Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Begriffsbestimmung von Angst Ängstlichkeit und Angststörung 2
2.1. Angst als Zustand 2
2.2. Ängstlichkeit (Dispositionsangst) 3
2.3. Angststörung 3
2.3.1. Angststörung: Trennungsangst 4
2.3.2. Angststörung: Soziale Angst 5
2.3.3. Wirkungsprinzip von Leistungsangst 5
2.3.4. Schulangst und Schulabsentismus 6
2.3.4.1. Schuleschwänzen 7
2.3.4.2. Schulverweigerung 8
3. Theorien der Angstentstehung 8
3.1. Freuds psychoanalytische Angsttheorie 8
3.2. Behavioristische Angst Ansätze 10
3.3. Kognitive Theorien 11
3.3.1. Kognitiv emotionales Prozessmodell von Lazarus 11
3.3.2. Eigenschafts- und Zustandsangst nach Spielberger 12
4. Die Entwicklung von Angst in Verbindung mit anderen Variablen 13
4.1. Psychische Faktoren 13
4.1.1. Temperament 13
4.1.2. Angst und kognitive Faktoren 14
4.1.3. Emotionale Faktoren 15
4.2. Soziale Faktoren 15
4.2.1. Merkmale und Erziehungsstile der Eltern 15
4.2.2. Kritische Lebensereignisse 16
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5. Diagnostik von Angst 17
6. Präventions- und Interventionsmöglichkeiten zur Reduzierung und Vermeidung
von Angst in der Schule 18
6.1. Verringerung der Schulangst in Anlehnung an die Angsttheorien 19
6.1.1. Verringerung der Angst aus psychoanalytischer Sicht 19
6.1.2. Verringerung der Angst aus behavioristischer Sicht 19
6.1.3. Verringerung der Angst aus kognitionstheoretischer Sicht 20
6.2. Schulische Intervention 21
6.2.1. Baustein I: Lehrer Schüler Interaktion 22
6.2.2. Baustein II: Angst und Angstabbau 22
6.2.3. Baustein III: Angstabbau durch Veränderung im Leistungsbewertungs-
prozess 23
6.2.4. Baustein IV: Lern- und Arbeitstechniken 23
7. Schlussbemerkung 25
Literaturverzeichnis 26
III NA
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit dem weiten und aufschlussreichen Thema der Schul- angst beschäftigen, in dessen Zusammenhang im präsenten politischen Meinungsaustausch oft von Schlagworten wie Schulstress, überfüllten Lehrplänen, Numerus Clausus, Leistungs- bzw. Prüfungsangst etc. die Rede ist. Besonders Letztgenanntes spielt in unserer von Wettbewerb ge- prägten und leistungsorientierten Gesellschaft zweifellos eine große Rolle. Doch auch auf Angststörungen mit Trennungs- oder sozialer Angst trifft man gerade im jüngeren Schulalter häufig.
Die Schulangst mit ihren Folgen – allen voran dem Schulabsentismus 1 , auf den ich im Verlauf meiner Arbeit noch kurz zu sprechen kommen werde - stellt die heutige Gesellschaft vor schwerwiegende Probleme, so verlassen z.B. immer mehr Jugendliche infolge von Lernproble- men die Schule ohne Schulabschluss, wodurch als Konsequenz außerordentliche Folgekosten entstehen, die augenscheinlich in den nächsten Jahren noch zunehmen werden. Darüber hinaus berichten Beratungsstellen von Anzeichen wie Depressionen, Konzentrationsmangel, Schlafstö- rungen, Übelkeit, Magenschmerzen und Herzklopfen, die sie mit der Schule in Verbindung bringen. Mir stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob unsere Gesellschaft mit dieser Entwicklung auch in Zukunft funktionieren und umgehen kann, oder ob es nicht nötig wäre, dass Schulsystem grundlegend zu hinterfragen. Jedoch sind solche Denkanstöße zu umfassend um sie in dieser Hausarbeit zu behandeln.
