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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhalt von Citizen Kane
3. Die Sprache des Films
3.1 Rückblendetechnik
3.2 Verknüpfungstechnik
3.3 Kameraperspektive
3.4 Gegenstände als Zeichen
3.5 Sound’
3.6 Tiefenschärfe
4. Der historische Hintergrund
4.1 Roosevelts Politik des New Deal
4.2 Der Mythos des Amerikanischen Traums
5. Das Rosebud’-Motiv
6. Resümee
Bibliographie
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1. Einleitung
„Der wahrscheinlich wichtigste amerikanische Film aller Zeiten“ 1 - so lautet heute die einhellige Meinung anerkannter Filmkritiker in aller Welt auf die Frage nach der herausragenden Stellung von Orson Welles’ Erstlings- und Meisterwerk Citizen Kane, welches 1941 in Amerika veröffentlicht wurde.
Die Faszination, die der Film auf den Zuschauer ausübt, ist auch über ein halbes Jahrhundert nach seiner Erstaufführung ungebrochen. Jede neue Generation von Filmliebhabern - Wissenschaftler ebenso wie gewöhnliche Kinogänger - bemüht sich in gleichem Maße um die Auflösung des Rätsels um ein einziges Wort: ‚Rosebud’. Doch auch im Hinblick auf historische Zusammenhänge, wie Roosevelts Politik des New Deal oder dem Mythos des Amerikanischen Traums, erweckt Citizen Kane anhaltendes Interesse und fordert diesbezüglich eine tiefer gehende Untersuchung. Der Film schildert die Saga des Charles Foster Kane, Medienmogul und Politiker, öffentliche Figur und Privatmann, und lässt ihn auf sozialkritische Weise zum Symbol des amerikanischen Lebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden. Welles’ Klassiker lässt sich keinem bestimmten Genre zuordnen, vereinigt aber eine enorme Fülle an gattungsübergreifenden filmischen Mitteln. Durch für die damalige Zeit bahnbrechende Neuerungen wie der Wiedereinführung von Weitwinkelobjektiven und Tiefenschärfe anstelle von Schnitten, dem Bruch mit der chronologischen Erzählweise durch den Einsatz der Rückblendetechnik, der Erfindung der den Zuschauer führenden subjektiven Kamera oder der Verwendung der Überblendungstechnik erhob Orson Welles Citizen Kane zu einem filmhistorischen Meilenstein, der den Beginn einer neuen Filmepoche anzeigt.
Trotz den aus heutiger Sicht revolutionären Neuheiten und der meisterhaften Inszenierung durch Orson Welles, geriet der Film 1941 zu einem finanziellen Misserfolg und zog steigenden Druck auf Welles nach sich, was bald darauf zu seiner Entlassung aus Hollywood führte. Von da an musste er sich mit Auftragsarbeiten und mittelmäßigen Rollen durchschlagen, um weiterhin freiproduzierte Filme drehen zu können. Ein Grund für den damaligen Kino-Flop rührt vom Boykott der Hearst-Presse her, da der Zeitungszar William Randolph Hearst sich in seiner Rolle als Vorlage für die Hauptperson in Citizen Kane nicht gefiel.
1 Monaco, James: Film Verstehen - Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Neuen Medien; Hamburg; Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 2000: S. 313
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Trotz dieser Rückschläge hat Welles die Entwicklung des Films stark beeinflusst und seine Stellung als herausragender Regisseur, Produzent, Schauspieler und Drehbuchautor vor allem durch Citizen Kane als einem Musterbeispiel des Autorenfilms gefestigt.
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, eine filmtheoretische Untersuchung von Orson Welles’ Meisterwerk Citizen Kane zu liefern, wobei insbesondere auf filmtechnische Neuerungen, die Sprache des Films und auch historische Zusammenhänge eingegangen werden soll. Der Einfluss Welles’ auf die weitere Entwicklung des Films spielt hierbei eine bedeutende Rolle.
