1. Einleitung
In unserer Arbeit über die Sprachentwicklung des Grundschulkindes möchten wir zunächst erwähnen, welche Be-deutung der mündliche Sprachgebrauch im Deutschunterricht hat.
Danach werden wir auf die Sprache des Kindes eingehen, wobei wir speziell die Phasen der kindlichen Sprachentwicklung sowie das erste und zweite Stilalter nach Pregel erläutern möchten.
Als Nächstes werden wir ein Interview zitieren und analy-sieren, das wir mit zwei Grundschulkindern gehalten haben.
Als Letztes möchten wir dann noch einige Möglichkeiten zur gezielten schulischen Förderung der mündlichen Kommunikation im Deutschunterricht aufzeigen.
2. Der mündliche Sprachgebrauch im Deutschunterricht
Im aktuellen Lehrplan Sprache von 1985 gibt es die vier Oberbegriffe: „Mündlicher Sprachgebrauch“, „Schriftlicher Sprachgebrauch“, „Umgang mit Texten“ und „Sprache untersuchen“.
Der „Mündliche Sprachgebrauch“ spielt ganz am Anfang der Schulzeit die größte Rolle im Deutschunterricht, denn die meisten Kinder können noch nicht lesen und schreiben, aber reden können alle schon.
Die Kinder bringen zum Schuleintritt eine bereits individuell entwickelte Sprache mit. „Wichtige Schritte der Sprachentwicklung sind vor Eintritt in die Schule bei allen Kindern bereits vollzogen.“ (Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in NRW: Sprache. Unveränd. Nachdr. von 1985. Düsseldorf: Verlagsgesellschaft Ritterbach mbH 1996, S. 22.)
Nicht alle sprechen Hochdeutsch. Oft ist der Dialekt ver-breitet. Dieser sollte den Kinder nicht „aberzogen“ werden, sondern er sollte in den Unterricht eingebaut werden.
Für Kinder, die nicht Deutsch als ihre Muttersprache erlernt haben, ist es sehr schwierig, sich diese Sprache genauso wie deutsche Kinder anzueignen. Es kann
daher sein, dass sie dies „nur mit einem grösseren Zeitaufwand erreichen können“ (ebenda, S. 23.).
„Das Hauptgewicht“ des Deutschunterrichts sollte „auf die gesprochene Sprache gelegt werden“ (Bartnitzky, Horst/
Wittenbruch, Wilhelm (Hg.): Kommentar zum Lehrplan Sprache. Heinsberg: Agentur Dieck 1986 (Kurzkommentar zu den Lehrplänen für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen), S. 32.).
Der Lehrer gilt vor allem beim mündlichen Sprachunter-richt als Vorbild in Aussprache und Stil.
Durch die vielen neuen Situationen im Klassenleben (neue Mitmenschen kennenlernen, Aufgaben bewältigen, mit anderen Freude und Streit erleben) bereichert sich die Sprachfähigkeit der Schüler wie von selbst. Wichtig ist dann, als Lehrer fördernd anzusetzen, denn gerade zu Beginn der Schulzeit müssen die Kinder dazu angeregt werden, ihre Bedürfnisse und Sorgen verbal auszudrücken. Nur so kann auch ein harmonisches Miteinander in der Klassengemeinschaft erzielt werden, denn „Sprache ist eine symbolische Form sozialen Handelns und für die Verständigung unverzichtbar“(ebenda, S. 30.).
3. Die Sprache des Kindes
Das Sprechen lernen ist für Kinder wohl eine der schwierigsten Fertigkeiten, die sie sich je aneignen müssen, denn neben dem sinnvollen Verbinden von Lauten müssen sie auch noch wissen, was das Gesprochene be-deutet. Für gewöhnlich lernen Kinder mit etwa einem Jahr erste Worte wie „Mama“ und „Papa“ zu sprechen. Davor „gurren“ oder „lallen“ sie meist nur, um sich auszudrücken.
Die Fähigkeit, kleine Sätze zu bilden, erwirbt das Kind etwa mit 1 1/2 Jahren. Die „Babysprache wird“ oft „beibehalten, bis das Kind anfängt, mit anderen Kindern zu spielen“ (Hurlock, Elizabeth B.: Die Entwicklung des Kindes. Deutsche Bearbeitung von Barbara und Hubert Feger. Weinheim: Beltz Verlag 1970, S. 169.).