Mein Vorhaben in dieser Arbeit ist es zunächst einmal den Begriff Angst zu definieren, und darzustellen welche Gründe zu Angst in der Schule führen, und in diesem Kontext die am häu- figsten auftretenden Phänomene verschiedener Angststörungen, neben der Schulangst im spe- ziellen, zu erfassen und die Zusammenhänge zwischen ihnen zu beschreiben, obwohl mir be- wusst ist, dass es im Kindesalter weit mehr Angststörungen zu unterscheiden gibt, als mir aus Gründen des begrenzten Umfangs dieser Arbeit möglich ist hier aufzuzeigen. Weiterhin werde ich versuchen, Theorien und Erklärungsansätze zum Thema Schulangst darzulegen, und Verfah- ren zur Angstmessung vorstellen. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt schließlich darin, notwendige Möglichkeiten aufzuzeigen, wie insbesondere Einfluss auf Angst in der Schule ge- nommen und reagiert werden kann, und nicht zuletzt schon im Vorfeld, z.B. durch angstfreie Erziehung, präventiv vorzugehen wäre, denn gerade in diesem Bereich wird immer noch zu viel 1 Häufige, gewohnheitsmäßige Abwesenheit und Fernbleiben vom Unterricht.
1
über die Erzeugung von Angst gearbeitet. Ziel sollte vielmehr sein Angst zu verringern bzw. Kinder dahin zu erziehen, mit Angst umzugehen und sie zu bewältigen. 2
2. Die Begriffsbestimmung von Angst, Ängstlichkeit und
Angststörung
Es gibt sehr viele unterschiedliche Auffassungen und Definitionen von Angst.
Einig sind sich die meisten Wissenschaftler aber darin, dass sich Angst manifestiert als eine emotional unangenehm erlebte Erregung. Des Weiteren treten kognitive Merkmale auf in Form von subjektiven Bewertungsverläufen einer Gefahren- oder Bedrohungssituation, begleitet von körperlich erlebten Reaktionen und Veränderungen, die auch mit Verhaltensenderungen einher- gehen können.
Es handelt sich bei Angst um ein hypothetisches Konstrukt, eine Abstraktion, denn Angst kann zwar wahrgenommen und zur sprachlichen Erklärung eines Phänomens beschrieben werden, aber gemessen werden kann die Angst selbst nicht, nur ihre Auswirkungen. 3
2.1. Angst als Zustand
Wenn man von Angst spricht, muss man unterscheiden zwischen Angst als Zustand (Zustands- angst) und Angst als Disposition (Ängstlichkeit), auf die ich im nächsten Abschnitt detaillierter eingehe.
Allgemein lässt sich Zustandsangst als häufiges, akutes Gefühl von qualvoller Wirksamkeit und verhältnismäßig kurzer Dauer definieren. Sie ist also zeitlich vorübergehend. 4 Angst entsteht, wenn ein Individuum eine Gefahrensituation oder einen bedrohlichen Reiz wahrnimmt, und aufgrund dessen durch Erregung und erhöhte Reaktionsbereitschaft im Normalfall dazu ange- regt wird, die eigene Situation zu verändern (z. B. durch Flucht oder Angriff) 5 .
Vielfach findet man in der Fachliteratur die Meinung, darüber hinaus eine genaue Unterschei- dung der Beschreibung der Begriffe Angst und Frucht nach dem Auslöser vornehmen zu müs- 2 Vgl. Roth, H: Pädagogische Anthropologie. 1991. Zitiert in Strittmatter, Peter: Schulangstreduktion. 1997, S. 11. 3 Vgl. Sörensen, Maren: Einführung in die Angstpsychologie. 1996, S. 3.
4 Vgl. ebd., S. 6.
5 Vgl. Lazarus-Mainka, Gerda / Siebeneick, Stefanie: Angst und Ängstlichkeit. 2000, S. 11.
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sen: Furcht ist auf eine bestimmten Gefahr gerichtet, während Angst als solche gegenstandslos ist 6 .
2.2. Ängstlichkeit (Dispositionsangst)
Während der Begriff Angst einen zeitnahen Zustand beschreibt, kann Ängstlichkeit als eine verhältnismäßig beständige und zeitlich überdauernde Persönlichkeitseigenschaft bestimmt wer- den, die einer Person zugewiesen wird, die auf viele Situationen mit Angst anspricht, wobei auch auf die Häufigkeit verwiesen werden muss, mit der das Individuum in der Vergangenheit Angst erlebt hat 7 .