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2. Inhalt von Citizen Kane
In seinem Märchenschloss Xanadu stirbt der steinreiche Charles Foster Kane einen einsamen Tod. Der Film schildert rückblickend die Erfolgsgeschichte eines Zeitungsmagnaten, der die öffentliche Meinung Amerikas über Jahrzehnte beherrschte, als die Biographie eines gescheiterten Mannes, der sich nie von seiner Vergangenheit lösen konnte. Zwar erlangt Kane, der als kleiner Junge gewaltsam von seinen Eltern getrennt wurde, unermesslichen Reichtum, Macht und Einfluss, doch sowohl seine politische Karriere als auch seine beiden Ehen scheitern. Von seiner ersten Frau Emily, der Nichte des Präsidenten, entfremdet er sich immer mehr, schließlich kommen sie und der gemeinsame Sohn bei einem Autounfall ums Leben. Auch seine zweite Ehe mit der unglücklichen Opernsängerin Susan, die von Kane zum Weitersingen gezwungen wird, endet in der Isolation auf Xanadu, wo sie sich gefangen fühlt und ihn schließlich verlässt. Die Rahmenhandlung des Films bildet der Auftrag des Reporters Thompson, das Geheimnis um Kanes letztes Wort ‚Rosebud’ zu entschlüsseln, was ihm trotz ausführlicher Schilderungen von ehemaligen Vertrauten des Zeitungszaren nicht gelingt. Auf den Aufbau des Films soll im nächsten Kapitel in Hinblick auf die Rückblendetechnik näher eingegangen werden.
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3. Die Sprache des Films
3.1 Rückblendetechnik
An Citizen Kane ist besonders auffällig, dass ausgiebig mit dem Mittel der Rückblende gearbeitet wird. Unter der Rückblendetechnik versteht man den Einsatz von Szenen oder Einstellungen, in denen Ereignisse dargestellt werden, die vor der eigentlichen Handlung der erzählten Gegenwart liegen. Im Gegensatz zu verbal wiedergegebenen Geschehnissen aus der Vergangenheit durch einen Erzähler oder eine Figur, handelt es sich hierbei also um eine visuelle Form des zeitlichen Rückgriffs.
Durch sehr lange Rückblenden, welche sich zum Teil über 30 Minuten erstrecken, tendiert die Vergangenheit jedoch für den Zuschauer zur Gegenwart und Gegenwärtiges zur zukünftigen Vision zu werden.
Beginnend mit Kanes Tod erzählt der Film rückblickend sein Leben erst in einer Art Wochenschau, dann in Berichten von fünf Menschen, die Kane nahe standen. Zu ihnen zählen sein ehemaliger Vormund Thatcher, seine rechte Hand Bernstein, sein einstmals bester Freund Leland, seine zweite Frau Susan und sein Butler Raymond. Welles bricht durch diese Rückblendetechnik mit der chronologischen Erzählweise und erzeugt durch die emotional geprägten Berichte der Zeugen, die sich zum Teil widersprechen und nicht immer in sich schlüssig sind, eine vielschichtige diskontinuierliche Erzählweise. Diese vielgerühmte Multiperspektivität offenbart dem Zuschauer die gegensätzlichen Charaktereigenschaften Kanes. Welles’ Absicht besteht darin, die Komplexität des menschlichen Charakters am Beispiel des Charles Foster Kane und die subjektive Natur des menschlichen Denkens am Beispiel der Zeugenaussagen hervorzuheben. So richtet er den Appell an den Zuschauer, sich ein eigenes Bild vom Zeitungszaren zu machen und ihn nicht durch widersprüchliche Zeugenaussagen zeitweise als Opfer und zu einem anderen Zeitpunkt als Täter zu sehen. Es kann keine eindeutige Identifikation Kanes als Held oder Bösewicht stattfinden, da Welles sich weigert, dem Zuschauer eine einheitliche Charakterdarstellung zu liefern. Dies führt zu einer ständigen Erwartungsenttäuschung des Zuschauers und stellt die Glaubwürdigkeit der Zeugen in Frage. Doch gerade die Erzählweise aus so vielen unterschiedlichen Sichtweisen macht den Versuch der Charakterisierung Kanes spannend. Auf die vielfältigen Facetten seines Charakters werde ich in den Kapiteln 4.2 und 5 zurückkommen.
Arbeit zitieren:
Julia Deitermann, 2003, Eine filmtheoretische Untersuchung von Orson Welles' "Citizen Kane", München, GRIN Verlag GmbH
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