Die Novelle
Florian Schaffelhofer
Theorie der Novelle 2
A) Der Name: Herkunft, Bedeutung, Gebrauch 2
B) Novellentheorie 3
C) Novellenforschung 6
D) Novellentechnik 7
E) Novellentypologie 9
F) Novellenmuster 13
G) Der Perspektivismus der Novelle 13
Geschichte der Novelle 15
Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre 15
Clemens Brentano: Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl 19
E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi 24
Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche 27
Judenbuche als Novelle??? 29
Litaturverzeichnis
Theorie der Novelle
A) Der Name: Herkunft, Bedeutung, Gebrauch
Anfänge der literarischen Novelle: anonym verfasste Biographien der altprovenzalischen Troubadoure aus dem 13. Jahrhundert. Die aus den Troubadour-Gedichten zusammengestellten Biographien erzählen Neues, nicht selten Außergewöhnliches, Geschichten von nicht alltäglichen Liebeserfüllungen und tragischen Verwicklungen.
Neu und aufregend zur Zeit ihrer Verbreitung: Bekenntnis zum persönlichen Schicksal, zum Erleben des einzelnen, dessen Glück durch mißliche äußere Entwicklungen gefährdet ist
Italienische Frührenaissance: aus den Toubadour-Biographien entwickelte sich die Novelle, abgeleitet aus dem italienischen Wort ,,novella" für ,,Neuigkeit"
Urbild des Genres: Giovanni Boccaccios zwischen 1349 und 1353 entstandener Novellenzyklus Decamerone.
Neben zahlreichen Novellendichtungen in Italien entstanden im Einflussbereich des Decamerone u.a.;
Canterbury Tales von Chaucer (1391-1399)
Heptaméron von Margarete von Navarra (1559 posthum veröffentlicht)
Novelas ejemplares von Cervantes (1612)
Die Novelle avancierte zur populärsten Erzählform der Neuzeit
In Deutschland bürgerte sich der Begriff ,,Novelle" erst relativ spät ein, auch wenn novellistisches Erzählen früher nachweisbar ist. Bsp.: Der arme Heinrich (Hartmann, zwischen 1185 und 1195), Moriz von Craûn (anonym, zwischen 1180 und 1190)
Lessing gab den Cervantes Titel 1751 noch mit ,,Neue Beispiele" wider (unzutreffend),
Wieland verwendet den Begriff Novelle 1764 ausdrücklich in seinem Don Sylvio von Rosalva
Goethe hat den Begriff in den von Boccaccio angeregten Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten von 1795 nicht verwendet; erst 1827 wählt er dann die Gattungsbezeichnung als Titel für eine als mustergültig für das Genre empfundene Prosa-Erzählung.
Mit dem Novellenbegriff konkurrierten in der Goethezeit und später ,,Historie", ,,Geschichte", ,,Erzählung" u. a.
B) Novellentheorie
Wieland hebt vor allem die Kürze hervor und verweist im Vergleich mit den großen Romanen auf die Simplicität des Plans und den kleinen Umfang der Fabel; im Gegensatz zum Märchen hat sich die Novelle ,,in unserer wirklichen Welt begeben"
Goethe beschreibt zentrale Struktur der Novelle: ,,denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit"· Dominanz des Ereignishaften, Außergewöhnliches des Erzählten; Abgrenzung zum Roman: Standen dort die Personen und die Möglichkeiten personaler Einflussnahme auf die Geschehnisse im Vordergrund, so scheint in den Novellen mehr das Ereignis, die Begebenheit zu dominieren und den Einfluss des einzelnen zurückzudrängen; Vorrang des Objektiven.
Auffällig bei Wieland und Goethe: das Thematische wird nicht näher bestimmt · deutscher Sonderweg (Decamerone befasst sich vornehmlich mit der Liebe) · die am Strukturellen orientierte Theoriebildung setzt sich in der Romantik fort.
Friedrich Schlegel: Novelle lebt aus der Spannung zwischen Subjektivität und Objektivität. Aus romantischer Sicht drückt die Novelle die Einheit des Mannigfaltigen aus sowie die organische Verbindung von Subjektivem und Objektivem, Individuellem und Sozialem.
[...]
Arbeit zitieren:
Florian Schaffelhofer, 2002, Die Novelle, München, GRIN Verlag GmbH
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