Personen mit dieser erworbenen Verhaltensveranlagung zeigen eine anhaltende Erregungsbe- reitschaft und neigen dazu, Situationen häufig als bedrohlich einzuschätzen und dementspre- chend zu reagieren. 8
2.3. Angststörung
Angstreaktionen sind, allein betrachtet, kein pathologisches Symptom, sondern besonders im jungen Kindesalter normale altersabhängige Durchgangsphänomene unseres Lebens, wie z. B. Angst vor Dunkelheit, vor Gespenstern, vor großen Tieren, vor unvertrauten oder fremden Per- sonen und Angst vor Trennung von den wichtigsten Bezugspersonen. Auf Angst kann ein Flucht- und Vermeidungsverhalten folgen, woraufhin auch gelegentlich gesunde Personen Ein- schränkungen erfahren, ohne dass damit ein Anlass zur Sorge gegeben ist. Sie können aber, was sowohl die Stärke als auch die Form betrifft, sehr unterschiedlich ausfallen. Ch. Haasen und M. Zachariah nennen als Anhaltspunkte zur Begründung einer behandlungsbedürftigen Angststö- rung bestimmte Symptome und deren Verbindung, die das Kind langfristig in seiner motori- schen, kognitiven sowie sozial – emotionalen Entwicklung beeinträchtigt, woraus Folgeproble- me für seinen Alltag in Familie, Kindergarten, Schule und Freizeitbereich entstehen, und es dar- an hindern, ein normales Leben zu führen. Die Symptome sind:
- Ausdauer der Angst (Angstzustände bestehen über ihre Auslöser hinaus zu lange).
- Zu hohe Stärke (das macht eine angemessene Wahl von Anpassungshandlungen un- möglich).
- Anlassverallgemeinerung. 9 6 Vgl. Lazarus-Mainka, Gerda / Siebeneick, Stefanie: Angst und Ängstlichkeit. 2000, S. 12. 7 Vgl. ebd., S. 16.
8 Vgl. Sörensen, Maren: Einführung in die Angstpsychologie. 1996, S. 6.
9 Vgl. Haase, Ch. / Zachariah, M.: Angststörung im Kindes- und Jugendalter. In Nervenheilkunde. Heft 5, 2000.
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Angststörungen machen nach neuen epidemiologischen Studien mit 10 bis 15 % insgesamt ei- nen hohen Anteil an den behandlungsbedürftigen psychopathologischen Störungen im Kindes- und Jugendalter aus. 10 Außerdem entwickeln 30 % der Kinder mit Angststörungen weitere psy- chische Störungen. 11
Ich möchte hier nun zunächst zu den Angststörungen kommen, die bei Schulkindern eine we- sentliche Rolle spielen, nämlich die Trennungsangst, die Störung mit sozialer Angst und die Leistungsangst. Daraufhin werde ich zu der Schulangst kommen, auf die ich mich im Allgemei- nen in dieser Arbeit beziehe. Ein Basiswissen über diese Angststörungen kann für die schuli- sche Intervention notwenig sein.
2.3.1. Angststörung: Trennungsangst
Die Trennungsangst richtet sich hauptsächlich auf die Angst vor Trennungssituationen von wichtigen, vertrauten Bezugspersonen sowie von Zuhause, und ist im Säuglings- und Klein- kindalter bis ca. zweieinhalb oder dreieinhalb Jahren in einem gewissen Ausmaß ein normales Phänomen. 12 Im jüngeren Schulalter könnte man Trennungsangst also nicht mehr als Entwick- lungsangemessene Reaktion bewerten, trotzdem muss es sich ebenso wenig notwendigerweise um eine Störung mit Trennungsangst handeln, wenn Kinder sich weigern die Schule zu besu- chen oder in den ersten Wochen nach der Einschulung Probleme haben sich von den Eltern zu trennen. Erst wenn die Trennungsangst einen außergewöhnlichen Schweregrad aufweist, sich nicht innerhalb weniger Wochen verringert und die sozial – emotionale Entwicklung beeinträch- tigt, so kann diese nach dem Klassifikationsprinzip ICD-10 als Störung mit Trennungsangst 13 diagnostiziert werden. 14 Dazu müssen von acht Kriterien mindestens drei erfüllt sein, dass Kind muss unter 18 Jahre alt sein und die Kennzeichen dürfen nicht zeitgleich mit einer tief greifen- den Entwicklungsstörung, Schizophrenie oder einer anderen psychotischen Störung auftreten. Wiederholt auftretender gesellschaftlicher Rückzug und in äußersten Fällen manchmal wochen- lange Verweigerung, den Schulunterricht zu besuchen, treten als Folge der Störung mit Tren- nungsangst auf, woraus sich natürlich schnell Schulprobleme ergeben. 15 10 Vgl. Essau, Cecilia Ahmoi / Petermann, Franz / Petermann, Ulrike: Angststörungen. In Petermann, Franz (Hrsg.): Lehrbuch der klinischen Kinderpsychologie und –psychotherapie. 2002, S. 228.