Bei Schuleintritt wird das Kind mit neuen Situationen und neuen Menschen konfrontiert. Es muss seinen Wortschatz erweitern, um sich mit den anderen verständigen zu können.
Wenn die folgenden drei Bedingungen für ein Kind ge-schaffen sind, so kann es seine Muttersprache ohne Schwierigkeiten erlernen:
1. Es wird die „Möglichkeit zu üben“ gegeben, das heißt, dass sich die Eltern intensiv mit dem Kind beschäftigen und mit ihm reden, zum Beispiel Worte immer wieder vorsprechen.
2. Es wird „die Motivation zu lernen“ gegeben. Dies können Eltern erreichen, indem das Kind, wenn es ein Bedürfnis nach etwas hat, es erst aussprechen muss, um es zu bekommen. Das Kind wird zum Sprechen angereizt. 3. Es wird „die Anleitung zum Lernen“ gegeben. Wenn das Kind etwas falsch ausspricht, sollten die Eltern es gleich verbessern und nicht darauf hoffen, dass sich dieser Sprachfehler von alleine verflüchtigt oder dass er von einer Lehrperson verbessert wird. (ebenda, S. 169.)
Beginnt das Kind erst einmal Worte zu sprechen, so entwickelt sich seine Sprache von Tag zu Tag aufs Neue. Es lernt immer wieder neue Worte und grammatische Regeln, um sich verständlich zu machen.
Die Entwicklung der Sprache jedes einzelnen Menschen endet erst, wenn er tot ist, solange lernt er immer noch dazu. 3.1 Die Phasen der kindlichen Sprachentwicklung
Das Kind durchläuft mehrere sehr unterschiedliche Phasen bis seine Sprachfähigkeit größtenteils entwickelt ist.
Dabei kann man von vornherein schon einmal in das Alter vor und das Alter ab Schuleintritt unterteilen.
Die erste Phase im menschlichen Leben besteht aus Schreien, was schon gleich nach der Geburt beginnt. Es ist die erste Möglichkeit des Kindes mit seiner
Außenwelt zu kommunizieren. Es drückt so Hunger, Angst, Schmerzen und anderes Unbehagen aus.
„Ab der 10. Lebenswoche treten auch Schreilaute...auf“ (Völkl, Franz (Hg.): Entwicklungspsychologie. Paderborn: Ferdinand Schöningh 1980 (Pädagogische Psychologie: Band 2), S. 48.) wenn das Baby sich freut. Etwa ab dem zweiten Monat beginnt das Lallen. Der Säug-ling brabbelt oder gurrt, dem Erwachsenen unverständliche, Laute und trainiert so seine Sprechmuskulatur. Wenn nun die Eltern die Töne ihres Kindes durch Lächeln oder ähnliches bestätigen und zudem noch andere Laute von sich geben, so animiert dies das Baby jene neuen Laute zu imitieren.
In der dritten Phase lernt das Kind langsam einzelne Worte der Erwachsenen zu verstehen, etwa indem der Sprecher auf etwas zeigt und es dann namentlich nennt. Sprachverständnis besitzt das Kleinkind erst, wenn es ohne solche Hinweise Worte versteht.
„Zwischen 3/4 und zwei Jahren“ (ebenda, S. 48.) beginnt der kleine Mensch mit sogenannten „Einwortsätzen“, mit denen er seine Wünsche vermittelt. Dieses Stadium hält mehrere Monate an.
Wenn das Kind mehrere „Einwortsätze“ aneinander reiht, hat es die Phase der „Mehrwortsätze“ erreicht, die mit dem ersten Fragealter verbunden ist, in dem es die Er-wachsenen immerzu fragt, wie der Name eines Gegen-standes ist. „Der Wortschatz wird“ (ebenda, S. 49.) so schnell vergrößert. In der sechsten Phase, die ungefähr ab dem dritten Lebensjahr beginnt, fängt das Kind an, die „Deklination, Konjugation und Komparation“ (ebenda, S. 49.) zu benutzen.
Die Hauptsätze herrschen beim Sprachgebrauch eindeutig bis zum vierten Lebensjahr vor. Aber ab dann gliedert das Kind auch in Haupt- und Nebensätze.
Arbeit zitieren:
Viola Draude, 2000, Die Entwicklung der Sprache beim Grundschulkind - Eine Analyse und Aufzeichnung von Möglichkeiten schulischer Förderung, München, GRIN Verlag GmbH
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