Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau und Struktur
2. Begriffserläuterung und Definition
2.1 Begriffserläuterung
2.2 Definition, Konzept und Zielsetzung von WLB
3. F lexib le Arbeitszeitmodelle als M öglichkeit zur F örderung von WLB
3.1 Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort
3.1.1 Gleitzeitarbeit
3.1.2 Teilzeitarbeit
3.1.3 Telearbeit
3.1.4 Sabbatical
4. Audit Beruf und Familie
5. Flankierende Maßnahmen als Möglichkeit zur Förderung von WLB
5.1 Gesundheitsmanagement
5.2 Einkommens- und Budgetberatung
5.3 „Personal coaching“
5.4 Relocation-Dienste
5.5 Beratung in Beziehungskonflikten
5.6 Rechtsberatung
5.7 Fitnessprogramme
6. Voraussetzungen zur Einführung von WLB-Maßnahmen
6.1 Veränderungen in der Führungskultur
6.2 Förderung der Informations- und Kommunikationspolitik
7. Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
„ Ich habe nächtelang in der Firma gesessen, war fast jedes Wochenende für das Unternehmen irgendwo auf der Welt unterwegs, habe eigentlich nur noch aus dem Koffer gelebt und im Schnitt 60 Stunden die Woche geschuftet. Am Ende war ich fertig, ausgebrannt, auf und zu Ende...!“ Als technischer Leiter einer Internetagentur hat Holger Wulff fast bis zur Selbstaufgabe gearbeitet, der Lohn für ihn: Ein dickes Bankkonto, attraktive Aktienoptionen, aber auch die Erkenntnis: “Ich habe nichts mehr vom Leben gehabt, kaum noch Freunde, kein Spaß und am Ende konnte ich vor Stress nicht mehr schlafen!“ 1
Dieses Beispiel ist eines von vielen und zeigt den Handlungsbedarf deutscher Unternehmen im Bereich Personalmanagement. Was früher meistens als familien-und frauenorientierte Personalarbeit bezeichnet wurde, findet sich heute umfassender unter dem Begriff „Work-Life-Balance“ wieder. Der Kern dieser personalpolitischen Strategie befasst sich mit der besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Die Entscheidung für den Schwerpunkt geht auf das wachsende Bedürfnis der Mitarbeiter 2 zurück, einen Ausgleich zwischen ihren Lebensbereichen herzustellen. 3
Dabei müssen sich Unternehmen von veralterten Rollenverständnissen und dem Gedanken der Akzeptanz der Umwelt für überarbeitete Mitarbeiter lösen.
„Konflikte zwischen Arbeit und dem Privatbereich belasten die Mitarbeiter und die Unternehmen gleichermaßen. Sie beeinträchtigen die Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Produktivität der Beschäftigten und gefährden damit auch den Unternehmenserfolg. Angesichts wachsender Anforderungen an die Mitarbeiter in einer globalisierten Arbeitswelt und einem steigenden Anteil erwerbstätiger Frauen werden personalpolitische Maßnahmen zur Unterstützung einer besseren „Work-Life-Balance“ immer wichtiger.“ 4
1 Work-Life-Balance- in der Ruhe liegt die Kr aft >http://www.jobpilot.de/content/journal/beruf/balance.html< vom 03.03.04
2 Um lange und umständliche Sätze zu vermeiden ist in jedem Fall auch immer die feminine Form gemeint, als: Kollegin, Mitarbeiterin, Arbeitnehmerin usw.
3 vgl. B. Badura/ H. Schellschmidt/ C. Vetter, Berlin/ Heidelberg 2004, Vorwort
4 ebenda, Vorwort
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
Die Krieger der New Economy sind müde. Sie haben auch alles gegeben. Arbeiten am Tag und nachts bei Fertigpizza und Cola weiterleisten für das Unternehmen. Der Preis für diese Arbeitsweise war hoch: Nicht nur die Aktienoptionen sind heute nichts mehr wert, viele Start-up-Helden haben schlichtweg ihre Gesundheit ruiniert. Aber auch die Wirtschaftskapitäne der Old Economy sind von ihrer Arbeits-und Lebensweise gezeichnet:
Bandscheibenvorfälle und Herzinfarkte gehören heute fast schon zum guten Ton, über Burn-Out und Drogenmissbrauch in den Manager-Etagen hält man sich noch etwas zurück. Gründe für diese Ausfälle sind laut Gesundheitsexperten u. a. Dauerbelastungen im Beruf, Erfolgsdruck und eigener Ehrgeiz. Halten diese Zustände über einen längeren Zeitraum an, so treten Körper und Psyche früher oder später in Streik. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass in 20 Jahren Angstneurosen und Depressionen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit werden. 5 Dieses bedeutet sowohl für das Unternehmen als auch für die Wirtschaft enorme Folgekosten.