11 Vgl. ebd., S. 241.
12 Vgl. ebd., S. 229.
13 Vgl. Hilscher, Christian: ICD – 10 Klassifizierung der psychischen und Verhaltensstörungen. www.onlineberatung-therapie.de/icd10/emotionale-stoerungen-kind.html. (Stand: 09.08.2006). 14 Vgl. Essau, Cecilia Ahmoi / Petermann, Franz / Petermann, Ulrike: Angststörungen. In Petermann, Franz (Hrsg.): Lehrbuch der klinischen Kinderpsychologie und –psychotherapie. 2002, S. 229.
15 Vgl. Essau, Cecilia Ahmoi / Petermann, Franz / Petermann, Ulrike: Angststörungen. In Petermann, Franz (Hrsg.): Lehrbuch der klinischen Kinderpsychologie und –psychotherapie. 2002, S. 231.
4
2.3.2. Angststörung: Soziale Angst
Das entscheidende Symptom Sozialer Angst „bezieht sich auf eine anhaltende, übermäßige Ängstlichkeit in sozialen Situationen, in denen ein Kind mit fremden bzw. wenig vertrauten Personen“, Erwachsenen oder Gleichaltrigen „konfrontiert wird“. 16 Soziale Angst entsteht, wenn eine interpersonelle Beziehungssituation als selbstwertbedrohlich erlebt wird, weil sich das Individuum als sozial inkompetent einschätzt, und die Tatsache beobachtet zu werden, aber auch Nichtbeachtung Unbehagen auslöst, weil das wiederum im Kontext zu verstärkter öffentli- cher Selbstaufmerksamkeit steht. 17 Die Angst führt zu Vermeidungsverhalten neuer sozialer Si- tuationen bzw. zu weinen, schweigen oder passivem Rückzugsverhalten, was wiederum be- wirkt, dass diese Kinder wenig soziale Beziehungen außerhalb der Familie haben.
Während der gesamten frühen Kindheit (etwa ab der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres) ist Vermeidungsverhalten eine normale Entwicklungserscheinung. Eine Störung beginnt vor dem sechsten Lebensjahr und kann – ebenfalls nach ICD-10 – klassifiziert werden, wenn sich Kinder über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen bezüglich der Angemessenheit ihres Verhal- tens gegenüber Fremden übertrieben sorgen und mit Scham und Verlegenheit reagieren. 18
2.3.3. Wirkungsprinzip von Leistungsangst
Leistungs- und Prüfungsängste sind verhältnismäßig weit verbreitet und treten im schulischen Zusammenhang bei Überprüfungen sehr oft auf, da der Schüler eine Bewertung seiner persönli- chen Leistung zu erwarten hat. Es wird häufig beobachtet, dass durch die Angst vor oder wäh- rend der Prüfung kognitive Aspekte wie die Aufnahme-, Leistungs- und Merkfähigkeit einge- schränkt sind, dass Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfehler auftreten und es können Ner- vosität, Sprechhemmungen, innere Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen sowie physiologi- sche Merkmale wie Durchfallneigung, Magenschmerzen und Übelkeit hervorgerufen werden.
Zur kognitiven Interpretation von Leistungsangst ist es ratsam das emotionale Prozessmodell von Lazarus anzuführen, auf das ich aber im späteren Verlauf dieser Arbeit noch gesondert ein- gehen werde. Lazarus ist der Auffassung, dass der bedrohliche Charakter oft angesichts der sub- jektiven Besorgtheit und Aufgeregtheit des Schülers entsteht, die eigenen hohen Anforderun- gen, die der Eltern und die des Lehrers hinsichtlich der zu erbringenden Leistung, die er über-
17 Vgl. Sörensen, Maren: Einführung in die Angstpsychologie. 1996, S. 66 f.
18 Vgl. Hilscher, Christian: ICD – 10 Klassifizierung der psychischen und Verhaltensstörungen.
www.onlineberatung-therapie.de/icd10/emotionale-stoerungen-kind.html. (Stand: 09.08.2006).
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Britta Brokate, 2006, Präventions- und Interventionsansätze zu Angst in der Schule auf der Basis theoretischer Ansätze und empirischer Befunde, München, GRIN Verlag GmbH
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