalters, CD-ROM-Ausgabe, LexMA 5, 13-15, o.O. 2000.
9 Schipperges, Heinrich: Hildegard von Bingen: Ein Zeichen für unsere Zeit, Frankfurt am Main, 1981, S. 12.
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ohne rationalistisch zu wirken.“ 10 Tatsächlich wird Hildegard von Bingen als die für die Klostermedizin 11 bedeutendste Frau im Mittelalter angesehen. 12 So begründete sie mit ihren natur- und heilkundlichen Schriften die Nachblüte der eigentlich schon beendeten Klostermedizin. 13 Es stellt sich nun die Frage, wie Hildegard von Bingen zu ihrem reichen Wissen gekommen ist. Dabei muss erst angeführt werden, dass sie nach der „Regula Benedicti“ und in der Tradition der Klostermedizin lebte, ähnlich wie Cassiodorus in Italien, Rabanus Maurus in Deutschland oder Isidor von Sevilla im spanischen Raum. In ihren Jugendjahren verfasste sie die „Explanatio Regulae S. Benedicti“, worin Hildegard von Bingen die „Regula Benedicti“ 14 und die überlieferten Lehren Galens zu einer allgemeinen Verhaltensregel für den Menschen verbindet. Dies umfasste Regeln für Speise und Trank, Bewegung und Ruhe, Wohnen und Kleiden, also eine umfassende Lebensordnung auf der benediktinischen Maxime des „ora et labora“. 15 Hildegard von Bingen hat folglich ihr Wissen im Rahmen ihrer Tätigkeit als Ordensfrau gesammelt hat und sich dieses durch Selbststudium angeeignet. 16
10
Schipperges, Heinrich: Hildegard von Bingen: Ein Zeichen, S. 13.
11 Aufgrund der von Benedikt von Nursia verfassten Benediktinerregel, die auch die Sorge um Kranke beinhaltete, wuchsen Klöster zu Zentren der Heilkunde, der Medizin und des Wissens im allgemeinen heran. Der Ursprung der klösterlichen Medizin des Mittelalters lag zum einen Teil im Nachlass der griechischen antiken-wissenschaftlichen Medizin und zum anderen in Elementen der germanischen heidnisch-religiösen Medizin.
Die Iatrotheologie verlieh der Krankheit im Mittelalter neue Bedeutung. Es wurde versucht, die Krankheit als einen Teil des göttlichen Plans zu sehen. Die Krankheit wurde vom Einzelnen als Strafe Gottes und als Weg zum Heil im Jenseits gesehen.
12 Eckart, Wolfgang U.: Geschichte der Medizin, Heidelberg, 2005 5 , S. 57.
13 Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2003, S. 28. 14 Die „Regula Benedicti“ stellte in der Zeit Hildegards von Bingen das „Grundbuch mittelalterlichen Zusammenlebens“ dar.
15 Schipperges, Heinrich: Hildegard von Bingen: Ein Zeichen, S. 18.
16 Henning, Aloys, S.44-45.
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Oliver Quast, 2006, Die natur- und heilkundlichen Theorien der Hildegard von Bingen, München, GRIN Verlag GmbH
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