Schlüssig wird somit die Notwendigkeit für Unternehmen, WLB-Maßnahmen als Teil ihrer Unternehmensstrategie in die Personalarbeit einfließen zu lassen. Gegenstand dieser Arbeit soll in diesem Zusammenhang das Herausfinden der Konsequenzen für die Personalarbeit sein, die sich aus der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ergeben. Es soll verdeutlicht werden, wie wichtig es ist, dass Work-Life-Balance als selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur angesehen wird und welche Voraussetzungen zur Einführung dieser Maßnahmen geschaffen werden müssen.
5 Freizeit trotz Aufstieg
>http://www.familienservice.de/detail.php?artikelid=276< vom 06.04.04
1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit
Nach einer kurzen Einführung im ersten Kapitel beginnt die Arbeit im zweiten Kapitel mit der Erläuterung wichtiger Begriffe, der Definition, sowie kurzer Konzepterklärung und Zielsetzung von Work-Life-Balance. Im dritten Kapitel werden die Möglichkeiten zur Förderung von WLB durch die Flexibilisierung von Arbeitszeit- und ort anhand einer Auswahl von Arbeitszeitmodellen behandelt. In Kapitel Vier wird das Audit Beruf & Familie der Gemeinnützigen HERTIE-Stiftung als Maßnahme einer familienbewussten Personalpolitik aufgezeigt und im nächsten Kapitel werden flankierende Maßnahmen zur Förderung der WLB dargestellt und erörtert. Im sechsten Kapitel werden die Voraussetzungen zur Einführung von WLB-Maßnahmen aufgezeigt und ausführlich vorgestellt.
2. Begriffserläuterung und Definition
2.1 Begriffserläuterung
Bei den Begriffserläuterungen wird auf unterschiedliche Literatur zurückgegriffen, die sich auf Lexika oder Fachliteratur bezieht.
Work-Life-Balance (WLB)
„Die Herkunft von Work-Life-Balance kommt aus dem US-Personalmanagement. Work-Life: Übersetzt steht das für nichts anderes als für das Begriffspaar „Arbeit und Leben.“ Da dieses Begriffspaar jedoch in Deutschland seit Jahrzehnten ein gewerkschaftlich besetztes Konzept ist, wird dieses deutsche Synonym ungern verwendet. In Deutschland wird somit auch das englische Wort dafür genutzt, hauptsächlich auch, da diese Form in den internationalen Personalabteilungen gebräuchlich ist.
„Work-Life“ steht für die Ausweitung des Themas Familie und Beruf auf Privatleben und Beruf aus Sicht der Personalarbeit und Organisationsentwicklung-und zwar auf alle Mitarbeitergruppen, insbesondere und immer ernsthafter auch männliche, aber auch die ältere Generation und nicht zuletzt die jungen Singles mit ihrem oft anstrengenden Privatleben. Was den Begriff „Balance“ angeht, so wird dieser nicht immer gern verwendet. Die bekannte Familienforscherin Ellen Galinsky, Leiterin des „Families and Work Institute“ in New York etwa argumentiert zugunsten von „Work-Life-Navigation“- es geht nach ihrer Meinung nicht darum, zu jeder Zeit ein Gleichgewicht zwischen beiden Sphären zu finden, sondern vielmehr die Existenz erfolgreich durch den Strom des Lebens und der Arbeit zu navigieren.“ 6
Personalarbeit
Der Begriff Personalarbeit wird auch als Personalmanagement bezeichnet. Darunter ist das Arbeiten bzw. Managen des betrieblichen Produktionsfaktors „Personal“ zu verstehen unter Berücksichtigung der Zielsetzungen moderner Unternehmen (einschl. nachhaltiger Erfolgs, Sozial- und Umweltverträglichkeit), also nicht ausschließlich im Interesse der Erfüllung kurzfristiger ökonomischer Erfolgsziele. Die Funktionsfelder sind Personalbedarfsbestimmung und -Bestandsanalyse, Personalveränderung (Beschaffung, Entwicklung, Freisetzung), Personaleinsatz, Personalkostenmanagement und Personalführung. 7
Konsequenz
„Als Konsequenz bezeichnet man einen Sachverhalt im Hinblick auf seine Genese. Ein solcher Sachverhalt stellt eine nicht unbedingt kausale Folge oder kausale Konfiguration von Folgen einer oder mehrer vorangegangener Handlungen oder Sachverhalte dar.“ 8
6 D. Assig, München 2001, S.158/159
7 vgl. Beitrag im Online Verwaltungslexikon >http://olev.de/personalmanagement< vom 03.03.04
8 Definition, Bedeutung, Erklärung im Lexikon >http://net-lexikon.de/konsequenz.html< vom 03.03.04
2.1 Definition, Konzept und Zielsetzung von WLB
„Work-Life-Balance ist etwas, was die meisten von uns in einem gewissen Ausmaß betrifft und es ist für die meisten Menschen ein reales Problem. Den richtigen Ausgleich zwischen Arbeit und den anderen Dingen im Leben zu finden, kann ganz schön schwierig sein, ob es darum geht, Kinder oder ältere Angehörige zu betreuen, sich auszubilden, sich im öffentlichen Leben zu engagieren oder ganz einfach Freunde zu treffen. Machen wir es falsch, dann handeln wir uns Stress und Unbehagen ein. Wollen wir uns wohl fühlen, ist es entscheidend, das Gleich-gewicht zu finden.“ 9
„Bei einer gestörten Balance zwischen Arbeit und Privatleben handelt es sich um eine Form des Interrollenkonflikts, in dem der Erwartungsdruck auf dem einen Lebensbereich unvereinbar ist mit dem aus dem anderen. Mit anderen Worten die Ausübung der Arbeitsrollen wird erschwert oder verhindert durch Ausübung der Familienrolle oder umgekehrt.“ 10
„Die Notwendigkeit zur Entwicklung des Work-Life-Balance Konzepts entstand Anfang der 90er Jahre, als immer mehr gut ausgebildete Frauen auf dem Arbeitsmarkt präsent waren. Aber auch der zunehmende Wunsch vieler Männer nach engagierter Vaterschaft und der Wunsch von Singles nach mehr Raum für ihren Privatraum trugen zu dieser Entwicklung bei. Heute soll Work-Life-Balance eine Balance zwischen Beruf und Privatleben für alle Mitarbeiter schaffen: Sowohl für Frauen wie Männer, Paare wie Singles, Eltern wie Kinderlose.“ 11
Unter Work-Life-Balance werden zum Teil sehr unterschiedliche Themen zusammengefasst. Oberflächlich betrachtet geht es um das Managen einer Konkurrenzsituation zwischen Arbeit, Familie und Freizeit in Bezug auf Zeit- und Energieressourcen der einzelnen Personen. Damit soll die wichtigste Ressource heutiger Unternehmen gepflegt werden: Das sog. „Human Capital“.
9 Dti Department of Trade and Industry, The Essential Guide to Work-Life-Balance >http://164.36.164.20/work-lifebalance/index.html< vom 15.03.04
10 B. Badura/ H. Schellschmidt/ C. Vetter, Berlin/ Heidelberg 2004, S. 11
11 pme Familienservice Gmbh, Work-Life-Balance und Diversity
>http://www.familienservice.de/sys_scontent-viewer.php?v=206&aktion=print< vom 15.03.04
Arbeit zitieren:
Diplom-Betriebswirt André Henschel, 2004, Die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf (Work-Life-Balance WLB) und ihre Konsequenzen für die Personalarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Work-Life-Balance aus personalwirtschaftlicher Sicht
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 21 Seiten
Der Work Life Balance Trend - Herausforderungen für die Unternehmensen...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 19 Seiten
Qualitätsmanagement als Beitrag zur Schulentwicklung - Was kann das EF...
Eine empirische Untersuchung i...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Masterarbeit, 156 Seiten
Qualitätsmanagement an Schulen
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 32 Seiten
"gestorben ... für unsere Sünden" (1Kor 15,3) - "für ...
Vorpaulinische und paulinische...
Hauptseminararbeit, 61 Seiten
Der Uses and Gratifications Approach
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 34 Seiten
Das Modellprojekt 'Selbstständige Schule' in NRW vor dem Hinte...
Hausarbeit, 18 Seiten
Auswirkungen der internationalen Migration auf die Arbeitsmärkte von Z...
Hauptseminararbeit, 34 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen von Planspielen
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Seminararbeit, 11 Seiten
Macht Glotzen einsam? - Über die Eskapismusthese
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Seminararbeit, 22 Seiten
Taufe aus systematisch-theologischer Sicht
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 15 Seiten
Sind leistungs- und erfolgsorientierte Anreizsysteme für Hochschulen s...
Seminararbeit, 39 Seiten
Work-Life Balance als Instrument der Motivation und Führung von Mitarb...
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 77 Seiten
Ausgewählte Daten zur Fernsehnutzung Jugendlicher
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit, 22 Seiten
André Henschel's Text Die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf (Work-Life-Balance WLB) und ihre Konsequenzen für die Personalarbeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
André Henschel hat den Text Die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf (Work-Life-Balance WLB) und ihre Konsequenzen für die Personalarbeit veröffentlicht
André Henschel hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare